Der milde Strahl der Sonne: Wochenende in Bildern 30. September/1. Oktober 2023

Ich habe die zweite Woche Kur wegen Erschöpfungsdepression im Schwarzwald hinter mir. Das Wochenende habe ich genutzt, um ausgiebig zu wandern. Am Samstag wieder allein, am Sonntag erstmals hier mit einem Mit-Patienten.

Beide Touren waren ganz herrlich und haben mir richtig gut getan. Wandern scheint meine Form der Therapie zu sein. Auf meiner Allein-Tour konnte ich wieder wunderbar weinen. Überhaupt ist hier die Tränen-Schleuse geöffnet worden. Das freut mich sehr, denn das bedeutet: Ich spüre wieder etwas.

Und auf der Tour heute mit meinem Mit-Patienten haben wir uns angenehm ausgetauscht. Der Mensch ist übrigens 77 Jahre alt und rennt die Berge rauf und runter wie ein junger Hirsch. Wahnsinn. So einen fitten 77-Jährigen habe ich noch nie getroffen. Ich meine, wir sind 16 km gewandert und es ging die ganze Zeit richtig steil rauf und runter, und über Stock und Stein. Die Wanderung war auch mit „schwer“ eingestuft. Einmal mussten wir uns sogar eine steile Halde hinunter durchs Dickicht schlagen. Er hat mit keiner Wimper gezuckt. Wow.

Dieses Gedicht passt heute so gut, weil das Wetter und die Stimmung genau so waren.

Verlinkt ist dieser reich bebilderte Beiträge bei Große Köpfe.

Samstag, der 30. September

Heute wandere ich allein 14 km. Erst durch den Wald zu einer Burgruine, dann durch ein einsames Tal mit alten Mühlen und Bauernhäusern zu einem größeren Dorf, und dann zurück durch den Wald. Eine große Rundtour, die man gut zwischen frühem Frühstück und spätem Mittagessen schafft.

Los geht meine Wanderung am Kurpark.
Es herbstelt jetzt deutlich.
Goldruten blühen noch vereinzelt.

Ich hänge im ersten Teil der Wanderung meinen Gedanken nach und weine. Ich bin froh, dass Wandern meinen Schmerz löst. Ich kann so ein paar Dinge betrauern, die ich längst hätte gründlich betrauern müssen.

Überall diese schönen Schwarzwaldhäuser. Die Schönheit hier ist so tröstlich.
Auch vor der Burgruine steht so ein tolles altes Haus.
Im Hof der Burgruine
Romantisch.
„Kurz einmal fliegen“: Ich klettere auf den Turm der Burgruine. Alles sehr symbolisch: Eine enge dunkle Wendeltreppe führt rauf zu Licht und Luft. Ich muss instantan an die Depressionsspirale denken. Ganz am Ende der Treppe diese Gittertür mit Spruch, hinter der die letzten Stufen liegen.
Oben auf dem Turm. Ich habe mich nach oben gewunden und fühle mich frei und erlöst – sicher eher wegen den geflossenen Tränen. Außer mir ist niemand da. Es ist noch zu früh am Morgen.
Blick vom Turm der Burgruine.
Ich liebe diese alten, kleinen Trecker. Es gibt sie hier noch überall.
Farben.
Dieses Verkehrsschild habe ich noch nie gesehen.
Es hat seine Berechtigung – auf dem Weg nach dem Schild sehe ich überall Katzen.
Auch auf dem Feld sitzt eine und hat Angst vor mir. Dabei bin ich weit weg.
Am Wanderweg.
Im Tal noch so ein schöner Hof.
Ich komme zu einem winzigen, alten Kirchlein. Ein Mann sitzt davor – wie sich herausstellt, ist er der ehemalige Organist des Kirchleins, der alles über die Historie der Kirche weiß.
Der Organist gibt mir spontan eine Führung durch die Kirche. Was für ein Geschenk.
Die Küsterin zündet inzwischen die Kerzen für einen Taufgottesdienst an.
Alte Malereien an der Wand. Das Seil im Vordergrund läutet die Glocke.
Im Gasthof im Ort gibt es frisch hausgebackenes Brot.
Ich genehmige mir einen Kaffee. Der erste seit Wochen.
Rückweg mit leuchtenden Herbstfarben.
Ich mag die kleinen Hütten im Wald.
Bild von zu Hause: Herbstzeitlose am Haus auf dem Land. Mein Mann dachte tatsächlich, es sei ein Krokus!

Nach dem Mittagessen lege ich mich zwei Stunden hin und gehe dann schwimmen. Das tut super gut nach 14 km Wandern.

Sonntag, der 1. Oktober 2023

Heute eine anspruchsvolle Wanderung mit einem 77-jährigen Mitpatienten. Der gute Mann ist super fit, ich staune. Ich war eigentlich unsicher, ob ich in Gesellschaft wandern wollte. Aber das Angebot, erst mit dem Auto ein weiteres Stück zu fahren und beim Wandern mal Felsen und steilere Berge zu sehen, war dann zu verlockend. Also habe ich mir gedacht, es ist Michaelszeit, also nur Mut!

Nach 20 Minuten Aufstieg sind wir schon weit oben.
Blick über eine kleine Ruine und den Schwarzwald.
Verwunschener Wanderweg durch schattige Schluchten.
Das Schönste ist das Lichtspiel zwischen den Stämmen, das in echt viel toller war als auf den Fotos zu sehen.
Mein Wandergefährte
Fischtreppe im Flüsschen im Tal.

Wie letzte Woche liebe ich das Gluckern und Rauschen des Wassers, deswegen habe ich es wieder aufgenommen. Ein paar von Euch haben sich auch darüber gefreut.

Wir haben noch eine Ruine erklommen.
Also, der Himmel ist heute einfach krass blau!
„Der Mensch baut Schlösser, die Zeit Ruinen“
Ich fühle mich in die Zeit der Romantik zurück versetzt. Die Romantiker liebten Ruinen in der Natur.
Blick über die kleine Stadt
Mein Wandergefährte findet ein Holzschwert am Weg. Ich bin gleich elektrisiert: Das ist ein Zeichen – es ist Michaeli-Zeit – also sehe ich darin ganz klar Michaels Schwert, ein Schwert zum Scheiden von Gut und Böse, von Licht und Finsternis. Ein echtes Lichtschwert! Man muss es nur ein bisschen verzaubern…
Und tadaaa! Ich spreche eine kleine Zauberformel, und das Schwert produziert tatsächlich wunderschönes Licht! 😀
Wir nehmen das Licht mit uns.
Wieder ein gluckerndes Bächlein im Wald
Alter Meilenstein von 1849 mit dem Württemberg-Symbol
Eine Stunde später ein weiterer Bach mit kleinen Stürzen.

Der war so schön, den habe ich wieder aufgenommen.

Einmal geht es durch große Felsblöcke.
Einmal müssen wir über eine große Wiese mit Schafherde.
Es ist Pilzzeit
Sehr viel Efeu blüht und duftet am Waldrand
Später in einer urigen Schänke: Zwei Männer mit Akkordeon spielen Heimatlieder. Mit Hilfe der Ordner mit Texten können alle, die wollen, mitsingen. Wir haben großen Spaß und singen auch ein bisschen mit. Ich kann es nicht so ganz fassen, was hier gerade abgeht. Die ganze Veranstaltung wirkt wie aus der Zeit gefallen. Zwischendurch erzählen die Akkordeon-Spieler Witze in tiefstem Schwäbisch, um die Leute zu unterhalten. Ich kann nicht mehr, es ist zu absurd. Mein Lieblingslied übrigens: „Zum Beten geh i in die Berge“. 😀
Es wird sogar getanzt. Hier der eine Akkordeonspieler mit seiner Frau.
Sonnenuntergang nach einem erfüllten, langen Tag.

Ich bin auch nochmal schwimmen gegangen, habe meine Wäsche gewaschen und sitze jetzt völlig groggy im Bett. Wir haben heute wirklich eine anstrengende Tour gemacht. Ich habe Schlaf jetzt sowas von verdient.

Deswegen mache ich jetzt Schluss (es ist 23 Uhr!) und hoffe, Ihr hattet ein bisschen Freude an den Bildern und Videos.

Noch vier Wochen Kur liegen vor mir. Ich freue mich sehr, dass ich hier bin. Es tut mir sehr gut.

Ganz viele liebe Grüße – und Leute! Es ist Oktober!

Viel Freude in diesem schönen, bunten Monat,
Eure Maike

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Maike,
    mein letzter Kommentar blieb wohl irgendwo stecken ‍♀️. Jetzt probiere ich es noch einmal. Obwohl sie schon begonnen hat, wünsche ich dir für deine Kur viel Raum für dich und deine Fragen & Wünsche, aufmerksame Begleitung, ein Umfeld, dass dir guttut, Ideen für deinen fordernden Alltag . Es liest sich so, dass du gut angekommen bist. Die kleine Geschichte mit dem Schwert ist wirklich berührend und das Foto mit der Sonne großartig.
    Wie gut, dass sich jetzt auch ungeweinte Tränen den Weg bahnen. Man sagt ja, dass sich jede ungeweinte Träne wieder hinten anstellt.
    Ganz liebe Grüße aus dem kleinen Dorf zwischen den Meeren ♥️
    Lydia

    • Liebe Lydia, vielen lieben Dank Dir. Es tut sehr gut hier. Endlich kommt mal alles raus, was sich angesammelt hat, und ich habe Ruhe, es zu verarbeiten. Ich genieße es so sehr, nicht für andere sorgen zu müssen. Das hat mich in den letzten Jahren wahnsinnig angestrengt, und zum Schluss habe ich nur noch funktioniert, wie eine Maschine 🙁 Jetzt wird es besser. Das Wetter hier ist traumhaft, ich gehe wieder wandern heute!
      Ganz liebe Grüße in den Norden, — ich freu mich immer, von Dir zu lesen!
      Deine Maike

  2. Milá Maike,

    jak dojemné je tvé prociťování a sdílení! Přeji ti vše dobré v nalezení klidu a světla v tomto michaelském období!
    Moc pěkně o tom píšeš ve svých příspěvcích. Jsem lajdák, ještě jsem ani nepřispěla na čajík pro tebe…..
    Tvůj blog jsem náhodou 😉 objevila díky tvému příspěvku o Palermu.

    Schwarzwald je nádherný ! Nikdy jsem ho nenavštívila, ale díky tvým příspěvkům aspoň kousek „ochutnala“. A jak krásné počasí se nabízí! „Slunce je štítem Michaela, temnotu přemáhá kopím světla“

    S pozdravem Simona z Čech respektive z Valašska ( nádherná část Moravy )

    P.S. snad místo čaje bych mohla nabídnout pobyt v našich kopcích 😉

    • Milá Simono,
      Jak jsem byl šťastný z vašeho komentáře! Použil jsem Google Translate, abych mu porozuměl. Teď píšu i přes Google Translate 🙂
      Děkuji za váš soucit.
      Moc rád bych si s tebou někdy dal čaj. S manželem jsme vlastně už dlouho chtěli vyrazit na túru do České republiky. Na Valašsku jsem nikdy nebyl, ale moc by mě to zajímalo. Pokud někdy přijedeme do vaší oblasti, ozvu se, slibuji!
      Všechno nejlepší,
      vaše, Maike

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