Es geht durch unsre Hände: Wochenende in Bildern 5./6. Oktober 2019

Dieses Wochenende haben wir halb zu Hause in Berlin, halb in und um unser Haus auf dem Land verbracht. Ich habe dieses Wochenende, an dem christliche Menschen und Familien Erntedank gefeiert haben, mit dem Satz „Es geht durch unsre Hände“ aus dem schönen Lied „Wir pflügen und wir streuen“ von Matthias Claudius betitelt. Denn die Natur und die Schönheiten unserer Erde liegen in der Hand von uns Menschen, ganz egal, ob ein Gott sie geschaffen hat, oder ob sie zufällig durch das wundersame Zusammenspiel von winzigen Teilchen, Chemie und Physik entstanden sind. (Vielleicht stimmt ja beides.) Jedenfalls ist das heutige Erntedank in den Köpfen vieler Menschen ganz sicher nicht nur von Dank geprägt, sondern auch von der Mahnung an unsere Verantwortung, mit unserer Erde achtsam umzugehen. Sie nicht zu zerstören, sondern sie zu erhalten und zu bewahren.

Ich mag ja auch die Melodie dieses schönen Liedes, die Ihr hier nachhören könnt.

Wir pflügen und wir streuen (Matthias Claudius)

Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand:
der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf.

Er sendet Tau und Regen und Sonn- und Mondenschein,
er wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein
und bringt ihn dann behende in unser Feld und Brot:
es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.

Was nah ist und was ferne, von Gott kommt alles her,
der Strohhalm und die Sterne, der Sperling und das Meer.
Von ihm sind Büsch und Blätter und Korn und Obst von ihm,
das schöne Frühlingswetter und Schnee und Ungestüm.

Er läßt die Sonn aufgehen, er stellt des Mondes Lauf;
er läßt die Winde wehen und tut den Himmel auf.
Er schenkt uns so viel Freude, er macht uns frisch und rot;
er gibt den Kühen Weide und unsern Kindern Brot.

Refrain: Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

Samstag, der 5. Oktober 2019

Es regnet ja endlich, nach so vielen Monaten regenfrei. Alles glänzt herausgeputzt in bunten Farben.

Sinnes- und Natureindrücke um unser Berliner Häuschen beim morgendlichen Hundespaziergang:

Regentropfen am Beerenbaum:

Der wilde Wein in unserem Garten hat sich schon rot gefärbt:

Unsere Herbstanemonen sind aufgeblüht.

Die Kinder haben diese Woche ganz, ganz viele Kastanien-Spinnennetze geflochten. Ich liebe diese Dinger, die ich selbst schon als ganz kleines Kind im Kindergarten gemacht habe.

Wir stellen neue Bienenwachstücher her, weil wir auf dem Land zu wenige haben. Wir brauchen immer viele große für unsere großen Schüsseln. We wissen will, wie man diesen Öko-Ersatz für Frischhaltefolie herstellt, klicke hier, bei meiner Schritt-für-Schritt-Anleitung auf dem Hans Natur Blog. Die dunklen Flecken auf dem grün gepunkteten Tuch sind Mandelöl.

Vier große Bienenwachstücher sind fertig.

Die große Tochter hat diese Woche die DIY-Kosmetik entdeckt. Wie meine Instagram-Follower vielleicht wissen, haben wir am Donnerstag einen Wellness-Tag mit selbstgemachtem Handbad, Körperpeeling und Massage gemacht. Heute will die Tochter noch einen Lippenbalsam herstellen, „weil ich doch immer so trockene Lippen habe, Mama, vor allem auf dem Fahrrad!“ Wir haben alle Zutaten da: Kokosöl, Bienenwachs und ein Stück Lippenstift von Mama. Die werden im Wasserbad erhitzt und vermischt:

Die Tochter stellt noch ein Etikett her, und fertig ist ein wunderbarer zartrosa Lippenbalsam, der auch meinen Lippen gut tut:

Langer Spaziergang mit der großen Tochter und Hund durch eine lang gestreckte Grünanlage um die Ecke. Nur wenige kennen diesen Ort, der gerade zu dieser Jahres- und Tageszeit menschenleer ist. Es gibt hier einige Spielplätze. Die große Tochter hat Spaß mit den schaukelnden Platten.

Am Ende der Grünanlage sind die Pferde eines Berliner Kutschers untergebracht, der gerade mit seinem Planwagen losfährt.

Nur ein paar Meter weiter dieses großstädtische Herbst-Ensemble:

Und dieser herrlich schäbige Rolladen. Dieses Foto: Der Inbegriff von Berlin.

Den Rest des Tages verbringe ich mit der kleinen Tochter bei meinem Vati in Spandau. Spandau, ein Stadtteil von Berlin, der relativ außerhalb liegt, hat zauberhafte Ecken. Den Kiez meines Vaters mag ich sehr; es gibt schöne Jugendstil-Altbauten, und es hat sich viel altmodischer Einzelhandel wie Teeladen, Schneiderei usw. erhalten. Es gibt ein paar gentrifizierungs-typische Läden wie Weinläden, Fingerfood-Herstellung und nette Studentenkneipen, aber auch noch alte Eckkneipen und billige Döner- und Asia-Imbisse. Ich bummle hier gern durch die lebendigen Straßen und die verwunschenen Kopfsteinpflaster-Gassen. In einer Pizzeria, die mein Vater gern mag, essen wir zu Abend und schaffen es anschließend gerade noch nach Hause, bevor die Tochter an meiner Schulter einschläft.

Abendstimmung in Berlin-Spandau

Sonntag, den 6. Oktober 2019

Juhu, heute fahren wir aufs Land. Wir trudeln schon am Vormittag ein. Das Wetter ist auch hier ganz herrlich. Die Kinder klettern aus dem Esszimmer in den Vorgarten.

Gleich werden die gesammelten Spinnennetze der Woche an unserem Ast in der Zimmerecke aufgehängt.

Beim Gang übers Grundstück finden wir viele herrliche, noch ganz junge Butterpilze, von denen wir nur einen Bruchteil pflücken, weil wir ja nicht so viele essen können.

Junge Butterpilze im Moos

Je jünger, desto gewölbter und weniger schleimig ist der Hut.

Der hier ist schon älter:

Leider kann man Fliegenpilze nicht als Mahlzeit genießen, und von anderer Verwendung lassen wir lieber die Finger. Hier gibt es ganz wundervolle frische Fliegenpilze.

Kleiner Fliegenpilz mit roten Punkten im Moos mit Blättern
2 junge Fliegenpilze im Moos, einer mit weißen Punkten, der andere ohne

Wir fahren zum Erntefest bei der ökologischen Hof-Kooperative mit Hofladen im übernächsten Dorf. Der Himmel hier ist weit und groß. Landschaft im Gegenlicht:

Und mit „Rückenlicht“:

Ansprache der Initiatoren der Hof-Gemeinschaft mit viel Dank, aber auch sorgenvollen Gedanken zum Zustand der Welt und den schwierigen Bedingungen, mit denen nachhaltige und ökologische Landwirtschaft zu kämpfen hat.

Es gibt einen Fühlpfad…

… Gummistiefel-Weitwurf, den unsere kleine Tochter freudig mitmacht – und mein Mann und ich auch – ….

… Strohballen zum Klettern…

… außerdem gutes biologisches Essen von Gänseburger mit Kraut bis Pflaumen-Zimt-Kuchen, Hofbesichtigung, das Dreschen von Sonnenblumen, ein Riesen-Trampolin und unerwartete Begegnungen mit mehreren Menschen, die wir aus Berlin kennen und niemals hier erwartet hätten. Konkret: aus der Schule und angrenzenden Institutionen. Diese Leute sind aber nicht hier, weil sie wie wir hier in der Gegend ein Häuschen haben, sondern aus politischen oder persönlichen Gründen. Überraschend und schön, dass es außer uns Verbindungen zwischen unseren beiden Welten gibt.

Ein bisschen dramatisch, aber kraftvoll gebiert sich das Wetter heute. Passt eigentlich nicht schlecht. Der Pflaumenbaum hat schon ein paar Blätter verloren.

Pflaumenbaum mit wenigen Blättern und Ahornbaum vor blauem Himmel

Ich schließe die Bilderreihe unseres ersten Oktober-Wochenendes mit diesen frühherbstlichen Eindrücken von unserem Grundstück. Der junge Ahorn hat schon rötliche Blätter:

Die geliebten Berberitzen haben sich auch schon verfärbt:

Eine rosa-weiße Dahlie reckt vorwitzig ihren Kopf.

Dahlie vor kleinem weißem Haus, rosa-weiss gefaerbt

Mit diesen herbstlichen Eindrücken geht unser Wochenende gemütlich zu Ende. Es dunkelt jetzt und wir werden uns noch gemütlich vor dem Ofen zusammen setzen und lesen, malen und quatschen. Und gebratene Butterpilze mit Butterbrot essen – mjamm!

Wir bleiben die ganzen Herbstferien auf dem Land, das heißt noch fast zwei Wochen. Ich arbeite von hier aus, mein Mann pendelt gelegentlich in die Stadt für seine beruflichen Angelegenheiten. Ich freue mich auf zwei Wochen ländlichen Herbst, Pilzschmäuse und guten Waldgeruch.

Und empfinde tiefe Dankbarkeit für das, was uns gegeben ist, und mehr Verantwortung denn je für das richtige, gute Handeln in einer Welt, die gefühlt gegen das Gute gerichtet ist. Meine Gedanken gehen zur Zeit viel in diese Richtung. Ich wäge Optionen ab, das Richtige zu tun, und bin dankbar, dass ich überhaupt Optionen habe.

Und ich merke, mehr denn je ist es wichtig, dass sich viele für das Richtige, Nachhaltige, Nicht-Zerstörerische entscheiden. Und zwar mit jedem Kauf (oder besser: Nicht-Kauf!), jeder Bestellung, jedem Abschluss eines Vertrages, der Wahl der Läden/Geschäfte/Online-Shops, dem alltäglichen Verhalten, den Auswirkungen der eigenen Arbeit und Freizeit auf Umwelt und Ökonomie usw.

Und noch wichtiger sind die großen Hebel. Aber um die zu bewegen, müssen wir weiter auf die Straße gehen und weiter Druck ausüben auf die halbherzigen Versprechen und Schein-Beschlüsse der Politik.

Mit diesen Gedanken schließe ich nun diesen wie-immer-viel-zu-langen Text, grüße Euch alle ganz herzlich, hoffe, Ihr bleibt mir gewogen und freue mich sehr, sehr, sehr über Kommentare. Denn ich weiß, das kostet Zeit und Nerven und die haben wir alle nicht mehr in dieser verrückten Welt.

Eure Maike

Weitere Wochenenden in Bildern findet Ihr wie immer als Linksammlung auf dem Familien-Blog Große Köpfe aus Berlin.

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Maike,
    wenn ich Zeit finde, lese ich immer sehr gerne deine Wochenenden in Bildern. Sie gefallen mir einfach und ich nehme viele Ideen mit. Besonders auch deine Art zu schreiben gefällt mir sehr, insbesondere deine Sprache und Ausdrucksweise. Manche Wörter, die du verwendest, kommen in meinem Sprachgebrauch nur sehr selten oder gar nicht mehr vor. Umso schöner, wenn ich sie dann wieder lesen kann.
    Eine schöne Restwoche noch!
    Liebe Grüße, Dorothee

    • Liebe Dorothee, danke für Deinen Kommentar! Das freut mich! Ich bin aber auch ein bisschen erstaunt, dass ich offensichtlich „ungewöhnliche“ Wörter benutze 🙂 Das war mir gar nicht klar. Liebe Grüße an Dich!

  2. Liebe Maike,
    mal wieder ganz viel Inspiration (unsere große Tochter möchte auf ihrem Kindergeburtstag einen DIY-Kosmetikworkshop machen und ich sammle schon fleissig Rezepte), meine Bienenwachstücher sind recht fest, ich wusste nicht, dass ich Mandelöl zufügen sollte. Wie immer wunderschöne Bilder, die die Stimmung so gut transportieren und nachdenkliche Worte zum Schluss. Auch wir machen uns so viele Gedanken um unsere verrückt gewordene Welt und es tut gut zu wissen, dass viele Menschen merken, dass etwas ganz und gar schiefläuft.Das gibt mir Hoffnung! Habt eine herbstliche Zeit auf dem Lande!

    • Liebe Sonja, hab vielen Dank für Deinen Kommentar! Nicht wahr, die Welt ist verrückt geworden… zunehmend spürt man das auch hierzulande… alles driftet auseinander. Ich suche nach richtigen Wegen im Dschungel der Möglichkeiten…
      Tolle DIY-Kosmetik ist der Lippenbalsam und das Körperpeeling, das man aus Zucker, Olivenöl und etwas Aromaöl (z.B. Lavendel) herstellt. Ich glaube, Du findest aber ganz ganz viele Rezepte im Internet. Wir hatten unsere aus einer Zeitschrift der Tochter. Ganz liebe gleich gesinnte Grüße an Dich!

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