Wochenende in Bildern

Land der Sonne: Wochenende in Bildern 8./9. August 2026 (Provence)

Seit Freitagabend sind wir in unserem Ferienhaus in der Provence, in der Nähe von Marseille und Aix-en-Provence. Unser Haus steht eine Kette weiter als die Hügel, in denen die bekannten Romane und Filme von Marcel Pagnol spielen.

Statt eines Gedichtes habe ich ein Zitat von Marcel Pagnol herausgesucht:

Die Provence ist ein Meer blauer Hügel, das man wie im Traum durchquert. Es ist ein Land der Sonne und der Stille, in dem die Hügel denen zunicken, die sie zu hören wissen.“

Und ich hoffe, dass ich sie zu hören weiß.

Freitag, der 7. August 2026

Wir sind um 4 Uhr bei meiner Mutter in Stuttgart losgefahren. Die erste kleine Pause machen wir beim Schloss Ofteringen in Süddeutschland, das meiner Ur-Urgroßmutter Helena von Ofteringen gehörte. Das Patriarchat sorgte dafür, dass es in die Hände der Kirche fiel, weil es keine männlichen Nachfahren gab. Seitdem ist es ein Nonnenkloster. Helena von Ofteringen wurde jedoch mit Landbesitz und Fischereigründen entschädigt, die bis in die vorletzte Generation noch im Besitz meiner Familie mütterlicherseits waren. Jetzt sind nur noch ein paar wertlose Grundstücke im Südschwarzwald übrig, an denen jedoch mein Herz hängt – denn es stehen Walnussbäume drauf, und das finde ich so, so schön.
Ich finde es ein bisschen lustig, dass wir alle einmal Pipi hinter dem Schweinestall des Nonnenklosters machen. 🙂
Die zweite Pause um 9 Uhr machen wir am Genfersee, denn wir fahren durch die Schweiz. Wir machen einen schönen Spaziergang an der Uferpromenade von Morges, einem idyllischen kleinen Städtchen bei Lausanne. Auf der anderen Seeseite sieht man den Montblanc, den höchsten Berg der Alpen. Er ist sehr weit weg und zur Zeit noch mit Schnee bedeckt.
Ich glaube, hier mache ich das vorige Foto.
Am späten Nachmittag kommen wir in unserem Ferienhaus an. Das große Kind ist sofort nach der Ankunft in den hauseigenen Pool gesprungen und genießt jetzt die tolle Aussicht auf das Sainte Victoire-Gebirge. Das „Ferienhaus“ ist das Haus einer Familie, das wir für 2 Wochen nutzen dürfen, weil wir über eine Haustausch-Plattform unser Haus einer Familie aus Spanien zur Verfügung stellen. Das funktioniert mit einem Punkte-System. Wir machen das ja seit Jahren und landen damit immer an Orten, auf die wir selbst nicht gekommen wären, die aber ganz wunderbar sind. Wir suchen für den Sommer immer nach Häusern mit Pool im Süden, wo man auch wandern kann.
Sonnenuntergang.

Samstag, der 8. August 2026

Als wir aufstehen, ist herrliches Wetter. Ich glaube, die erste von uns ist schon um 8 Uhr im Pool.

Wir fahren einkaufen und kurven noch ein Stück in der Gegend rum. Von einem kleinen Hügel fotografiere ich den Berg hinter unserem Haus – und unser Haus auf Zeit, das zum Teil von einer großen Eiche verdeckt ist. Der schlecht hingeschmotzte Pfeil zeigt darauf.

Wir haben in der Dorf-Konditorei winzige Küchlein erstanden, die mit der unvergleichlichen Crème Patisserie gemacht sind (eine gelbe Creme aus Eiern und Sahne, die absolut köstlich schmeckt). Wir verdrehen vor Wonne die Augen. Auch die Croissants und das Landbrot der Bäckerei sind so, wie man es nur in Frankreich bekommt.
Wir verbringen nach dem langen, anstrengenden Reisetag gestern fast den ganzen Tag am Pool. Es ist heiß; deswegen tauchen wir auch die Hunde gelegentlich ins Wasser.
Mittags bereite ich eine Ratatouille zu. Ich schneide das Gemüse draußen am Pool.
Wenn ich nicht schwimme, Gemüse schneide oder den Kindern Obstteller zurechtmache, lese ich dieses anbetungswürdige Buch, das mir das große Kind ans Herz gelegt hat. Ich verstehe so gut, warum sie es liebt. Es ist tief poetisch und philosophisch; der Erzählstil ist trocken beobachtend, witzig und emotional zugleich, und gekrönt von einem sprachlichen Rhythmus, der seinesgleichen sucht. Der allwissende Erzähler ist weniger allwissend als normalerweise, weil er die Perspektive verschiedener Figuren einnimmt, ohne wirklich aus ihnen heraus zu sprechen. Dazu ist die Handlung herzzerbrechend, und die Figuren sind großartig – tief verletzt und stark zugleich. Absolute Leseempfehlung auch für Erwachsene, auch wenn die Geschichte sich in erster Linie an (ältere) Teenager richtet.
Für unsere Familie ist ein Pool für uns allein direkt am Haus die ideale Form von Urlaub.
Hündchen Emma sucht Nähe auf meinem Bauch.
Wir verspeisen die Ratatouille, die mit Kräutern der Provence aus dem Garten gewürzt ist – frischer Thymian, Rosmarin, Oregano und Majoran, außerdem gekaufter Basilikum. Und natürlich mit mehreren Zehen Knoblauch. Dazu gibt es das köstliche Pain de campagne (Landbrot) aus dem Dorf.
„Es gibt Regen“, scherzt das kleine Kind angesichts dieser einsamen Wolke am Himmel.
Am frühen Abend fahren wir nach Aix-en-Provence rein, weil wir neugierig auf diese vielgepriesene Perle der Provence sind. Wir finden erstaunlicherweise direkt einen Parkplatz direkt im Zentrum. Der rechte Wasserspeier am Brunnen sieht nicht so glücklich aus.
Die Restaurants und Bars von Aix füllen sich mit sommerlich gekleideten Menschen.
Wir stromern über den berühmten Cours Mirabeau, den wir aber nicht so toll finden (viel zu viele Leute, zu breit und zu wenig grün), aber die kleineren Straßen sind unglaublich lauschig und offenbaren romantische Anblicke ohne Ende.
Hier eine Art Hof mit kleinem Restaurant unter einer Platane.
Nach einer Stunde haben die Kinder absolut genug, weil hier viele Menschen unterwegs sind, und so verschieben wir weitere Erkundungen von Aix auf nächste Woche. Zu Hause gibt es noch die handgemachten Spätzle mit Geschnetzeltem und Pfifferlingen, die meine Mama uns mitgegeben hat, und zum Abschluss nochmal Schwimmen im Pool, obwohl es schon dunkel ist.

Sonntag, der 9. August 2026

Wir stehen schon zum Sonnenaufgang auf, weil wir den kühlen Morgen nutzen wollen, um zu wandern.
Wir wandern auf die Berge hinter unserem Haus, denn bei einem soll es eine Höhle namens „Feengrotte“ geben – und eine tolle Aussicht.
Unser großes Kind ist mitgekommen. Dass sie gern wandern möchte, ist für uns eine riesige Freude. Das wäre früher nicht denkbar gewesen – noch vor einem Jahr nicht. Jetzt will sie plötzlich mit und ist total enthusiastisch. Hier blickt sie auf das St. Victoire-Massiv, das gegenüber von unserem Dorf liegt. Es ist etwa 30 km entfernt.
Hier sind wir auf dem Mont St. Julien angekommen, und hinter mir liegt Marseille.
Der rote Felsen trägt die Farbe, weil hier Eisenoxid benutzt wird, wenn Löschflugzeug-Piloten den korrekten Abwurf von Wasser üben.
Der Abstieg ist an manchem Stellen ziemlich steil, felsig, unübersichtlich und auch für meinen Mann und mich herausfordernd, obwohl wir beide ziemlich wandergeübt und fit sind. Das Ganze ist viel herausfordernder, als es für die Wander-Premiere des Kindes gut ist.
Aber sie ist unerschrocken und nimmt die schwierigen Stellen, ohne mit der Wimper zu zucken.
Im Dorf wandern wir an einer Reihe von Mistelbäumen vorbei.
Der Nachmittag vergeht wieder mit Schwimmen, Sonne und Lesen am Pool. Absolut herrlich.

Morgen wandern wir in eine der Calanques von Marseille, traumhafte Buchten mit türkisem Wasser und weißen Felsen. Wir gehen wieder zum Sonnenaufgang los, damit wir nicht in den späteren Andrang in den Buchten geraten. Dann wird wieder am Pool gechillt, und gegen Abend machen wir nochmal einen Ausflug zum Eisessen und Bummeln in einen der kleinen Orte der Umgebung.

Für uns ist das der perfekte Urlaub – Wandern für meinen Mann und mich (und jetzt auch das große Kind), Pool, Sonne und Lesen für alle – nur unterbrochen von Essen und Trinken – und ein bisschen Kultur/kleine Städte erkunden für meinen Mann, mich und das kleine Kind. Die Bedürfnisse hier waren und sind recht unterschiedlich, und es hat gedauert, bis wir herausgefunden haben, wie wir gemeinsam einen entspannten Urlaub verbringen.

Wir bleiben noch 12 Tage hier; zum Berliner Ferienende geht’s wieder in unsere Heimatstadt. Puh, ich will noch nicht daran denken… ich muss erst noch eimerweise Sonne tanken, blauen Himmel sehen und die würzigen Düfte der Provence einatmen.

Wo seid ihr? Erzählt gern! Und wer gute Tipps für Aix-en-Provence, Aubagne oder kürzere Wanderungen in die Calanques hat, gern her damit!

Liebe Grüße,
Eure Maike

Das Wochenende in Bildern ist verlinkt bei Große Köpfe.

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