Der Nachmittag macht müde: Wochenende in Bildern 18./19. Juli 2020

Samstag noch auf dem Land, Sonntag wieder zu Hause in Berlin. Das Wetter war warm, aber seltsam. Auf dem Land war es am Samstag früh fast schon altweibersommerlich. Man konnte schon erahnen, dass bald der Herbst kommt (wie zeitig dieses Jahr!). In Berlin war es dagegen schwülwarm und drückend. Das verursachte eine eigenartige Betäubung, die mich müde machte. Das Gewitter blieb jedoch wieder aus.

Die Phrase “Der Nachmittag macht müde” stammt aus diesem wunderschönen Gedicht von Rilke. Die Stimmung der letzten Gedichtzeilen kann ich zwar nicht so recht nachfühlen, aber die seltsame Verwirrtheit und leichte Unruhe des ersten Gedichtteils passt ganz gut zu meiner Stimmung an diesem Wochenende:

Ein Gedicht, das so fein die besondere, unruhige Stimmung des Mädchens/der Frau erfasst, was auch gerade in ihr vorgeht. Es ist etwas Neues, das sie noch nicht recht erfassen kann, nicht erfassen möchte, dem sie noch nicht so ganz traut. Es muss etwas sein, das ganz echt ist, das ganz authentisch und wild aus ihr emporsteigt, so dass der Park ihr “verwöhnt” vorkommt und Jasmingeruch sie kränken kann. Rilke war ein großer, großer Dichter.

Samstag, der 18. Juli 2020

Ich bin noch auf dem Land. Ich habe die letzten drei Tage hier allein verbracht, während die Familie schon in Berlin war. Heute will mein Mann mich mit dem Auto abholen, weil jetzt in den Sommerferien der Bus im Dorf nicht fährt, der mich zur Bahn bringen könnte. Wir wollen auch unsere Freunde begrüßen, die unser “Landhaus” ab heute für zwei Wochen bewohnen werden.

Aber wie immer beginnt mein Tag mit einem Spaziergang.

Und wie staune ich, als ich vor die Tür trete, noch etwas verschlafen: Es ist neblig. Und es ist nicht der hier sonst übliche Bodennebel, sondern ein feiner, dunstiger, entfernter Nebel, der sich gerade nach oben verzieht. Man ahnt, dass er in Kürze einen blauen Himmel freigeben wird.

Die Sonne blickt schon durch, aber noch ist die Sicht auf den Sommerhimmel unwirklich verhangen.

Der Hund ist happy wie immer, wenn er auf der Wiese rennen darf. Die weißen Schleier auf der Wiese sind übrigens Spinnennetze mit feinen Tautröpfchen, die im Morgenlicht glitzern. Im Hintergrund sieht man ganz blass unser Haus im Nebel.

Auch im Wald sind überall riesige Spinnennetze zu sehen. Sie liegen wie feine Gespinste über dem Boden, einen halben Meter im Durchmesser. Das Bild sieht ja fast aus wie im Spätherbst, aber es ist gleichzeitig warm, und es riecht nach Sommer. Ein wenig irritierend. Heute herrscht eine ganz besondere Stimmung draußen.

Auf der Kuhwiese leuchtet vorn schon die Morgensonne, obwohl es hinten noch neblig ist. Die riesige Wiese wurde einen Tag lang von ca. 40 Kühen beweidet und ist jetzt ratzeputz kahl gefressen. Vor zwei Tagen standen hier noch bunte Blumen.

Siehe da: Der Nebel verzieht sich und gibt das Himmelblau frei.

Zu Hause auf dem Grundstück glitzern auch Spinnennetze auf dem Boden.

Und mitten auf dem Weg.

Zu Hause mache ich mich ans Aufräumen und Putzen, um das Haus für unsere Freunde sauber zu machen. Ich räume und putze ganze sieben Stunden, mit nur einer kurzen Pause zum Essen.

Danach sieht alles ganz aufgeräumt und schick aus. Da fällt mir ein: Würde Euch mal ein umfangreicher Blick auf die Einrichtung unseres Hauses auf dem Land gefallen? Schreibt es gern in die Kommentare!

Das hier ist das Esszimmer, unten mit Blick ins Wohnzimmer. Normalerweise liegt hier natürlich viel mehr Zeug rum (Klamotten über Stühlen, Bastel- und Malzeug auf den Anrichten, Tassen auf dem Tisch usw.), aber jetzt ist mal alles schön aufgeräumt.

Das ist unser so genanntes “Schrankzimmer”, manchmal auch “Ankleidezimmer” genannt. Im linken Schrank befinden sich Bett- und Tischwäsche und Handtücher, im rechten unsere Kleidung.

— Mein Mann trudelt ein, und wir warten auf unsere Freunde. Aber diese stehen im Stau und sind um 17:00 Uhr immer noch nicht da. Weil wir die Kinder nicht so lang allein lassen können, fahren wir los nach Hause. Meine Mädels freuen sich riesig, mich und den Hund wieder zu sehen.

Wir machen noch einen Gang durch den Mauerpark, den die Kinder in den letzten Tagen neu für sich entdeckt haben. Zum Inliner fahren und zum Trampolinspringen und Toben auf dem neuen Spielplatz.

Aber heute ist es voll und laut, da bekommt ein Kind die Krise und möchte sofort wieder nach Hause. Also gehen wir nach Hause und lesen auf der Terrasse noch ein paar Kapitel “Alea Aquarius”. Die große Tochter hat alle verfügbaren Bände schon gelesen, wartet sehnlichst auf den nächsten und wünscht sich seit Wochen heiß und innig, dass wir die ganze Geschichte zusammen nochmal lesen. Das gemeinsame Erleben von Harry Potter hat ihr offensichtlich riesen Freude gemacht. Jetzt freut sie sich darauf, dass sie die Geschichte schon kennt und ich sie beim Lesen neu entdecke.

Ich lese vor, die Töchter essen Äpfel.

Dieser schön Lichtstrahl ist über den Häusern zu sehen, nachdem die Sonne hinter den Häusern verschwunden ist.

Der Hund wird von der Tochter in eine Decke gehüllt und geknuddelt wie ein Baby.

Nachdem die kleine Tochter schon selig schläft, beschäftigt sich die Große noch in ihrem Zimmer mit Malen und Musik hören. “Ich ziehe mich jetzt nach oben zurück,” so drückt sie es neuerdings aus, wenn sie ihre Ruhe will. Mir soll es recht sein; ich bin total müde nach der stundenlangen Putzerei, dem Wetter- und Ortswechsel und sinke völlig erschöpft ins Bett.

Sonntag, der 19. Juli 2020

Früher Spaziergang mit dem Hund und der kleinen Tochter in der Wohnanlage. Sommerlich blühen die Blumen in den Hochbeeten des Gemeinschaftsgartens.

Die Tochter hat die Kamera dabei und fotografiert Bäume. Ganz die Mama 🙂

Hier schaut sie nach, was sich im anderen Nachbarschaftsgarten auf der anderen Seite der Anlage getan hat.

“Guck mal, Mama, die Brombeeren werden reif!” Tatsächlich.

So sehe ich aus, wenn ich den Hund zu mir locken will, der sich aber nicht die Bohne interessiert, sondern ausgiebig im Gebüsch schnüffelt.

Nachbarskatze Roxy im Blumenkasten.

Blick hinter die Klostermauern. Das Efeu wächst hier so wunderbar dicht und üppig. Wer schon länger bei mir liest, weiß, dass ich Efeu sehr gern mag.

Nach dem Frühstück gehen wir ins Sommerbad Humboldthain bei uns um die Ecke. Mit den Rädern fahren wir dorthin nur 5 Minuten. Wir haben erfolgreich gleich früh Tickets ergattert. Das öffentliche Freibad, das zu den Berliner Bädern gehört, ist sehr schön und hat sogar eine lange, Wasserrutsche, aber normalerweise gehen wir dort nicht hin. Aus dem einfachen Grund, dass es hier an warmen Tagen so überfüllt ist, dass man echt keine Freude hat. Man kann nicht schwimmen oder mit den Kindern ein wenig planschen, weil sich ständig Horden von schreienden Halbwüchsigen durchs Wasser pflügen und spritzen. Weil jeder Quadratmeter Wiese, Wasser und Stein von Menschen besetzt ist. Weil es nach Pommes und Kaka riecht, weil in den sanitären Anlagen eine graue Schmutzschicht auf dem Boden ist, dass man dort auf keinen Fall barfuß gehen möchte, und es, tja, einfach furchtbar ist.

Aber jetzt! Wegen Corona dürfen nur ca. 100 Menschen gleichzeitig im Freibad sein. Im riesigen 100m-Becken hat man herrlich viel Platz und Freiraum. Alle ist total angenehm, sauber und frisch. Wir sind total glücklich und genießen diesen Luxus mitten in Berlin und dazu noch direkt neben der Haustür.

Und ich habe die kleine Tochter glücklich gemacht, so dass sie wirklich den ganzen Tag im siebten Himmel schwebt. Das ging ganz einfach: Ich habe ihr am Kiosk diesen Einhorn-Schwimmring gekauft. Wir haben ihr Schwimmbrett auf dem Land vergessen, und ohne Unterstützung traut sie sich noch nicht ins tiefe Wasser, obwohl sie eigentlich schwimmen kann. Als sie am Kiosk dieses Einhorn erblickt, macht sie große Augen. Ich bin so froh, dass ich es gekauft habe, denn es hat sie wirklich ganz unbeschreiblich glücklich gemacht. Sie ließ Elise (so wurde das Einhorn getauft) den ganzen Tag nicht einen Moment aus den Augen, cremte sie ein, bettete sie auf ein Handtuch, fütterte sie und spielte mit ihr im Wasser, dass es eine Freude war.

Mit Elise im leeren Freibad.

Auf dem Weg zu den Fahrrädern im Humboldthain noch schnell über einen Baumstamm balancieren, bevor wir nach Hause fahren.

Zu Hause merken wir, dass wir alle ganz schön kaputt sind vom Schwimmen und Toben. Wir haben alle Hunger. Die große Tochter bereitet eine Guacamole zu, und wir hauen rein. Ich esse die Guacamole mit Paprika-Würfeln und Minze, und genehmige mir dazu meine geliebten Earl Grey mit Milch.

Und dann bin ich so müde, dass ich zwei Stunden schlafe. Keine Ahnung, aber dieses Wetter macht mich offensichtlich völlig fertig.

Am Abend machen wir nochmal einen Spaziergang durch den Mauerpark, die große Tochter mit Roller. Die kleine Tochter ist danach total müde, so dass es für sie schon um 19:00 Uhr ab in die Heia geht. Die Große hört noch ein Hörspiel und geht allein in ihrem Zimmer schlafen. Das macht sie neuerdings immer öfter. Halleluja.

Das nächste Wochenende sollte eigentlich aus Südfrankreich kommen. Wir haben ja seit einem Jahr einen Haustausch mit einer Familie aus der Nähe von Toulouse geplant. Aber die Fluggesellschaft hat ihnen aufgrund von Corona den Flug gestrichen, so dass der Haustausch jetzt nicht stattfinden kann. Wir haben es auf nächstes Jahr verschoben.

Leider ist ja auch unser Haus auf dem Land besetzt. Einen anderen Urlaub können wir jetzt nicht aus dem Hut ziehen, erstens weil alles Schöne in erreichbarer Nähe ausgebucht ist, und zweitens, weil es finanziell leider nicht möglich ist.

Statt Südfrankreich habe ich nun Kurzaufenthalte in Städtchen in erreichbarer Nähe geplant. Der erste Trip führt die große Tochter und mich nächstes Wochenende nach Dessau. Die große Tochter ist ja sehr Architektur-interessiert, da wollen wir uns auf die Spuren des Bauhauses begeben. Also kommt das nächste Wochenende in Bildern aus Dessau.

Mein Appell an dieser Stelle für mehr Zufriedenheit im Leben: Macht immer das Beste aus allen Situationen. Alles, was geschieht, geschieht aus gutem Grund, auch, wenn wir den vielleicht zuerst nicht sehen oder verstehen können. Aus jeder Situation kann man etwas Gutes machen, auch wenn man zuerst vielleicht enttäuscht, ängstlich, ärgerlich oder geschockt ist. Wir sehen dieses Jahr zwar Südfrankreich nicht. Aber dafür erkunden wir andere Orte und machen es uns in Berlin schön. Das ist auch wunderbar. Ich war kurz enttäuscht, aber es ist absolut nicht hilfreich, zu lamentieren und Energie in Enttäuschung zu stecken. Ich blicke lieber nach vorn, hake den alten Plan ab und mache freudig einen neuen. So bin ich immer gut gefahren in meinem Leben.

So, nun gähne ich auch schon wieder und sehne mich nach meiner gemütlichen Matratze. Ich wünsche allen Leser*innen eine gute Nacht und einen guten Start in die neue Woche. Lasst Euch nicht umhauen, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht, sondern nehmt die Änderung an und schöpft neue Energie aus neuen Möglichkeiten. Das Leben ist für uns privilegierte Menschen der reichen Industrienationen unendlich gestaltbar!

Darüber grübelt jetzt im Bett noch ein bisschen weiter,

Eure Maike

Der Beitrag ist verlinkt bei den anderen Wochenenden in Bildern auf Große Köpfe.

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