Erde und Himmel zusammen sich brennen: Wochenende in Bildern 09./10. Oktober 2021 (Sizilien)

Wir sind auf Sizilien. Halleluja. 9 Tage der Herbstferien dürfen wir auf unserer Lieblingsinsel verbringen, die uns immer wieder ruft und zu sich zieht. Auch unsere Kinder sind bereits verliebt und wollen immer wieder hierher.

Besonders ich war bzw. bin total urlaubsreif. Zu dem Tod meines Vaters vor mittlerweile zehn Tagen kam vor ein paar Tagen eine Erkältung, die mich immer noch im Griff hat. Ich bin total verschnupft und heiser. Seit drei Tagen kann ich nur flüstern oder bringe seltsam tiefe, laute Töne heraus, die fürchterlich klingen.

Meine Kenntnisse in Küchenpsychologie und Salutogenese sagen mir, „Du möchtest jetzt nicht sprechen und hast die Nase voll“. Und das stimmt eigentlich ganz genau. Ich bin froh, dass ich hier auf Sizilien außer meinem Mann und meinen Kindern niemandem antworten muss. Dass ich niemandem etwas erzählen oder erklären muss. Meine Seele hat nach einer sehr anstrengenden und traurigen Zeit endlich Pause und darf aufatmen.

Das Gedicht von Bettina von Arnim habe ich ausgewählt, weil wir am Samstag auf dem Ätna waren und am Abend von unserer Dachterrasse aus ein Gewitter über die Meer beobachtet haben. Wir haben an diesem Wochenende tolle Wolkenspiele, düstere Himmel und gleißende Sonne erlebt. Da passen die ersten beiden Strophen des langen Gedichts perfekt:

Bettina von Arnim

Der Vulkan

Ja, die Zeichen sind alle erfüllet,
Als sich der Himmel so dunkel umhüllet,
Sonne auf blutenden Gleisen entstieg.
Wie die häuslichen Tiere sich bargen,
Ha, da schauderte allen vorm Argen,
Ahnend der Unterwelt nahenden Sieg.

Glühender, stiller werden die Winde,
Vögel verfliegen vom Neste geschwinde,
Säulen des Wassers wirbeln im Meer.
Rollende Donner von unten und oben,
Gegen die Flammen, die unter uns toben,
Stiebet der Himmel in Blitzen sich leer.

Die Fortsetzung des Gedichtes findest Du hier. Die Phrase aus der Überschrift stammt aus einer späteren Strophe des Gedichtes.

Wie immer ist das Wochenende in Bildern verlinkt bei Große Köpfe.

Samstag, der 9. Oktober 2021

Wir sind erst gestern hier angekommen, aber: Weil nur bis Mittag schönes Wetter sein soll, die nächsten Tage aber regnerisch werden sollen, wollen wir heute gleich die Gelegenheit nutzen und den Ätna besteigen. Unser Ferienhaus befindet sich am Fuße des Ätna. Wir können bei gutem Wetter den Vulkan von unserer Dachterrasse aus sehen.

Morgens weckt mich die kleine Tochter um halb sieben aufgeregt. Ich soll unbedingt auf die Dachterrasse kommen, denn es gäbe wunderschöne Wolken über dem Meer anzuschauen.

In der Tat. Dunkle Wolken am Horizont vor Sonnenaufgang.

Es regnet hinten auf dem Meer, während die aufgehende Sonne den Wolkenrand vergoldet.

Es ist so schön, wie Himmel und Erde sich hier ganz nahe sind. „Erde und Himmel zusammen sich brennen“.
Ich muss an meinen Vater denken.

Der Ätna im heutigen Morgenlicht. Der Berg erhebt sich auf 3320 Meter fast direkt am Meer. Er sieht hier kleiner aus, als er tatsächlich ist. Ich meine, 3300 Meter!

Nach dem Frühstück fahren wir hoch auf den Ätna. Hier sind wir schon auf etwa 1200 Metern Höhe.

Wir fahren zum klassischen Ätna-Zugang Refugio Sapienza bei Nicolosi. Diesen Zugang haben wir heute wegen der Kinder und wegen dem eher kleinen Wetter-Zeitfenster gewählt. Vom Refugio Sapienza auf 1900m Höhe fährt eine Seilbahn ein Stück den Ätna hoch. Von der Bergstation kann man in relativ kurzer Zeit auch mit Kindern (und einer erkälteten, heiseren Mama) einen Nebenkrater erwandern. Das haben wir heute vor.

An der ersten Bergstation der Seilbahn (eine zweite fährt noch höher). Eine Wandergruppe macht sich bereit.

Die große Tochter in der Mondlandschaft des Ätna. Wir sind über der Baumgrenze. Hier gibt es nur noch Vulkansand. Die Erhebungen fühlen sich an wie schwarze Dünen aus sehr widerständigem Sand.

Der Weg auf den Nebenkrater ist steil. Man sinkt in den Sand immer ein bisschen ein, so dass das gehen anstrengend ist. Aber wir sind alle elektrisiert und beeindruckt von der unwirklichen, kargen, eintönigen Stimmung hier. Es ist einfach völlig bizarr.

Schnee und Vulkansand („sabbia vulcanica“). Schwarz und Weiß. Dies ist keine Schwarz-Weiß-Fotografie!

Größenverhältnisse: Oben auf dem Berg wandern zwei Menschen.

Immer höher, immer bizarrer.

Wandergruppe im Gegenlicht.

Plötzlich ein winziges Fleckchen Rot in der schwarzen Unendlichkeit. Da bekommt meine Seele Wehmut.

Aber auch: Grau in grau.

Mein Mann ist am Kraterrand angekommen.

Wir wandern am Kraterrand entlang.

Warme Luft steigt aus dem Krater heraus. Die Steine am Rand des Kraters sind warm. Die Tochter benutzt sie, um sich die Hände zu wärmen.

Am Kraterrand.

Hier sieht man, dass mittlerweile der Vulkan schon von Wolken umhüllt ist. Wie oft. Wir hatten heute schon großes Glück, dass wir beim Wandern hinunter in die Ebene von Catania gucken konnten.

Wandergruppe an einem Skilift.

Noch eine Wandergruppe. Der Ätna ist natürlich ein beliebtes Wanderziel.

Nach der Wanderung freue ich mich über einen Snack, denn ich hatte noch kein Mittagessen wie der Rest der Familie, die ihren Hunger unterwegs mit sizilianischen Köstlichkeiten wie Arancini gestillt haben (frittierte Reisbälle, meist mit Hackfleischsauce und Erbsen gefüllt). Ich genieße jetzt diese Pfirsiche, wie sie aktuell hier in der Region wachsen, mit Parmaschinken. Dazu das köstliche Brot vom Dorfbäcker mit Olivenöl und Salz. Das Brot wird im Holzofen aus dem hiesigen Grano Duro (Hartweizen) gebacken. Es findet reißenden Absatz, wie wir von der Dachterrasse aus beobachten. Manchmal kommen die Leute mit 20-30 Broten aus dem Laden. Wir vermuten, das sind dann Gastronomen.

Nach einer laaaangen Siesta (ich schlafe fast zwei Stunden) fahren wir am späten Nachmittag die drei Kilometer bis zum nächsten Strand. Hier in der Gegend gibt es vor allem Kiesstrände. Ich persönlich mag sie lieber als Sandstrände, weil ich Steine so gern mag.

Diese tolle Skulptur haben nicht wir gebaut.

Die Mädchen müssen natürlich ins Wasser. (Sie sind rein zufällig total ähnlich angezogen.)

Der Himmel kurz vor Sonnenuntergang. Die Wolken am Fuß des Ätna sehen oft so unordentlich aus, wie wir bemerkt haben. Das kommt wohl von dem Thermik-Mix durch Meer und Vulkan.

Am Abend bereiten die große Tochter, mein Mann und ich alles für den Geburtstag der kleinen Tochter vor.

Spät am Abend ruft mein Mann uns nochmal auf die Dachterrasse. Ein stummes Gewitter ist über dem schwarzen Meer zu beobachten. Wir staunen. Immer wieder beleuchten Blitze für Momente bizarre Wolkenformationen. Da tun sich wilde Formen wie Schlünde auf. Doch man hört keinen Laut. Erst ganz am Ende des Schauspiels ist einmal ein einziger lauter Donner zu hören, dann verzieht sich das Gewitter wieder aufs Meer hinaus und wird still.

Sowas haben wir alle noch nie erlebt. Ein dreifaches Halleluja für unser Haus mit Dachterrasse, von dem aus wir sowohl den Ätna als auch das Meer sehen können.

Sonntag, der 10. Oktober 2021
Geburtstag der kleinen Tochter

Singend und mit einem Teller voller Teelichte holen wir die kleine Tochter aus dem Schlafzimmer ab und geleiten sie auf die Dachterrasse, wo der Geburtstagstisch aufgebaut ist. Sie wollte unbedingt hier oben feiern, weil sie den Sonnenaufgang gestern so schön fand, dass sie Tränen in den Augen hatte, wie sie erzählte. ♥️

Kerzen auspusten und Geschenke auspacken.

Der Himmel beschenkt uns wieder mit spektakulären Anblicken.

Die dunklen Wolken haben wieder einen Goldrand von der aufgehenden Sonne.

Die Kirche des Dorfes, in dem unser Ferienhaus steht.

Nach einem ausgiebigen Geburtstagsfrühstück fahren wir ins legendäre Taormina, das man von uns aus in knapp 25 Minuten mit dem Auto erreicht. Als erstes gehen wir dort an den Strand. Die Kinder wollen ans Wasser, denn es ist warm.

Bald scheint die Sonne so heiß, dass die Kinder ihre Badeanzüge anziehen und richtig schwimmen gehen. Glücklicherweise haben wir alles dabei.

Danach haben die Mädchen tüchtig Hunger. Die kleine Tochter möchte unbedingt in diese Pizzeria – und sie hat eine gute Wahl getroffen. Die Pizzeria liegt abseits vom Touristenstrom. Sogar im Oktober ist es in Taormina nämlich total überlaufen, wie wir fast erschreckt feststellen. Heute vielleicht auch deswegen, weil Sonntag ist und die Sonne so schön scheint. Wir wollen gar nicht wissen, wie es hier im Hochsommer zugeht. Wir bewegen uns ja meist entgegen von Touristenströmen, so dass es uns heute etwas kalt erwischt.

In dieser Pizzeria ist aber alles gut. Das Personal ist super freundlich und zugewandt und serviert uns vor Pizza und Pasta wegen des Geburtstagskindes jeweils einen Arancino mit einem Shrimp und Pistazienpesto drin. Köstlich. Klein und fein.

Wir gehen ein bisschen durch Taorminas Gassen, die allesamt gesäumt von Läden mit Touristen-Nippes sind. Wir haben Spaß, weil die zum Verkauf angebotenen Artikel zum Teil so grotesk sind. Wir machen Späße wie „Also jetzt weiß ich, was ich Dir zu Weihnachten schenke! Diese Kochschürze mit dem nackten Mann drauf!“

Angekommen an unserem Ziel, einem Luxushotel, wo wir einen Aperitif zu uns nehmen wollen. Denn von der Terrasse dieses ältesten Hotels Taorminas hat man den allerbesten Blick über die Küste, und das ganz in Ruhe, im schönsten Ambiente und begleitet von dem fantastischsten Drink, den man sich vorstellen kann. Mein Mann nimmt einen klassischen Aperol Spritz. Ich nehme einen „Finochietto“, das ist ein durchsichtiger, farbloser Wahnsinn auf der Basis von Gin, aromatisiert mit kräuterigen Zutaten wie Fenchel, Zitrus (Bergamotte) und Zeder. Ein Signature Cocktail dieses Hauses, der Sizilien gewidmet ist. Im Drink steckt ein Rosmarinzweig und schwimmen ein paar Wacholderbeeren. Das Ganze schmeckt betörend herb-süßlich nach Sizilien und Süden. Genau mein Geschmack.

Im Hintergrund der Terrasse das berühmte griechisch-römische Theater.

Während wir da so herrlich ruhig sitzen und unsere Getränke genießen, zieht sich über Taormina der Himmel düster zusammen. Und dann bricht von einer Minute auf die andere ein Unwetter auf die „schönste Stadt der Welt“ nieder.

Wir sind glücklicherweise gerade fertig mit unseren Drinks. Wir lassen den schlimmsten Wolkenbruch niedergehen, während wir im Hotel drinnen die Auslagen von Luxusartikeln begucken.

Dann rennen wir aber durch den Regen durch die Gassen zurück zur Seilbahn-Station, warten dort auf die nächste Fahrt (was wegen des Unwetters ein bisschen dauert) und fahren mit der Seilbahn hinunter zur Küste. Weiter zum Auto, das beim Strand parkt, und ab nach Hause.

Wir sind alle früh aufgestanden und deshalb jetzt müde. Die kleine Tochter ist um drei Uhr morgens aufgewacht und konnte vor Geburtstags-Aufregung nicht mehr einschlafen. Aus dem gleichen Grund hat sie uns Eltern um halb fünf geweckt. Und so geht dieses erlebnisreiche Wochenende jetzt zu Ende.

Am heutigen Abend haben wir dann noch einen riesigen, riesigen orangenen Sichelmond über dem Horizont neben dem Ätna gesehen. Da habe ich fest an meinen Vater gedacht, der den Mond so liebte. Die Schwermut wegen seines Todes begleitet mich auch hier.

Vor uns liegt noch eine ganze Woche Sizilien. Das Wetter soll zwar ein bisschen regnerisch sein. Aber auch gestern und heute waren 80% Regen angesagt, und schließlich waren die Tage dann zu 80% regenfrei. Dafür gab’s tolle Wolkenschauspiele. Ich finde das besser als immer blauen Himmel. Passt auch viel besser zu meiner aktuellen Stimmung.

Gehabt Euch wohl, liebe Leser*innen. Das nächste Wochenende kommt auch nochmal aus Sizilien!

Eure Maike

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6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  3. Hallo Maike.

    Danke für deine eindrucksvollen Bilder und Erzählungen aus Eurem gemeinsamen Urlaub – Ich bin ganz bei Euch beim Lesen.

    Es sei Dir/Euch so gegönnt… Sonne tanken; die Natur hautnah mit all‘ ihren Facetten erleben; leckeres für den Gaumen und das MIT Deinen Liebsten! Genießt die Tage und lasst es Euch wirklich gut gehen! Last Euch berieseln von Allem und nehmt Kraft und Freude aus diesen Tagen!

    Wir wollen in den Herbstferien (Anfang November) zum Gardasee und ich freue mich sehr darauf…

    Herzliche Grüße aus BaWü von Marlen

    • Zum Gardasee! Das soll auch ganz traumhaft sein, wie ich gehört habe! Da wünsche ich Euch auch ganz viel Freude!
      Liebe Grüße an Dich und danke für die lieben Wünsche!

  4. Vielen Dank für deinen Rückblick und die Fotos. Da unsere Familie ja selbst immer in Sizilien verweilt (die große Tochter kommt morgen zurück und bringt Arancini mit), kann ich mir alles selbst gut vorstellen.
    Wir waren heuer erstmals am Westhang des Ätna. In Bronte. Dort wachsen die Pistazien. Das war auch sehr schön und nur eine Stunde nach der Abfahrt brach der Ätna erneut aus. Da haben wir ein Spektakel verpasst.
    Gute Besserung und dem Geburtstagskind alles Gute!
    LG Tanja

    • Liebe Tanja, danke für den Tipp mit Bronte. Vielleicht schaffen wir das ja noch diese Woche. Ich hätte Lust drauf. Guten Appetit bei den Arancini!
      Maike

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