Blau umdunstet: Wochenende in Bildern 21./22. März

Kind mit Puppenwagen in Heidelandschaft

Dieses erste Frühlingswochenende war sonnig, aber eiskalt. Heute, am Sonntag, hatte es bei Sonnenuntergang gerade mal 4°C.

Ich hoffe, Ihr verzeiht, wenn ich das C-Thema hier komplett auslasse, Wenn ich dazu etwas schreiben müsste, würde ich Romane schreiben, denn unbestreitbar gibt es dazu viel zu sagen. Deswegen hier lieber gar nichts.

(Nachtrag 23.3.: ganz unten habe ich dann doch etwas dazu geschrieben 🙂 )

Wir sind (glücklich und privilegiert) schon ein paar Wochen auf dem Land. Dieses Wochenende haben wir genutzt, um Arbeiten auf dem Grundstück zu erledigen: tote Äste entfernen und entsorgen, unsere Gemüsebeete planen, Holz hacken und ein Stück unwegsames Gelände für einen neuen Draußen-Sitzplatz einebnen.

Hier die Wochenenden in Bildern von anderen Familien.

Das folgende Gedicht von Detlev von Liliencron, aus dem die Überschrift entnommen ist, beschreibt ziemlich genau die Natur um uns herum. Ich habe heute Morgen beim Spaziergang tatsächlich Feldlerchen aufsteigen sehen. Kraniche ziehen ohnehin durch die Lüfte, und Wolkenschatten gab es dieses Wochenende auch. Ich hoffe jedoch, dass ich unser Glück nicht schwimmen lassen muss. Und dass es kein „kurzes Glück“ ist.

Märztag

Wolkenschatten fliehen über Felder,
Blau umdunstet stehen ferne Wälder.

Kraniche, die hoch die Luft durchpflügen,
Kommen schreiend an in Wanderzügen.

Lerchen steigen schon in lauten Schwärmen,
Überall ein erstes Frühlingslärmen.

Lustig flattern, Mädchen, deine Bänder;
Kurzes Glück träumt durch die weiten Länder.

Kurzes Glück schwamm mit den Wolkenmassen;
Wollt es halten, mußt es schwimmen lassen.

(Detlev von Liliencron)

Samstag, der 21. März 2020

Der Tag beginnt gemütlich mit den Kindern im Bett. Die Kinder bekommen ihr erstes Frühstück, mein Mann liest ein langes Kapitel Harry Potter vor. Wir sind mittlerweile beim 4. Band angelangt (die Geschichte mit dem Trimagischen Turnier).

Die Kinder lieben es, morgens während dem Vorlesen mit dem Hund zu kuscheln.

Noch ist es bewölkt. Das Töchterchen fährt ihre Puppe spazieren und ich schließe mich dem Spaziergang übers Grundstück mit dem Hund an.

Wir fangen an, ein Stück des Grundstücks für einen neuen Sitzplatz einzuebnen. Weil hier mal eine Baumschule war, ist der Boden zum Teil in Wellen gelegt. Die Kinder helfen mit, die Erde zu verteilen.

Sehr lang halten die Kinder nicht durch. Macht aber nichts. Sie sind ganz erhitzt vom Graben und rennen ins Haus, weil sie schon wieder Hunger haben. Mein Mann und ich graben noch eine Weile weiter. Da rufen uns die Kinder ins Haus: „Mama! Papa! Wir haben eine Überraschung!“

Die Überraschung: Sie haben Frühstück gemacht. Ich esse zwar zur Zeit morgens nichts, aber ich freue mich total über das Glück und den Stolz der Kinder, und esse wenigstens die Avocado, die sie extra für mich hingelegt haben.

Der Vormittag vergeht mit weiterer Arbeit im Garten. Und ich arrangiere die Blumen im Haus neu.

Die Anleitung für verschiedene frühlingshafte/österliche Dekorationen mit Steckzwiebeln wie den Kranz auf diesem Bild finden sich hier.

Am Nachmittag geht es nochmal mit dem Hund raus. Hier haben wir einen Fuchs- oder Dachsbau gefunden. Der Hund möchte am liebsten reinkriechen.

Der Himmel ist jetzt gleißend blau. Die Kiefern wehen im kalten Wind. Man braucht eine Mütze. Auch Handschuhe sind nicht fehl am Platz.

Der Hund schnuppert im Wald herum und wittert etwas. In der Nähe ruht oft die Hirschherde, vielleicht riecht er das. Er bleibt aber brav bei uns und nimmt die Fährte nicht auf.

Auch hier im Graben hat er etwas Interessantes gerochen. Hier gehen die Tiere des Waldes trinken.

Noch sind die Birken und Erlen kahl. Aber man sieht überall die Knospen schwellen.

Mein Mann und ich wollen dieses Jahr auch draußen Gemüse anbauen. Wir gehen übers Grundstück und überlegen, wo wir das Beet anlegen sollen. Wir entscheiden uns für diese Stelle.

Der Tag endet mit noch mehr Harry Potter vor dem Ofen im Wohnzimmer, Telefonaten mit Familie und Freunden und einem Film auf dem Computer. Wir haben hier ja auch keinen Fernseher.

Sonntag, der 22. März 2020

Auch der Sonntag beginnt für die Kinder mit Frühstück und dem Vorlesen von Harry Potter im Bett.

Frühstückswunsch der kleinen Tochter: Röstbrot mit Butter und Apfelschnitze, und bitte auf dem Rosenteller.

Während mein Mann vorliest, gehe ich mit Hund spazieren. Es ist noch vor acht Uhr. Die Sonne scheint, und die Vögel zwitschern. Ich beobachte zwei Buntspechte beim Liebesspiel und sehe einen großen Bussard vor mir auffliegen, der daraufhin zu seinem Nest im Wald fliegt. Außerdem diese beiden Meisen, die wahrscheinlich das gleiche wie die Buntspechte tun. Die eine hüpft immer hinter der anderen her.

Oben links flattert die zweite Kohlmeise gerade los.

Ein klarer, aber eiskalter Frühlingsmorgen.

Die Kinder waren inzwischen auch schon draußen. Die jüngere Tochter kommt frierend herein und möchte sich in der Badewanne aufwärmen. Sie badet zur Zeit gern, weil sie es liebt, mit der Schwimmbrille nach Gegenständen zu tauchen.

Hier hat sie die Halskette eines Meermädchens gefunden. Eigentlich ist es die Kette der Puppe der großen Tochter.

Für mich steht weitere Gartenarbeit auf dem Programm. Ich sammle einen Korb Zapfen auf dem Grundstück und lege mit den Zapfen den Umriss unseres Gemüsebeetes. Es soll kein rechteckiges Beet werden, sondern das Beet soll einen organischen Umriss haben. Das können wir umsetzen, weil wir nicht mit Platz sparen müssen. Wir wollen uns aber am Anblick des Beets erfreuen. Und meine Augen freuen sich mehr an organischen Formen, und nicht so sehr an ordentlich abgezirkelten Rechtecken.

Ich nutze die Zeit, um armweise Totholz vom Boden aufzulesen, das der Wind von den Bäumen gefegt hat. Mein Mann transportiert und hackt inzwischen Holz – die Stämme der Birke, die wir vor anderthalb Jahren fällen ließen, und die seitdem unter einer Plane lagen.

Die Kinder haben inzwischen in ihrer neuen Tannenhöhle eine Elfenwohnung für ihre Schleich-Elfen mit unserem Vogelhäuschen gebaut. Die Tannenhöhle ist ein Raum, der zwischen zwei Tannen entstanden ist. Er ist vollkommen von Tannengrün umgeben. Eine echte Höhle, in der man gut aufrecht stehen kann.

Dann entdecken wir mitten im Moos plötzlich diese kleinen Blümchen, die ich vor anderthalb Jahren gepflanzt habe. Ich habe sie noch nie blühen sehen, deswegen freue ich mich total.

Am Nachmittag befreie ich unseren Rosenstrauch von verdorrten Zweigen und pflanze ein wenig im Garten. Wir haben seit einer Woche schon Töpfe hier stehen, die dringend eingepflanzt werden müssen.

Die Kinder packen ihre Rucksäcke mit irgendwelchem Klimbim voll und rennen damit kreuz und quer übers Grundstück. Als ich sie mitten im Rennen frage, was sie machen, bekomme ich zur Antwort: „Wir rennen schnell zum Ufo!“ Okay. Oben auf dem Bild sieht man also zwei Mädchen im Ufo, denn hier ließen sie sich kurz darauf nieder.

Ich pflanze Liebstöckel für die gute Küche, Efeu für den Holzzaun und wilden Wein für die Hauswand ein. Natürlich müssen die neuen Setzlinge gut gegossen werden. Es soll jetzt leider eine Weile nicht regnen.

Gute Nacht!

Ich habe draußen zu tun, bis die Sonne hinterm Wald untergeht.

Ziemlich ausgekühlt komme ich ins Haus, wo die Kinder schon wieder baden, weil sie ziemlich durchgefroren waren nach dem Draußen-Spiel.

Es ist schon Abendbrotzeit. Also bekommen die Mädchen einen Teller mit belegten Broten, Obst und Gemüse sowie ein Schälchen Haferbrei mit Zimt. Und zwei weitere Kapitel Harry Potter vor dem Ofen, bis die Augen fast zufallen. Also ab ins Bett.

Ich bin jetzt auch müde nach dem langen Tag. Von der körperlichen und schweißtreibenden Arbeit im Garten gestern und heute habe ich leichten Muskelkater hier und dort. Deswegen freue ich mich jetzt sehr auf mein warmes, weiches Bett.

Ich weiß, wir sind total privilegiert, glaubt mir. Und nicht nur, weil wir es uns hier auf dem Land schönmachen (wenn auch mit Arbeit und Kindern, die beschult werden müssen), während mittlerweile viele Menschen in Europa in kleinen Wohnungen bleiben müssen, und das manchmal unter unschönen Bedingungen. Sondern vor allem im Vergleich zu den Menschen in Syrien, auf Lesbos oder auch in Uganda. Und an vielen anderen Orten auf der Welt.

Weil wir hier alle so privilegiert sind, möchte ich noch darauf hinweisen, wie es gerade unserem Patenkind Sandra in Uganda und vielen ihrer Freundinnen, Freunde und Familien geht. Ich bitte alle Leser*innen darum, ein paar Euro an die kleine Organisation 22 Stars zu spenden, denn die Kinder müssen wegen geschlossener Schulen zu Hause bleiben und ihre manchmal einzige Mahlzeit am Tag in der Schule fällt aus. In Uganda gibt es weder genug Seife noch genug Essen für die Kinder. Mit den Spenden wird direkt und ohne Abzüge für Verwaltung o.ä. Bohnen und Posho (eine Art Polenta) sowie Seife für die Familien gekauft, um das Schlimmste zu verhindern.

Hier findet Ihr mehr Infos dazu. Bitte spendet etwas (das geht ganz einfach, sogar mit Paypal!), und seien es nur 5 oder 15 Euro. 15 Euro ist die Hälfte des Monatsverdienstes mancher Familien dort. Obwohl meine Familie auch gerade vor dem finanziellen Aus steht, habe ich trotzdem etwas gespendet, denn immer noch haben wir hier in Deutschland so viel mehr als die Menschen dort. Und deshalb beklagen wir uns bitte nicht über Langeweile, Klopapier oder darüber, dass wir nicht mehr im Lieblings-Restaurant essen gehen oder Partys feiern dürfen.

Bitte das hier lesen und dann großzügig spenden. Ich bitte Euch!

Danke für Euer Verständnis und Eure liebevollen Gedanken.

Es wird vorübergehen!

Ich wünsche allen Leser*innen natürlich Gesundheit und gutes Durchhalten in unangenehmen Bedingungen zur Zeit.

Eure Maike

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