Der April im Jahreskreis Der Mai im Jahreskreis Feste und Bräuche im Jahreskreis Jahreskreis

Walpurgisnacht: Heidnische Riten, christliche Vereinnahmung und moderne Rituale für die ganze Familie

Walpurgisnacht: ein uraltes Schwellenfest der vorchristlichen Völker Europas, das die Kirche christianisierte und verteufelte, das Goethe literarisch verewigte und das wir heute neu zum Leben erwecken. Ganz unten findest du Ideen, wie wir heutzutage dieses Fest als Erwachsene oder als Familie feiern können.

Ein uraltes Fest

Walpurgisnacht und Erster Mai gehören historisch gesehen eigentlich zusammen. Menschen in Europa haben diese Zeit schon gefeiert, bevor es Schrift gab, bevor irgendjemand den Namen „Walpurgisnacht“ kannte und bevor es die heutige Zeitrechnung und den „1. Mai“ gab. Archäologische Befunde und überlieferte Mythen legen nahe, dass das Fest in diesen lieblichen Frühlingstagen zu den ältesten Feiern Mitteleuropas gehört – mindestens dreitausend Jahre alt, aber wahrscheinlich viel, viel älter.

Der Kontext: Unsere Vorfahren waren animistisch geprägte Naturvölker

Die alten europäischen Völker waren ja (wie alle Naturvölker der Erde) animistisch geprägt, das heißt, sie nahmen die Natur (= Pflanzen, Tiere, Jahreszeiten) und Naturphänomene wie den Sternenhimmel, die Bewegungen von Sonne und Mond, Wetterphänomene wie Wind, Nebel, Blitz und Donner, Regen, Hagel, Wärme und Kälte, aber auch bestimmte Natur-Geräusche und -Stimmungen,… als beseelt und lebendig wahr.

Unsere Vorfahren hatten verschiedene Gottheiten, die die Naturkräfte oder einzelne Naturphänomene verkörperten – genau wie die griechischen und römischen Götter. Die vorchristlichen Götter waren zum sowohl dem männlichen als auch dem weiblichen Prinzip zugeordnet. In den Naturreligionen Europas spielte die weibliche Erdgöttin (heute noch als „Frau Holle“ bekannt) ein zentrale Rolle.

Damit war es aus, als das patriarchale Christentum Vater, Sohn und heiligen Geist (rein männlich!) ins Zentrum der europäischen Spiritualität stellten. Christliche Missionare setzten das Christentum ab 300. n.Chr., und jenseits des Limes um ca. 1000 n.Chr. in ganz Europa durch, zum Teil gewaltsam. Zahlreiche Stämme im Gebiet des heutigen Mittel- und Nordeuropa wurden zwangsgetauft und -missioniert.

Die uralten Bräuche konnten aber nicht ausgelöscht werden. Denn die Menschen waren tief mit ihnen verbunden und identifiziert. Die Bräuche und der Glauben waren schließlich fest mit dem Jahrtausende alten bäuerlichen Jahreslauf und den jahreszeitlichen Naturereignissen verbunden. Darum sind sie tief in die kulturelle europäische DNA eingeschrieben. Viele dieser Bräuche und Rituale wurden dann von der Kirche mit christlicher Bedeutung überschrieben. So wurden viele der alten heidnischen Gottheiten in christliche Heilige umgewandelt. Das uralte heidnische Frühlingsfest wurde zu Ostern, das uralte winterliche Lichtfest wurde zu Weihnachten, das keltische Totenfest Samhain Ende Oktober wurde zu Allerheiligen/Allerseelen usw.

Wenn man sich damit beschäftigt, stellt man fest, dass ALLE christlichen Feste und Rituale in Europa heidnische Wurzeln haben. Viele alte Kirchen stehen sogar an Stellen, die bereits zu vorchristlichen Zeiten sakrale Orte waren – oft auf alten heiligen Quellen.

Beltane – das Fest der Kelten

Bei den Kelten hieß die Zeit um Ende April/Anfang Mai Beltane. Es war eines der vier großen Jahresfeste, die den Kreislauf des Lebens markierten. Beltane fiel auf die Zeit genau zwischen der Frühlings-Tagundnachtgleiche (21. März) und der Sommersonnenwende (21. Juni), also auf Anfang Mai. Das Fest bedeutete den Beginn der hellen Jahreshälfte: die Sonnenhälfte, also die lebendige Hälfte des Jahres, in der man viel draußen war und arbeitete als im Winter, in der man sich um Säen und Ernten kümmerte, in der die Tage lang und bewegt waren. Man stand früher auf und ging später zu Bett als im Winter.

Der Name Beltane leitet sich vom keltischen Bel ab – einer Gottheit, die mit Licht, Feuer und Wärme in Verbindung gebracht wird. Das zentrale Ritual war das Beltane-Feuer: Auf Anhöhen und Hügeln wurden gewaltige Feuer entzündet. Das Vieh wurde durch den Rauch zwischen zwei Feuern getrieben, um es gegen Krankheit zu schützen. Menschen sprangen über die Flammen, um Unglück abzuwenden, Fruchtbarkeit zu erwirken oder einfach, weil Feuer und Leben dasselbe sind.

Beltane war auch das Fest der Verbindung. Liebespaare trafen sich in der Nacht im Wald. Die Liebesspiele, die dort geschahen, gehörten nicht zum Alltag. Sie gehörten zur wilden Zeit zwischen den Welten.

Die Germanen: Die Wiedergeburt des Lichts

Auch die germanischen Völker feierten in dieser Nacht. Im Kern war es wie bei den Kelten ein Feuerfest, das die Rückkehr des Lichts besiegelte.

Die Germanen verstanden diese Zeit als Risse in der Wirklichkeit – als Momente, in denen die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Geister, der Ahnen, der Naturkräfte durchlässig wurde. Diese Schwellennächte hatten Gefahr und Magie zugleich in sich. Man entzündete Feuer auf Kuppen und Bergkämmen, lärmte mit Trommeln und Kesseln, trieb mit Lärm das Alte fort und rief das Neue herbei.

Die Göttin Freya spielte in manchen Überlieferungen eine Rolle, als Göttin der Fruchtbarkeit, der Liebe und der Magie. Die Nacht war ihr gewidmet. Das Wissen über Kräuter und deren Kräfte der weisen Frauen und Heilerinnen, die in den alten europäischen Stammesgemeinschaften viel Macht besaßen, war in der Schwellennacht besonders wirksam. Ganz sicher nahmen zumindest die Weisen und Heiligen in den damaligen Gemeinschaften – oft Frauen – berauschende Substanzen ein, und gaben auch den anderen Menschen etwas davon. Diese Rauschmittel dienten zur Verbindung mit dem Heiligen, mit dem Jenseits. Die heiligen Menschen waren Schamanen, das heißt, sie verbanden sich im Rausch mit dem Himmlischen und erhielten dadurch Einsichten für die Gemeinschaft.

So war dieses fest ein rauschhaftes, es wurde getanzt und geliebt, wahrscheinlich auch über bestehende Partnerschaften hinweg, wild, kreuz und quer.

In Lettland wird heute noch wie damals gefeiert: Frauen mit Blumenkränzen.

Slawen und Balten: Feuer als kosmisches Prinzip

Weit über die keltischen und germanischen Gebiete hinaus findet sich das gleiche Muster. Bei den Slawen hieß das Fest Kupala (das Mittsommerfest lag zeitlich nah, die Traditionen flossen ineinander) – auch hier: Feuer, Wasser, Kräuter, Liebesriten und die Vorstellung, dass die Welt in dieser Nacht offen steht.

Die Balten – Litauer und Letten – feierten Užgavėnės und das verwandte Frühlingsfest mit ähnlichen Elementen: Feuer wurde entzündet, das Böse symbolisch verbrannt, der Frühling tanzend begrüßt. Das baltische Mythensystem ist eines der am besten erhaltenen aus dem vorchristlichen Europa, und hier zeigt sich besonders deutlich: Das Feuer in der Frühlingsnacht war Kosmologie. Es war die Handlung, durch die der Mensch mit dem Sonnenlauf verbunden war. Der Mensch war mittendrin im kosmischen Geschehen, und fest mit allem Lebendigen auf der Erde verbunden.

Alles grünt und blüht im Mai – hier: Maiglöckchen

Mitten im Jahr: Was diese Zeit bedeutet

In der heidnischen Zeitrechnung markierte der Punkt zwischen Frühlings-Tagundnachtgleiche und der Sommersonnenwende den Übergang vom Frühling in den Sommer. Die Tage sind schon lang, aber die Sommerwärme ist noch nicht vollständig da. Die Nächte können noch kalt sein – erst nach den „Eisheiligen“ Ende Mai ist der Sommer wirklich da.

Die Natur steht in dieser Woche in der vollsten Entfaltung: Alle Laubbäume treiben kräftig aus, die Wärme lockt die Insekten heraus, die Vögel singen unermüdlich. Es ist die explosivste Phase des Jahres – jetzt platzt das Leben nach der Winterstille buchstäblich heraus. Es blüht und duftet draußen (Maiglöckchen! Herrlich!), die braunen Flächen überziehen sich mit Grün und Blüten. Es ist eine wahre Lust – und die übertrug sich auf die Stimmung der Menschen. Kein Wunder, dass unsere Vorfahren diesen Moment mit einem berauschenden Liebesfest feierten.

Die Pflanzen der Walpurgisnacht

Bestimmte Pflanzen hatten in diesen Frühlingsnächten besondere Bedeutung, weil ihre Blütezeit genau dann beginnt oder weil sie überliefertes Wissen über Heilkraft, Schutz oder Rausch trugen.

Birke war das Symbol des erwachenden Frühlings und die Pflanze der keltischen Frühlingsgöttin Brigid. Birkenreiser wurden in Häuser und Ställe gesteckt – Schutz und Fruchtbarkeitssegen zugleich. Der Maibaum, der noch heute gestellt wird, war ursprünglich eine Birke.

Beifuß (Artemisia vulgaris) galt als Schutzkraut. Der Beifuß ist eines der ältesten schamanischen Pflanzen überhaupt. Er wurde in Gürteln getragen oder ins Feuer geworfen. Seine silbrig-grünen Blätter und sein erdiger Geruch machten ihn zu einem der wichtigsten Kräuter der Kräuterkundigen.

Weißdorn (Crataegus) blüht genau jetzt und war bei Kelten wie Germanen hochverehrt – ein Baum zwischen den Welten, weder ganz der Menschenwelt noch der Geisterwelt zugehörig. An ihm wurden Opfer und Wünsche hinterlassen.

Hollerblüten, Brennnessel, Bärlauch – all diese Frühlingspflanzen wurden gesammelt, gekocht, als Tinktur angesetzt oder rituell verbrannt. Das Kräutersammeln in der Walpurgisnacht oder am frühen Morgen des 1. Mai galt als besonders wirksam: Die Pflanzen standen jetzt voll in ihrer Kraft.

Die Kirche und die Heilige Walburga

Im 8. Jahrhundert lebte eine angelsächsische Nonne namens Walburga. Sie war eine Missionarin, die auf Betreiben des Bonifatius nach Germanien kam und schließlich Äbtissin des Doppelklosters Heidenheim wurde. Sie starb 779. Am 1. Mai 870 wurden ihre Gebeine nach Eichstätt überführt und sie wurde heiliggesprochen.

Die Kirche machten mal wieder einen ihrer klugen Schachzüge, um ihre Macht zu festigen. Die Kirchenmänner wussten, dass das Volk die Nacht zum 1. Mai feiern würde, weil sie das seit Urzeiten taten. Also legte sie auf den 1. Mai den Feiertag der Walburga. Aus der heidnischen Frühlingsnacht wurde die Walpurgisnacht, die Nacht vor dem Festtag der heiligen Walburga.

Was seit Jahrtausenden ein heiliges Fest zum Feier der Natur und der Kosmologie gewesen war, wurde nun zum Vorabend eines christlichen Feiertags degradiert. Dem Fest wurde eine christliche Bedeutung übergestülpt. Und das wilde, rauschhafte Treiben wurde verboten. Das gelang nicht sofort – und dann wurde härtere Maßnahmen ergriffen.

Die Verteufelung des Heidnischen

Die Auslöschung der heidnischen Rituale hat auch eine sehr dunkle Seite. Die Menschen machten also heimlich mit ihren Traditionen weiter – die Feuer, die Tänze, auch die Liebesriten im Wald. Und die Kirche, die das nicht kontrollieren konnte, begann, es zu dämonisieren. (Zeugnis davon ist übrigens auch das Märchen „Jorinde und Joringel“, in dem das Paar zum Liebesfest in den Wald geht und dort von einer bösen „Hexe“ bzw. Zauberin verwünscht wird – die natürlich für den heidnischen „Aberglauben“ steht. In diesem Märchen mischen sich alte heidnische Bräuche und deren Verteufelung durch die Kirche.)

Die weisen Frauen und Kräuterkundigen, die Heilerinnen, Schamaninnen, Trägerinnen uralten Wissens, waren in den Gemeinschaften hoch angesehen und besaßen damit MACHT. Das war den Herren der Kirche ein Dorn im Auge – Macht wollten nur sie besitzen, die Kirche. Also wurden die weisen Frauen nun zu „bösen Hexen“ erklärt. Die Nacht, in der die Frauen sich trafen, ihre Kräuter sammelten und Feuer entzündeten, wurde zur Hexensabbat-Nacht erklärt. Aus dem Besen der Kräuterfrau, ursprünglich eine heilige Rute, mit der sie Verbindung zur geistigen Welt herstellte, wurde das Flugtier der Hexe. Aus dem Tanz am Feuer wurde ein Tanz mit dem Teufel.

Die Nacht auf den 1. Mai, einst Zeichen des Lebens und des erwachenden Sommers, wurde von der Kirche zu einer Nacht der Bedrohung erklärt, von der man sich fernhalten sollte. Man hängte Kräuterbüschel an die Türen, aber nicht mehr als Fruchtbarkeitssegen wie früher, sondern als Schutz vor den Hexen draußen. Dasselbe alte Ritual, aber eine neue Angst.

Dieser Prozess zog sich über Jahrhunderte hin und gipfelte in den Hexenverfolgungen des 15. bis 17. Jahrhunderts. Hunderttausende Menschen – die große Mehrheit Frauen – wurden getötet, weil das uralte Wissen, das sie trugen, und die Rituale, die sie anleiteten, nun als Bündnis mit dem Teufel galt.

Goethe und der Blocksberg: Dichtung als Spiegel der Dämonisierung

Als Johann Wolfgang von Goethe in seinem Faust die berühmte Walpurgisnacht-Szene schrieb, schöpfte er aus einem tiefen Brunnen kollektiver Bilder. Im ersten Teil des Dramas reisen Faust und Mephisto in der Walpurgisnacht auf den Brocken im Harz – den sogenannten Blocksberg, den die Volksüberlieferung schon lange als Versammlungsort der „Hexen“ kannte.

Was Goethe dort zeigt, ist ein wildes, sinnliches, dämonisches Fest: Hexen auf Besen, Tänze, der Teufel als Festgebieter. Die Szene ist erotisch aufgeladen, verwirrend, rauschend. Faust selbst tanzt mit einer schönen Hexe – und erst im letzten Moment glaubt er, Gretchens Gesicht in ihr zu erkennen (so deutet Faust seine sexuelle Lust positiv für sich um). – Gretchen steht ja für die Keuschheit im christlichen Sinne und für absolute Gottestreue.

Goethe spielte bewusst mit dem Widerspruch. Der Faust zeigt das Bild, das die Kirche aus dem alten Fest gemacht hatte: einen Ort der gefährlichen Verführung, des Bösen, der Grenzenlosigkeit. Zugleich steckt in der Szene eine unübersehbare Faszination, eine Lebendigkeit, die der bürgerlichen, angepassten Welt von Gretchen vollständig fehlt.

In gewissem Sinne hat Goethe damit ein Denkmal gesetzt. Auch wenn er damit das christliche Teufelsbild und die Dämonisierung alter Bräuche darstellt, erinnert er damit gleichzeitig an die ungebrochene Kraft der alten Riten. Der Blocksberg lebt im deutschen Kulturgedächtnis weiter, zwar einerseits als „Ort des Teufels“, aber andererseits als ein Faszinosum, dessen ursprüngliche Quelle – das heidnische Frühlingsfest unserer Vorfahren – uns nicht bewusst ist. Doch wir sind fasziniert: Tausende Menschen reisen am 30. April zum Brocken, um dort ein „Hexenfest“ zu feiern.

Walpurgisnacht heute feiern – als Erwachsene

Das Schöne an einem Fest, das sich über Jahrtausende erhalten hat, ist: Es braucht keine aufwändige Rekonstruktion. Die Elemente sind einfach. Sie klingen in uns nach, weil sie zu dieser Jahreszeit gehören und tief in uns eingeschrieben sind.

Feuer entzünden und Kränze tragen – so kann man Walpurgis feiern. Auch ohne Kränze, natürlich 🙂

Feuer entzünden: Wer einen Garten oder eine Feuerschale hat: Entzündet in dieser Nacht ein Feuer. Sitzt davor. Lasst die Gedanken schweifen. Das Feuer in der Dunkelheit ist das älteste Ritual der Welt, und es funktioniert noch immer. Auch im Frühling.

Kräuter sammeln und damit was kochen: Am frühen Morgen des 1. Mai in die Natur gehen, bevor die Welt erwacht (das werde ich auf jeden Fall machen!). Bärlauch, Gänseblümchen, Vogelmiere, Giersch, junge Brennnesseln – sammeln, was jetzt wächst. Daraus eine Suppe kochen, die Kräuter zum Salat geben oder herzhafte Pfannkuchen damit machen. Das ist das Erleben dieser Zeit im Jahreskreise mit Händen und Gaumen.

Blumen pflücken oder kaufen und, wenn du willst, einen Blumekranz draus flechten. Für die Tür oder den Kopf. Das ist etwas ganz Altes und beglückt ganz tief innen.

Als Paar besonders sinnlich sein: Warum nicht mal etwas Neues im Bett ausprobieren, oder mit allen Sinnen „arbeiten“? Gegenseitige Massage mit einem duftenden Öl, so lange nur sanft streicheln am ganzen Körper, bis ihr beide es nicht mehr aushaltet, eine sinnliche Playlist zusammenstellen, einen sinnlichen Film schauen? Sich extra viel Zeit lassen, einer Person zuerst die Führung überlassen und dann der anderen? Es gibt bestimmt etwas, worauf ihr beide Lust habt. 🙂

Den Abend draußen verbringen: So einfach, aber man muss es halt machen. Mach es allein, als Paar oder mit ein paar Freunden. Nehmt Wein und Musik mit nach draußen, egal ob in den Garten oder in einen Park. Mach dir bewusst, dass diese Nacht seit Jahrtausenden gefeiert wird, und dass du Teil dieses langen Fadens bist.

Eine alte Frage verbrennen: Schreib etwas auf, was du loslassen möchtest – eine Gewohnheit, eine Angst, einen Gedanken, der dich festhält – und verbrenne das Stück Papier im Feuer oder mit einem Feuerzeug.

In Berlin ist es eine eine lange Tradition, sich in der Walpurgisnacht bei einem Feuerschein draußen im Park zu treffen. In der Vergangenheit wurden die Feuer und die betrunkenen Menschen zum Anlass für die Polizei, hier gewaltsam durchzugreifen und die Feste aufzulösen. Wenn man will, kann man in diesem Vorgang den alten Kampf der Kirche gegen die heidnischen Rituale wieder erkennen. Noch immer ist es der „Obrigkeit“ (CDU-geführte Stadt/Polizei in deren Auftrag) ein Dorn im Auge, wenn Menschen (viele Frauen übrigens!) am 30. April draußen feiern und sich berauschen. (Und gleichzeitig ist es natürlich verständlich, dass zu viel Feuer im urbanen Raum auch tatsächlich eine Gefahr sein kann.) Lassen wir es erstmal hierbei.

Walpurgisnacht mit der Familie feiern

Blumen auf einer Wiese pflücken gehen – absolut perfekt rund um diese Tage!

Mit Kindern lässt sich diese Nacht wunderbar begehen – ohne Hexenangst, dafür mit dem echten Kern des Festes: Licht, Natur, Gemeinschaft und Freude am Frühling.

Laternenumzug am Abend: warum nicht auch im Frühling? Bastelt Laternen oder nehmt Windlichter und zieht damit durch den Garten oder die Nachbarschaft. Das Licht tragen durch die Dunkelheit – das ist das Ur-Bild dieser Nacht.

Kräutermandala legen: Sammelt tagsüber Blüten, Zweige, Blätter und legt am Abend gemeinsam ein Muster auf dem Boden. Gänseblümchen, Birkenreiser, Tannenzapfen, Steine, Blüten. Die Kinder lernen nebenbei, was jetzt blüht.

Birkenreiser stecken: Bindet einen Birken- oder Buchenzweig mit Bändern und Blumen und stellt ihn vor die Haustür oder ans Fenster. Das ist der älteste Frühlingsgruß Europas.

Feuergeschichte erzählen: Sitzt am Feuer und erzählt gemeinsam eine Geschichte, die diese Nacht erklärt – für Kinder, in Bildern. Die Frühlingsgöttin, die mit ihrem Wagen durch die Luft fährt und die Wärme bringt. Die weisen Frauen, die heilige Kräuter sammeln, einen „Traum träumen“ und darin Botschaften aus dem Himmel erhalten, die den Menschen helfen. Das Feuer, das das Dunkel besiegt.

Mit den Kindern Blumen pflücken auf einer Wiese: Ganz viel Zeit dabei lassen und später bewundern, wie unterschiedlich die Sträuße geworden sind. In verschieden große Vasen tun und nebeneinander aufstellen.

Wunschzettel verbrennen: Jedes Kind schreibt (oder malt) einen Wunsch für das kommende Sommerhalbjahr und legt ihn ins Feuer. Was das Feuer trägt, trägt der Wind in die Welt.

Besonders zärtlich sein oder gar rauschhafte Liebe – das passt in diese Tage.

Wir sind Teil des uralten Fadens

Die Walpurgisnacht ist eine Einladung, sich an etwas Uraltes zu erinnern: dass wir in einem Rhythmus leben, der größer ist als wir. Dass der Frühling jedes Jahr ein Geschenk ist. Dass Feuer Gemeinschaft schafft. Dass Kräuter heilen. Dass die Nacht dazu da sein kann, um um ein Feuer zu sitzen, zu tanzen und loszulassen.

Der Kern des Festes hat überlebt, obwohl versucht wurde, ihn auszulöschen und zu dämonisieren. Die Kraft des Frühlings und die alten Rituale sind sichtbar in jedem Freudenfeuer, in jedem Maibaum, in jeder Hand, die nachts einen Kräuterstrauß pflückt.

Das ist der uralte Faden, der uns mit unseren Vorfahren und mit unserer kulturellen DNA verbindet. Nehmen wir ihn auf und spinnen wir ihn weiter.

Wie wir dieses Fest feiern

Wir sind über den 1. Mai oft auf dem Land. Tatsächlich machen wir irgendwann um diese Jahreszeit gern ein Feuer und sitzen drumherum.

Ich stehe ja gern früh auf und sammle Kräuter und Blumen. Die Kräuter kommen in den Salat und die Blumen (Maiglöckchen!) auf den Tisch.

Auch stelle ich immer Birkenzweige auf, denn auf unserem Grundstück auf dem Land gibt es viele Birken.

Macht ihr etwas zur Walpurgisnacht? Oder am 1. Mai?

Lass das sehr gern wissen
Eure frühlingstrunkene Maike

Auf Instagram teile ich regelmäßig Schönes und Nachdenkliches zum Jahreskreis. Folg mir dort unter @feinslieb_jahreskreis !

Das könnte dich auch interessieren:

0 Kommentare zu “Walpurgisnacht: Heidnische Riten, christliche Vereinnahmung und moderne Rituale für die ganze Familie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.