Leise webt den Segen: Wochenende in Bildern 7./8. März 2020

Das Wetter war grau, feuchtkalt und regnerisch, die Kinder waren krank. Trotzdem sind wir am Samstag Mittag aufs Land gefahren und haben es uns schön gemacht. Und wer hätte es gedacht: Der Frühling kündigt sich auch hier schon an.

Ich habe für dieses Wochenende ein Gedicht der bayerischen Volksdichterin Emerenz Meier ausgewählt, weil man es auch als Hoffnungsgedicht für die Frauenbewegung lesen kann, wenn man will. Besonders die letzte Strophe. Schließlich ist ja heute der 8. März, der internationale Frauentag.

Blumenschmuck in unserer Küche: weiße Tulpen und Weidenzweige. Die Zweige hat mein Mann auf dem Müll gefunden, noch in Papier vom Blumenladen gehüllt. Wer wirft so etwas weg?

Vorfrühling

Da draußen rauscht der Regen,
Der Wind braust überm Land;
Doch leise webt den Segen
Des neuen Lenzes Hand.

Sie lockt aus Strauch und Bäumen
Der Knospen grünen Schein,
Sie schmückt mit lichten Säumen
Der Wälder düstre Reih’n.

Sie webt schon an dem Kleide
Der stillen Erdenbraut,
Die bald zu aller Freude
Dem Frühling wird getraut.

Mag jetzt der Sturm nur tosen,
Er knickt die Hoffnung nicht.
Bald winken uns die Rosen
Und blüh’n Vergissmeinnicht.

(Emerenz Meier, 1874-1928)

Samstag, der 7. März 2020

Die Kinder sind beide krank; sie waren Freitag auch nicht in der Schule. Besonders die kleine Tochter hat fiesen Schnupfen und Husten. Mein Mann ist seit Donnerstag schon auf dem Land, um zu arbeiten. Wir wollen heute Mittag mit dem Zug hinterher fahren.

Weil die Kinder es so lieben, gibt es heute für sie Frühstück im Bett und Harry Potter vorgelesen. Wir sind mittlerweile am Ende des dritten Bands angekommen.

Weil die kleine Tochter zu erschöpft und außerdem eventuell ansteckend ist, beschließen wir, die Geigen-Gruppenstunde ausfallen zu lassen.

Die Tochter liegt ermattet auf dem Sofa, die Große liest oben in ihrem Zimmer.

Ich nutze die Zeit, räume und putze ein wenig und stelle neue Blumen auf. Weil ich für die Zugfahrt später etwas zum Knabbern brauche, backe ich schnell ein Blech Paleo-Cracker ohne Mehl (der Link führt zum Rezept hier auf dem Blog). Ich esse ja jetzt in der Fastenzeit Paleo. Die Cracker sind super lecker, voll kross und schmackhaft, und schmecken besonders gut mit dem pikant-exotischen Karotten-Kürbis-Dip aus dem Rezept.

Sesam-Kürbiskern-Cracker mit Rosmarin, nur mit Mandelmehl gebacken, also vegan, low-carb, ketogen und Paleo. Und sehr, sehr lecker.

Als die Kleine mich später die Terrassentür putzen sieht, möchte sie auch unbedingt Fenster putzen.

Ich gebe ihr die Utensilien in die Hand und lasse sie machen. Das Vorhaben scheint ihr Energie zu schenken; sie putzt ganze drei Fenster und singt dabei selbst ausgedachte Lieder. Allerliebst: „Sprüh-sprüh… wisch-wisch… putz-putz…“

Danach sinkt sie wieder erschöpft aufs Sofa. Ich packe unseren Krimskrams zusammen und los geht’s zum Bahnhof.

Auch auf der Zugfahrt lesen wir Harry Potter. Und zwar die ganze spannende Enthüllungsstelle am Ende des Buches, als Sirius Black sich als der Gute entpuppt. Das Großraumabteil ist nur spärlich besetzt, trotzdem lese ich natürlich mit zurückhaltender Lautstärke, sicher nicht lauter als ein leises Gespräch. Dennoch tippt mich die Dame hinter uns an und beschwert sich, sie könne gar nicht lesen, wenn ich hier so laut spräche. Ich bin etwas erschrocken, entschuldige mich und dämpfe meine Stimme noch mehr.

Da werden Stimmen aus den anderen Reihen laut: „Jetzt verstehen wir gar nichts mehr! Bitte lesen Sie ein wenig lauter, wir sind hier auch Harry-Potter-Fans!“ Einige Fahrgäste lachen. Die Dame hinter uns sucht sich beleidigt einen anderen Platz – in der Tat sind ganze Abteile frei, so dass sie kein Problem hat, einen ganz stillen Platz zu finden. Ich grinse und lese wieder ein wenig lauter.

Als wir aussteigen müssen, ernte ich begeisterte Blicke und zwei laute „Danke für die schöne Unterhaltung!“ Tja, Harry Potter verbindet die Menschen.

Im Haus auf dem Land angekommen, freue ich mich beim Rundgang übers Grundstück an den Frühblühern und Frühlingsblümchen, die hier aus dem Boden schauen.

Die Schlüsselblümchen sind schon da.

Diese schöne alte Zuckerdose habe ich auf eBay für einen Euro ersteigert. Sie macht sich hier wunderbar.

Wir machen eine schöne Mittagspause. Danach spielen die Kinder oben im ausgebauten Dachboden, mein Mann und ich hören in der Küche Musik und kochen ein schönes Abendessen zusammen.

Feldsalat und frischer Dill

Ein Abendessen ganz nach meinem Geschmack: Möhren mit frischem Dill, ein Salat aus Feldsalat und jungem Spinat mit frischem Knoblauch, und dazu ein feines Kabeljau-Filet, mit Zitronensaft und Zitronenschale mariniert. Für die Kinder und meinen Mann, die nicht Paleo essen, gibt es dazu noch Kartoffelbrei.

Dann schauen wir noch alle zusammen einen Film aus der arte-Mediathek: Die Ostsee, Sehnsuchtsort der Kraniche. Die Töchter und ich machen uns einen Spaß und moderieren die Stellen mit den Kranichen selbst. Wir erfinden die Kranich-Familie Friedemann, Elfriede, Fridolin, Friedi, Frodo und Frudo: „Hier sehen Sie Kranich-Vater Friedemann und seine schöne Gattin Elfriede. Sie erkunden das Land nach einem geeigneten Ort für ihre große Party…. hier ist die Party schon im vollen Gange. Alle hundert Gäste bedienen sich am reichhaltigen Buffet, bestehend aus Würmern, Maden und anderem Kriech-Getier….“ Wir übertreffen uns in aberwitzigen Interpretationen der gezeigten Szenen und kichern, bis der Film zu Ende ist.

Mein Mann und ich gehen nochmal mit dem Hund spazieren. Es ist stockdunkel, aber plötzlich kommt der fast volle Mond hinter den Wolken hervor und wirft Schatten und helle Streifen in den Wald. Es ist vollkommen still und total magisch. Man fühlt fast den Geist von Ostara, der heidnischen Frühlingsgöttin.

So mond- und Vorfrühlingsnacht-trunken gehen wir dann auch zufrieden ins Bett.

Sonntag, der 8. März 2020

Der Boden ist heute früh noch überfrostet. Die kleine Tochter und ich ziehen nur die Jacken über die Schlafanzüge und freuen uns an dem Glitzern der Eiskristalle in der Morgensonne auf der Wiese gegenüber vom Haus. Die Tochter genießt es, dass die Schritte so seltsam knirschen.

Kleine Schönheiten auf dem Boden

Die Tochter sammelt Glitzer-Zweige:

Auch der Hund hat Spaß draußen. Dabei ist es noch nicht mal 8.

Die Tochter fischt diese kleine Eisplakette aus der Wassertonne.

Bevor wir ins Haus gehen, nehmen wir noch ein paar Armvoll Holz zum Heizen mit rein.

Die Hände am Ofen wärmen.

Mein Mann hat Blumen zum Frauentag gekauft. <3

Wir kuscheln uns nochmal ins Bett. Die Kinder bekommen wieder Frühstück ans Bett und wir lesen Harry Potter. Weil ich leider seit 4 Uhr morgens wach bin, schlafe ich nochmal ein und wache erst gegen 10 Uhr wieder auf. Herrlich.

Zum Mittagessen gibt es Lammfilet mit Kräuter-Marinade, Feldsalat und, extrem lecker: Kohlrabi-Stifte, im Ofen gegrillt mit Tahini und Sesam. Ich esse die ganze Schüssel leer.

Nach der Mittagspause pflanze ich mit der kleinen Tochter ein paar Blumenzwiebeln auf dem Grundstück ein. Ich buddle die Zwiebeln ein, sie gießt. Ich bin gespannt, ob die Blumen hier im sandigen Boden aufgehen.

Die Große amüsiert sich auf der Schaukel.

Der Nachmittagshimmel ist verhangen blau-rosa.

Die Kinder sind schon um 17 Uhr total müde. Die Große badet und schafft es danach vor Müdigkeit kaum aus der Wanne. Gut, dass wir beschlossen haben, noch bis morgen hier zu bleiben. Die Kinder würden wegen Krankheit ohnehin nicht zur Schule gehen, und mein Mann konnte seine Arbeit delegieren.

Mein Mann fängt an, den vierten Harry Potter-Band vorzulesen, während ich den Kindern schnell Abendbrot-Teller zurecht mache. Sie essen es auf dem Sofa und wanken danach hoch ins Bett, so dass sie bereits um 19 Uhr schlafen.

Wir schauen jetzt noch etwas auf arte und gehen dann ganz sicher auch früh ins Bett. Absoluter Eltern-Luxus.

Ich habe für mich auch den Frauentag begangen. Ich habe über mich, meine Lebensentscheidungen, meine Rolle als Frau in der Gesellschaft, meine Beziehung zu mir und meinem Körper nachgedacht. Und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich wirklich eine starke Frau bin. Ich gehe mein Leben lang schon an und über meine Grenzen, habe mich aus allem Möglichen rausgeboxt, habe trotz 60% Schwerbehinderung zwei Kinder bekommen und bin die Hauptverdienerin in unserer Familie. Ich habe mich nie aufhalten lassen, wenn ich etwas wollte. Ich habe keine Ängste und finde immer einen Weg, egal wie aussichtslos manche Situationen scheinen. Ich brauche definitiv keine männliche Schulter zum Anlehnen, weil ich mich etwa schwach fühle. Ich würde emotional allein gut klar kommen. Aber mit Partner ist natürlich alles schöner und einfacher 🙂 <3

Ich hoffe, auch Ihr seid im Großen und Ganzen zufrieden mit und stolz auf Euch. Viele Frauen sind ja nie zufrieden. Auch ich nicht, und das ist ja auch gut so: Es treibt uns an, weiter zu machen. Auch ich habe noch Ziele und Ideen, Pläne und Projekte. Aber ich versuche, meine Schritte in die richtige Richtung zu lenken, und das ist es ja, was beflügelt und froh macht. Und ich freue mich, wenn Ihr mich auf diesem meinem Weg weiter begleitet.

Alles Gute zum Frauentag! Seid mutig, findet heraus, was Euch gut tut, was Eure Stärken sind, und nehmt Euch, was Ihr braucht!

Alles Liebe,

Eure Maike

Weitere Wochenenden in Bildern wie immer bei Große Köpfe.

Facebookpinterestmail

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen herzlichen Dank für die Einblicke in eure Wochenenden! Ich freue mich jeden Montag darauf. Dieses Mal habe ich eine Bitte: könntest du bitte das Rezept für die Kohlrabistifte mitteilen? Die sehen wirklich äusserst lecker aus! LG Barbara

    • Liebe Barbara, das Rezept ist ganz einfach. Ich habe es aus dem Kochbuch „Paleo-Power for life“ von Nico Richter von Paleo360.
      Ofen auf 180°C vorheizen und ein Backblech mit Backpapier belegen. Du schneidest die Kohlrabi in Stifte von ca. 1 cm Durchmesser und gibst sie in eine Schüssel. In der Pfanne Olivenöl oder Kokosöl schmelzen lassen, ca. 2-3 EL Tahini (Sesampaste) dazugeben. Die Öl-Tahini-Mischung zu den Kohlrabistiften geben, ca. 2 EL Sesamsamen dazugeben und alles gut mischen. Evtl. ein bisschen salzen. Dann alles auf das Backblech geben und ca. 15-20 min im Ofen backen.
      Uns hat es super geschmeckt!

Schreibe einen Kommentar


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.