Aus meinem Leben Wochenende in Bildern

Nun die Sonne soll vollenden: Wochenende in Bildern 20./21. Juni 2026

Ich bin immer noch in Überlingen am Bodensee zur Fastenkur. Am Mittwoch habe ich angefangen zu fasten, und es läuft super! Ich bin darüber sehr glücklich, denn mit meiner chronischen Krankheit ist Fasten nicht so einfach. Letztes Jahr war mir beim Fasten 4 von 5 Tage schlecht :-(. Diesmal ist mir nicht schlecht, im Gegenteil: es geht mir sehr gut! 🙂

Sommersonnenwende
Ludwig Uhland

Nun die Sonne soll vollenden
Ihre längste, schönste Bahn,
Wie sie zögert, sich zu wenden
Nach dem stillen Ozean!
Ihrer Göttin Jugendneige
Fühlt die ahnende Natur,
Und mir dünkt, bedeutsam schweige
Rings die abendliche Flur.

Nur die Wachtel, die sonst immer
Frühe schmälend weckt den Tag,
Schlägt dem überwachten Schimmer
Jetzt noch einen Weckeschlag;
Und die Lerche steigt im Singen
Hochauf aus dem duft’gen Tal,
Einen Blick noch zu erschwingen
In den schon versunknen Strahl.

Das WiB ist natürlich wie immer verlinkt bei Große Köpfe.

Samstag, der 20. Juni 2026

Wir wandern heute westlich von Überlingen und haben bei dem herrlichen Weg die ganze Zeit Blick auf den Überlinger See. Das ist der obere Teil des „Fischschwanzes“, wenn man sich den Bodensee als einen Fisch mit zwei Schwanzflossen vorstellt.
Puh, die Wanderung ist herausfordernd heute: es hat 33 °C, und der Weg verläuft fast die ganze Zeit in praller Sonne…
Aber die Ausblicke sind wunderschön.
So eine Suppe bekommt man als fastende Person in der Klinik zu Mittag. Sie ist ganz dünnflüssig, auch wenn es auf dem Bild so aussieht, als sei es eine pürierte Suppe.
In der Mittagspause mache ich einen Leberwickel. Das empfiehlt die Klinik und hält dafür die geeigneten Tücher und eine Wärmflasche bereit. Nach der Mittagsruhe, in der ich auch lange lese, gehe ich noch mal runter nach Überlingen an die Uferpromenade. Hier ein Flamingo-Tretboot.
Am und im Wasser ist was los. Ich liebe es, dass man hier in Überlingen entlang der gesamten Seepromenade und im Uferpark an vielen Stellen einfach ins Wasser springen kann.
Im Badhotel, das direkt an der Seepromenade liegt, bestelle ich mir einen Kaffee. Ganz streng genommen soll man darauf beim Fasten verzichten, aber der Arzt hier sagt, das könne man aus seiner Sicht ruhig machen, wenn einem danach ist. Es behindert in keinster Weise den Fastenprozess.
Vor dem Abendessen gehe ich noch mal schwimmen – das habe ich heute Morgen nach der Wanderung auch direkt schon gemacht.

Sonntag, der 21. Juni 2026

Heute ist Sommeranfang und Sommersonnenwende. Passend zum Thema der Jahreszeit (Höhe, etwas erreichen, Zenit) habe ich mir eine Wanderung auf die höchste mir erreichbare Höhe vorgenommen. Außerdem wandere ich heute durch drei Tobel (enge Schluchten), denn ein uraltes Ritual zur Sommersonnenwende ist es, einen Blumenstrauss oder Blümchen in eine Quelle zu werfen, um Segen zu erbitten. Und in einem der drei Tobel kommt man an einer Stelle vorbei, die nur wenige Meter von der Quelle des kleinen Bächleins entfernt liegt.

Auf den ersten 500m der Wanderung habe ich einen Blumenstrauß gepflückt. Den lege ich etwas später im Hödinger Tobel ganz in den kleinen Bach ab und bitte dort um Segen für mich, meine Familie und die Welt. Mein kleines Mittsommer-Ritual.
Ich tauche in den kühlen Spetzgarter Tobel ein. Hier hat es mindestens 10° C weniger als draußen.
Die Felswand neben dem Tobelweg. Links geht es ganz steil runter.
Nach 1 Stunde Wanderung bin ich wieder auf der Hödinger Höhe, der gleiche Ort wie letzten Sonntag, oberhalb meines ehemaligen Internats. Man hat von hier den allerschönsten Blick über den gesamten Bodensee. Es ist der höchste zu Fuß erreichbare Punkt ab Klinik und vielleicht der höchste Ort am Bodensee, der nicht extrem weit vom Ufer entfernt ist.
Hier seht ihr im Hintergrund blassgrau den Umriss der Schweizer Alpen um den Säntis. IST DAS SCHÖN???
Ich gehe den Berg auf der anderen Seite wieder runter in Richtung des idyllischen Dorfes Hödingen. Diese Frau ist hier barfuß unterwegs („Das ist wie eine Fußreflexzonenmassage,“ sagt sie, als ich sie darauf anspreche). Ich darf sie fotografieren.

Inspiriert von der freundlichen Frau laufe ich im Hödinger Tobel ein paar 100m barfuß. Es kommt mir so vor, als sei mir die Frau als Botin geschickt worden, um mich zum Barfußlaufen anzuregen.
Nach dem dritten Tobel oberhalb von Süßenmühle komme ich auf der Fidelisspitze an. Hier steht man 100m direkt über dem See. Die Bäume hier stehen auf einem senkrecht zum See abfallenden hohen Felsen.
Hier kann man die Höhe und das Senkrechte besser erahnen. Schaut mal, wie klein das Auto auf der Straße ist.
Der Rückweg führt mich durch liebliche Weinberge bei Überlingen-Goldbach. Hier wird der berühmte Wein des Markgräfler Landes (Baden) angebaut. Viele Weinberge hier sind tatsächlich noch im Besitz des jetzigen Markgrafen, der seine Residenz im Schloss Salem hat.

Kurz vor dem Ende der Wanderung merke ich plötzlich, dass ich Bauchschmerzen habe. Es geht mir nicht gut… Wahrscheinlich habe ich zu wenig getrunken und mich mit dieser längeren Wanderung während dem Fasten übernommen. Oh mein Gott — aber ich habe so ein Glück: Gerade als ich denke, oh je, ich kann eigentlich nicht mehr, und es sind noch 2 km, sehe ich direkt am Wanderweg einen E-Roller stehen. Ich lade mir schnell die App runter und fahre den Rest des Wegs mit dem Roller.

In der Klinik konsultiere ich die Schwester, und sie sagt, dass die Bauchschmerzen wahrscheinlich vom Darm kommen, der sich während einer anstrengenden Wanderung selbst blockiert. Sie empfiehlt mir, wonach ich mich auch selbst fühle: Leberwickel und Ruhe. Viel trinken.

Im Endeffekt bin ich so kaputt, dass ich 4 Stunden im Bett liege, bis es mir wirklich besser geht.

Ich habe heute nicht mal mehr Lust zu schwimmen. Aber dafür erledige ich einiges am Computer, telefoniere, mache Körperpflege und lese. Auch wenn ich mich heute übernommen habe, am Nachmittag hab ich auf meinen Körper gehört und ganz, ganz ruhig gemacht.

Dann sitze ich noch ein Weilchen auf dem Balkon und schaue dem Sonnenuntergang zu. Es ist immerhin der späteste Sonnenuntergang des Jahres.

Das waren mein vierter und fünfter Fastentag. Ich faste jetzt noch weitere fünf Tage, bis Freitag. Am Samstag beginne ich mit der Aufbaukost.

Für mich liegt ja diese meine Fastenzeit perfekt: mein Fastenzenit liegt genau auf der Sommersonnenwende. Auch Stolz und Hochgefühl, die ich beide während der Fastenzeit erlebe, sind jetzt genau richtig.

Ich freu mich jetzt auf die nächsten Tage, wo doch alles so gut läuft. Aber ich kann nicht verleugnen, dass ich mich auch wieder darauf freue zu essen.

Es ist manchmal ein bisschen fies, die anderen am Tisch das unglaublich gute Essen verzehren zu sehen…. Heute Abend hatten sie weißen Spargel und Kräuter-Dinkel-Pfannkuchen mit einer Kräuterschaumsauce. Aber eigentlich macht es mir nichts aus, selbst nur ein dünnes Süppchen zu haben.

Liebe Leserinnen, ich möchte euch noch ermutigen, in der nächsten Zeit so viel wie möglich raus in die Natur zu gehen. Das gilt eigentlich fürs ganze Jahr, aber jetzt, wo es draußen so schön warm und hell ist, ist es besonders wichtig.

Liebe Grüße aus Überlingen,

Eure Maike

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