Im Gewitter der Rosen: Wochenende in Bildern 29./30. August 2020

Wir waren schon auf dem Weg aufs Land – und sind dann doch wieder zu Hause in Berlin gelandet. Was aber eigentlich gut war, denn so hatte ich mal einen halben Tag für mich. Wir hatten schönes Spätsommerwetter mit blauem Himmel, aber am Sonntag Nachmittag begann es zu regnen.

Die Phrase aus der Überschrift stammt diese Woche aus einem Gedicht von Ingeborg Bachmann. Das Gedicht hat mich angesprochen, weil wir heute im Rosengarten waren, weil mich das trockene Laub dieses Wochenende beschäftigt hat, und weil es in dem Gedicht in leiser, aber grandioser Sprache um große Erschütterungen geht. Und um den Fluss des Lebens.

Dieser Beitrag ist verlinkt beim Berliner Familienblog Große Köpfe, wo man viele andere Wochenenden in Bildern findet

Samstag, der 29. August 2020

Die große Tochter und ihre Freundin haben gestern diese Schoko-Muffins mit Himbeeren gebacken, nach eigenem Rezept. Will heißen: Ohne Rezept. Sie haben zwei Bleche voll gemacht. Auf dem Bild sieht man die, die noch übrig sind.

Jeden Morgen lesen wir direkt nach dem Aufwachen auf dem Sofa vor. Aktuell lesen wir zum zweiten Mal „Charlie und die Schokoladenfabrik“ von Roland Dahl. Wir haben eine Ausgabe, die ich schon als Kind hatte, und die ich glücklicherweise antiquarisch gefunden habe. Denn leider gibt es aktuell keine schön bebilderte Ausgabe dieser schönen Geschichte, sondern nur ein olles Taschenbuch. Unsere alte Ausgabe hat so schöne Illustrationen, die meine Phantasie in der Kindheit wunderbar beflügelt haben. Sie sind zurückhaltend in der Interpretation und trotzdem detailgetreu. Sie regen den kindlichen Geist an, sich mehr vorzustellen. Ich liebe immer noch den Film, den ich beim Lesen dieses Buches vor meinem inneren Auge sah und fühlte. 

Die aktuellste Verfilmung des Buches habe ich aber gehasst, obwohl Johnny Depp den Willy Wonka spielt. Die platte Psychologisierung von Willy Wonka im Film ist absolut fehl am Platz, wie ich finde. Der Schokoladenfabrikant Willy Wonka ist im Buch eine Zauberer-Figur. Man muss ihn nicht mit einem Vater-Komplex ausstatten (wie der Film das macht), der im Buch in keinster Weise angedeutet wird

Ich wünsche mir, dass jemand dieses Buch einmal angemessen verfilmt. Meiner Meinung nach müsste das ein britisches Team angehen und das auf europäische Weise umsetzen.

Der Vormittag vergeht mit Einkaufen und Packen, denn wir wollen aufs Land fahren. Das Landhaus war diese Woche von Freunden bewohnt, und wir wollen sie dort noch treffen, bevor sie wieder abreisen. Und dann eben bis Sonntag Abend dort bleiben.

Wir packen also das Auto und fahren los. Aber auf dem Weg will ich die Freunde noch etwas fragen und stelle fest, dass wir ausge.macht hatten, dass sie bis Sonntag bleiben können…. Weil ich weiß, dass sie ihren Urlaub dringend brauchen, ist klar, dass wir wieder umdrehen müssen. Völlige Fehlplanung unsererseits.

Also fahren wir an der nächsten Ausfahrt wieder raus und stellen fest, wir sind in der Nähe von Chorin. Ich checke schnell Google Maps und stelle fest, dass wir nur 15 Minuten vom Dörfchen Serwest entfernt sind, wo es einen See gibt und wo die Schafe unserer Schule in den Ferien untergebracht sind. In diesem kleinen Dorf in der Nähe vom Ökodorf Brodowin haben einige Familien aus unserer Schule ihre Ferienhäuser.

Also machen wir spontan einen kleinen Umweg und erkunden ganz kurz Serwest. Aber unsere Kinder sind genervt und haben keine Lust auf Dorferkundung oder spontane Besuche. Deswegen schauen wir nur kurz den idyllischen See an und fahren dann schnurstracks zurück nach Berlin.

Als wir zu Hause ankommen, merken wir Eltern, dass wir total erschöpft sind. Vor allem ich habe das dringende Bedürfnis nach Ruhe und Auszeit. Die Kinder verabreden sich direkt mit Freundinnen, worüber ich total froh bin. Am Montag (=übermorgen) haben wir, also meine Freundin und Kollegin Nina Schattkowsky und ich, Abgabetermin an den Verlag für den ersten Teil unseres Buches zum Thema Storytelling in den sozialen Medien. Wir haben eine Methode erarbeitet, die erklärt, wie man Storytelling in den sozialen Medien betreiben kann, trotz der Micro Moments, die ja scheinbar nicht mit der Linearität und Kausalität von Geschichten zusammen gehen.

Ich habe in der letzten Woche jeden Tag neben der regulären Arbeit 4-6 Stunden an dem Buch gearbeitet, obwohl die Kinder wegen eines Corona-Falls an der Schule zu Hause waren. Das war eine echte Herausforderung. Wahrscheinlich bin ich deswegen so groggy. 

Screenshot aus der großartigen dänischen Krimi-Serie “The Killing”, die aktuell komplett auf arte.tv zu sehen ist. Die Frau rechts im Bild ist die großartige Kommissarin Sarah Lund.

Nach einem schnellen Mittagessen lege ich mich also ins Bett, schlafe eine Runde und schaue 3 (!!) Folgen der genialen dänischen Krimi-Serie „The Killing“ auf arte.tv. Die Serie ist zwar schon von 2008 und zeigt lustige elektronische Geräte, die man nicht mehr benutzt (Camcorder! Handys ohne Smart-Funktion!), aber die Serie wurde mit einem Emmy ausgezeichnet und ist immer noch besser als das meiste, das heute an Serien produziert wird. Ich finde es jedenfalls total spannend und genieße es, einfach mal im Bett zu liegen und eine Serie zu gucken. Das habe ich seit Monaten nicht mehr gemacht.

Die Kinder sind mit ihren Freundinnen beschäftigt. Ich gehe mit dem Hund raus und drehe eine Runde durchs Wohnareal. Einerseits freue ich mich an den Vorboten des Herbstes….

… aber ich bin auch ein bisschen erschrocken, wie sehr man die Trockenheit des Jahres merkt. 

Der Kastanienbaum trägt noch unreife Früchte, aber seine Blätter wirft er völlig braun und vertrocknet schon ab.

Die Brombeeren sind zwar zum Teil reif, aber irgendwie ganz klein und trocken. Den Pflanzen fehlt es eindeutig an Wasser.

Genauso die Sonnenblumen. Mir macht das Sorgen.

Am Abend verfolgen wir noch kurz die Berichterstattung zu den Corona-Demos. Und sind völlig fertig. Wir können nicht verstehen, wie es sein kann, dass sich gebildete, aufgeklärte und kluge Menschen hier mit den allergrößten Idioten mischen. Überhaupt diese Mischung von Leuten, diese Parolen, die Fahnen, und die unfassbaren Sprüche, die hier skandiert werden. Ich bin zutiefst erschüttert und möchte an dieser Stelle klarstellen, dass ich die Bedrohung durch Corona ernst nehme, den Einschätzungen vom RKI und den Gesundheitsämtern vertraue, und auch der Berichterstattung in Medien wie dem Spiegel, der Süddeutschen Zeitung, Deutschlandradio, ARTE usw.. Die allermeisten Journalisten in unserem Land arbeiten seriös und unabhängig, und nix da von wegen „die Regierung kontrolliert die Medien“. Maske auf, bitte, und keinen Unfug machen.

Sorgenvoll, aber todmüde gehen wir früh ins Bett.

Sonntag, der 30. August 2020

Mit Mann und kleiner Tochter machen wir uns auf einen Hundespaziergang in den Humboldthain. 

Dieses Gebäude in unserer Straße wurde kürzlich denkmal-geschützt. Es herrschte ein großer Streit über die zukünftige Nutzung. Eine Rolle spielte dabei auch die Asbest-Verseuchung des Gebäudes, das früher einmal ein Gymnasium und eine öffentliche Bibliothek war. Nun schauen wir gespannt darauf, was hier passieren wird. Eine Bürgerinitiative hatte ein tolles Konzept erarbeitet und auch die Finanzierung durchgerechnet. Wir haben dieses Konzept durch Unterschriften und (kleine) Beteiligung unterstützt. Wir hoffen, dass es in die Richtung dieses Konzeptes geht – eine Mischung aus kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Nutzung, aber alles zum Wohle des Kiezes. Wir wünschen uns hier einen kulturellen Ort, möglichst noch mit einem angenehmen Café :-). Eine Schule wäre sicherlich auch sinnvoll.

Eindrücke aus dem Humboldthain, wo wir vielen Eichhörnchen begegnen und uns länger im herrlichen Rosengarten aufhalten, weil die kleine Tochter Rosen so liebt:

Mit Nuss im Maul. Ich LIEBE Eichhörnchen!
Am Sonntag Morgen hat man den Park für sich.
Wenn man genau hinguckt: An diesem Baum gibt es Tausende von Kastanien, obwohl auch hier der Baum irgendwie krank wirkt. 🙁
Tja. Junge Kastanien, aber völlig verdorrte Blätter.
🙁
Ein zarter, vorherbstlicher Himmel.
Wie ich die leise Botschaft der Wolken am heutigen Himmel liebe.
Rosa in Rosa. Die Tochter liebt Rosen.
An jeder erreichbaren Rose wird geschnuppert. 
Die Tochter will mein Handy haben und fotografiert die Rosen.
“Mama, guck mal! Die Rose auf diesem Bild fliegt in der Luft!“ Tja. In der Tat.
Ein Bild von meinem Mann und mir macht sie auch.
Ich mag diese Statue im Rosengarten sehr. Diese Leichtigkeit, diese Anmut trotz der Dynamik.
Rosa.
Kurzzeitig ist der Himmel voll Beethoven-mäßig.

Ein letztes Rosenbild der Tochter, und wir machen uns auf den Heimweg. Nicht ohne wieder ein paar Eichhörnchen zu sehen.

Als wir nach Hause kommen (es ist ungefähr 9 Uhr), ist die große Tochter gerade aufgestanden. Die kleine Tochter stürmt auf ihre Schwester zu und berichtet völlig begeistert: „Duuu! Wir haben Tausende und Abertausende von Eichhörnchen gesehen!!”

Mein Mann und ich müssen lachen. Uns gefällt besonders, dass es nicht nur Tausende, sondern Abertausende gewesen sein sollen. Super.

Zu Hause malt die Tochter eine Bildergeschichte.

Ich kümmere mich um die Blumen. Gesammelter Knöterich kommt in ein Glas.

Diese rosa Blumen kombiniere ich mit Ranken von wildem Wein aus dem Garten sowie einem abgebrochenen Zweig aus der Wohnanlage, der von der letzten Schneid-Aktion der Gärtner noch herumlag.

Meine Gesichtscreme ist alle. Ich mache mir neue. Und ja, die Creme sieht aus wie Vanille-Pudding 🙂 – Seit einer Weile kaufe ich mir keine Gesichtscreme mehr, sondern mache sie selbst. Das ist ganz einfach. Meine Creme besteht zum Großteil aus Aloe Vera und ist darum herrlich für die Haut. Ich habe sensible Mischhaut, bei der viele Cremes entweder zu fettig oder zu wenig feuchtigkeitsspendend sind. Diese Creme ist für sensible Mischhaut einfach der Traum. 

Ich plane einen Beitrag mit der Anleitung für die Creme. Es ist wirklich leicht und man kann alle Zutaten bestellen, sogar das Aloe Vera-Gel, wenn man keine eigene Pflanze zur Verfügung hat. Ist für nächste Woche geplant, und weil ich mich bei der Menge verrechnet habe, verlose ich auch etwas von der Creme.

Mit handgemalten Etiketten. Das macht mir immer große Freude. 

Es ist für uns alle ein sehr entspanntes Wochenende. Zur Feier des Tages trinken mein Mann und ich ein Gläschen Crémant, sitzen auf der Terrasse in der Sonne und quatschen. Über die erschreckenden Demos von gestern, über die Kinder und dass wir uns freuen, wie sich aktuell alles entwickelt, über die Arbeit, über Pläne und über die kommende Woche.

Beide Töchter haben Besuch bzw. spielen. Die kleine Tochter vergnügt sich mit einem Nachbarskind, die große Tochter hat Besuch von einer Klassenkameradin. Die beiden haben großen Spaß zusammen; dauernd hört man es kichern. Wir sind total froh. Die große Tochter hatte ein schweres Jahr, weil vor einem Jahr ihre beste Freundin seit dem Kindergarten ihr nach Jahren sehr enger Freundschaft von einem Tag auf den anderen ohne ersichtlichen Grund die Freundschaft gekündigt hat (ihr war es vermutlich zu eng geworden). Klar, sowas kann passieren. Aber dann hat die (ehemalige) Freundin unsere Tochter extrem gemobbt, war richtig fies zu ihr und hat alles unternommen, um die Mädchen der Klasse gegen sie aufzubringen. So hatte unsere Tochter neben der Trauer um die Freundin auch noch mit Ausgrenzung zu kämpfen, die ausgerechnet aktiv von der ehemaligen Freundin betrieben wurde. 🙁

Darum sind wir sehr froh, dass sie nun andere Bande knüpft und wieder mit Freundinnen fröhlich ist.

Die beiden großen Mädchen haben diese leckeren Zimtschnecken gebacken, die ratzfatz alle sind. Die kleine Tochter nimmt einen Teller mit für die Familie ihrer Freundin, und von uns zu Hause isst auch jeder eine.

Nach dem Mittagessen schaue ich wieder eine Folge „The Killing“. Aber ich bin schon wieder so müde, dass ich dabei einschlafe, obwohl es so spannend ist.

Die Kommissarin findet ein wichtiges Indiz.

Wir essen noch Abendbrot mit der ganzen Meute. Dabei ist noch die Freundin der großen Tochter, die über Nacht bleibt.

Am frühen Abend beginnt es zu regnen. Wunderbar. Das kann die Natur gebrauchen. Der Regen fühlt sich ein bisschen so an wie das Gewitter in Ingeborg Bachmanns Gedicht.

Die nächste Woche wird spannend. Weil es drei Corona-Fälle in der Schule der Kinder gab, ganz neu in der Klasse der kleinen Tochter, werden morgen alle Kinder der Klasse der kleinen Tochter vom Gesundheitsamt auf Covid-19 getestet und müssen dann eine Woche in Quarantäne bleiben. Das heißt, sie dürfen die Wohnung nicht verlassen und nicht mit anderen Kindern spielen. Mal sehen, wie das wird. Wir anderen (außer der kleinen Tochter) dürfen raus und ganz normal weitermachen. Aber es wird natürlich trotzdem eine Einschränkung. Nun gut, wir sehen ein, dass das notwendig ist. Alle müssen in dieser Situation Kompromisse machen. Es gehört zum normalen Sozialverhalten dazu, dass man das akzeptiert, auch wenn es ein bisschen nervig und unangenehm ist.

Aber bitte! Was ist diese kleine Einschränkung gegen so vieles, was andere Menschen auf dieser Welt tagtäglich auf sich nehmen. Nichts! Wir können uns so glücklich schätzen, dass es uns so gut geht. dass es ein Gesundheitsamt gibt, das testet. Dass sich der Staat kümmert. Dass wir so gut versorgt sind. Da kann man wirklich mal eine Woche Quarantäne aushalten, auch wenn man (wie wir) wegen Corona gerade selbst am Hungertuch nagt und nicht weiß, wie man die Miete im nächsten Monat bezahlen soll. Mein Mann hat wegen Corona seine gesamten Einkünfte verloren. Er ist selbstständig und hat ausschließlich Ausgaben, weil er nichts einnehmen darf. 

Aber es wird weiter gehen. Wir wissen, dass es irgendwie weitergeht. Denn es geht immer irgendwie weiter, und so schwer es ist, es hat ganz sicher irgend einen Sinn.

Daran glaube ich fest. Zumindest können wir Menschen einen Sinn für uns erkennen. Und darauf kommt es an. Das ist meiner Meinung nach Gott: Dass wir Menschen grundsätzlich in der Lage sind, einen Sinn in den unglaublichsten Schicksalen zu erkennen. Denn das können und sollen wir. Und darauf kommt es an. Dafür muss man noch nicht mal an Gott glauben. Es geht ausschließlich darum, darauf zu vertrauen, dass die Dinge, die geschehen, einen Sinn haben. Auch wenn der manchmal schwer zu erkennen ist. Aber genau darauf kommt es an: Dass wir die Perspektive verändern und bereit sind, aus einem anderen Blickwinkel auf die Welt zu schauen. Auf eine Weise, die unseren Blick so verrückt, dass wir den Sinn erkennen können. Das ist manchmal schwer oder gar nicht möglich, oder die Perspektive entsteht erst nach Jahren. Aber der Sinn ist da.

Darauf vertraut und hofft, dass auch Du vertraust,

Deine Maike

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