Ich bin immer noch bei meiner Fastenkur am Bodensee, und juhuuu! Mein Aufenthalt wurde um eine Woche verlängert, so dass ich noch bis zum 8. Juli hier bleibe. Mit meiner chronischen Erkrankung sollte man auch den Übergang vom Fasten ins „normale“ Essen gut begleiten, so mein Arzt hier. Am Freitag war Fastenbrechen, da gab es einen Apfel und abends ein Gemüsesüppchen. Samstag und Sonntag waren meine ersten beiden Aufbautage; da gibt es hier einen ganz bestimmten Kostplan – wie immer Vollwertkost, die äußerst schmackhaft und liebevoll zubereitet ist. Ein Traum.
Wie ihr wisst, war das Wochenende heiß; hier am Bodensee hatten wir am Sonntag bis zu 36°C, und in den Zimmern gibt es keine Klimaanlagen. Ich lüfte nachts und habe tatsächlich eine eiskalte Wärmflasche mit ins Bett genommen. Hat geholfen.
Trotz der Hitze wird hier gewandert – und ich habe wieder schöne Bilder mitgebracht. Seht unten 🙂
Dyrk Schreiber (*1954) Und fern ein Schiff
Der Mittag glüht sich menschenleer, den Schatten spenden alte Linden. Die Gasse schwitzt und atmet schwer, sie langt, wie wir, nach kühlen Winden.
Auf Dächern schief beäugen Krähen den ersten Gang Getreidemähen. Im Korn nur jemand, der sich schnäuzt, und fern ein Schiff, das lautlos kreuzt.
Am Weg entlang das Kraut verbrennt, der Brunnen röchelt nur noch Tropfen. Wie eigen Spechte permanent ein totes Holz nach nichts abklopfen!
Und Berge hoch die Pinien stehen, weit über Dorf und Felder sehen, dass jemand sich die Nase schnäuzt und fern ein Kriegsschiff lautlos kreuzt.
Sie langt, wie wir, nach kühlen Winden, die Gasse schwitzt und atmet schwer. Den Schatten spenden alte Linden, der Mittag glüht sich menschenleer.
Das Wochenende in Bildern findet sich mit den Wochenenden anderer Blogger*innen gesammelt bei Große Köpfe.
Samstag, der 27. Juni 2026
Die heutige Nachmittags-Wanderung von der Klinik aus wurde auf heute Morgen um 9 Uhr verlegt, wegen der Hitze. Wir wandern erst an einem Bach entlang und dann durch Wiesen und Felder wieder zur Klinik zurück. Besonders herrlich ist es, nach einem solchen Gang schwimmen zu gehen.Mein erstes Mittagessen seit 12 Tagen – Kartoffelbrei und Blattspinat. Absolut köstlich. Hier habe ich schon die Hälfte weggeputzt. Danach bin ich pappsatt und mache einen herrlichen Mittagsschlaf.Ich habe in Überlingen Kleinigkeiten zu erledigen und kombiniere die Gänge mit Angenehmem. Ich nenne mein Programm BA-BA-BA-BA – steht für BAtterien kaufen (brauche ich), BAnk (brauche Bargeld), BAden (im See) und BAdhotel (wo ich gedenke, einen Tee zu trinken).Der Bodensee ist aufgrund des Gletscherwassers leuchtend türkis. Hier an der Seepromenade.Der Zeppelin ist wieder unterwegs.Mein erster Earl Grey mit Milch seit vier Wochen. Ich habe ja schon 10 Tage vor der Kur keinen Schwarztee und Kaffee mehr getrunken, um den Koffein-Entzug bei Fastenbeginn schon hinter mir zu haben. Umso köstlicher schmeckt jetzt dieser Tee. Wer hier schon länger liest, weiß es: Earl Grey mit Milch ist mein Lieblingsgetränk, ohne das ich normalerweise nicht in den Tag starte.Am Abend besuche ich ein Chor-Konzert der Überlinger Kantorei und der Jugend-Kantorei im Münster. Besonders die jungen Leute singen Stücke, die ich liebe: Zeitgenössische Chormusik von u.a. Ola Gjeilo. Das Thema des Abends ist „Licht und Frieden“. Sehr schön.Auf dem Rückweg in die Klinik: Mir fällt die Struktur dieser Holz-Eingangstür auf.Überlingen ist so schön. Hier der Blick in den Stadtgraben, den ich auf meinem Weg überquere. Hier hatten in früheren Zeiten mit Pocken infizierte Menschen ihren Ausgang.Auf Instagram habe ich gerade nochmal die Anleitung für diese Sommer-Dekoration gepostet. Der Anblick kühlt irgendwie, wie ich finde.
Nach dem wunderbaren Konzert gehe ich direkt ins Bett.
Sonntag, der 28. Juni 2026
Direkt nach dem Frühstück um 8 Uhr fahre ich mit dem Bus nach Sipplingen (westlicher Nachbarort von Überlingen), um dort zu wandern. Ich habe mir die perfekte Wanderung für heute herausgesucht: Nicht zu lang (1,45h), und sie verläuft fast ausschließlich im kühlen Wald. Zuerst steige ich im Wald steil bergauf auf den hohen bewaldeten Sandsteinfelsen, der hinter Sipplingen liegt.Oben liegt der „Haldenhof“, ein idyllisches Ausflugslokal mit einem grandiosen Seeblick. Hier isst man unter alten Linden; auch gibt es hier die so genannte „Burkhartslinde“, unter der ein Minnesänger namens Burkhart wohl immer seine Töne angestimmt hat. Hier will ich unbedingt mal hin, um einzukehren. Heute möchte ich aber vor der großen Nachmittagshitze zurück in der Klinik sein (und ich möchte mich streng an den Ernährungsplan der Klinik halten), also laufe ich hurtig weiter, nachdem ich die Aussicht ausgiebig genossen habe. Unten sieht man Sipplingen liegen mit seinem hübschen Kirchturm, wo ich losgewandert bin.Nach der Wanderung kühle ich bis zur Abfahrt des Busses die Füße im See. Ich bin richtig glücklich – es war eine der schönsten Wanderungen, die ich bisher gemacht habe. Dieser herrliche, herrliche Juni-Wald! — Dann aber eine böse Überraschung: Ich habe nicht gecheckt, dass die Abfahrt um 11:03 Uhr ab Sippligen Bahnhof nicht der Bus, sondern ein Zug war – also habe ich seelenruhig an der Bushaltestelle stehend die Abfahrt des Zuges (direkt in Sichtweite!) verpasst. Mit den nächsten Bussen/Zügen würde ich viel zu spät zum Mittagessen kommen. Also trampe ich und habe nach 2 Minuten Glück: Ein freundlicher Mensch fährt mich fast bis zur Klinik; ich muss nur 5 Minuten bergab laufen und komme mehr als pünktlich zum Mittagessen an.Ich mache eine schöne lange Mittagspause und laufe am späteren Nachmittag zum Schloss Rauenstein über Überlingen, wo es einen Garten mit Hunderten von alten Apfelsorten gibt. Das interessiert mich sehr. Aber dann entdecke ich den kleinen Park hinter dem Schloss, von wo man schon wieder eine fantastische Aussicht auf den Bodensee hat.Kein Mensch ist hier; der Park döst still in der Nachmittagssonne. „Den Schatten spenden alte Linden“, wie im Gedicht oben. Es gibt ein paar Bänke; dort mache ich eine Viertelstunde Pause und gucke nur aufs Wasser.Was für ein sommerlicher Anblick! — Segelboote und die Insel Mainau im Hintergrund.Sonnenuntergang von meinem Zimmer aus.
Das nächste Wochenende kommt auch nochmal aus Überlingen, und ich freue mich sehr auf die Tage, die hier noch vor mir liegen. Dass ich mich so freue, hat mehrere Gründe:
Mein Programm hier in der Klinik: Auf meinem Plan stehen Wandern, Nordic Walking, Schwimmen, Heusack-Meditation, Massagen und Gymnastik. Alles Dinge, die ich gern mache und mir wohltun.
Das unfassbar gute und gesunde Essen hier: das essen in der Klinik wird ja von einem ein Bio-Spitzenkoch auf Gourmet-Niveau zubereitet und schmeckt FANTASTISCH.
Meine Liebe zur Landschaft und die Wandermöglichkeiten: Die wunderschöne Landschaft rund um Überlingen ist für mich ja ein Stück Heimat. Ich bin hier vier Jahre lang im Internat gewesen (aus eigener Motivation und ja, es war die Schule Schloss Salem, und nein, meine Eltern waren nicht reich, sondern ich hatte ein fettes Stipendium). Außerdem lebten Teile meiner Familie mütterlicherseits zeitweise am Bodensee, und wir haben sie oft besucht, so dass ich schon früh hierher Verbindungen hatte.
Wir hatten jetzt ein paar Tage echten heißen Sommer (jaja, viel zu heiß), und so bin ich schon voll ins Sommer-Gefühl eingetaucht. Es fühlt sich für mich gut an, auch wenn auch ich natürlich unter der starken Hitze leide.
Ich wünsch Euch, dass ihr Möglichkeiten zum Kühlen habt, dass ihr für Klimapolitik wählt und uns allen, dass die nächsten Tage wirklich Abkühlung bringen. Die nächste Hitzewelle winkt bereits.
feinslieb.net verwendet Cookies, um die Website und den Service zu optimieren.
Funktional Immer aktiv
The technical storage or access is strictly necessary for the legitimate purpose of enabling the use of a specific service explicitly requested by the subscriber or user, or for the sole purpose of carrying out the transmission of a communication over an electronic communications network.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
The technical storage or access that is used exclusively for statistical purposes.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
The technical storage or access is required to create user profiles to send advertising, or to track the user on a website or across several websites for similar marketing purposes.
0 Kommentare zu “Den Schatten spenden alte Linden: Wochenende in Bildern 27./28. Juni 2026 (Überlingen/Bodensee)”