Wird immer gelber: Wochenende in Bildern 24./25. Oktober 2020

Es war unser letztes Herbstferien-Wochenende. Wir waren beide Herbstferien-Wochen in unserem Ferienhaus auf dem Land, sind aber am Sonntag Morgen zurück nach Berlin gefahren.

Das Wetter war leuchtend herbstlich, der Himmel oft wolkenbedeckt. Aber manchmal kam die Sonne heraus und hat unglaublich farbig und gesättigt gestrahlt.

Das Gedicht der Woche, aus dem die Phrase aus dem Titel stammt, ist von Erich Kästner und heißt “Herbst auf der ganzen Linie”:

Dieser Beitrag ist verlinkt beim Berliner Familienblog Große Köpfe.

Samstag, der 24. Oktober 2020

Der Blick aus dem Esszimmer: Es “wird immer gelber”. Die Berberitzenhecke, aber auch die Birken und anderen Bäume am Waldrand gegenüber. Ich mag die Farben des Herbstes. Ich finde den Herbst mittlerweile nicht einmal mehr melancholisch. Sondern nehme das Absterben im Äußeren, das Stillerwerden als wichtige Ruhepause hin, in der die Kräfte der Natur im Stillen, in der Erde, in den Keimen und Samen wirken.

Ich habe wieder Baguette gebacken, das der ganzen Familie sehr gut schmeckt. Sie haben in den letzten Tagen vier Stangen davon verputzt. Ich hatte es ursprünglich gebacken, weil wir dazu ein Foie Gras genießen wollten, das wir geschenkt bekommen haben. Aber daraus ist dann gar nichts geworden. Das Baguette wurde hauptsächlich einfach mit Butter gegessen.

Die kleine Tochter strickt einen Schal für ihre Puppe.

Die kleine Tochter findet oben im Spielzimmer einen mysteriösen Karton. Sie bringt ihn runter und er wird ausgepackt. Darin befindet sich eine kleine Carrera-Autorennbahn, die ich meinem Mann einmal zu Weihnachten geschenkt habe. Das war ein halb ernst gemeinter Spaß gewesen, denn er hatte erzählt, dass er sich als Kind immer sehnlichst eine Carrera-Bahn gewünscht habe, aber als DDR-Kind nie eine bekommen habe. Ich finde ja, für solche Wunscherfüllungen ist es nie zu spät.

Jetzt wird also erstmal die Carrera-Bahn aufgebaut. Beide Mädchen sind erst Feuer und Flamme und lassen eine Weile die Rennautos fahren, aber es wird ihnen schnell langweilig.

Ich setze eine Rindfleischsuppe mit viel Gemüse an, die viel Zeit bekommt.

Während die Brühe köchelt, arbeite ich an den Haaren für die Puppe, die ich gerade in Arbeit habe. Sie bekommt blonde Mohair-Locken wie eine Märchenprinzessin. Das ist relativ aufwändig. Weil der Kopf recht klein ist und die gehäkelte Träger-Perücke darum auch, nähe ich die gelockten Mohairsträhnen von Hand an die Perücke. Das dauert fast den ganzen Tag.

Draußen auf dem Grundstück hat sich der Hut dieses Parasols/Riesenschirmpilzes nach oben gewölbt, so dass der Hut eine Trinkschale mit Regenwasser für Insekten und Vögel geworden ist.

Mittags wird ein Feuer draußen gemacht. Die Suppe kocht über dem Feuer fertig. Wenn die erste Ladung Gemüse ausgekocht ist, nehme ich es immer heraus und mache daraus Gemüsepaste. Dann kommt eine zweite Ladung ganz klein geschnittener Möhren, Sellerie und Lauch in die Suppe, die mitgegessen werden.

Die Tochter rührt um. Alle haben Hunger.

Auch die kleine Birke neben der Feuerstelle ist schon gelb.

Das ist unser Hundewelpe Emma bzw. Emmi. Sie ist kleiner als eine Katze und so niedlich und flauschig. Wir sind alle total verliebt. Sie besteht zu 60% aus kuschelweichem, langem Fell, das wie ein aufgeplusterter Flaum dick um sie herum liegt.

Schaukeln macht immer Spaß.

Unser Ahorn vor dem Haus. Auch er wird immer gelber.

Vom Schlafzimmerfenster betrachtet hat auch die Linde schon viele gelbe Tupfen.

Nach der Mittagspause gehen die kleine Tochter und ich mit den Hunden spazieren. Bei einem Spaziergang vor ein paar Tagen haben wir aus dem Wald mysteriöse Geräusche gehört: Einen seltsamen Schrei und dann Töne, die wie auf einer Blockflöte gespielt klangen. Und ein seltsames leises Raunen, das klang, als ob ein sehr großer Chor ganz leise Dur-Akkorde summt.

Wir konnten nicht einordnen, was das gewesen sein könnte. Die Kinder meinen, es seien Halloween-Geister gewesen. Deswegen ist die kleine Tochter ein wenig aufgeregt, denn sie befürchtet, dass wir wieder solche unheimlichen Geräusche hören. Aber heute hören wir nichts.

Dennoch hatten die Kinder definitiv schon einen echten gruseligen Halloween-Moment dieses Jahr.

Dafür sehen wir heute diesen herbstlichen Baumstumpf, mit Moos und Pilzen bewachsen.

Emmi muss ihn sofort kapern, wo ich mich doch anscheinend dafür interessiere.

“Wird immer röter”.

Abends werden die Haare der Puppe endlich fertig.

Als die Kinder im Bett sind, hören mein Mann und ich noch Musik. Er hat einen neuen Interpreten entdeckt, Son Lux. Langsame, stimmungsvolle elektronische Musik, relativ minimal, mit Gesang. Sehr modern, sehr zeitgenössisch. Insgesamt dem genialen James Blake nicht unähnlich. Seine Musik ist wirklich schön, aber richtig beeindruckend sind die Videos.

Schaut mal dieses Video zu seinem Song “Yesterday’s Wake” an. Wir unterhalten uns noch am Sonntag über die vielschichtigen Deutungen, die das Video zulässt. In meinen Augen geht es nicht nur um Dekadenz und die Beziehung der Frau zu ihrem Partner und ihrer Familie, sondern darüber hinaus auch um den Zustand der gesamten (westlichen?) Welt. Das schwarze Blut könnte ja auch Öl sein. Damit stünde es auch für Macht, Geld, Gewalt und Unterdrückung. Diese Themen sind ja auch auf der familiären Ebene im Video präsent. Und gleichzeitig geht es um Liebe, Intimität und Schutz. Einfach genial.

Sonntag, der 25. Oktober 2020

Ich bin froh, dass ich den schönen Sonnenaufgang am Grundstücksende erwische. Die ganze Landschaft liegt für 15 Minuten in einem leuchtenden, rotgoldenen Licht.

Wir wollen heute so früh wie möglich nach Berlin fahren, um eventuellen Staus wegen Rückreiseverkehr auszuweichen, und um den Kindern die Möglichkeit zu geben, in Ruhe im Berliner Umfeld anzukommen. Morgen geht ja die Schule wieder los.

Also packen wir alles zusammen und räumen grob auf, putzen, notieren, welche Lebensmittel da sind usw. Denn wir wissen, dass es sehr schön ist, wenn wir das Haus bei Wieder-Ankunft ordentlich und sauber vorfinden.

Ich mache schnell noch ein paar Fotos von der neuen Puppe.

Hier zusammen mit der Puppe der kleinen Tochter, die ich ihr zum Geburtstag an diesem Wochenende vor zwei Wochen gemacht habe.

Zu Hause wird sie noch Strümpfe und Schuhe bekommen, und eventuell eine Kaschmir-Legging.

Wenn wir wiederkommen, werden die Blätter des Ahorn wohl alle heruntergefallen sein.

Ab nach Berlin. Wir halten noch kurz am See.

Und kommen gegen 10 Uhr zu Hause in Berlin an.

Auch in Berlin wird es immer gelber und röter.

Nach Auspacken, Mittagessen und Mittagspause machen die kleine Tochter und ich wieder einen Spaziergang mit den Hunden. Es ist jetzt auch hier herrlich herbstlich.

Die Tochter trifft ihre Nachbarsfreundinnen und rast kurz darauf mit ihnen mit den Rollern durchs Wohnareal. Sie fahren ungefähr eine Stunde lang kreuz und quer, bis die Tochter völlig ermattet nach Hause kommt.

Der spätere Nachmittag vergeht mit Besuch meiner Schwägerin und meiner Nichte. Immer schön. Wir Erwachsenen trinken Tee, essen selbst gebackenes Brot mit Möhrenbutter, die Kinder spielen und kichern.

Dann lesen wir noch lang aus diesem hervorragenden Buch vor, das die Tochter heute nachträglich zum Geburtstag von ihrer Kusine geschenkt bekommen hat:

Schwestern - Telgemeier, Raina
Smile: Amazon.de: Telgemeier, Raina, Telgemeier, Raina: Bücher
Dieses Bild zeigt eine Seite aus einem anderen Buch der Autorin mit dem Originaltitel “Smile”. Nur, um den Zeichenstil zu zeigen.

Bei dem Buch handelt es sich um eine autobiographische Graphic Novel der US-amerikanischen Autorin und Zeichnerin Raina Telgemeier, also ein Comic-Roman. Das Buch erzählt selbstironisch und total witzig von der Autorin als Kind, ihrer Familie und insbesondere der Beziehung mit ihrer kleinen Schwester. Die kleine Tochter erkennt Vieles aus unserem Familienleben wieder und muss ständig kichern. Wir lieben dieses Buch adhoc. Es war lang auf der New York Times Bestsellerliste, und zu Recht, wie ich finde.

Und dann bleibt für die Kinder nur noch das Bett und für mich das Wochenende in Bildern.

Morgen geht der Alltag wieder los. Ich habe mich die ganze Woche darauf gefreut, denn für mich bedeutet Schulalltag, dass ich längere Zeit am Tag allein und autonom bin, in Ruhe arbeiten und Aufgaben erledigen kann. Ich bin sehr gern allein, denn ich genieße meine Arbeit.

Natürlich ahnen wir alle, dass es in Kürze wieder zu einem Lockdown kommt, dass die Kinder wieder zu Hause beschult werden müssen. Ich mag noch gar nicht daran denken.

Und so hoffe ich erstmal, dass die Schule noch eine Weile geöffnet bleibt, dass die Menschen sich zusammenreißen und die Hygieneregeln einhalten, und dass die Ausbreitung des Virus eingedämmt werden kann. Denn so gut es uns geht und so sehr ich mir darüber bewusst bin, wie privilegiert wir hier in Deutschland sind: Corona nervt. Vor allem, wenn man, wie wir, durch die Corona-Krise in echte finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Deswegen hoffen wir, dass es bald vorbei ist. Aber wir rechnen eher damit, dass es sich noch bis ins nächste Jahr zieht. Bis zum Frühling.

Ich hoffe, Euch geht es gut und Ihr blickt der nahen Zukunft nicht allzu genervt entgegen. Auch wünsche ich allen Leser*innen wie immer eine gute neue Woche mit schönem Wetter, interessanten Begegnungen und schönen Momenten.

Deine Maike

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