Des holden Himmels fruchtende Fülle: Wochenende in Bildern 10./11. Oktober 2020

Am Samstag haben wir den Kindergeburtstag der kleinen Tochter gefeiert, am Sonntag sind wir ab aufs Land gefahren, um dort unsere Herbstferien zu verbringen. So war der eine Tag voller Action und bunter Lebendigkeit, und am Sonntag haben wir vor allem gepackt, geräumt, sind gefahren und haben ausgepackt.

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Das Gedicht der Woche hat in meinem Leben eine lange Geschichte: Ich habe ja schon immer Gedichte geliebt, was vielleicht ein wenig damit zu tun hat, dass ich immer das Gefühl hatte, in einem Land der Dichter aufzuwachsen. Ich bin ja in Stuttgart aufgewachsen und wusste, dass die Region viele Dichter hervorgebracht hat, zum Beispiel Eduard Mörike, Hermann Hesse, Ludwig Uhland und Annette von Droste Hülshoff. Ich ging in Stuttgart auch aufs Mörike-Gymnasium, bevor ich mit 14 Jahren auf eigenen Wunsch ins Internat wechselte.

Die letzten vier Zeilen sind schon ziemlich schwülstig 🙂

Das Gedicht habe ich in der Stuttgarter Stadtbahn kennen gelernt. Dort hingen in meiner Jugend immer schöne Gedichte an der Wand, die man sich während der Fahrt durchlesen konnte. Weil es damals noch keine Handys gab, nutzte ich immer meine Fahrzeiten, um Gedichte auswendig zu lernen.

Ich habe dieses Gedicht nie vergessen, vor allem, weil es nicht ganz einfach war, es auswendig zu lernen mit seinen doch etwas schwülstigen Text und den komischen Zeilenumbrüchen. Goethe hat es sicher in seiner Sturm- und Drang-Zeit geschrieben, als die Gefühle in ihm überquollen.

Ich finde aber, das Gedicht passt gerade sehr gut zu den prächtigen Farben der Jahreszeit. Im Moment quillt ja auch hier farblich alles über, die Äpfel hängen rot und fett an den Bäumen, und das Weinlaub glüht auf dem dunklen Efeu. Die Mutter Sonne sitzt dick am Himmel, obwohl sie nicht mehr so kräftig strahlt.

Samstag, der 10. Oktober 2020

Die kleine Tochter hat heute Geburtstag. Vor acht Jahren habe ich sie geboren. Wir hatten uns wie wahnsinnig auf das zweite Kind gefreut. Auf die Geburt habe ich mich ganz bewusst, in einem ganz langen Prozess und mit der Hilfe vieler wunderbarer Menschen vorbereitet. Das war notwendig, weil die erste Geburt traumatisch gewesen war, und ich deswegen Angst vor der Geburt hatte.

Aber die Geburt der zweiten Tochter war sehr schön, auch wenn sie nicht leicht war. Ich schreibe eventuell einmal darüber, aber hier und heute ist nicht der Platz dafür.

Die heute 8-jährige Tochter ist ein echtes Glückskind. Sie hat ein total sonniges Gemüt und ist mit ihrer ausgleichenden und auf Harmonie bedachten Art eine typische Waage. Und das Schöne ist, sie ist zwar tiefsinnig und fein, aber gleichzeitig witzig und charmant. Die meisten Leute sind gleich total entzückt von ihr, weil sie zwar ein wenig lispelt, aber dabei sehr wortgewandt und ungekünstelt sehr kluge Dinge sagen und total schön erzählen kann.

Der Tag beginnt damit, dass ich mit der großen Tochter unten den schon vorbereiteten Geburtstagstisch final zurecht mache. Im ganzen Wohnzimmer werden Kerzen angezündet, weil die kleine Tochter sich das so wünscht. Im Hintergrund acht gelbe Kerzen. Und Rosen – das sind die Lieblingsblumen der kleinen Tochter. Die muss es jedes Jahr zum Geburtstag geben. Dieses Jahr haben wir mit bunten Herbstblättern und Kastanien dekoriert.

Die Geschenke auf dem Tisch sehen sehr zahlreich aus, aber der Eindruck täuscht. Die Tochter packt total gerne aus, deswegen haben wir auch Kleinigkeiten dick in Beutel und Packpapier verpackt, zum Beispiel eine Tafel Schokolade, eine Handvoll Luftballons, ein selbst zusammen gestelltes Bastelset oder eine für die Schwester aufgefädelte Kette der großen Tochter.

Auch Fensterbank und Sideboard sind mit Kerzen beleuchtet.

Weil wir gerade finanzielle Probleme haben, habe ich fast alles, was die Tochter sich gewünscht hat, gebraucht gekauft. Wenn man darin geübt ist wie ich, findet man auf den verschiedenen Plattformen fast alle Spielzeuge gebraucht, aber fast neu oder unbespielt zum kleinen Preis. Ich mache das schon seit Jahren so, auch aus ökologischen Gründen. Unsere Überfluss-Gesellschaft hält so vieles bereit, das wunderbar noch in eine zweite Runde gehen kann. Wie gesagt, sehr oft komplett neu und ungebraucht.

Und natürlich habe ich die Gelegenheit genutzt und der Tochter eine schöne Wunschpuppe genäht, mit braunen langen Haaren und einem weißen Kleid mit Tüll-Rock. Die lag auf dem Geburtstagstisch hinten mittig, in ein taubenblaues Tuch gehüllt und mit einer gelben Schleife.

Die Tochter packt überglücklich ihre Geschenke aus. Sie hat sich seit Wochen auf ihren Geburtstag gefreut. Sie flippt bei jedem Geschenk total aus und kann es gar nicht fassen.

Zum Frühstück hat das Geburtstagskind sich Scones, Clotted Cream und Marmelade gewünscht. Was das Frühstück betrifft, hat dieses Kind einen total englischen Geschmack. Entweder wünscht sie sich Bacon, Ei und Toast, oder eben Scones, die in England ja eher zum High Tea am Nachmittag gegessen werden. Und Tee mit Milch muss für sie auch immer sein. Da kommt sie ganz nach ihrer Mama.

Die Scones haben wir gestern Abend noch gebacken, die große Tochter und ich.

Am Vormittag habe ich der Tochter noch einen Wunsch zu erfüllen. Von meinem Vati bekomme ich immer Bücher-Geld für meine Kinder zu den Geburtstagen. Die Tochter möchte sich ihr Buch beziehungsweise ihre Bücher selbst aussuchen, und so fahren wir zusammen zum schönsten und besondersten Kinderbuchladen, den ich überhaupt kenne, und der glücklicherweise von uns aus in 10 Minuten mit dem Fahrrad zu erreichen ist. Für alle, die in Berlin leben oder manchmal nach Berlin kommen und Kinderbücher lieben, ist ein Besuch im „El mundo azul“ in der Choriner Straße ein Muss! Hier gibt es Kinderbücher auch der ganz besonderen Verlage und in vielen Sprachen.

Die Tochter wählt nach der ausführlichen und liebevoll zugewandten Beratung durch die Buchhändlerin drei Bücher aus, und eins nehme ich noch mit, weil ich es so schön und interessant finde.

Die Auswahl der Tochter:

Woran ich nicht vorbei kam:

  • Thomas Harding/Britta Teckentrup: Sommerhaus am See, Verlag Jacobs Stuart

(Die Links führen direkt zu den Verlags-Vorstellungen der einzelnen Bücher und sind keine Affiliate-Links; die Werbung ist absolut unbeauftragt und natürlich unbezahlt).

Mein Mann guckt auf dem Klemmbrett nach den richtigen Rätselfragen.

Wieder zu Hause, bereiten mein Mann und ich die Schatzsuche vor. Wir haben uns da eine richtig schöne Geschichte ausgedacht, bei der die Kinder eine „verloren gegangene Kiste mit Tieren aus dem Tierheim“ finden müssen. Zum Schluss finden die Kinder eine Kiste mit Kuscheltieren in der Garage unserer Nachbarn. Und jedes Kind darf eins der Kuscheltiere behalten und mit nach Hause nehmen.

Die Kuscheltiere habe ich vor ein paar Tagen umsonst über eBay Kleinanzeigen organisiert. Wer es noch nicht weiß: unsere Gesellschaft quillt über von Kuscheltieren, so dass man Kuscheltiere bei eBay Kleinanzeigen tütenweise geschenkt bekommt. Krass, aber wahr. Die Idee für diese nachhaltige Schatzsuche, die nicht mal Geld kostet, will ich irgendwann verbloggen. Denn Eltern sind ja immer auf der Suche nach guten Schatzsuchen-Ideen.

Und dann sind die Kinder schneller da, als wir gucken können. Die Schatzsuche geht los, sobald die Kinder sich mit Butterbrezeln, Birnen, Beeren, Marmor- und Zitronenkuchen voll gestopft haben.

Auf dem Weg müssen auch verschiedene Rätsel gelöst werden.

Wie immer rennen die Kinder wie wild von einem Ort zum andern. Wir sind fast eine ganze Stunde lang unterwegs, bis die Kinder alle ein süßes Kuscheltier in der Hand halten.

Der Kindergeburtstag geht weiter mit Spielen, Luftballons, Stopptanz und Abendessen. Zum Abendessen servieren wir bei Kinder-Geburtstagen traditionell Nudeln mit Tomatensoße und Gemüsesticks mit Frischkäse, weil das alle mögen.

Am Abend sind wir alle sehr, sehr müde. Die kleine Tochter schläft fast im Stehen ein. Sie ist schon um 19:30 Uhr im Bett und schläft selig und tief.

Mein Mann und ich räumen noch auf und schauen zum Abschluss „Zu Tisch in…“ auf ARTE.tv – diesmal aus Swanetien in Georgien! Ganz besonders schön!, dann fallen auch uns die Augen zu.

Sonntag, der 11. Oktober 2020

Die Tochter hat von ihren Freund*innen ganz, ganz tolle Geschenke bekommen. Zum Beispiel dieses Set, wo man mit Hammer und Meißel kleine Edelsteine aus einer Gipsplatte ausgraben bzw. herausschälen muss. Wie eine Geologin oder Archäologin. Sie ist natürlich scharf auf die Edelsteine und legt sofort los.

Die große Tochter will auch mal. Und sie darf.

Beim Hundespaziergang bewundere ich noch einmal die prächtigen Farben bei uns im Wohnareal. Hier der knallrote wilde Wein und das Efeu, das den Müllplatz einhüllt.

Und hier der Baum mit den gelben Blättern und den wunderschönen roten Beeren, die ich einfach mal Zwillingsbeeren nenne, frei nach Goethe.

Der halbe Tag vergeht mit Packen, Räumen, Fahren, Ankommen, Auspacken und Essen kochen auf dem Land.

Es ist so wunderbar, wieder hier zu sein. Auf der Wiese gegenüber vom Haus erspähe ich schon wunderbare Pilze. Jetzt ist die beste Steinpilzzeit, und ich hoffe, dass wir auch dieses Jahr wieder fündig werden auf unserem Grundstück.

Aber nach dem Mittagessen geht es mir gesundheitlich plötzlich nicht so gut, und ich muss mich ins Bett legen und schlafen.

Als ich aufwache, es ist schon fast dunkel. Ich habe den ganzen Nachmittag verschlafen! Aber das war einfach nötig.

Mein Mann hat inzwischen Feuer gemacht, und der Tag geht zu Ende mit Vorlesen vor dem Ofen und der schönen Ofenwärme. Das neue Vorlese-Buch „Wie Tim am Strand ein Mädchen fand“ haben wir heute Morgen schon angefangen.

Unser Haus auf dem Land hat ja keine Heizung außer den beiden Holzöfen unten. Das ausgebaute Dachgeschoss hat keine Heizung, wird aber durch die Schornsteine, die durch die beiden großen oberen Zimmer gehen, ein wenig mitgeheizt. Oben sind die Schlafzimmer, und in der kalten Jahreszeit behelfen wir uns hier mit Wärmflaschen und kuschligen Daunendecken, und wenn es ganz, ganz eisig ist, mit Heizdecken.

Ich freue mich jetzt auf 14 Tage hier auf dem Land. Wir sind hier in freiwilliger Quarantäne und werden keinem Menschen begegnen. Wir gehen nicht mal einkaufen, sondern haben alles mitgenommen bzw. haben Lebensmittelbestellungen aufgegeben. Das Schöne ist, die freie Natur beginnt hier direkt vor der Haustür und man begegnet hier keiner Menschenseele, wenn man nicht bewusst ins Dorf läuft und an einer Haustür klingelt.

Ich freue mich darauf, den Herbst mit allen Sinnen aufzusaugen. Ich war vorhin in der späten Dämmerung mit den Hunden noch mal im Wald. Auf der großen Wiese lag ein weißer See aus Nebel. Wer meinen Blog schon eine Weile liest, weiß, dass ich ein großer Fan dieser wunderschönen Bodennebel bin. Das hat gerade in dieser Jahreszeit so etwas Magisches, Jenseitiges, Verträumtes und Unwirkliches. Also genau das, was unserer Welt am meisten fehlt.

Ich wünsche allen Leserinnen eine schöne Herbstwoche. Möge ein wenig Magisches, Unwirkliches und Verträumtes darin vorkommen!

Das wünscht dir

Deine Maike

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