Bei dieser Hitze!: Wochenende in Bildern 22./23. August 2020

36°C am Freitag und 26°C am Samstag und Sonntag, so warm war dieses Wochenende in Berlin. Wir sind wegen eines Familientreffens in Berlin geblieben und haben eigentlich das ganze Wochenende geschlemmt. Erst am Freitag bei meinem älteren Bruder, am Samstag bei uns und abends wieder bei meinem Bruder bei der Geburtstagsparty meiner Schwägerin. Der Sonntag diente der Erholung und dem Baumelnlassen der Seele.

Verlinkt ist dieser Beitrag bei Große Köpfe.

Der Ausruf aus dem Titel „Bei dieser Hitze!“ stammt aus einem Haiku von Issa. Ihr wisst schon, Haikus sind die traditionellen 3-zeiligen japanischen Gedichte, die meist in wenigen Worten eine kleine, aber besondere Naturbeobachtung beschreiben, damit aber etwas über das Leben an sich aussagen. Issa ist neben Basho und einigen anderen einer der bekanntesten alten Haiku-Dichter. Ich habe Haikus schon immer geliebt, weil sie formal meiner ästhetischen Vorliebe für das Minimale entsprechen. Inhaltlich handeln sie von Naturphänomenen, in denen sich Lebensweisheit versteckt. Das alles gefällt mir sehr. Und zwar schon, seitdem ich in einem Schulbuch der dritten Klasse mein erstes Haiku gelesen habe.

Das kleine Haiku hat mich bei meiner sonntäglichen Durchsicht meiner Gedichtbände darum angesprochen, weil ich für unsere Tischdekoration am Samstag wilden Wein benutzt habe, und dieser tatsächlich nach ein paar Stunden nicht mehr ganz frisch aussah wegen der Sommerwärme.

Freitag, der 21. August 2020

Am Freitag Nachmittag muss ich mit der großen Tochter etwas im Gesundbrunnen-Center besorgen, den ich hasse wie die Pest. Aber wir brauchen aufgrund der Hitze kurzfristig in der Nähe ein Kleid für die Tochter, die aus allem Leichten rausgewachsen ist. Glücklicherweise werden wir schnell fündig, und das sogar im Sale.

Zwar sind ein paar Wolken am Himmel, aber die Hitze von 36°C drückt trotzdem.

Bei meinem älteren Bruder gibt es heute lecker Essen für die ganze Großfamilie inklusive Eltern, Onkel und Tante. Der Bruder meines Vaters und seine Frau aus Düsseldorf sind zu Besuch, weil es beiden Brüdern gesundheitlich nicht besonders gut geht. Aber heute lassen wir es uns alle richtig gut gehen.

Meine Mutter hat den Tisch schön mit Blumen geschmückt.

Als ich komme, werden noch die Brösel auf den sommerlichen Früchte-Crumble gestreut, den es zum Nachtisch mit Eis gibt.

Zur Vorspeise gibt es angesichts des heißen Tages eine geeiste Gurken-Avocado-Suppe mit gebratenen Shrimps. Das Toastbrot dazu hat mein Bruder selbst gebacken.

Sogar den Kindern schmeckt die kalte Suppe: „Die schmeckt wie pürierter Gurkensalat!“ rufen sie. Das kommt sicher vom frischen Dill.

Das sind in mein Vater, mein jüngerer Bruder, meine Schwägerin und mein älterer Bruder.

Der Sonnenuntergang von der Terrasse meines großen Bruders aus. Danach gibt es die Hauptspeise: Schwäbische Spätzle, von meiner Mutter handgemacht, mit mediterranem Kalbsragout und grünem Salat.

Und wir dürfen diversen Aufführungen lauschen: Mein Nichte und meine Schwägerin spielen etwas auf der Geige bzw. dem Klavier vor, die Senioren deklamieren Gedichte und Balladen und singen zusammen alte Lieder.

Das alles rührt mein Herz. Und irgendwie werden dadurch alle glücklich und beschwingt. Wie schön!

Karamell-Eis mit Früchte-Crumble aus Pfirsichen, Äpfel und Waldbeeren zum Nachtisch.

Aber um 22 Uhr sind wir alle müde und gehen nach Hause. Glücklicherweise sind wir mit den Rädern in 5 Minuten zu Hause.

Samstag, der 22. August 2020

Am Samstag Mittag trifft sich die ganze Festgesellschaft bei uns. Deswegen bin ich den ganzen Vormittag mit Einkaufen, Kochen und Dekorieren beschäftigt. Mein Mann holt die ältere Generation in Berlin-Spandau ab, wo sie zu Hause bzw. im Hotel untergebracht sind.

Der Tischschmuck besteht aus rosa und pinken Gerbera, die wir schon eine Weile haben, die sich aber gekürzt in kleinen Väschen noch wunderbar machen. Dazu gesellen sich Blätter vom wilden Wein aus unserem Garten.

Ich decke in unserem Wohnzimmer für 10 Personen.

Heute hat meine Schwägerin Geburtstag. Deswegen malt die große Tochter eine Glückwunschkarte.

Zum Auftakt gibt es einen leichten Apéritif aus selbst gemachtem Waldmeister-Sirup, (wenig) Weißwein und Sprudelwasser sowie frischer Minze aus unserem Garten. Und vielen Eiswürfeln.

Danach gibt es eine dicke Minestrone aus frischen Sommergemüsen mit Parmesan und rustikalem Weißbrot, und zum Nachtisch Affogato al caffè („Ertrunken im Kaffee“), was die unvergleichliche italienische Version des in Deutschland so wässrigen Eiskaffees ist. Das heißt: Hervorragendes Vanille-Eis wird mit hervorragendem Espresso übergossen. Ich hasse Eiskaffee, ich liebe „Affogato“.

Unsere Gäste machen einen kleinen Spaziergang, während ich die Küche klarmache. Als die Gäste wieder da sind, gibt es eine Käseplatte und anschließend lauwarmen Aprikosen-Kuchen mit Vanille-Schlagsahne.

Gegen Abend bringt mein Mann die Senioren wieder nach Spandau. Ich räume auf und gehe kurz mit dem Hund raus.

Die Sonne strahlt so schön durch die Blätter dieses Baums.

— Aber nach diesem Tag bin ich mit meinen Kräften am Ende. Ich habe ja chronische Krankheiten und habe deswegen nach der Rückkehr ins Haus einen Kreislaufzusammenbruch. Ich muss mich sofort für eine Stunde hinlegen. Mir ist eiskalt, weil mein Organismus in solchen Fällen komplett herunter fährt.

Aber meine Schwägerin hat Geburtstag, meine Nichte übernachtet bei uns, und ich bin noch zur Geburtstagsparty eingeladen.

Ganz ehrlich? Am liebsten würde ich mich ins Bett legen und mich ausruhen. Aber ich habe mich auch sehr auf diese Party gefreut. Ich raffe mich deswegen auf, mache mich ein wenig zurecht und gehe los.

Und ich genieße die Party dann sehr. Ich treffe alte und neue Freunde und labe mich am umfangreichen 80er Jahre Buffet, das meine Schwägerin und mein Bruder angesichts des Geburtsdatums meiner Schwägerin hergestellt haben. Hier gibt es amerikanische 80er Jahre-Klassiker wie Erdbeerbowle, Chicken Marbella, Schoko-Cupcakes mit echtem Butter-Frosting, Penne mit Wodka-Sauce und einen Upside-Down-Ananaskuchen.

Sonntag, der 23. August 2020

Meine Nichte und die kleine Tochter wollen vorgelesen haben. Zuerst lesen wir „Prinzessin Lissy“ von Elsa Beskow. Bei der Geschichte müssen die Kinder anhand von Reimen die Sätze vervollständigen.

Dann kommt das wunderbare „Kamfu mir helfen?“ dran. Hier verknickt sich ein Elefant seinen Rüssel, fragt allerlei Tiere um Hilfe und bekommt schließlich die Hilfe von einer kleinen Fliege. Das Buch erzählt in Reimen, und die sind so lustig, dass es großen Spaß macht vorzulesen. Bei diesem Buch kann man gar nicht anders, als in verschiedenen Stimmen zu sprechen. Und dann noch das kleine Vögelchen, das man auf jeder Seite suchen kann. Das macht unseren Kindern seit vielen Jahren Spaß.

Übrigens, wer gute Kinderbücher sucht und auf Instagram ist, der sollte schleunigst dem Account @kinderbuecherei folgen. Hier werden mehrmals pro Woche besondere und immer besonders gute Kinderbücher präsentiert, ausführlich beschrieben und auch in Bildern gezeigt. Wer seinen Kindern im Kindergarten- und Vorschulalter gerne vorliest, findet hier die allerbesten und liebevollst kuratierten Kinderbuch-Vorstellungen. „Kamfu mir helfen“ wurde hier kürzlich auch vorgestellt.

Als drittes Buch lesen wir heute „Peepo!“. Das ist eins der schönsten englischen Kinder-Bücher, die ich kenne. Der Text in Reimen ist wahrlich poetisch, dabei aber ganz einfach, und die Bilder sind schlicht super: die Zimmer der Familie sind herrlich unordentlich, und auf jedem Bild gibt es viele Details zu entdecken. Und dann noch der Hund, der dort irgendwie nicht hingehört… wer ist er? Woher kommt er? — Leider gibt es das Buch nicht auf Deutsch, sondern nur auf Englisch. Ich übersetze beim Lesen immer direkt ins Deutsche, aber leider funktionieren die schönen Reime im Deutschen nicht. Und trotzdem ist das Buch zauberhaft, auch für unsere Kinder noch. Und ich liebe es auch.

„Peepo“ heißt „Guckuck!“. Hier im Buch kann man immer einen Blick durch einen ausgeschnittenen Kreis auf die nächste Seite werfen.

Ich liebe die herrliche Unordnung dem kleinen zweistöckigen Haus, das von 6 Menschen bewohnt wird.

Weil es mich zum hundertsten Mal total nervt, dass ich nicht in schönen Reimen vorlesen kann, mache ich mich heute endlich daran, selbst eine Übersetzung anzufertigen. Ich habe schon immer gewusst, dass dieser Text sehr, sehr schwer zu übersetzen ist, aber am Schluss bin ich ganz zufrieden mit den Ergebnissen. Immerhin reimt sich alles und und hat im Großen und Ganzen die Stimmung und die sprachlichen Besonderheiten des Original-Textes übernommen.

Jetzt werde ich die Übersetzung ausdrucken und jeweils die Abschnitte auf die entsprechenden Seiten kleben. Dann haben wir beim nächsten Mal Vorlesen den ganzen Text in gereimtem Deutsch direkt im Buch.

Die kleine Tochter und meine Nichte haben sich als Prinzessinen verkleidet. Sie spielen Aschenputtel, tanzen und verlieren abwechselnd ihre Schuhe. Und sie lachen sich kaputt, ganz besonders darüber, dass sie zwischendurch aus Nuckelflaschen trinken. „Prinzessinnen mit Nuckelflaschen, ha ha ha!“

Und dann gibt es noch eine schöne nostalgische Überraschung. In unserem Wohnareal hat sich ein Leierkastenmann eingefunden.

Die Kinder werfen „Orgel Ebi“ Münzen in seine Schatztruhe. Daraufhin legt er eine neue Rolle mit Kinderliedern ein. Wir sind glücklich und singen mit.

Die Hagebutten wirken schon herbstlich.

Aber es ist noch Hochsommer.

Wir bestellen vietnamesisches Mittagessen mit Vor- und Hauptspeisen und machen eine lange Mittagspause.

Später baut mein Mann mit der kleinen Tochter noch ein kleines Floß, dass sie im Humboldthain das Bächlein heruntersausen lassen wollen.

Und jetzt gehe ich ganz müde ins Bett. Für heute verdränge ich einfach, dass die kleine Tochter morgen nicht zur Schule geht, weil in einer Klasse ein Corona-Fall aufgetreten ist. Ich habe sehr viel Arbeit auf dem Tisch und weiß ehrlich gesagt gar nicht, wie das werden soll.

Aber wie immer weiß ich, dass es irgendwie wird. Es hat absolut keinen Sinn, Panik zu schieben. Das Einzige, das hilft, ist, pragmatisch das Beste daraus zu machen.

Ich wünsche allen Leser*innen, dass es in Eurem Leben sowohl Pragmatismus als auch Poesie gibt. Beides ist wichtig, denn beides macht uns zu Menschen.

Eine gute neue Woche wünscht Dir

Deine Maike

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