Lautloses Fallen: Wochenende in Bildern 16./17. November 2019

Wenn wir wie dieses Wochenende nicht aufs Land fahren, ist immer viel los bei uns. Am Samstag waren wir in Wolfsburg, um unser neues Geschirr fürs Landhaus abzuholen. Der Sonntag in Berlin war vollgepackt mit Haushaltsarbeit, Kino und Besuch. Und trotzdem hat uns der Herbst begleitet, mit den schönsten leuchtenden Farben, die mir vorkamen wie das letzte trunkene Aufbäumen der Natur vor der graubraunen, kalten Jahreszeit, die in Berlin ja immer viel zu lange dauert.

Wow, diese Farben! (#nofilter)

Deswegen habe ich für dieses Wochenende mein liebstes Herbstlied als Wochentext herausgesucht. Hört Euch gern hier auf YouTube die Melodie dieses zu Unrecht unbekannten Liedes „Herbst ist da“ an – es ist eines der schönsten jahreszeitlichen Lieder, die ich kenne.

„Herbst ist da“ in einer sehr schönen Version, zweistimmig von einer kleinen Gruppe gesungen, begleitet von einer Gitarre.

Herbst ist da, der Sommer verging,
Kühler die Winde wehn.
Hinter den Wäldern, über den Feldern
Glänzet der Mond so schön.

Herbst ist da, so singt Euer Lied,
Mag auch der Sommer vergehn.
Heller die Sterne, näher die Ferne,
Glänzet der Mond so schön.

Herbst ist da, bald ruhet das Land,
Vögel gen Süden ziehn.
Leer sind die Felder, stiller die Wälder,
Wolken am Himmel fliehn.

Herbst ist da, bald ruhet das Land,
Sommerlich Lied verklingt.
Will nichts mehr fragen, will nichts mehr sagen
Nebel sein Spiel beginnt.

Herbst ist da, es erntet die Zeit,
Alles, was reif ist, fällt
Lautloses Fallen, Fallen in Allem
Was da noch fest sich hält.

Herbst ist da, der Sommer ging hin,
Kühler die Winde wehn,
Heller die Sterne, näher die Ferne,
Glänzet der Mond so schön.

Samstag, der 16. November 2019

Vor unserem Haus werden die Bäume kahler, aber die Farben immer intensiver.

Wir stärken uns mit Frischkornbrei aus frisch gemahlenem Hafer (in Wasser 20 min eingeweicht), Obst, Zitronenschale und frischer Sahne. Sehr, sehr köstlich – unsere Kinder essen es sehr gern.

Nach der Geigen-Gruppenstunde der Tochter, in der die Kinder schon die Weihnachtslieder für das Adventskozert üben, geht es für uns los nach Wolfsburg, wo wir noch nie gewesen sind. Auf der Straße liegen die Blätter der Ahornbäume und Platanen und strahlen in hellem Gelb

Wir sind in einer ganz besonderen Mission unterwegs. Ich bin noch in regem Kontakt mit meiner ehemaligen Mentorin aus dem Internat, deren erste „Flügelhelferin“ ich in der 11. Klasse war, und die für mich ist wie eine liebe, gute Patentante. Christa hat letztes Jahr zufällig mitbekommen, dass wir uns für unser Haus auf dem Land ein besonderes Geschirr wünschen. Sie töpfert seit vielen Jahren und war sofort Feuer und Flamme, uns unser Wunsch-Geschirr zu töpfern. Und das hat sie diesen Sommer tatsächlich in die Tat umgesetzt. Ein wenig absurd war, dass sie normalerweise perfekt runde Formen töpfert, ich mir aber eine „organische“ Form wünschte, und sie also sozusagen aus Absicht die runde Form für uns ein wenig auflöste, damit es „handgemacht“ aussieht. Mir ist vollkommen bewusst, dass das reichlich absurd ist, aber es ist dadurch mein absolutes Traum-Geschirr entstanden. In Taubenblau, einer meiner Lieblingsfarben. Nach der Wiedersehens-Freude bewundern wir sogleich unser Geschirr, das Christa auf dem Wohnzimmertisch aufgebaut hat:

Wir sind sprachlos – sie hat ein Geschirr für 12 Personen getöpfert, mit verschiedenen Servierplatten und Servierschüsseln, 2 Stövchen und Suppenterrinen, 12 großen Tellern, 12 kleinen Tellern, 12 Suppenschüsseln, 12 Dessertschalen und 12 wunderschönen Bechern mit kleinen Untertellern. Die Schüsseln und Teller passen als Aufbewahrungsgeschirr für Reste perfekt zusammen.

Und übrigens: Denkt nicht, dass es so einfach ist, eine matte Glasur in dezentem Graublau hinzukriegen, wie ich es gern wollte. Christa musste länger bei Glasur-Händlern recherchieren und mehrere Brennproben machen, bis ein Farbton herauskam, der so war, wie ich ihn mir wünschte. Sie hat den Farbton schließlich selbst aus Pigmenten angemischt. Sie schickte mir im Frühling mehrere Tellerchen in verschiedene Farbtönen und Stilen, anhand derer wir uns für eine finale Gestaltung entscheiden durften. Wir entschieden uns für eine feine, filigrane Form und einen weißen, „abgewischten“ Rand. Und so hat sie es dann gemacht. Wow. Wow. Wow. Einfach traumhaft.

Ein Hottinger-Zwerg steht bei Christa auch herum.

Meine jüngere Tochter ist hingerissen von der Schale mit den feinen Eiern aus verschiedenen Regionen der Welt. Jedes Ei wird sorgsam begutachtet.

In der Töpferwerkstatt am Haus erleben wir, wie Christa unser Geschirr hergestellt hat.

Nach dem Schlagen der Tonklumpen (um den Ton homogen zu machen und Luftblasen zu entfernen) werden Stücke abgewogen, so dass alle Teller einer Größe die gleiche Masse haben. Dann werden die Stücke auf der Drehscheibe einzeln geformt, getrocknet, mit Hilfe eines Spiegels auch unten gestaltet und schließlich gebrannt. Brennen ist kein Kinderspiel – je nach Arbeitsweise kann der Ton springen oder anderes schief gehen. Dann wird glasiert, vom Rand wird bei jedem einzelnen Stück die Farbe wieder abgewischt. Und auch hier kann einiges schief gehen. Die Glasur kann verlaufen oder uneinheitlich werden und Vieles anderes.

Christas Glasur-Mischung für unser Geschirr.
Pinsel verschiedener Größe werden benötigt.
Arbeitsmaterialien in der Töpfer-Werkstatt

Es dämmert in Wolfsburg. Übrigens sind wir hier nur 100 Schritte von der Waldorfschule Wolfsburg entfernt.

Unsere lieben Gastgeber geben uns noch eine Privat-Führung durch ihre Kirche, die ein Bau des weltbekannten Architekten Alvar Aalto ist. Christa und ihr Mann sind der Gemeinde sehr verbunden; sie gehören zu den Gründern der Gemeinde, und Christas Mann war jahrzehntelang Gemeindevorstand.

Wir fahren in der Dunkelheit zurück nach Berlin, im Kofferraum vier Kartons mit traumhaftem Geschirr. Begleitet werden wir von einem dunkelroten, riesigen Mond, der sich langsam und fett über den Horizont hievt.

Vor Potsdam liegen in den Niederungen die November-Nebel. Die dunklen Äste kahler Bäume ragen daraus ganz novemberlicht empor.

Sonntag, der 17. November 2019

Frühmorgendlicher Spaziergang mit dem Hund in unserer schönen Wohnanlage. Ich freue mich an jedem kleinen Anblick der Schönheiten der Natur.

Zarte Blumen wachsen hier noch.
Dieses Bäumchen wurde im Frühling gefällt. Die Natur hat es schon anderweitig besiedelt. Wie tröstlich ist das.
Die Bäume leuchten ins Novembergrau.
Überall legt sich das Bunte nieder.
Bei uns in der Wohnanlage gibt es glücklicherweise viele schöne Bäume und viel Platz.
Gelbe Blätter leuchten.
Zarte Farben gibt es auch noch.
Und kräftige.
Ahornblatt in der Hecke.

Wir schmücken gemeinsam unsere Fensterbank neu. Mit Martinsgänsen und einem Laternenmädchen.

Zum Mittagessen gibt es Frischkost, Bratkartoffeln und Maishähnchen mit Tomaten und Paprika.

Die kleine Tochter geht mit einer Freundin ins Kino („Shaun das Schaf“), wir Restlichen gönnen uns eine gemütliche Mittagspause.

Am Nachmittag kommt spontan Besuch vorbei, eine liebe Familie mit drei Söhnen, von denen jeweils einer in die Klassen unserer Töchter geht. Der jüngste ist noch im Kindergarten und der süßeste Engel, den ich je erlebt habe. Sie haben alle zusammen einen Frankfurter Kranz gebacken, der jetzt feierlich angeschnitten wird.

Vom Frankfurter Kranz müssen die gerösteten Nüsse genascht werden.
Mjamm.

Die vier älteren Kinder verziehen sich nach dem Kuchenessen ins Wohnzimmer und spielen Mogelmotte. Wir Erwachsenen quatschen derweil in der Küche und können kein Ende finden, weil es so nett ist. Aus dem Wohnzimmer hört man Kichern, begeisterte Schreie und lautes Lachen. Die Kinder, zwei Jungen, zwei Mädchen, haben einen Riesen-Spaß zusammen. Ich bin sehr froh, das mitbekommen, denn eines unserer Kinder hat es im Moment sozial schwer in der Schule, nachdem ihre beste Freundin sie nach Jahren der engen Freundschaft hat komplett fallen lassen. Ohne Erklärung. Sie hat einfach von einem auf den anderen Tag nicht mehr mit meiner Tochter geredet, schaut sie nicht mehr an, grüßt sie nicht mehr, ja, hackt sogar auf ihr herum vor den anderen Mädchen der Klasse. Ihr könnt Euch natürlich vorstellen, dass da auch mir das Herz wehtut als Mutter. Deswegen bin ich herzensfroh, dass das Kind jetzt Spaß hat mit einem der coolen (und sehr, sehr netten!) Jungs aus ihrer Klasse.

Spaß mit der Mogelmotte.

Der Kleinste der Truppe har Freude mit unseren Schneckenbändern. Hach, ich könnte ihn auffressen. Er ist genau das Kind, das ich gern als drittes gehabt hätte.

Als die Freunde gehen, sind unsere Kinder völlig platt und müssen sofort ins Bett. Und nachdem ich noch das obligatorische „Zu Tisch in“ auf arte.tv mit meinem Mann geschaut und diesen Beitrag geschrieben habe, ist es für mich auch Zeit für die Heia. Morgen gehe ich mit „meinen“ Studenten auf eine Exkursion in eine Agentur; am Nachmittag gebe ich nochmal einen kleinen Puppenkurs im Hort der kleinen Tochter für den Adventsbazar.

Die Woche wird wohl recht entspannt – juhuuuu! Ich glaube, das ist das erste Mal seit Jahren, dass ich das behaupten kann, und das in der Vorweihnachtszeit! Ich bin so froh, dass ich den Druck aus meinem Leben genommen habe und die Firma nicht gegründet habe. So kann ich seit vielen Jahren vielleicht einmal die Martins- und Adventszeit bewusst und entspannt genießen. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

Nächstes Wochenende sind wir wieder auf dem Land. Ich hoffe, Ihr hattet ein gemütliches Wochenende, habt Eure Dinge halbwegs unter Dach und Fach und freut Euch auf die kommende Woche – und auf die langsam heran nahende Adventszeit.

Ganz herzlich grüßt alle Leser*innen

Eure Maike

… die Euch natürlich noch darauf hinweisen möchte, dass es andere Wochenenden in Bildern von anderen Familien hier, auf dem Blog „Große Köpfe“ aus Berlin, zu lesen gibt.

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5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das Geschirr ist wunderschön!
    Ich bin auch ein großer Fan von handgetöpfertem Geschirr, allerdings hat mein Sohn die Gabe, alles kaputt zu kriegen, so dass ich noch ein wenig warten möchte, bis ich mir eins zulege 😀
    Alles Gute für Deine Tochter. So eine ähnliche Situation hatte ich mit 13 auch einmal – allerdings war es bei mir eine Urlaubsfreundin (jedes Jahr auf demselben Campingplatz). Man findet neue Freunde, aber mich hat die Frage nie losgelassen, warum sie mich plötzlich komplett ignoriert hat.

    Liebe Grüße!!!
    Anna-Maria

    • Ja, das macht Sinn 😉 Ich habe aber auch Angst, dass es uns kaputt geht. Christa, die Töpferin, sagte, es würde schon gern mal was absplittern, wenn man mit dem Geschirr irgendwo anstößt… da müssen wir jetzt aufpassen…

  2. Liebe Maike,
    vielen Dank für dein Kommentar!

    Deine Entscheidung kann ich total nachvollziehen. Seit du dort nicht mehr schreibst
    ist der Blog uninteressant geworden, außer ich möchte auf eines von deinen Themen zurückgreifen, der Schatz ist ja zum Glück noch zugänglich. Ja das ist doch eine tolle Idee, hier deinen Blog auszubauen. Schade, dass Machspiele immer wieder Gutes zerstören. Ach lass dich lieb drücken!

    Ich bin weiterhin fleißig bei dir:)

    Wünsche euch viel Vorfreude auf den 1. Advent, herzlichst Roswitha

  3. Liebe Maike,

    ich bin als Leserin immer noch dabei:)
    Freue mich jeden Montag über deine netten Zeilen, Gedichte und Bilder.
    Ähnlich ging es auch meiner Tochter einmal, aber nicht ganz so heftig.
    Zum Glück hat sie es damals ganz gut geschafft sich andersweitig zu orientieren
    und ein paar Jahre danach waren sie wieder dicke …bis heute. Das hoffe ich für deine Tochter auch. Ich vermisse dich sehr beim Hans Natur Blog, hast du den ganz aufgegeben? Wäre echt schade! Schade, dass Berlin so weit ist, ich wäre doch glatt mal bei eurem Bazar vorbeigekommen….ihr habt bestimmt sehr schöne Sachen gewerkelt.

    Also dann mal ganz liebe Grüße an Alle,

    herzlichst Roswitha

    • Liebe Roswitha, wie schön, mal wieder von Dir zu lesen! Unsere Tochter macht auch zaghafte Versuche neuer Kontakte, aber es ist schwer. Sie tut sich nicht leicht beim Kontakteknüpfen, da sie ein wenig besonders ist. Ja, Hans Natur… dort werde ich vorerst nicht weiter schreiben. Dort laufen im Hintergrund komische Dinge, ich vermute Machtspiele auf höherer Ebene (nicht esoterisch gemeint 🙂 Der Inhaber und Geschäftsführer Michael Hans ist ein sehr freundlicher, gerechter Mensch, aber für jeden freundlichen Protagonisten gibt es immer auch Antagonisten – das weiß ich aus dem Storytelling, und so ist es auch im wahren Leben 🙂 Ich habe kein gutes Gefühl mehr, auch hätte man aus dem Blog viel mehr machen können, aber es bestand halt immer die Angst, die Kunden von der Bestell-Seite weg zu locken. Im Moment gibt es dort den Trend, mehr „werberische“ Blogbeiträge zu schreiben, was natürlich keiner liest. Ich werde eventuell den Blog hier ausbauen und meine schönen Anleitungen, Rezepte und Familienideen posten. Aber das muss noch ein wenig reifen. Bis bald hoffentlich!

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