Es schien der Himmel erweitert: Wochenende in Bildern 3./4. April 2021

War das ein schönes Osterwetter! Obwohl es echt kalt war, strahlte die Sonne mit aller Frühlingskraft vom blauen Himmel, der sich wie zur Freude der Betrachtenden manchmal mit Wolken verzierte. Wir haben die herrliche Aprilfrische (haha) auf dem Land erlebt und jeden Sonnenstrahl genossen. Die Familie stieß erst am Samstag Abend zu mir, die ich drei Tage allein auf dem Land verbracht habe, um in Ruhe zu arbeiten.

So, und nun zum heutigen Gedicht von Ewald Christian von Kleist (1715-1759), einem Vorfahr des heute viel bekannteren Heinrich von Kleist. Aus dem Gedicht, das ich aus meinem Gedichtbuch abgeschrieben habe, stammt die Phrase aus der Überschrift. Ich habe das Gedicht erst vor ein paar Tagen entdeckt. Und bin total begeistert. Es ist eines der schönsten Frühlingsgedichte, die ich kenne. Es ist fast im Sturm und Drang-Stil geschrieben, den ich sehr mag. Weil das Gedicht in meinem Gedichtband komisch gesetzt ist (wegen der langen Verse), habe ich es immer überlesen. Deswegen (und weil ich mein Leben lang immer gern Gedichte und schöne Texte abgeschrieben habe), habe ich das Gedicht heute abgeschrieben und ein bisschen verziert.

Samstag, der 3. April 2021

Ich bin noch allen auf dem Land. Mein Tag beginnt um 5 Uhr. Ich habe mich selbst geweckt, um vor Sonnenaufgang auf dem Hochsitz zu sein, um Wild zu beobachten. Hier streifen ja in der Morgen- und Abenddämmerung Hirsche, Rehe und Hasen in Massen über die Wiesen. Hab ich jedenfalls gedacht, denn gleich mal Spoiler: Ich habe heute leider kein einziges Tier gesehen. Dafür habe ich aber eine zauberhafte Frühmorgenstimmung erlebt. Erst den Halbmond über dem Wald und die ausklingende Nacht, dann die herrliche Stimmung bei und nach Sonnenaufgang.

Vom Hochsitz aus aufgenommen.

Die Sonne geht auf.

Aus der großen Wolke regnet es in der Ferne.

Der Graben und zart weinende Wolken. Es ist Karsamstag.

Die Sonne, die Wärme, die Kraft, das Gute, das Starke, das Milde, das Vergebende, das Heilsame, das Göttliche hebt sich hell strahlend über den Horizont und scheint zwischen den Regenwolken durch.

Karsamstags-Sonne.

Karsamstags-Himmel. Schatten und Licht.

Es war schweinekalt draußen; um die 1-2°C. Ich habe bei dieser Temperatur eine Stunde im Hochsitz gesessen. Ich war zwar so schlau, mir eine warme Decke mitzunehmen und heißen Tee, aber es war trotzdem kalt. Deswegen gehe ich nach der „Wildbeobachtung“ noch mit den Hunden spazieren, um mich kräftig aufzuwärmen. Denn auch im Haus ist es nach der Nacht ohne Heizen noch frisch. Also schnell Feuer machen, damit es drinnen warm wird.

Im Wohnzimmer hat es immerhin noch 16°C. Nach dem Heizen steigt die Temperatur schnell auf 22°C.

Fruchtsalat zum Frühstück mit viel Birne, Zitronenschale und gehackter Melisse. Meine Lieblings-Kombination bei Obstsalat.

Ich arbeite zwei Stunden und färbe dann Ostereier. Irgendwie habe ich es dieses Jahr verpeilt, das rechtzeitig zu planen. Glücklicherweise haben wir zwei uralte Färbe-Sets hier auf dem Land, die wer-weiß-woher stammen. Die verwende ich.

Dann Yoga. Das Bild ist ein Selbstauslöser, den ich als Symbolbild nach der eigentlichen Yoga-Session aufnehme, bei dem sich der Hund ins Bild drängelt. Die Hunde drängeln sich übrigens auch gern in meine anderen Yoga-Posen. Heute hat sich z.B. der kleine Hund sofort auf meinem Schoß zusammen gerollt, als ich mit in den Schneidersitz setzte. Wenig hilfreich, wenn man Yoga macht, aber total süß.

Ich arbeite im Garten. Ich bringe Gemähtes weg, pflanze eine Forsythie ein und ein paar Kräuter in Töpfe. Dann huldige ich den schönen Blumen, die hier jetzt blühen, indem ich sie fotografiere.

Der Flieder treibt schon kräftig aus.

Hundespaziergang bei bestem Wetter.

Ich liebe die verteilten Wolken auf diesem Bild.

Gegen Abend kommt die Familie – was für ein Hallo. Die Hunde kriegen sich vor Freude kaum mehr ein. Sie sind nur wirklich happy, wenn wir alle beisammen sind.

Wir erzählen, kuscheln und machen nicht mehr viel. Nur üben die Kinder noch ihre Instrumente. Ich übe immer Geige mit der kleinen Tochter, mein Mann übt mit der Großen Gitarre.

Tag 88 ihrer 100 Tage Geige üben, wenn mich nicht alles täuscht.

Ostersonntag, der 4. April 2021

Ich habe die Töchter überredet, mit mir früh aufzustehen und den Sonnenaufgang anzuschauen. Aus symbolischen Gründen, weil der Frühling das Licht bringt und das Licht auch für das steht, wofür Ostern im christlichen Sinn steht. Ich will auch Osterwasser am Graben holen, weil ich das eine schöne Tradition finde.

Dieses Foto macht die große Tochter, weil der Himmel auch vor dem Sonnenaufgang schon so schön ist.

Noch vor Sonnenaufgang fülle ich etwas Wasser aus dem Graben in eine Flasche.

Da: Die Sonne.

Die Töchter schauen. Und frieren. Es ist echt kalt. Sie wollen nach Hause.

Das Licht: „Es schien der Himmel erweitert und war voll Schimmern und Strahlen.“

Unser Osterkranz an der Haustüre, den ich gestern schnell gebunden habe.

Zu Hause decken wir den Ostertisch. Hier gebackene Hasen, die die Omi geschickt hat. Die österliche Porzellanschale stammt aus ihrem schönen kleinen Einrichtungs-Laden in Stuttgart-Degerloch.

Dann spiele ich Osterhase. Auf dem ganzen Grundstück verstecke ich gekochte Eier und Schokoladeneier.

Die Kinder laufen suchend übers Grundstück und sammeln die Eier ein.

Nach der Eiersuche sitzen wir vor dem Haus in der Sonne und genieße die Wärme. Die Kinder packen Geschenke aus, die die Omi geschickt hat und jauchzen vor Freude. Beide haben tolle Bausets bekommen, die große Tochter eins für Hogwarts – sie ist als großer Harry-Potter-Fan entzückt.

Sie macht sich gleich an die Arbeit und ist den ganzen Tag damit beschäftigt, das Hogwarts-Schloss aufzubauen. Sowas ist genau ihr Ding. „Viel, viel besser als Lego!“ sagt sie.

Die kleine Tochter braucht noch Hilfe beim Aufbauen und verschiebt ihr Projekt erstmal auf später. Sie spielt dafür entzückend mit den kleinen Porzellan-Osterhasen, die die Omi auf die Pakete geklebt hat.

Unser österlicher Jahreszeitentisch hier auf dem Land.

Und der Osterstrauß. Wir haben doch die selbst nostalgisch mit Blumen beklebten Eier mit hierher genommen (zur Anleitung hier).

Mittagessen am Feuer. Es gibt auf dem Feuer gegrillte Lammfilets, dazu Kartoffelgratin und Feldsalat.

Es ist leider ziemlich kalt, so dass die Kinder sich in eine dicke Decke hüllen. Während das lamm brät, liest mein Mann aus „Oskar, Rico und die Tieferschatten“ vor (danke, Annette, das hast Du uns geschickt, und beide Kinder sind begeistert!).

Dabei kreist über uns ein schöner Rotmilan.

Die Hunde schlafen am Grillplatz in der Sonne.

Nach einer gemütlichen Mittagspause machen wir einen langen Spaziergang mit den Hunden in den Wald. Die kleine Tochter erzählt ununterbrochen, was sie machen würde, wenn sie Politikerin wäre. Sie will zur Zeit entweder Meeresbiologin oder Politikerin werden. Sie erzählt, sie würde riesige Tierheime bauen, in denen die Tiere es ganz gut hätten („Zwei Etagen für die Hunde und zwei Etagen für die Katzen, Mama, und ganz gemütliche Nester, und die Tiere dürfen immer raus, wenn sie wollen!“). Sie würde Werbung verbieten und überall Schilder aufstellen, auf denen steht, dass jeder Mensch er selbst sein dürfe, und dass niemand einen auslacht, wenn man ist, wer man ist und sich nicht verstellt. Plastik würde sie einfach verbieten und alle Bauern müssten Bio anbauen. Sie fragt, ob man auch Politikerin oder Königin für ganz Europa werden könne, „damit ich meine Macht gleich für ganz viele Länder nutzen könnte!“ Gute Ideen, Kind, go for it! Sie wird bei ihrer langen Rede zum Teil richtig wütend und leidenschaftlich. Ich höre zu und staune. Genug Energie und Motivation hat sie definitiv.

Zu Hause suchen die Kinder draußen nochmal nach vergessenen Ostereiern und finden tatsächlich nochmal was.

Mein Mann sägt ein bisschen Astholz für unsere Draußen-Feuer und hackt ein paar Körbe voll Scheitholz zum Anfeuern für die Öfen drinnen.

Und dann geht der Tag zur Neige. Nach dem Instrumentspielen (heute recht kurz) und Abendbrot gehen die Kinder todmüde ins Bett — der Tag hat für uns alle schließlich um 6 Uhr angefangen.

Unser Tisch am Ostersonntag-Abend zeugt von einem lebendigen Tag.

Morgen soll es hier doch tatsächlich schneien. Ich gehe nicht davon aus, dass etwas vm Schnee liegen bleibt, aber Ewald Christian von Kleist hat definitiv recht: „…streute der weichende Winter noch oft bei nächtlicher Umkehr von den geschüttelten Flügeln Reif, Eis und Schauer von Schnee…“

Wir wollen noch ein paar Tage auf dem Land bleiben, obwohl es laut aktueller Wettervorhersage ausschließlich regnen und schneien soll. Aber hier ist es tatsächlich bei jedem Wetter schön.

Ich hoffe, auch Ihr hatten alle schöne Ostern, wenn auch vielleicht in kleinerem Kreis als gewohnt, und vielleicht nicht dort, wo Ihr gern gewesen wärt. Leute, es wird besser werden. Nach und nach werden wir alle geimpft. Dann darf man hoffen, dass diese schwierige Zeit endlich ein Ende hat. Bis dahin macht es, wie der alte Kleist schreibt:

„Betrachtet die Jugend des Jahres! Dreht jetzt die Augen umher, lasst tausend farbigte Szenen die schwarzen Bilder verfärben! (…) Saugt Lust und Anmut in Euch! Schaut her, sie gleitet im Luftkreis und grünt und rieselt im Tal.“

So ist es. Setzt Euch ins Auto oder viel besser noch: aufs Rad, fahrt raus aus der Stadt und bewegt Euch in der Natur, fahrt Fahrrad oder geht spazieren, lasst Licht und Luft in Euch ein. Jeder Gang draußen gibt neue Energie, Hoffnung und Mut. Das darf jeder, es kostet nichts außer ein bisschen Aufraffen, und jeder Mensch ist danach fröhlicher und aufgeräumter. Es ist banal, aber so ist es.

Ich wünsche allen Leser*innen, dass Euch das gelingt. Und natürlich einen richtig schönen Ostermontag. Vielleicht „in winkenden Feldern“.

Deine Maike

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