Er sieht dich und verzeiht dir alles: Wochenende in Bildern 6./7. Januar 2024

Wir sind nach fast zwei Wochen Land wieder zu Hause in Berlin. Dieses Wochenende markiert den Übergang von den zeitlosen Rauhnächten in den Alltag. Morgen geht die Schule wieder los, und das Alltagsleben nimmt Fahrt auf. Arzttermine, Verabredungen, Pflichten, Arbeit.

Als „Gedicht“ habe ich heute einen Text, den ich selbst vor vielen Jahren mal geschrieben habe. Es ist bestimmt 25 Jahre her. Damals habe ich öfter solche Texte geschrieben. Dieser hat irgendwie überlebt und ist mir kürzlich per Zufall wieder untergekommen. Ich habe einen Ausdruck davon in alten Unterlagen gefunden. Ich bin ja eigentlich kein Fan von Kleinschreibung aller Buchstaben, damals war ich’s offensichtlich schon 🙂

januar

dies ist der januar. er gefriert mit glasigen augen. er belegt straßen, plätze und häuser mit stillem bann. schritte verklingen in seiner mahnung zur ruhe.

dies ist der januar. du nimmst den terminkalender zur hand und leistest abbitte für dein reges treiben. der kugelschreiber verschwindet unbemerkt in deiner vollen tasche.

dies ist der januar. er sieht dich und verzeiht dir alles. er behält seine hand schirmend über dir. mit der sonne hat er einen vertrag geschlossen. sie darf hellgelb lächeln und den glanz der stille müde bescheinen.

dies ist der januar. du trittst aus der straße in ein café. deine wangen röten sich, dein mund blüht auf. du reichst einem menschen die hand.

dies ist der januar. im kleinen laden kaufst du herabgesetzte weihnachtsschokolade. der verkäufer packt die lichterketten in einen karton. er gibt dir das wechselgeld, als hättest du einen liter milch gekauft.

dies ist der januar. du hoffst noch nicht auf blätter und wärme. frostig weiß ist die Luft. du kaufst auf dem flohmarkt eine kristallschale und riechst den kaffeeatem einer bude, die schon immer dort steht.

dies ist der januar. laß dich nicht von ihm täuschen! er weiß wohl, daß ein anfang nicht bewegungslos sein kann. er amüsiert sich mit seinem glas kalten trunkes über das leben. er behält sich den außenraum vor, um seine eisige stille über ihn zu legen.

Dieser Beitrag ist verlinkt bei Große Köpfe.

Samstag, der 6. Januar 2024

Regentropfen an der Fensterscheibe im Wohnzimmer. Gestern hat’s geschneit, aber schon am Abend war durch den Regen aller Schnee wieder weggewaschen. Auch heute regnet es fast den ganzen Tag.

Wir gehen frühstücken ins Lieblingscafé der kleinen Tochter. Mein Mann und die große Tochter sind noch auf dem Land, weil die kleine Tochter ein bisschen Mama-Tochter-Zeit in Berlin brauchte. Unsere Tradition ist es, dass wir hier im Café Harry-Potter-Persönlichkeitstests machen. Heute finden wir z.B. raus, welcher Zauberstab der perfekte für uns wäre. Meiner wäre aus Esche und mit Einhornhaar, wen’s interessiert 🙂

Zu Hause räume ich die meisten Weihnachtssachen aus dem Wohnzimmer weg und staple sie im Flur, auf dass mein Mann sie in den Keller bringe.

Ich ersetze den Weihnachtskram durch Januar-hafte Elemente.

Der Esstisch im Wohnzimmer.

Der Jahreszeitentisch.

Während ich dekoriere und aufräume, blicke ich zurück auf die Rauhnächte. Durch die Rauhnachtsbegleitung mit Corinna und Andreas Mairold habe ich die letzten 12 Tage intensiv und bewusst durchlebt und mich innerlich positiv aufs neue Jahr eingestimmt. Ich weiß nun ganz genau, wohin es mich zieht und wie die Energie meines Ichs sich anfühlt, zu dem ich mich gern entwickeln möchte. Ich habe erspürt und erfahren, welche Unterstützung ich finden kann, und was ich in Angriff nehmen muss, um das, wohin es mich zieht, Wirklichkeit werden zu lassen. Ich kann auch das alte Jahr in Dankbarkeit und Ruhe zurücklassen. Ich habe mit den Dingen aus dem alten Jahr abgeschlossen, die ich nicht mehr brauche. Neues erwartet mich. Das fühlt sich sehr gut an, und mir wird es heute nochmal bewusst. Danke, danke, danke, Corinna und Andreas, für die liebevolle und kluge Begleitung, die Einsichten, das tolle Workbook mit den Reflexionsfragen und die unfassbar wunderbaren Meditationen!

Auf den Jahreszeitentisch kommt der Goldflakon vom Waldorfshop. Das ist ein kleines Fläschchen mit Flocken aus Blattgold, die wundervoll schimmern, wenn man es im Licht aufschüttelt. Die kleine Tochter liebt das Ding und kann es lange Zeit begeistert schütteln und ins Gegenlicht halten.

Ich teile ein paar schöne Bilder auf Instagram von anderen Accounts. Ich finde ja, auf Instagram wird viel zu wenig geteilt. Ich teile oft und bekomme dann immer krasse Dankeschöns der Leute. Ich frage mich, warum das wohl so besonders ist — was schön ist, teilt man doch, oder????

Ich mag solche Winterbilder. Sie machen mir Hoffnung, dass es bald wieder aufwärts geht. Zumindest bei mir persönlich. Was die Weltlage angeht, bin ich mittlerweile skeptisch. Vor ein paar Jahren habe ich noch daran geglaubt, dass alles vielleicht besser wird. Mittlerweile bin ich da leider skeptischer. Hierzulande macht mir das Erstarken der AfD viel Kummer. Das Absurde ist ja: Die mittelmäßig und gering verdienenden Leute, die die AfD wählen, profitieren am wenigsten von deren Programm.

So lustig ich den Spruch finde, bei sowas werde ich emotional. Wer „nur“ Work und Life in Balance bringen muss, hat keine Ahnung vom Leben mit Kindern und wie unmöglich es dann ist, überhaupt irgendeine minimale Balance herzustellen. Ganz davon abgesehen, dass Work ja auch Life sein sollte. Life aka Freizeit fällt definitiv hinten runter, wenn man Arbeit und Kinder hat. Jedenfalls dann, wenn man keine Unterstützung von Großeltern oder anderen Leuten hat, die die Kinder mal wenigstens für ein paar Tage oder Stunden übernehmen, wie bei uns. Wir haben die Kinder IMMER, rund um die Uhr und auch in den Ferien, niemand nimmt sie uns mal beide zwischendurch ab, nicht mal für einen Nachmittag.
Deswegen: Carearbeit muss sichtbar werden! Und bezahlt.

Sonntag, der 7. Januar 2024

Gestern sind noch mein Mann und die große Tochter vom Land nach Hause gekommen. Wir hatten alle zusammen einen schönen Abend, aber keine Fotos 🙂

Heute früh gehe ich mit den Hunden raus. Der Regen ist zwar mittlerweile etwas nervig, aber man kann trotzdem schöne Bilder machen. Hier unser Liguster.

Andere Früchte in unserem Wohnareal, keine Ahnung, wie die heißen. Hier gibt es viel, von dem ich nicht weiß, wie es heißt.

Regentropfen auf immergrünen Blättern. Bzw. eher immerrot.

Mit der kleinen Tochter lerne ich ein bisschen Bio. Sie schreiben am Dienstag eine Arbeit, Thema Fotosynthese, Pflanzenzelle, Blattquerschnitt und solche Scherze. Sie hat vor den Weihnachtsferien lang gefehlt wegen einer echt fiesen Bronchitis, die mehr als 3 Wochen dauerte, darum musste sie viel Stoff nachholen.

Auch Geigen ist mal wieder dran. Sie hat länger nicht geübt, jetzt muss sie ein bisschen auffrischen. Sie spielt so schön, ich höre ihr so gern zu. Das Stück, das sie heute wieder aufgreift, habe ich noch gar nicht gehört, weil sie es eingeübt hat, als ich in Kur war.

Mittagessen kochen. Ich mache heute einen türkischen Lammtopf mit Quitten. Dafür müssen verschiedene Gewürze gemörsert werden, z.B. Schwarzkümmel, Kardamom, Koriander, Nelken, Piment, Pfeffer, Kreuzkümmel und Bockshornklee. Außerdem kommt Chili rein und ein bisschen Muskat.

Hier kocht der Schmortopf. Es werden geviertelte Birnen und Quitten mitgekocht; das Fleisch habe ich auch mit selbst gemachtem Quittensaft abgelöscht.

Zum Mittagessen zünden wir nochmal die Kerzen auf dem Weihnachtsbaum an, der noch gar nicht nadelt.

Mittagessen.

Am Nachmittag treffe ich eine Freundin im Café. Wir bestellen Kuchen, ich einen Mandel-Orangenkuchen, sie einen Karottenkuchen. Sie erzählt krass emotionale und ein bisschen haarsträubende Geschichten, die in ihrem Leben zuletzt passiert sind. Wenn ich nicht wüsste, wie stark sie trotz ihrer Empfindsamkeit ist, würde ich mir jetzt Sorgen machen. OK, ich mach mir ein bisschen Sorgen und werde gleich nochmal checken, ob es ihr gut geht.

Ich bringe die kleine Tochter ins Bett, die aber noch ein bisschen Asterix lesen möchte. Also sag ich den Kindern Gute Nacht und setze mich an diesen Beitrag.

Morgen geht der Alltag wieder los und ich freu mich drauf. Wer meinen Blog schon länger liest, weiß, dass ich meine Arbeitszeit sehr genieße und gern allein und autonom bin. Längere Zeiten umgeben von der Familie werden mir schnell zu eng. Ich brauche viel Freiraum und Zeit für mich. Darum freue ich mich sehr, dass ich ab morgen wieder ein bisschen autarker agieren kann.

Ein bisschen aufregend wird’s auch. Die große Tochter fängt morgen in einer neuen Schule an. Sie freut sich sehr, denn in ihrer alten Klasse hat sie sich nie wohl gefühlt. In der neuen Klasse hat es sofort klick gemacht, als sie kurz vor Weihnachten hospitiert hat. Zwischen ihrem Gefühl dort und dem in der alten Klasse liegen Welten, darum haben wir kurz vor Weihnachten innerhalb von Stunden für sie die Schule gewechselt. Für sie ist es pure Erleichterung und Freude. So kann’s gehen.

Ich hoffe, ihr seid gut ins neue Jahr gerutscht und habt den Tritt wieder gefunden. Es ist ja nicht so leicht, und ich finde, besonders dieses Jahr. Also mir geht es so. Ich hatte in den letzten Wochen 2023 eine ziemlich schwere Zeit. Es ging mir nicht gut. Ich konnte seitdem aber einiges bearbeiten und zurücklassen, und ich habe aber im Dezember noch einiges ins Rollen gebracht. Darauf bin ich richtig stolz.

Die Rauhnachtsbegleitung hat für mich außerdem gute Weichen gestellt, so dass ich beschwingt ins neue Jahr gestartet bin. Ich hoffe sehr, dass die gute Stimmung noch ein bisschen anhält.

Auf dass auch Du guter Stimmung ins neue Jahr blickst!

Das wünscht Dir
Deine Maike

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