Aus meinem Leben Wochenende in Bildern

Der Himmel war wolkenlos: Wochenende in Bildern 15./16. August 2026 (Provence)

Noch sind wir in der Provence im Urlaub, östlich von Marseille, in den felsigen Hügeln, die Marcel Pagnol in seinen Kindheitserinnerungen beschreibt. Pagnols Erinnerungen wurden in den 1990er Jahren unter den Titeln „Der Ruhm meines Vaters“ und „Das Schloss meiner Mutter“ verfilmt; ich habe diese Filme als Kind im Fernsehen gesehen und freue mich, dass wir dieses Jahr durch den Haustausch mit einer französischen Familie hier gelandet sind.

Es ist August und darum heiß, aber bisher haben wir das Glück, dass die Wandergebiete und die tiefen weißen Felsbuchten bei Marseille, die Calanques, noch nicht wegen Hitze oder Feuergefahr geschlossen sind.

Wir nutzen hier die ganz frühen Morgenstunden ab Sonnenaufgang zum Wandern, springen dann bei der ersten Hitze in die türkisen Fluten der Felsbuchten und sind dann schon gegen 12 Uhr wieder zurück im Ferienhaus, wo wir die Mittage am Pool und ruhend im kühlen Haus verbringen. Am frühen Abend machen wir dann manchmal noch Ausflüge nach Aix-en-Provence oder kleinere Orte der Region.

Natürlich muss ich hier wieder Marcel Pagnol zitieren, weil er wunderbare Worte für die hiesige Landschaft gefunden hat:

„Die Sonne schien sanft, der Himmel war wolkenlos. Weit, weit entfernt erstreckten sich felsige Hügel bis zum Horizont. Kein Laut war zu hören, nur das Zirpen der Zikaden durchbrach ab und zu die goldene Stille. (…) Diese Hügel, wo die ersten Menschen geboren wurden, verändern sich nicht; sie trotzen dem Lauf der Zeit. Unter der Julisonne schlummern sie unter ihrem Mantel aus Rosmarin und Thymian, Aleppo-Kiefern und Kalksteinfelsen, die wie Spiegel glänzen. Wer sich in ihre verborgenen Täler wagt, vergisst schnell den Lärm der Welt, denn dort entdeckt er die große Stille des Ursprungs wieder, die nur vom Rascheln des Windes in den Kiefernnadeln gestört wird.“
Marcel Pagnol

Samstag, der 15. August 2026

Heute wandern mein Mann und ich schon ganz früh in die Calanque de Sourmiou. Die Calanques bei Marseille sind eines der schönsten und besten Wandergebiete die ich bisher kennen gelernt habe. Für mich gibt es nichts Schöneres, als anspruchsvoll zu wandern (gern mit kleinen Kletterpartien), dabei besondere Ausblicke und überraschende Aussichten zu entdecken, und dann erhitzt in irgendein Wasser zu springen. Dafür eignen sich die Calanques perfekt.

Dazu kommt der absolut betörende Duft, durch den man wandert, und an dem man sich fast berauschen kann. Es ist gar nicht so sehr der Duft der Kräuter, den man riecht, sondern den der Kiefern. Sie strömen einen starken Duft nach Honig aus, der so süß und betörend ist, dass wir beim Wandern manchmal innehalten und tief einatmen, um den Duft ganz tief einzusaugen.

Wir wandern los, bevor die Sonne über die Felskuppen gestiegen ist.
Unter uns liegt die Calanque de Sormiou mit ihrem Kiesstrand, zu der wir als erstes unterwandern. Wir wollen in einem großen Bogen über die Felsen rechts zum Parkplatz vor den Calanques zurückwandern. Die Route habe ich in der Wander-App Komoot gefunden.
Bald sind wir hoch über die Calanque aufgestiegen.
Solche Passagen machen uns beiden viel Spaß, und wir haben beide richtig gute Schuhe, die solche Klettereien unterstützen. Es sind Wanderschuhe mit extrem gutem Halt und hervorragendem Sohlen-Grip, die fast wie Kletterschuhe sind.
Hier suche ich auf Komoot nach der richtigen Route. Denn als wir höher steigen, ist der Weg nicht mehr eindeutig – überall sind Felsen und Gestrüpp. Wir unternehmen drei verschiedene Versuche, um in den Felsen den Kammweg zu finden. Aber jedes Mal stehen wir irgendwann vor Abgründen, die man nicht ohne Kletterseil überwinden kann. Eine Passage, wo über einem Abgrund quer ein Kletterseil fest angebracht ist, trauen wir uns nicht zu und brechen diesen Weg ab. Wir kennen die Regeln des Alpenvereins, der dazu rät, Wanderungen lieber rechtzeitig abzubrechen als irgendwo zu landen, wo man weder vor noch zurück kommt, oder wo einen die Kräfte verlassen. Es ist stark, mutig und richtig, abzubrechen, bevor es zu spät ist. Wir finden es beide schade, denn beim Kammweg hätten wir fantastische Ausblicke gehabt, und der Rückweg runter in die Bucht ist steil (und Runterklettern ist unangenehmer als Hochklettern), aber wir wissen, es ist die richtige Entscheidung.
Wir kommen auf unserer Weg-Suche an Orte mit fantastischen Ausblicken. Hier am Col du Lui d’Ai (die i haben eigentlich zwei Pünktchen drauf, aber die finde ich auf meiner Tastatur nicht).
Blick über die Calanques Richtung Cassis. Die nächste Buch ist die Calanque de Morgiou, in die wir vor ein paar Tagen gewandert sind.
Hinter diesem schmalen Felsdurchgang geht es senkrecht Richtung Meer runter. Das ist nur was für echte Kletterer mit Sicherungs-Ausrüstung, aber nichts für uns.
Wir wandern zurück in die Bucht, die tief, tief unter uns liegt.
Nach der anstrengenden Wanderei sind wir komplett durchgeschwitzt – und es tut soooo gut, ins kühle Wasser zu springen!
Wir merken richtig, wie das Salzwasser uns trägt. Ich finde ja, nach dem Wandern tut Schwimmen wahnsinnig gut.
Wir müssen dann zwar noch eine Stunde zum Auto zurückwandern, aber dieser Weg ist harmlos. Nur wenig steil und man kann, wenn man will, bequem die schmale Straße entlangwandern, wenn man mal nicht auf seinen Füße achten will.
Zu Hause gibt’s gemischten Salat mit Resten von Rührei, Butterbohnen und selbst gebackene Focaccia mit Olivenöl und Rosmarin aus dem Garten.
Am späteren Nachmittag besuchen wir die Jardins d’Alberta, eine Gartenanlage bei Aix, in der es beeindruckende Statuen und Wasserspiele gibt.
Connor Storrie??? 🙂
Definitely Connor Storrie. 🙂
Auf dem Rückweg in unser Dorf fahren wir noch in das kleine Dorf Mimet, das malerisch auf einem Hügel liegt. Im Hintergrund das St. Victoire-Gebirge, dessen linkesten Felsen Cézanne am Ende seines Lebens ständig gemalt hat. Denn den konnte man damals von dem Hügel in Aix sehen, auf dem sein Atelier lag.
Fenster in Mimet.
Bei diesen netten Menschen wird gerade Wassermelone und Käse aufgetischt. Sie bieten uns was an, aber wir wollen nach Hause. Das Kind schafft heute keine Interaktion mehr.
Gasse in Mimet.

Sonntag, der 17. August 2026

Der Sonntag begrüßt uns mit Morgennebel im Tal. Auch hier kommt irgendwann der Herbst, und vielleicht ist er nicht mehr ganz so fern (aufgenommen von unserer Terrasse).
Die blauen Hügel Pagnols mit Nebel.
Heute bleiben wir den ganzen Vormittag am Pool. Ich lese „We were liars“ von E. Lockhart, wieder eine Empfehlung meines großen Kindes. Sie liest hier fast die ganze Zeit, wenn wir nicht unterwegs sind. Das Buch ist toll, aber „My Friends“ von Eric Backman war so herzzerreißend schön, dass wohl kaum ein Buch es diesen Sommer schafft, es zu übertrumpfen. Der Titel ist UNSÄGLICH SCHLECHT mit „Freunde fürs Leben“ ins Deutsche übersetzt.
Eines unserer Fenster mit Olivenzeigen davor.
Am Nachmittag fahren wir nach Aix und schauen uns Paul Cézannes Atelier an. Hier ich mit dem Audioguide, den man auf dem eigenen Handy hört.
Im Atelier Cézannes sind Dinge ausgestellt, die er oft gemalt hat, u.a. die weiße Statue auf der Kommode. Auch die Kommode selbst und der Ofen (Bild mit mir) sind manchmal auf seinen Stillleben zu sehen.
Diesen grün-beigen Olivenkrug (links) und das blaue Gefäß rechts hat er oft gemalt.
Wir trinken Kaffee bei der Fontaine Pascal, einem Brunnen aus dem 19. Jahrhundert. Das Café heißt „Faubourg 46“ und wir finden, es ist eins der schönsten Cafés in Aix, und glücklicherweise nicht voll.
So ein kurzer Kaffee mit ganz wenig geschäumter Milch heißt ja in Italien Espresso macchiato (im Gegensatz zum Latte macchiato, der sehr viel Milch enthält). Hier in Aix heißt der kleine Kaffee mit ganz bisschen Milch Noisette („Nüsschen“).
Dann schauen wir uns noch den Pavillon Vendome an, ein kleiner Adelspalast aus dem 18. Jahrhundert, als Aix eine wahre Blütezeit hatte. Diese Blütezeit im 17. und 18. Jahrhundert ist nicht durch Handel / Wirtschaft begründet, sondern entstand dadurch, dass Aix in dieser zeit das provençalische Machtzentrum war: Hier saß das Parlament der Provence, und hier wurde Recht gesprochen. Das brachte viele wohlhabende Beamte in die Stadt, die sich luxuriöse Stadthäuser und kleine Paläste bauten.
— Zur Zeit ist im Pavillon Vendome eine Ausstellung der Künstlerin und Modedesignerin Jeanne Vicerial, die sich an den Grenzen zwischen zeitgenössischer Kunst, Bildhauerei und Haute Couture / Textildesign bewegt. Gefällt uns ausgesprochen gut. Auch hier greift die Künstlerin Elemente der Inneneinrichtung und der Gemälde des Palastes auf und „kommuniziert“ mit ihren textilen Kunstwerken mit diesen. Großartig.
Auf unseren Streifzügen durch Aix kommen wir am heutigen Spa vorbei, das tatsächlich auf den Ruinen des römischen Spas errichtet wurde, das es schon 100 v. Chr. gab. In Aix gibt es ja zahlreiche Thermalquellen. Heute kann man hier für rund 50-60 Euro einen ganzen Tag lang relaxen. Wir machen das aber nicht, aber wir holen uns am Tresen die Broschüre, kühlen uns kurz im klimatisierten Eingangsbereich ab, trinken einen Becher Wasser aus dem Trinkbrunnen und betrachten die Ruinen des römischen Bades unter und hinter uns.
Draußen vor dem Spa gibt es in einer schönen Anlage mehrere dieser Becken, wo man sich abkühlen kann. Ich vermute, hier waren früher Waschbecken, wo man Wäsche schrubben konnte.

Und damit geht unsere erste volle Woche in der Provence zu Ende. Wir bleiben noch bis Freitag hier und hoffen, dass die Calanques weiterhin zugänglich bleiben. Bei zu großer Hitze und Feuergefahr werden die Zugänge versperrt. Man erfährt jeden Tag um 17 Uhr, ob die Wander- und Waldgebiete der Region am nächsten Tag zugänglich sind oder nicht.

Wir baden hier also in Wärme und guten Düften, genießen die provençalischen Leckereien, die wir uns selbst im Ferienhaus zubereiten, und machen alle viele Fotos. Auf Instagram poste ich jeden Tag Storys von unseren Erlebnissen, falls ihr Lust habt, auch unsere Tage zwischen den Wochenenden zu verfolgen. Aus Instagram bin ich @feinslieb_jahreskreis.

Ich wünsch euch noch gute Sommerferientage – ich habe mitbekommen, dass es in Deutschland mittlerweile wieder kühl ist. Aber vielleicht seid ihr ja auch unterwegs? Sagt gern Bescheid und berichtet, wo ihr Ferien macht!

Alles Liebe,
Eure Maike

… und nicht zu vergessen: Das WiB ist wie immer verlinkt bei Große Köpfe, wo man auch andere Wochenenden in Bildern findet!

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