Auf Blumenauen standen sie verzückt: Wochenende in Bildern 25./26. Juni 2022

Wir waren auf dem Land und es hat geduftet und geblüht. Wirklich, es riecht draußen so herrlich nach Blüten und frischem Gras, nach Heu und frühem Sommermorgen, dass es einfach eine Lust ist.

Ich liebe den Juni hier im Nordosten. Es ist eine so lichte, sinnestrunkene Zeit, in der man einfach lebendig sein möchte. Es ist hier eine ganz andere, fast skandinavische Helligkeit, die ich aus Süddeutschland, wo ich ja aufgewachsen bin, nicht kenne. Hier wird es gefühlt erst gegen 23 Uhr dunkel.

Quelle: Tagebuch der Edith Holden

Auch ich wünschte, die Zeit stünde ein wenig still, und der Juni würde noch länger dauern. Doch die Wiesen werden schon gemäht, das Obst schwillt an den Bäumen. Ehe wir uns versehen, ist es Herbst, obwohl der Sommer gerade erst begonnen hat.

Freitag, der 24. Juni 2022 – Johanni

Zum heutigen Johanni-Tag schmücke ich das Haus mit Blumen. Am Abend wollen wir ein Feuer machen und ein Räucherbündel darin verbrennen, mit Wünschen für das nächste halbe Jahr.

Morgenstimmung mit Bodennebel (Tau) um sechs Uhr morgens. Ich bin mit den Hunden unterwegs. Eine warme, lichte Stimmung herrscht am diesjährigen Johanni-Tag.

Die Kühe starren im Morgentau vor sich hin.

Beim Gang übers Grundstück: Wiesen-Skabiosen mit allerlei Insektengetier darin. Lebenslust auch bei den Krabbeltierchen. Übrigens: Wenn Ihr insektenfreundliche Blumen pflanzen wollt, pflanzt Wiesen-Skabiosen und Acker-Witwenblumen. Bei uns sitzt in jeder einzelnen Blüte mindestens ein Insekt oder Schmetterling.

Die dicken rosa Duftrosen blühen im vorderen Garten. Eine dicke, die gerade aufblüht, kommt ins Bad und darf dort ihren zarten Duft verströmen.

In die Küche stelle ich wilde Malven und Graukresse, alles aus dem Garten.

Auf den Esstisch kommen auch Rosen, blauer Natternkopf und diese nelkenartigen weißen Blumen, deren Namen ich nicht kenne.

Update: Leserin Simone wies mich darauf hin, dass es sich bei den weißen Blumen um taubenkröpfiges Leimkraut handelt. Danke, Simone!!!

Ich habe am Feldweg noch herrlich duftende Holunderblüten gefunden. Die werden für eine besondere Teemischung getrocknet.

Es ist super heiß, um die 32°C im Schatten. Wir fahren zum See. Die große Tochter bleibt im Haus. Sie kann Wärme/Hitze nicht gut aushalten; außerdem kuriert sie gerade noch ihr Covid aus. Sie ist schon seit 12 Tagen erkältet mit Halsweh, Husten und Müdigkeit zu Hause, hat aber in den ersten Tagen immer negativ getestet.

Erst letztes Wochenende, als ich in Stuttgart war, fühlte sie sich schlechter und hatte dann am Samstag Abend einen positiven Selbsttest. Der Test in der Teststation am Montag war allerdings wieder negativ (??!). Nach einem deutlich positiven Selbsttest am Montag Abend zu Hause und Geschmacksbeeinträchtigungen des Kindes machten wir dann am Dienstag einen PCR-Test. Ergebnis: positiv, jedoch mit sehr niedriger Virenlast. Das heißt, seit Dienstag ist die Krankheit wieder auf dem Rückzug. Heute ist sie aber noch nicht 100% gesund und möchte nicht mit an den See.

Bisher hat keiner von uns anderen Symptome oder positive Tests. Hoffentlich bleibt das so.

Die kleine Tochter kann es kaum erwarten, ins Wasser zu kommen. Sie schwimmt und schwimmt und taucht und schwimmt.
Das Wasser ist noch frisch, aber tut so gut. Ich schwimme auch lange und blödele mit der Tochter im Wasser herum. Sie kann noch so spielerisch sein. So schön.

Auch gut sind die herrlichen Pommes und das Eis vom Kiosk, die wir uns zum Mittagessen holen.

Später zu Hause brauchen wir den Rasensprenger, um überschüssige Hitze loszuwerden. Wir hüpfen leicht bekleidet durchs Wasser, kreischen und fühlen das Leben in uns.

Spaziergang gegen Abend.

Wir sammeln Farn, Blumen und Kräuter für unseren Johanni-Strauß, den wir im Feuer verräuchern wollen.

Unser Johanni-Strauß mit neun verschiedenen Blumen und Kräutern: Johanniskraut, Königskerze, Natternkopf, Melisse, Rosmarin, Salbei, Wiesenkerbel, Graukresse und Schafgarbe. Je nach Region sind angeblich ganz bestimmte Kräuter im Strauß vonnöten. Aber natürlich sind genau die Kräuter und Blumen die richtigen, die in der Umgebung zu finden sind. Wenn man die Wahl hat, nimmt man duftende (z.B. Salbei, Rosmarin…), heilsame (Johanniskraut), besonders auffällige (Königskerze) und/oder farbenprächtige Blumen (z.B. Natterkopf, Rose).

Der Strauß wird im Feuer verräuchert. Dabei schicken wir alle stumm persönliche Wünsche in den Himmel, in die Energie des Feuers und der Pflanzen. Es duftet gut und wir bleiben noch ein Weilchen sinnierend am Feuer sitzen.

Am Abend gewittert es noch. Wundervoll. Was für eine tolle Energie dieser lichtvolle Tag hatte!

Samstag, der 25. Juni 2022

Heute ist es bewölkt, aber trotzdem warm.

Die Rosen in unserem Garten.

Sie sind schon am Verblühen. Der Juli ist nah.

Hornklee, Weißklee und Gänseblümchen.

Die kleine Tochter malt eine grobe Skizze für das Modellhaus, das sie ab Montag bauen wird. Ihre Klasse startet mit der Hausbau-Epoche. Die Kinder dürfen bauen, was sie wollen – ein Baumhaus, ein Hausboot, einen Wolkenkratzer, eine Holzhütte…

Unsere Tochter möchte ein Haus mit Rutsche und Pool bauen. „Ich mache es in der Grundform ganz einfach, dann habe ich noch genügend Zeit zum Verzieren, für die Pool und vielleicht für Möbel!“ sagt sie. Schlaues Kind.

Mein Mann bespricht mit ihr, was sie an Materialien braucht, da wir heute noch besorgen könnten, was fehlt. Wir finden Holzreste und anderes im Schuppen. Die Tochter möchte nicht, dass wir etwas neu kaufen, das Haus soll ganz aus Materialien sein, die wir noch haben. „Ein Recycling-Haus!“ sagt sie. Die Rutsche soll aus Birkenrinde sein. Die wollen wir im Wald sammeln.

„Ich möchte mein Haus weiß anmalen“, sagt die Tochter. Deswegen wird ein dicker Klecks Weiß aufs weiße Papier gemacht und alle vier Skizzen sorgfältig weiß angepinselt. Ich find’s toll. Weiß ist schließlich nicht gleich Weiß. Ich selbst hätte das Weiß Weiß gelassen und nicht extra noch weiß angemalt. Aber die Tochter nimmt es genau.

Frühstück. Die Große darf nach negativem Test endlich wieder mit uns essen. Sie hat sich in den letzten Tagen aber sowieso nicht nach Essen am Tisch gefühlt. Sie hat viel geschlafen, gelesen und gelegen. Heute ist es aber deutlich besser. Man merkt, dass sie gesundet.

Ausflug zu einem Gutshaus mit kleinem Wildtier-Museum und Naturlehrpfaden. Das Museum hat leider geschlossen, aber das Gelände ist trotzdem toll. In diesem Insektenhotel herrscht sogar ein wenig Verkehr. Ist ja nicht selbstverständlich. Ich sehe in Berlin überall Insektenhotels, aber nirgends habe ich jemals ein Insekt in einem gesehen. Hier schon.

Es gibt eine tolle Schaukel und viele herrliche Kirschbäume.

Noch toller sind aber die Wiesen auf dem Heimweg. Hier wächst hinten Dinkel und am Rand des Feldes ein riesiges Meer von Kornblumen, Mohn, Kamille und anderen prächtigen Wildblumen. Seltsamerweise sind kaum Insekten da, dabei sind hier doch so viele wunderbare Blumen.

Die Tochter und ich pflücken dicke Sträuße Wildblumen. Für die Klassenzimmer der Töchter und für uns zu Hause.

„Auf Blumenauen standen sie verzückt“.

Das im Hintergrund ist keine gemähte Wiese, sondern ein Dinkelfeld. (Danke, Simone, für die Aufklärung über die Getreidesorten; siehe Kommentare!)

An diesem Feld (wahrscheinlich Roggen, danke, Simone!) pflücke ich nur ein paar Halme, um den Kindern den Unterschied zwischen den verschiedenen Getreidearten zu zeigen. Ein paar Minuten später sieht mein Unterarm so aus:

Es juckt, und es bilden sich Pusteln. War es ein Ackergift? Oder bin ich einfach gegen das Getreide allergisch? Keine Ahnung. Zu Hause wasche ich den Arm gut ab und tue mein selbst gemachtes Johanniskrautöl drauf. Nach kurzer Zeit sind die Pusteln verschwunden, und es juckt nicht mehr.

Die toxischen Getreide-Ähren habe ich vorsichtshalber weggeworfen. Die Kornblumen mit ihrer tollen Farbe leuchten in der Nachmittagssonne. Rechts unten sieht man Hafer, rechts oben Dinkel.

Es ist heiß und schwül, kaum auszuhalten. Es donnergerollt von ferne.

In der tollen Stimmung vor dem Gewitter machen wir alle zusammen noch einen Spaziergang. Die Mädels laufen auf dem Rückweg immer schneller, denn es hat angefangen zu tröpfeln und zu blitzen.

Wir kommen aber noch vor dem Regen zu Hause an.

Während es draußen wunderbar gewittert, schauen mein Mann und die Kinder einen Film zu Ende, den sie letztes Wochenende angefangen haben. Ich stempele im Esszimmer mit Mohnkapseln, die wir heute gefunden haben. Das macht solche Freude.

Wir freuen uns alle, nach diesem Tag ins Bett zu kommen. Wir gehen alle früh schlafen.

Sonntag, der 26. Juni 2022

Ich schneide das Roggen-Sauerteigbrot auf, das ich gestern gebacken habe. Es ist immer spannend zu sehen, wie sich die Krume entwickelt hat, aber man soll ja immer warten, bis das Brot ganz ausgekühlt ist.

Dieses Brot duftet intensiv. Die Krume ist regelmäßig und feucht. Ich habe für den Teig ein Sauerteig-Anstellgut meiner Mutter verwendet, das sie mir letzte Woche mitgegeben hat. Ich bin zufrieden, aber ein bisschen mehr Triebkraft hätte nicht geschadet. Ein paar Bröckelchen Hefe hätten dem Teig vielleicht gut getan.

Wenn ich überhaupt frühstücke, frühstücke ich gern das: Wachsweiches Ei und aromatisches Vollkornbrot mit Butter dazu. Am liebsten zum Eintauchen. Dazu natürlich Earl Grey Tee mit Milch. Ein Genuss.

Der Himmel ist wieder blau, wieder soll es heiß werden. Die Sonne steht hoch.

Wegen Rückreiseverkehr von der Ostsee beschließen wir, gleich nach dem Frühstück zurück nach Berlin zu fahren. Auch, damit die Kinder sich gut in die letzte Schulwoche eingrooven können.

Und so liegt nun schon die letzte volle Schulwoche vor uns. Nächstes Wochenende sind wir auf Klassenfahrt mit allen Familien der Klasse unserer jüngeren Tochter.

Darauf freue ich mich schon, aber noch mehr freue ich mich auf die letzten Tage Arbeit allein zu Hause. Ich arbeite ja ausgesprochen gern und bin auch gern allein. Seit der Pandemie, und besonders im letzten halben Jahr aus anderen Gründen, musste ich sehr, sehr viel auf meine geliebte Arbeits- und Alleinezeit verzichten. Deswegen möchte ich das diese Woche noch ein bisschen auskosten.

Und dann sind hier schon Sommerferien. Wir haben bisher nur grobe Pläne. Mein Mann hat noch nichtmal fest Urlaub genommen. Wir planen einen Urlaub an der Ostsee, die genaue Zeit steht aber noch nicht fest, und einen Besuch bei meiner Mama in Stuttgart. Außerdem fahre ich mit der kleinen Tochter wieder eine Woche auf Geigenworkshop, wie schon letztes Jahr, und wir machen unsere traditionelle Mama-Tochter-Reise nach Stralsund.

Ich hoffe, Du hast das heiße Wochenende auch gut überstanden! Hoffentlich hast Du Abkühlung gefunden. Vielleicht gab’s ja auch bei Euch ein Gewitter?

Davon hört gern in den Kommentaren und grüßt Dich ganz lieb mit besten Wünschen für die kommende Woche,

Deine Maike

Andere Wochenenden in Bildern wie immer hier, bei Große Köpfe.

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Maike, bei mir ist es grad umgekehrt, ich liebe den Norden und würde so gerne mal wieder hinfahren… da wo ich wohne ist Hügelland und der bayrische Wald ist nah, aber auch keine richtigen Berge, so wie in den Alpen; )
    Es hat viel fruchtbares Ackerland und ich bin auf einem Bauernhof mit Getreideanbau groß geworden. Auch derzeit leben wir inmitten von Getreidefeldern. Ja, Roggen ist größer, hat größere Ähren und längere Grannen. Mittlerweile gibt es sogar eine Kreuzung aus Weizen und Roggen, die nennt sich Triticale und wird bei mir in der Gegend häufiger angebaut. Ich meinte das weizenähnliche Gtreide auf einem deiner Bilder, das ist Dinkel. Ich finde interessant, dass der bei euch angebaut wird, den baut hier nämlich,ich niemand an. Ich muss immer deine wunderschönen Aufnahmen bewundern, ich wünschte, ich könnte so fotografieren. Deshalb lese/ schaue ich so gern hier vorbei. Wenn du uns mit deinen Bildern mit zu euch aufs Land oder auch nach Berlin mitnimmt, ist das auch wie eine kleine Reise und ein Blick über den Tellerrand. So schön! Alles Liebe für euch und einen schönen Start in die Sommerferien.

    • Liebe Simone, tausend Dank! Ja, ich habe inzwischen herausgefunden, dass der „Roggen“ auf meinen Bildern Dinkel ist! Ich dachte immer, Dinkel sei so golden rundlich wie Weizen! Mein Vater kannte sich sehr gut mit Getreide aus, aber eher mit den Körnern zum Verarbeiten/Kochen/Backen für die Vollwertbäckerei, denn er hat in den 1980ern Vollwert-Koch- und Backbücher sowie Ratgeber verlegt. Daher habe ch auch meine rudimentären Getreide-Kenntnisse 🙂 Aber ich freue mich, das mal auf den aktuellen Stand zu bringen. Ihc habe das im Beitrag auch schon korrigiert. Vielen lieben Dank an Dich!!!

  2. Liebe Maike, ich lese so gerne bei dir, du hast so eine wundervolle Art zu schreiben und findest immer so schöne Worte. Besonders mag ich auch deine Naturbeschreibungen und die wundervollen Fotos von Flora und Fauna. Ich finde auch die Unterschiede zu meiner Heimat im südöstlichen Niederbayern immer wieder interessant. Die weißen Blumen könnten ein Taubenkröpfiges Leimkraut sein, dies zählt tatsächlich zu den Nelkengewächsen. Vielleicht verträgtst du einfach die Grannen der Gerste nicht? Bei mir ist das auch so, Roggen hätte übrigens auch Grannen, sogar längere als die Gerste, ich denke dass es sich dabei eher um Dinkel handelt.;) Liebe Grüße aus Niederbayern, wo die Sommerferien erst anfangen, wenn der Sommer fast vorbei ist und die Kinder noch 6 Wochen Schule haben…

    • Liebe Simone, vielen lieben Dank für Deine netten Zeilen! Danke auch für die Info mit dem taubenkröpfigen Leimkraut – ich glaube, das ist es! Ja, vielleicht waren es die Gerstengrannen. Hat Roggen wirklich so lange Grannen? Ich kenne Roggen eher ohne Grannen. Auch Dinkel hat doch keine langen Grannen, der sieht doch eher aus wie Weizen, oder??? Ich bin fast sicher, dass es Gerste war… aber man lernt nie aus; dem gehe ich sicher nochmal auf den Grund. Wie schön, dass Du aus Niederbayern bei mir reinschaust. Ich habe manchmal Sehnsucht nach dem Süden. Ich liebe die Berge so sehr, und hier im Norden ist es fast überall so flach. Ganz liebe Grüße an Dich!

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