In Herzenshelligkeit: Wochenende in Bildern 28./29. Dezember 2019

Nach dem Weihnachtstrubel zu Hause in Berlin sind wir in unser Häuschen aufs Land gefahren, um hier Silvester und Neujahr zu verbringen. Da es ja nur so kurz hell und außerdem kalt draußen ist, haben wir es uns vorwiegend drinnen gemütlich gemacht. Wir haben genäht, gekocht, gelesen und gemalt, und draußen am Feuer Suppe gekocht.

Der Wochenspruch kommt diese Woche mal wieder aus dem anthroposophischen Seelenkalender. Der Spruch dieser Woche beschreibt die Weihnachtsstimmung: das helle Aufkeimen der Hoffnung und der schönen Kraft des menschlichen Geistes. Sei es aus Gottes Kraft oder einfach, weil wir Menschen sind.

Ich fühle wie entzaubert
Das Geisteskind im Seelenschoß;
Es hat in Herzenshelligkeit
Gezeugt das heilige Weltenwort
Der Hoffnung Himmelsfrucht,
Die jubelnd wächst in Weltenfernen
Aus meines Wesens Gottesgrund.
(Rudolf Steiner)

Samstag, der 28. Dezember 2019

Gleich nach Sonnenaufgang gegen acht gehe ich mit dem Hund raus. Der Himmel zeigt erfreulicher Weise blaue Flecken.
Der Himmel leuchtet.
Dieses tolle Buch hat die große Tochter vom Onkel zu Weihnachten bekommen: Es beinhaltet 100 kindgerecht aufgeschriebene Biographien starker Frauen der Weltgeschichte. Die Tochter liebt es; ich musste schon viele der Geschichten vorlesen. Den Rest liest sie selbst.
Gleich nach dem Frühstück werden am Tisch ein paar der Geschichten vorgelesen.
Ich habe mir heute etwas Makabres vorgenommen: Ich muss ein Stück der Arme dieses Puppenjungen amputieren. Sie waren einfach viel zu lang. Ich schneide ein Stück der Arme raus und nähe die Arme dann wieder an. Ich wollte das schon seit mehr als zwei Jahren machen, aber habe es immer wieder aufgeschoben. Das ist schließlich etwas, das man als Puppenmacherin nicht so gern macht; das überlegt man sich mehr als einmal. Auf diesem Bild habe ich die Arme schon gekürzt; jetzt muss „nur“ noch zusammengenäht werden.
Die kleine Tochter lässt sich anstecken und möchte auch eine Puppe nähen. Wir haben aber nicht viel Stoff hier. Das einzige, das wir finden, ist ein altes Handtuch und eine alte Tischdecke. Sie entscheidet sich für das Handtuch. Sie zeichnet eine Form auf, die ich dann auf das das Handtuch übertrage. Wir nähen es gemeinsam per Hand zusammen, dann stopft sie die Form mit Wolle.
Hier das „Design“ der Tochter und die gefüllte Puppe, noch ohne Gesicht und Haare.
Hier hat „Püppe“ (so ihr Name) eine Kopfverletzung und musste bandagiert werden. Wir alle haben Püppe übrigens sofort total ins Herz geschlossen. Ja, so ist das mit den einfachen, selbst gemachten Dingen.
Zum Mittagessen gibt es Gemüsepuffer aus Steckrüben, Salat und Möhrengemüse.
Und noch mehr „Goodnight Stories for Rebel Girls“.
Der Puppenjunge hat die Operation gut überstanden. Die Tochter hat ihn frisch angezogen. Wenn Ihr mich fragt, sind die Arme immer noch ein wenig zu lang…

Sonntag, der 29. Dezember 2019

Es ist 9 Uhr und wir haben schon längst gefrühstückt, als mein Mann und ich zu einem Wald-Spaziergang mit dem Hund aufbrechen. Da hat sich die Sonne gerade über den Horizont geschwungen.
Der Wald liegt still da und schweiget.
Wir finden einen Tierschädel auf dem Waldboden. Ich nehme an, das war ein junges Wildschwein. Der Schädel ist nicht sonderlich groß. Der Rest des Skeletts ist aber nicht zu sehen.
Das Leben hat sich in den Bauch der Erde zurück gezogen. Dort ist es in der Stille wirksam, bis es im Frühling wieder sprießt.
Der Hund genießt den Auslauf.
Hier gibt es große Kuhweiden und an jeder Ecke einen Hochstand. Denn es gibt extrem viel Wild: eine große Hirschherde, viele, viele Rehe und viele Wildschweine.
Die hiesigen Kühe sind das ganze Jahr draußen auf der Weide.
Mein Mann dämmt den starken Wuchs unserer geliebten Berberitzenhecke eine wenig ein.
Mit den Töchtern machen wir draußen Feuer und kochen eine Kartoffelsuppe über dem Feuer.
Die Mädchen schleppen den kaputten Stuhl zum Schaukelbaum, weil sie die Schaukel wieder aufhängen wollen.
Die heiße Suppe schmeckt uns nach der Zeit draußen in der Kälte sehr gut.
Das Püppchen-Design der anderen Tochter, noch in Arbeit.

Kurz nach drei dämmert es schon wieder; um 16 Uhr ist es hier schon richtig dunkel. Wir holen noch die Omi vom Bahnhof ab, die uns über Silvester besucht, trinken Tee und essen Kuchen, und lesen und spielen auf dem Sofa.

Nebenbei lasse ich das vergangene Jahr Revue passieren, und stimme mich innerlich auf das neue ein. Es ist schön, jetzt zum Jahresausklang Zeit zu haben, um solchen Gedanken Raum zu geben.

Morgen oder zu Silvester möchte ich diese Gedanken in Form eines kleinen Rituals noch einmal fokussieren. Ich habe weder die Zeit noch die Muße, um die „Rauhnächte“ Tag für Tag ausgiebig zu zelebrieren. Aber ein wenig innere Einkehr und Reflexion angesichts des Jahreswechsels sind mir wichtig. Auch wenn ich keine „guten Vorsätze“ fasse, denn davon halte ich wenig. Ich bin das ganze Jahr über aufmerksam für meinen persönlichen Weg. Ich versuche, meinen Weg immer wieder zu hinterfragen und neu auszurichten. Und ihn mit mir, meinen Werten, neuen Erkenntnissen und meinen Lebensvorstellungen in Einklang zu bringen.

Was diesbezüglich dieses Jahr passiert ist, möchte ich gern nochmal Revue passieren lassen, denn das war interessant und hat mir Erkenntnisse über mich selbst geschenkt. Auch habe ich neue Pläne. Unter anderem, den Blog hier etwas stärker zu befüllen, mit Beiträgen zum Thema Jahreszeiten, Natur und nachhaltigem Familienleben. Mit Bastelanleitungen, Ideen für schöne Dinge und dem ein oder anderen Rezept. Ich weiß, dass es ein paar Familien gibt, die auf meine Rezepte schwören. Das freut mich sehr 🙂

Weil ich ein paar Nachfragen zu der winterlichen Linsensuppe von diesem Wochenende bekommen habe, kommt morgen das Rezept. Die Suppe eignet sich auch bestens als Silvestermahl. Update: Hier das Rezept für die winterliche Linsensuppe.

Nun verabschiede ich Euch ins neue Jahr! Ich hoffe, Ihr blickt friedlich auf 2019 und mit gutem Gefühl auf 2020 — OK, wenn Ihr Politik, Klima und Weltgeschehen beiseite lasst. Denn wenn man das nicht tut, sind die Aussichten ja eher düster. Hier bleibt als einziger Ausweg, selbst das Beste zu geben: selbst möglichst viel zum Umwelt- und Klimaschutz beitragen und die Stimme erheben: gegen Ausgrenzung, klimafeindliche Politik, Krieg, Umweltverschmutzung, Diskriminierung, Rassismus und Ungerechtigkeit. Gegen die Macht der Konzerne (habt Ihr schon von Cargill gehört? Ohne Worte…).

Auf 2020. Auf ein gutes 2020, mit dem guten Geist „der Hoffnung Himmelsfrucht“.

Das wünscht Euch Eure Maike, die sich wie immer über Kommentare freut, und sei es nur ein kurzer Gruß!

Weitere Wochenenden in Bildern findet Ihr unter dem Wochenend-Bericht von Alu und Konsti von Große Köpfe.

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6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Maike,

    vielen herzlichen Dank!
    Und ich nehme dein Angebot bestimmt noch freudig an:)
    Eure Schule würde ich auch gerne mal kennen lernen,
    bin ja noch sehr mit Waldorf verwurzelt.

    Lass dich lieb drücken, Roswitha

  2. Liebe Maike,

    vielen lieben Dank für die immer sehr persönlichen Beiträge. Meine Schwiegerfamilie wohnt südlich von Berlin, aber die Landschaft ähnelt so sehr der bei Eurem Landhaus, dass es immer ein bisschen wie Heimaturlaub ist, bei Dir zu lesen :o)
    Und übrigens würde ich mich sehr über mehr Rezepte etc. freuen: das Pilzcarpaccio und die Buttermilch-Dinkel-Brötchen (O-Ton Sohn 1 und 2: die allerallerbesten Brötchen auf der ganzen Welt!) werden ganz oft zubereitet bei uns. Danke dafür!

    Einen guten Start in 2020 wünscht Anja

    • Liebe Anja,
      ach, lieben, lieben Dank! Ich freue mich sehr über Deine Rückmeldung. Und besonders darüber, dass meine Beiträge Freude machen. Ein gesundes, glückliches 2020 wünsche ich Euch! – Deine Maike

  3. Liebe Maike,

    hier an dieser Stelle einen kurzen Gruß:

    Ich bedanke mich bei dir recht herzlich für alle deine guten Gaben!

    Du bist ein total liebenswerter Mensch und dir und deiner Familie
    wünsche ich ein gutes und wirklich glückliches und gesundes neues Jahr…
    und bis wir beide – du und ich – uns wiedersehen, halte Gott dich schützend in seiner hohlen Hand.

    Herzlich Roswitha

    PS: Ich freue mich auf den Ausbau deines Blogs!

    • Liebe Roswitha,
      allerliebsten Dank! Du bist auch in meinem Herzen und ich wünsche mir, Dich bald einmal wieder zu sehen. Wie gesagt, wir haben ein Gäste Bett in Berlin! 🙂 Auch Euch ein glückliches 2020 mit vielen guten Momenten zusammen und mit den Kindern und Kindeskindern!

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