Körperliebe: Wie ich erkannte, dass ich meinem Körper vertrauen darf

An meinem “perfekten Tag” letzte Woche hatte ich eine Erleuchtung zum Thema Körperliebe und Körpervertrauen.

In diesem Beitrag geht es darum, was da genau passiert ist. Nämlich wie ich erkannt habe, dass auch ich meinem Körper vertrauen darf, obwohl er nicht alles kann, was Körper “normalerweise” können.

Es ist ein intimer und persönlicher Text. Ich habe ihn eigentlich eher für mich selbst geschrieben. Aber er hat viel mit dem Thema meines Blogs zu tun, deswegen mache ich ihn öffentlich. Ich hoffe, er kann in Dir etwas anregen und berühren.

Zum Kontext: An meinem “perfekten Tag im November 2020” (Link führt zum Bericht) habe ich eine geführte Meditation auf YouTube gemacht. Die ist total eingeschlagen. Durch die Meditation hatte ich eine Selbsterkenntnis, die sehr stark war und mir echt die Augen geöffnet hat. Die Erkenntnis markiert den Neu-Beginn oder die schon lange anstehende Fortsetzung einer inneren Heilung, die mich schon seit meiner Kindheit begleitet.

Triggerwarnung: Dieser Text enthält für sehr sensible Menschen eventuell Trigger in Richtung Vernachlässigung.

Der Plan: Gemütlich baden mit schönen Worten

Körperliebe = Selbstfürsorge! - Bildbeschreibung: Füße im Bad und Wasserhahn, aus dem Wasser in die Wanne läuft, Naturschwamm auf dem Badewannenrand
Der Plan: Ein gemütliches Bad, unterlegt mit wohltuenden Worten.

Es war mein “perfekter Tag”. Ein Tag der Selbstfürsorge, den ich mir jeden Monat möglichst einmal gönne. Die Bedingungen waren perfekt: Ich war auf dem Land in unserem idyllischen Bullerbü-Häuschen, mitten in der Natur, draußen war das Wetter trüb und kühl, und ich war ganz allein.

Für den Vormittag war es mein Plan, in Ruhe warm zu baden, dabei eine Meditation zu hören und meinen Körper ausgiebig zu reinigen und zu pflegen. Ich dachte mir, wenn ich schon entspannt im warmen Wasser liege und in die Bäume schaue, kann ich mir dabei doch ein paar schöne Worte zum Thema Körperliebe anhören, die mich in dieser Hinsicht ein bisschen stärken. Ich fand, das passte gut zur Badewanne, wo man sich da doch meist körperlich sehr wohl fühlt.

Nach der Meditation wollte ich ein reinigendes Efeu-Peeling durchführen. Denn ich hatte noch einen Rest Efeu-Öl übrig, das mit ein paar EL Zucker gemischt ein wunderbares Peeling abgibt. Mit dem Peeling wollte ich das Thema “Körperliebe” dann ganz physisch fortführen.

Die Meditation hatte ich schon am Vortag herausgesucht. Es handelte sich um eine geführte Meditation, die ich über die Suchbegriffe “Meditation Körperliebe” gefunden hatte. Ich kannte sie noch nicht. Für heute ausgewählt hatte ich sie vor allem wegen der guten Länge von rund 25 Minuten.

Es handelte sich um diese Meditation.

Die Körperliebe und ich

Ich habe eigentlich kein Problem mit meinem Aussehen, also mit meinem Äußeren. Glücklicherweise bin ich in meinem Leben so weit gekommen, dass ich weiß, dass es nicht darauf ankommt, irgendeinem angeblichen Ideal zu entsprechen. Zwar bin ich in den Augen der meisten Menschen wahrscheinlich keine herausragende Schönheit. Ich bin unterdurchschnittlich klein und nicht gertenschlank. Meine Statur ist eher kräftig, und das passt auch zu mir, denn ich empfinde mich als stark und belastbar. Ich habe zwar einen gewissen Witz oder Schalk, aber zähle wohl nicht zu den Menschen, die mit einem total hinreißenden Charme oder einer Raum einnehmenden Ausstrahlung daher kommen.

Ich bin sozusagen normal. Aber ich bin zufrieden und fühle mich geliebt, so wie ich bin.

Kurz: Mit meinem Aussehen und meinen Körperformen inkl. vieler Narben und Spuren am Bauch von diversen Operationen und zwei Schwangerschaften bin ich voll OK. Ich würde zwar nicht direkt sagen “Ich liebe meinen Körper.” Aber ich kann mit Überzeugung sagen: “Ich sehe total OK aus.” Und das ist ja heutzutage schon viel, wenn ich so verfolge, was man zu diesem Thema in den Medien so liest.

Aber: Mir fehlt Körpervertrauen

OK, mit meinem Aussehen habe ich kein gravierendes Problem. (Das war auch schonmal anders, aber darum soll es hier jetzt nicht gehen.)

Aber ich habe ein anderes Problem mit meinem Körper. Und das wurde mir bei dieser Mediation wieder bewusst.

Ich habe ja chronische Krankheiten, wegen denen ich sogar als 60% schwerbehindert eingestuft bin. Das heißt, mein Körper kann nicht alles, was ein gesunder Körper kann. Für mich bedeutet das: Ich muss ständig auf mich aufpassen. Das “Management” meiner Krankheiten begleitet mich den ganzen Tag, auch wenn man davon hier auf dem Blog nicht viel mitbekommt. Man sieht mir die Krankheiten auch nicht an, es sind halt innere Angelegenheiten.

Außerdem ist mit einer der Krankheiten eine traumatische Geschichte verbunden, die tief in mir sitzt und mich seit meiner Kindheit begleitet und beeinflusst.

Ich muss auf meinen Körper aufpassen

Die Art der Krankheiten bringt mit sich, dass ich meinem Körper leider nicht hundertprozentig vertrauen kann. Wenn ich nicht aufpasse und mich nicht viele Male am Tag kümmere und aktiv überprüfe, ob alles in Ordnung ist, könnte ich sterben. Kein Witz. Allein sein ist für mich eigentlich ein Risiko. Denn im Zweifelsfall verliere ich die Orientierung und kann mir nicht mehr selbst helfen. Wenn ich ein bestimmtes Medikament nicht rechtzeitig in die Hand bekomme, kann es in Minutenfrist zu spät sein. Das ist leider Fakt.

Mein Mann hat mir schon einige Male das Leben gerettet, indem er mich bei “Abstürzen” versorgt hat, wenn ich mir nicht mehr selbst helfen konnte.

So lebe ich seit vielen Jahren mit dem unbewussten Glaubenssatz: Ich kann meinem Körper nicht vertrauen. Mein Körper ist fehlerhaft. Ich kann mich nicht auf ihn verlassen. Wenn ich nicht acht gebe, sterbe ich. Und wie das so ist mit unbewussten Glaubenssätzen: Man hinterfragt sie nicht. Man hält sie für selbstverständlich und unverrückbar. Und so lebt man mit ihnen und gewöhnt sich an die Gefühle und Handlungen, die diese Glaubenssätze auslösen.

Was die Meditation behauptete

Von der Meditation hatte ich etwas anderes erwartet als ich schließlich bekam, nämlich eher etwas in Richtung Body Positivity, also etwa die Botschaft “Akzeptiere Dein Aussehen, wie es ist, denn Du bist schön”. Denn die Meditation heißt ja “Liebe deinen Körper!”. Aber in der Meditation ging es gar nicht darum, sein Aussehen zu akzeptieren. Es ging eigentlich um Körpervertrauen. Also um das, was mir fehlt.

In der Meditation wurde etwa folgendes behauptet:

  • Dein Körper ist wundervoll, denn er kann so viel ganz von allein.
  • Du kannst dankbar sein für die Fähigkeiten deines Körpers, die einfach so funktionieren, ohne dass du etwas tust.
  • Es ist großartig, was dein Körper rund um die Uhr für dich macht und wie sehr du ihm vertrauen kannst.

In den ersten Minuten der Meditation war meine innere Reaktion: “Na toll, das mag ja für gesunde Körper gelten, die mehr oder weniger in Ordnung sind. Aber bei mir? Ich kann ja wirklich nicht in meinen Körper vertrauen, so sehr ich das gern wollte. Wenn ich mich auf ihn verlasse und nicht aufpasse, geht das doch schief!”

Aber ich war stark genug, mich davon nicht irritieren zu lassen. Ich konnte mein “Aber…” glücklicherweise erstmal beiseite schieben und der Meditation weiter folgen. Die Stimme lenkte nun die Aufmerksamkeit auf all die verschiedenen Dinge, die unser Körper tut und kann:

Körperliebe ist viel mehr als “Du bist schön”.

  • Unsere Beine tragen uns von Ort zu Ort.
  • Unsere Hände erschaffen Dinge, malen, tippen, streicheln, tun Gutes.
  • Unsere Sinnesorgane (Augen, Ohren, Haut,…) ermöglichen uns den Zugang zu Schönheit, Musik, Berührungen, gutem Essen und sinnlichen Erfahrungen aller Art.
  • die Lunge atmet und schenkt uns Luft zum Leben.
  • Das Blut wird jede Sekunde durch unsere Adern gepumpt.
  • Unser Immunsystem ist jede Sekunde erfolgreich bei der Abwehr von Krankheiten und Eindringlingen.
  • Es gibt viele verschiedene innere Organe in unserem Körper, und alle haben eine Funktion und eine Aufgabe. Sie funktionieren einfach so, ohne dass wir uns kümmern.
  • Unser Körper ist unser Tor oder unser Schlüssel zu allen irdischen Erfahrungen, die wir machen können. Erfahrungen, die unsere Seele und unser Geist brauchen, um zu wachsen und zu reifen.
  • Unser Körper ist der Tempel unserer Seele. Er gibt unserem Wesen ein Zuhause, das wir lieben und wertschätzen dürfen.

Und im Zuge dieser Aufzählung kam mir die Erleuchtung…

Meine Erleuchtung zum Thema Körperliebe

Ich erkannte – und es fiel mir plötzlich wie Schuppen von den Augen: Auch wenn mein Körper zwei, drei, vier Sachen nicht kann, er kann doch immer noch wahnsinnig viel! Was er nicht kann und was ich sowie einige Hilfsmittel und Medikamente für ihn kontrollierend übernehmen müssen, sind drei, vier Dinge gegenüber Abertausenden und Millionen von Dingen, die er jeden Tag, jede Stunde, jede Minute von selbst erledigt. Und in die ich sehr wohl vertrauen kann.

Ich stellte verblüfft fest: Es ist nicht so, wie ich bisher unbewusst geglaubt habe…

Körperliebe bzw. Körpervertrauen Graphik: Kreis, der halb schwer und halb rot ist. Die rote Hälfte ist beschriftet mit "Was mein Körper kann", die schwarze mit "Was mein Körper nicht kann"

… sondern so:

Körperliebe bzw. Körpervertrauen Graphik: Kreis, der fast ganz rot ist, nur ein kleienr schwarzer Punkt ist darin. Das Rote ist beschriftet mit "Was mein Körper kann", der kleine schwarze Punkt mit "Was mein Körper nicht kann"

Und wahrscheinlich ist der kleine schwarze Fleck noch viel kleiner als auf der Zeichnung.

Für mich tat sich eine ganz neue Welt auf:

Wenn das so ist (und ja, so ist es!), dann darf ich meinem Körper dankbar sein und ihm vertrauen, auch wenn er nicht alles hundertprozentig kann. Mein Körper tut wirklich wahnsinnig viel:

Er ermöglicht es mir, Erfahrungen zu machen.

Ich esse mit ihm.

Ich nähe Puppen mit ihm.

Ich singe mit ihm.

Ich sehe und genieße die Natur durch ihn.

Ich teile mich durch ihn mit, ich nehme neue Gedanken und Worte auf.

Ich erlebe durch ihn meine Familie, Kunst, Musik, Filme, Nähe, Erotik, Leidenschaft…

Und so weiter und so fort…

Mein Körper ist mein Tor zur Welt. Auch wenn er nicht ganz gesund ist und ich ihm in ein paar Aspekten zur Hilfe kommen muss.

Vielleicht klingt das in Euren Ohren banal (“Naja, ist doch klar, warum erkennt sie das erst jetzt?!”), aber für mich war es eine Erleuchtung.

Neu und schön

Denn für mich war es neu. Ich hatte mit meinen Glaubenssätzen, meiner unbewussten Wahrnehmung eines “unfähigen” Körpers immer gelebt und das nie hinterfragt. So, wie manche Leute sich für hässlich halten und gar nicht auf die Idee kommen, dass das gar nicht stimmt, obwohl sie vielleicht sogar sehr attraktiv sind.

Klar, ich war manchmal traurig über die nicht vorhandene Vertrauenswürdigkeit meines Körpers, nahm das aber als gegeben und gut begründet hin. Schließlich könnte ich ja sterben, wenn ich nicht kontrollierend und aufmerksam bin. Ich nahm also über Jahre hinweg meinen Körper wie in dem ersten Bild oben wahr – so gut wie halb unfähig! Das heißt, in meiner Wahrnehmung war die “Unfähigkeit” meines Körpers total übertrieben. Ich nahm, was mein Körper NICHT kann, als viel, viel größer wahr als das, was er KANN.

Dass es aber genau umgekehrt ist, war meine Erleuchtung.

Als mir das klar wurde, liefen mir Tränen über die Wangen. Sofort überschwemmte mich ein Gefühl der Zuneigung und Liebe für meinen Körper. Und auch Reue, dass ich ihn so lange unterschätzt und ihm kein Vertrauen geschenkt habe. Sondern sauer mit ihm war, weil ich mich nicht auf ihn verlassen kann!

Ich merkte auch, ich war an einen Punkt gekommen, der Heilung ermöglicht: Aussöhnung mit und liebevolles “In den Arm nehmen” meines “behinderten” Körpers. Auch ich darf meinem Körper dankbar sein! Er kann so viel!

Und mehr….

Aber das war noch nicht alles. Die neue Erkenntnis setzte in Windeseile und noch während meinem Aufenthalt in der Wanne andere, viel wichtigere und schwer wiegendere Gedanken und Erkenntnisse frei:

Vom Sinn von Krankheit

Ungefähr seit meinem 20. Lebensjahr habe ich in meinen Krankheiten bzw. Behinderungen immer auch Aufgaben und Botschaften für mein Leben gesehen. Denn schon damals wusste ich: Alles was uns Menschen geschieht, können wir als Aufforderung und Chance nehmen, um zu reifen und zu wachsen. Auch wenn es schreckliche, grausame, blöde, “unnötige”, traurige oder furchtbare Dinge, oder gar schlimme Schicksalsschläge sind. Alles, was uns geschieht, birgt Aufgaben und Chancen, so blöd es manchmal ist. Auch Krankheiten. Besonders Krankheiten.

Zumindest was mich betrifft, habe ich festgestellt, dass die Aufgaben (= Schwierigkeiten, Probleme, Krankheiten, Rückschläge,…), die ich in meinem Leben bekommen habe, immer die “richtigen” Aufgaben für mich waren. So schlimm sie manchmal waren und so wenig ich sie manchmal mochte. Denn die Aufgaben konnte ich immer sinnvoll für meine Entwicklung nutzen. Sie haben mich immer auf einen interessanten Weg geführt, auch wenn der manchmal furchtbar steil, nervig, anstrengend und emotional schwierig war.

Krankheiten wollen gesehen werden

Nur Wegschauen bringt nichts. Wer sich entwickeln will im Leben (und darauf kommt es meiner Meinung nach im Leben an), der oder die schaue gefälligst hin und versuche, die Botschaften und Aufgaben zu entziffern, die in Krankheiten, Herausforderungen und Schicksalsschlägen verborgen sind. Sonst kommt sowieso alles in die Wieder-Vorlage.

Will heißen: Wenn man sich den Aufgaben nicht stellt, die einem das Leben serviert, kommen sie ganz sicher in anderem Gewand wieder. Wer immer vermeidet, sich einem Problem zu stellen, wird immer wieder damit konfrontiert. Bis man hinsieht und was macht.

Krankheiten haben eine Botschaft

Manche Krankheiten sprechen eine klare Sprache. Ein Asthmatiker hat “nicht genug Luft zum Atmen”. Er sollte sich vielleicht fragen, was ihn einengt, was ihm die Luft zum Atmen nimmt. Eine Frau, die immer Probleme mit dem Magen hat, sollte sich vielleicht fragen, was ihr ständig “auf den Magen schlägt”. Und jemand, der/die Herzprobleme hat, sollte sich fragen, was sein Herz so stark zu Klopfen bringt (z.B. Aufregung). Oder was seinem oder ihrem Herzen fehlt, im übertragenen Sinne. Dies nur als simple Beispiele.

Es kann sehr viel verzwickter sein und lange dauern, hinter den Sinn und die Aufgabe einer Krankheit zu kommen. Denn wie ordnet man Krankheiten wie z.B. Multiple Sklerose ein? Oder Schizophrenie? Oder gar Krebs? Wo liegen da die Botschaften? Ich kann es auch nicht beantworten. Aber ich denke: Man sollte hinschauen und sich fragen, an welcher Stelle die Krankheit einen am meisten schmerzt. Natürlich nicht im körperlichen Sinn. Sondern warum sie einem unerträglich vorkommt und womit das zu tun hat.

Die Botschaft erkennen

Das kann nämlich bei der gleichen Krankheit durchaus unterschiedliche Gründe haben. Manche Leute haben vielleicht mit einer notwendigen Behandlung Probleme (z.B. weil sie oft Blut abgenommen kriegen und das nicht aushalten können), Dann geht es vielleicht um die Themen Aushalten, Selbstüberwindung oder Schmerzempfinden. Andere hadern vielleicht aufgrund einer schweren Krankheit mit dem Schicksal an sich und müssen sich daraufhin mit Glauben, Lebenssinn, Gerechtigkeit oder anderen existenziellen Fragen auseinander setzen. Fragen, die für jeden Menschen wichtig sind.

Kurz: Die Botschaft und die Aufgaben von Krankheiten sind immer individuell. Aber Du kannst Dir sicher sein: Es gibt welche. Du solltest versuchen, Dich ihnen zu stellen und Dich mit ihnen zu beschäftigen. Denn wenn Du nur ein paar Pillen einwirfst, um ein paar Symptome zu lindern, kann ich Dir fast garantieren, dass Du irgendwann das gleiche Problem wieder serviert bekommst.

Text, weiß auf beigem Hintergrund: Krankheiten und Schicksalsschläge wollen Dich reifen lassen.

Meine Krankheiten gehören zu meiner Identität

Ich habe meine Krankheiten nach und nach als fest zu mir gehörig akzeptiert. Ich bin etwa rund um meinen 25. Geburtstag so weit gewesen, dass ich meine Krankheiten als einen wesentlichen Bestandteil meiner Identität angenommen hatte. Und ich sage Euch, das ist nicht “einfach so passiert”. Dafür bin ich einen weiten, anstrengenden, manchmal demütigenden und oft frustrierenden Weg gegangen. Ich habe oft zwischendurch aufgegeben, alles fahren gelassen, den Kopf in den Sand gesteckt und Sachen gemacht, bei denen es mich im Rückblick manchmal schaudert. Ich konnte es erst halt nicht besser. Aber ich habe gelernt.

Und niemand war bei mir. Ich bin diesen Weg ganz allein gegangen, denn niemand hat sich dafür interessiert oder überhaupt gemerkt, dass ich auf diesem Weg war, und vielleicht Hilfe oder Unterstützung gebraucht hätte. Aber ich habe mich am Schluss aus eigener Kraft selbst aus dem Sumpf gezogen. Weil ich leben wollte und mich am Leben erfreuen wollte.

Heute kann ich mir mich selbst ohne die Krankheiten gar nicht vorstellen. Sie gehören fest zu mir. Eine Maike ohne die Krankheiten wäre nicht ich. Denn die Krankheiten und ihre Bedeutung für mich und meinen Lebensweg sind eng mit meiner Selbstentwicklung und Reife, meinem Bild von mir selbst und nicht zuletzt mit meinem Alltag verflochten.

Die Krankheiten sprachen zu mir

Auch habe ich mich in den Krankheiten immer reflektiert. In jeder Lebensphase hatten meine Krankheiten andere Botschaften und Aufgaben für mich.

Als sehr junge Frau half mir die eine Krankheit, mich zu akzeptieren, wie ich bin, weil ich um meines Lebens willen gezwungen war, sie zu akzeptieren. Das lehrte mich Akzeptanz des Unabwendbaren. So half mir die Krankheit auch, S.E.I.D.O.N zu verstehen, die “Subjektive Einsicht In Die Objektive Notwendigkeit” nämlich. Das ist grob gesagt der Hegel’sche Freiheitsbegriff, den ich sehr nützlich finde – gerade hinsichtlich Corona, aber das nur nebenbei. Aber die Krankheit lehrte mich auch Mut und Selbstüberwindung, die immer wieder reich belohnt wurden.

Immer wieder andere Botschaften

Später wurde mir durch die Krankheit u.a. die Aufgabe auferlegt, “durchlässiger” zu werden, Dinge (vor allem Gefühle!) kommen und wieder gehen zu lassen. Mich nicht so sehr an Situationen, Wünschen und Gefühlszuständen festzubeißen. Auch das war eine wertvolle Lektion. Da ging es ums Loslassen und Sich-Fallen-Lassen.

Und letztlich hat mich die Krankheit vielleicht auch vor Schlimmem beschützt. Ich bin ein recht furchtloser Mensch und hätte vielleicht als sehr junge Frau mit Drogen experimentiert, wenn ich nicht so viel Angst gehabt hätte, aufgrund fehlender Kontrolle unter Drogeneinfluss einfach mal zu sterben.

Selbstfürsorge ist angesagt

Seit der Geburt meiner Kinder wurde immer deutlicher, wie viel die eine Krankheit für mich mit dem Thema Selbstfürsorge zu tun hat. Die Krankheit zwingt mich seit jeher praktisch dazu, mich um mich selbst zu kümmern. Wenn ich es nicht tue, gerate ich in Gefahr oder fühle mich total mies. Stress schadet mir, also muss ich ihn unbedingt vermeiden. Stress macht die Krankheit schwerer kontrollierbar.

Ich muss also, um nicht zu sterben, gut auf mich achten, jeden Tag, eigenlich fast rund um die Uhr. Mein Körper mit seinen besonderen Eigenschaften möchte, dass ich ihm, MIR! Aufmerksamkeit schenke. Dass ich gut zu ihm bin (= zu mir!). Dass ich ihn/mich nicht vernachlässige, sondern mich aktiv und aufmerksam mit ihm beschäftige und mich um ihn kümmere.

Das Thema FÜRSORGE ist der Kern dieser Krankheit

Bei der Meditation wurde mir plötzlich etwas Neues bewusst:

Das Thema FÜRSORGE ist bei mir seit Anbeginn eng mit dieser Krankheit verbunden.

Denn die Krankheit brach aus, als sich um mich nicht gut gekümmert wurde. Aufgrund der Umstände, wie die Krankheit in mein Leben kam, ist sie eigentlich mein Schlüssel zur Selbstheilung von diesem Trauma, auch wenn die Krankheit selbst unheilbar ist. Denn sie erlegt mir jeden Tag erneut auf, mich gut um mich selbst zu kümmern.

Text zum Thema Körpervertrauen, weiß auf beigem Hintergrund: "Körperliebe = Selbstfürsorge"

Mein Auftrag: Selbstfürsorge

Für mich heißt das: Der Weltgeist hat mir vielleicht genau diese Krankheit geschickt, weil meine Selbstfürsorge (wenn ich sie verantwortungsvoll und erwachsen ergreife), mich von der Vernachlässigung heilt, die ich damals erfahren habe.

All diese Gedanken habe ich, ausgelöst durch die Meditation, bei dem einen warmen Bad am Vormittag meines “perfekten Tages” bewegt. Natürlich genau an einem Tag, an dem ich mich sowieso schon in Selbstfürsorge übte. Eigentlich total klar, dass einem eine solche Erkenntnis an einem solchen Tag entspannt in der Badewanne trifft, und nicht an einem normalen Tag morgens beim Brotbox-Herrichten für die Kinder.

Was ich damit sagen will:

  • Sei Deinem Körper dankbar. Er kann viel mehr, als Du glaubst. Er ist Dein Schlüssel zu allen Erfahrungen!
  • Schicksalsschläge und Krankheiten bergen eine Aufgabe oder Hinweise zu Themen, mit denen wir uns auseinandersetzen sollten. Zwar ist das immer individuell, aber es lohnt sich, sich damit zu befassen.
  • Und nicht vergessen: Sei Deinem Körper dankbar und vertraue ihm.
  • Und sei vor allem dann dankbar, wenn Dein Körper halbwegs gesund ist!

Nun hoffe ich, dass mein Bericht etwas in Dir berührt. Wenn das so ist, dann freue ich mich, davon in den Kommentaren zu hören. Und noch einmal für Dich: Es ist immer interessant darüber nachzudenken, warum einen etwas berührt. Denn da kommt man manchmal auf erstaunliche Selbsterkenntnisse.

Ich wünsche Dir, dass Du ein gutes Körpervertrauen hast und Deinem Körper für sein Dasein, sein Aussehen und sein tägliches, wunderbares Tun dankbar sein kannst!

Deine Maike

Text zum Thema Körperliebe und Körpervertrauen, weiß auf beigem Hintergrund: "Je mehr du deinem Körper vertraust, desto mehr vertraust du deinem inneren Selbst." Stephen Russell

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