Jeder Blick schenkt mir ein neues Leben: Wochenende in Bildern 14./15. November 2020

Mein Vati hatte am Samstag Geburtstag, deswegen sind wir in Berlin geblieben und nicht aufs Land gefahren. Es war ein mildes, hochherbstliches Wochenende, bei uns wie üblich gemütlich, ohne große Unternehmungen, aber mit viel schöner Zeit zusammen.

Der Bericht ist wie immer verlinkt bei den Großen Köpfen, dem bekannten Berliner Familienblog, auf dem sonntags immer die Wochenenden in Bildern vieler Familien gesammelt werden.

Die Phrase aus der Überschrift stammt aus diesem Gedicht von Jakob Haringer:

An dem Gedicht gefällt mir die lässige Bereitschaft, dem Tod ins Auge zu sehen, auch wenn noch so viel Schönes vor uns liegt. Ein leicht formuliertes, „Klar könnte ich morgen sterben, ich weiß! Aber bis dahin erfreue ich mich an den Dingen, die das Leben mir schenkt!“

Ich halte das für eine gute, gesunde Lebenshaltung. Die Leichtigkeit, mit der das lyrische Ich den „enttäuschenden Brief“ zu den andern schmeißt, tut mir gerade gut. Denn bei uns/mir gab es auch zwei enttäuschende Nachrichten, die mich ganz schön mitgenommen haben. Aber was soll’s – weg damit zu den anderen alten Enttäuschungen. Morgen gibt’s wieder was Leckeres zum Essen, ein lautes Kinderlachen, einen besonderen Natureindruck und eine schöne Begegnung. Schauen wir doch das Positive an. Und arbeiten daran, dass Negatives sich nicht wiederholt.

Aber genug der Sinniererei – hier mein Wochenende in Bildern:

Samstag, der 14. November 2020

So sieht es jetzt aus, wenn man vor unserer Haustür steht.

Und so, wenn man sich nach links wendet.

Dieses Bild fängt man ein, wenn man vor unserem kleinen Vorgarten steht und in Richtung Küchenfenster schaut.

Es ist heute sehr mild, aber der Himmel ist bedeckt. Es nieselt ganz, ganz leicht.

Wieder drin. Auf dem Sofatisch liegt dieses von der Tochter gemalte Sonnensystem mit den acht Planeten (Pluto wurde „ausgemustert“, wie die Tochter sagt). Sie ist gerade fasziniert von den Planeten. Das gleiche Bild hat sie gestern mit ihren Freundinnen im Hort an eine große Tafel gemalt.

Heute Abend feiern meine Brüder und ich mit meinem Vati seinen Geburtstag. Er ist ja schwer krank. Wir hoffen, dass dies nicht sein letzter Geburtstag ist. Deswegen werden seine Geburtstage bewusst und so schön wie möglich gefeiert.

Eigentlich wollten wir heute mit unserem Vati in den Ort fahren, in dem er aufgewachsen ist. Das ist ein großer Wunsch von ihm. Aber wir dürfen wegen Corona dort nicht hin. Deswegen haben wir umdisponiert und ein Abendessen bei ihm zu Hause geplant, nur zu viert, also mein Vati, meine beiden Brüder und ich. Von uns vier sind drei Risiko-Patienten. Wir müssen also achtsam sein. Deswegen kommen die Kinder und unsere Partner*innen nicht mit.

Ich packe das Geschenk für meinen Vati ein. Es ist ein schöner Pulli, den meine Brüder und ich ihm gemeinsam schenken. Vati wollte eigentlich keine Geschenke, aber einen neuen, warmen Pulli braucht er ohnehin. Und er freut sich darüber wirklich, das wissen wir.
Die kleine Tochter malt die Glückwunschkarte.

Und die große Tochter backt einen Geburtstagskuchen. Aus der Teigmasse machen wir zwei Kuchen, einen kleinen Kuchen für Vati / Opa und einen größeren für uns zu Hause. Der Kuchen im Bild ist der, der bei uns geblieben ist.

Nach dem Kuchenbacken schälen mein Mann und ich die Zehen von 18 Knoblauchknollen. Wir stellen eine Knoblauchkur her, die wir dieses Jahr ausprobieren wollen. Angeblich ist es ein uraltes chinesisches Rezept für eine Verjüngungskur. Für die Herkunft gibt es aber keine nachvollziehbaren Belege. Weil ich aber von der heilsamen Wirkung von Knoblauch absolut überzeugt bin, will ich die Kur trotz fehlender Belege einmal ausprobieren. Knoblauch wirkt antibakteriell und leicht antiviral. Deswegen bin ich überzeugt, dass die Kur nur guttun kann. Ich plane einen Blogbeitrag zu dem Thema, deswegen nutze ich unsere heutige Aktion gleich dazu, um Fotos für den Blogbeitrag zu machen.

Das sind die geschälten Knoblauchzehen für die Knoblauchkur für zwei Personen. Für eine Person braucht man etwa 8 Knoblauchknollen, je nach Größe.

Die Zehen werden zerkleinert und mit krass hochprozentigem Alkohol aufgefüllt. Das muss dann eine Weile kühl stehen und wird dann über mehrere Wochen tröpfchenweise zu den Mahlzeiten eingenommen.

Die Fensterbank in der Küche ist St. Martins-haft geschmückt. Themen der Martins-Zeit sind ja unter anderen Geben und Annehmen-Können. In letzterem übe ich mich gerade (danke, Annette, falls Du mitliest 🙂 )

Der weitere Vormittag vergeht mit Einkäufen und der Zubereitung der Vorspeise für heute Abend. Ich bin heute Abend für die Vorspeise zuständig, meine Brüder übernehmen jeweils Hauptspeise und Nachtisch. Ich möchte einen Lachstatar mit viel Dill zubereiten, weil mein Vati Dill und Lachs liebt. Guten Lachs bekommt man nicht um die Ecke, also muss ich ein Stück fahren, um an das Gewünschte zu kommen.

Und dann stehe ich eine Stunde in der Küche und schneide das rohe Lachsfilet eigenhändig in winzige Würfelchen. Ich mache es mit Zitronensaft, Zitronenschale, Honig, wenig Senf, Salz, Pfeffer und Olivenöl an. Und mit viel frischem Dill.

Weil es zu dem Lachs-Tatar noch einen „Avocado-Spiegel“ geben soll, mache ich noch eine Guacamole.

Mittags gehe ich mit den Hunden raus in den schönen Herbst. In unserer Wohnanlage ist der Hebst jetzt auch fortgeschritten.

Für die Tischdekoration für heute Abend sammle ich gleich ein paar der schönen gelben Ahorn-Blätter und Efeu.

Ich packe alles zusammen, was heute zu meinem Vati mitmuss – das ergibt vier große Taschen. Mittagessen, kurzer Mittagsschlaf, dann muss ich schon los. Ich fahre mit dem Regionalexpress nach Berlin-Spandau, wo mein Vati wohnt.

Als ich aussteige, erlebt Spandau einen wunderschönen Sonnenuntergang:

Es leuchtete viel stärker, als die Bilder es wiedergeben.

Bei meinem Vati staune ich. Meine Brüder sind schon seit Mittag hier zugange. Sie haben das Wohnzimmer komplett um- und aufgeräumt und geputzt. Jetzt ist hier wieder viel mehr Platz, und es wirkt sehr viel heimeliger und properer.

Ich fange an, alles mit unseren selbst gemachten Faltlaternen, Kerzen und Grünzeug zu dekorieren. Hier ist noch das Licht an, das später für die schöne Stimmung gelöscht wird.

Ich habe Väschen mit Ahornblättern, Efeu und Blümchen gefüllt und im Raum verteilt. Außerdem habe ich Kerzen und Kerzenständer mitgebracht, so dass wir den Raum fast nur mit Kerzen beleuchten können. Nur eine Stehlampe hilft ein bisschen mit.

Wir stoßen auf die Gesundheit unseres Vatis an. Und wir sind dankbar, dass wir so schön zusammen sitzen können. Denn meinem Vati geht es nach einigen Aufs und Abs in den letzten beiden Jahren den Umständen entsprechend erstaunlich gut.

Vorspeise: Lachs-Tatar mit Röstbrot.

Hauptgang: Saltimbocca alle romana mit Kartoffelgratin, zubereitet von meinem älteren Bruder.

Der jüngere Bruder tischt zum Nachtisch seine unvergleichlichen, selbst gebackenen Scones mit clotted cream und Erdbeermarmelade auf.

Der Abend ist sehr schön und harmonisch, wir spielen noch unser Familienspiel „Rummy“ zusammen und dann fahre ich gegen 21:30 Uhr todmüde und geschafft mach Hause. Zu Hause gehe ich sofort in die Heia.

Sonntag, der 15. November 2020

Erst heute Morgen sehe ich, dass die große Tochter unseren Kuchen noch dekoriert hat. Mit Herbstblättern und Sternen.

Das Wetter ist heute noch milder als gestern. Blauer Himmel deutet sich an. Deswegen machen wir eine Radtour. Mein Mann will mir Ecken in Mitte zeigen, die er selbst erst kürzlich entdeckt hat. Und die anscheinend ganz erstaunlich sind.

Hier fahren wir erstmal durch den Humboldthain. Wer mir auf Instagram folgt, konnte die romantische Fahrt unter einem Herbstblätter-Regen in meinen Stories sehen.

Mein Mann zeigt uns Straßen, die ich noch nie langgefahren bin. Und es verstecken sich hier wirklich Schätze. Das hier ist ein alter Geschütz-Schuppen direkt um die Ecke vom Hauptbahnhof (man glaubt es kaum!), der von einem Künstler und von Architekten als Atelier/Büro genutzt wird.

Aber noch viel krasser: Hie liegt ein wunderschöner Park, von dem ich gar nicht wusste, dass er existiert. Nur einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt. Und total unbekannt.

Es handelt sich um den Sportpark am Poststadion bzw. den Fritz-Schloß-Park. Ehrlich, hier war ich noch nie. Und dabei liegt dieser Park mitten in Mitte und ist voll schön. Und da er im weiten Umkreis von öffentlichen Gebäuden umgeben ist, gehen hier auch gar nicht so viele Leute hin. Heute jedenfalls ist es hier ziemlich leer.

Oben auf dem Trümmerberg steht ein Gingko-Baum, der gerade seine Blätter abwirft. Da sammle ich natürlich welche.

Und weiter fahren wir, aus dem Park heraus, an neuen Wohnanlagen vorbei und durch das neue Viertel moderner Häuser hinter dem Hauptbahnhof…

In diesem Haus wird das Stromnetz von ganz Nord- und Ostdeutschland gesteuert. Ein Bekannter meines Mannes hat für diese Firma gearbeitet und meinem Mann einmal erzählt, dass man in diesem Haus nur auf einen bestimmten Knopf drücken muss, um ganz Nord- und Ostdeutschland die Stromversorgung zu entziehen.

Hinter dem Gebäude liegt gleich der Hamburger Bahnhof, das Museum für Gegenwartskunst.

Mein Mann macht sich einen Spaß an diesem begehbaren Kunstwerk von Urs Fischer von 2005. Bei dem Kunstwerk geht es darum, Vergänglichkeit („vanitas“) zu zeigen. Es ist ein Stück Mauer, das sichtbar zu einer Ruine wird. Natur in Form von Efeu und anderen Ranken, aber auch Erosion, Wind und Regen, dürfen ganz im romantischen Gestus die Skulptur überwuchern und verändern. Damit thematisiert das Kunstwerk auch ironisch die Arbeit von Museen, Kunst zu bewahren, „wie sie ist“.

Wir fahren dann noch an den neuen Luxus-Häusern vorbei, die am Ufer des Kanals stehen und noch entstehen, zum Beispiel die Residenz Riverside Square. „Best Place – Zu Hause sein in bester Lage – casual elegance for urban cosmopolitans“, versprechen die Plakate vor dem Bauprojekt. Die Wohnungen sind 56 qm bis 240 qm groß und kosten zwischen 600.000 € und 2.650.000 €. Also blättert man hier für 56 qm mehr als eine halbe Million Euro hin.

Und dann radeln wir durch alt bekannte Parks und herbstliche Straßen nach Hause.

Die kleine Tochter hat sich im Keller ihr altes Pferdchen geholt und bürstet es hingebungsvoll mit allen verfügbaren Bürsten.

Die große Tochter macht wieder Salzteig, weil die Schleich-Figuren noch Betten und anderen Kram brauchen. Ich forme aus einem Rest einen Kerzenteller für die gelbe Kerze.

Nach dem Mittagessen geht die kleine Tochter zu ihrer besten Freundin. Wir machen eine schöne Mittagspause.

Nach der Pause gehen die große Tochter und ich nochmal mit den Hunden raus. Die Tochter hat eine neue Jacke, auf die sie sehr stolz ist. Sie wollte genau so eine („eine kurze, weiße Daunenjacke mit Fell an der Kapuze, Mama!“) und ich war so glücklich, genau so eine gebraucht zu finden. Und sie passt genau und ist gemütlich. Puh.

Der Sonntag geht zu Ende mit Spielen drinnen mit der großen Tochter. Wir spielen Klassiker wie Mensch ärgere dich nicht und Stadt-Land-Fluss. Macht großen Spaß.

Erst um 19:30 Uhr kommt die kleine Tochter nach Hause. Glücklicherweise hat sie schon gegessen. Beide Kinder sind müde und gehen sofort ins Bett.

Und auch für mich geht dieser Tag jetzt zu Ende.

Für mich steht die Martinszeit unter dem Zeichen von Licht, Barmherzigkeit und dem Blick darauf, was anderen Menschen eventuell fehlt. Nicht nur an sich selbst denken, sondern schauen, wo andere Menschen Mangel haben. Und wie immer: Wertschätzen, was man selbst hat, was bei einem selbst in Ordnung ist.

Ich war diese Woche auch ein- zweimal traurig und verzweifelt. Aber beide Male habe ich mich jemandem anvertraut und Trost geschenkt bekommen. Und es gibt Menschen – darunter zwei Leser*innen des Blogs! – die mich liebevoll beschenkt haben. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Und ich lerne dabei, wie es geht und wie schön es ist, auch einmal Hilfe oder Gaben anzunehmen. Denn das bin ich eigentlich kaum gewöhnt.

Ich hoffe, dass Du schätzen und genießen kannst, was Dir gegeben ist. Dass Du, wenn Du Hilfe brauchst, weißt, wen Du um Hilfe bitten kannst. Oder dass jemand sieht, dass Du Hilfe brauchst. Ich bitte alle, denen es aufgrund der aktuellen Umstände schlecht geht, sich Hilfe zu holen. Manchmal sehen Menschen nicht, dass Du Not hast, dass es Dir schlecht geht. Denn wir alle sind ja gut darin, unsere Sorgen und Nöte vor den Blicken anderer zu verbergen. Aber es ist besser, sich jemandem anzuvertrauen. Denn nur, wenn wir unsere Bedürftigkeit zeigen wie der arme Mann im Schnee vor Sankt Martin, dem kann geholfen werden.

In diesem Sinne wünscht Dir eine gute Martinszeit,

Deine Maike

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