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Die drei Bethen: Die vergessenen Göttinnen hinter den heiligen drei Königen

Am 6. Januar ziehen ja in vielen Gegenden Deutschlands, Österreichs und der Schweiz die Sternsinger mit ihren Kronen durch die Straßen und schreiben das „C+M+B“ mit Kreide an die Türrahmen. Die meisten Leute denken dabei an Caspar, Melchior und Balthasar, die drei weisen Männer aus dem Orient, die mit Gold, Weihrauch und Myrrhe zum Christuskind kamen. Oder – wer etwas mehr weiß – an den lateinischen Spruch „Christus mansionem benedicat“ (=Christus segne dieses Haus).

Doch hinter diesem weihnachtlichen Brauch verbirgt sich eine viel ältere Geschichte. Eine Geschichte von drei mächtigen Frauengestalten, die einst den ganzen Jahreskreis durchwirkten und Segen brachten. Eine Geschichte, die von der katholischen Kirche systematisch ausgelöscht werden sollte, und die dennoch nie ganz verschwand.

Wilbeth, Ambeth, Borbeth – die drei Bethen

Lange bevor das Christentum nach Mitteleuropa kam, verehrten die Menschen besonders im Alpenraum die drei Bethen. Drei weibliche Figuren oder auch Göttinnen, die zusammen die große Muttergottheit darstellten, in ihren drei Aspekten als Jungfrau (Frühling), Mutter (Sommer) und weise Alte (Spätherbst/Winter). Sie waren Schicksalsgöttinnen, Lebensbegleiterinnen und Helferinnen in allen Nöten. Und sie repräsentierten die drei großen Zeiten des Jahres.

Diese Göttinnen trugen je nach Region verschiedene Namen (Frau Holle war eine von ihnen!); im Alpenraum jedoch waren sie oft als Wilbeth, Ambeth und Borbeth bekannt. Es gibt aber auch andere, ähnliche Namen dieser Figuren (siehe Fotos).

  • Wilbeth, die Weiße, war die junge Göttin des Frühlings und des Lichts. Von Februar bis Mai war ihre Zeit – die Zeit des Neubeginns, wenn aus der tiefsten Dunkelheit das Licht wiedergeboren wird. Sie spann den Lebensfaden, bestimmte das Schicksal und stand für Hoffnung und neues Werden. Ihr Attribut war das Spinnrad, ihr besonderer Tag war Lichtmess, wenn das junge Licht zurückkehrt. Als Mondgöttin wachte sie über die Zyklen und den ewigen Wandel.
  • Ambeth, die Rote, war die Muttergöttin des Sommers, der Fülle und der Fruchtbarkeit. Von etwa Juni bis September regierte sie – die Zeit des vollen Lebens, der Manifestation, der üppigen Ernte. Sie nährte alles Leben, brachte Wachstum und Gedeihen. Ihr Symbol war die Schlange: ein uraltes Zeichen der Erdkraft und des immerwährenden Lebens (erst die Kirche hat die Schlange als „böse“ bezeichnet). Ambeths Zeit war der helle Sommer, wenn die Sonne am höchsten steht und die Erde in ihrer vollen Pracht. Sie war die Göttin in ihrer Gestalt als fruchtbringende Mutter, sozusagen die lebensgebärende Kraft selbst.
  • Borbeth, die Schwarze, war die Herbst- und Wintergöttin, oder auch die weise Alte, in Deutschland auch bekannt als Frau Holle. In dem von den Gebrüdern Grimm aufgeschriebenen Märchen ist ihre Gestalt schön überliefert. Von Oktober bis Januar war ihre Zeit – die Zeit des Rückzugs, der Ernte, des Abschieds. Sie schnitt den Lebensfaden ab, begleitete in den Tod und hütete die Schwelle zwischen den Welten. Ihr Zeichen war der Turm (Rückzug, Schutz, tiefes Wissen). Sie war die Göttin in ihrem dunklen Aspekt. Ihre besonderen Tage war die Zeit um Ende Oktober, in der noch heute die Toten geehrt werden (übrigens weltweit auf der Nordhalbkugel), und natürlich die Zeit um die Wintersonnenwende, wenn es am dunkelsten ist und die Tage am kürzesten.
Flach-Relief der drei Bethen in der Nikolauskapelle im Dom St. Peter in Worms, Quelle hier. Hier heißen die drei Bethen Embede, Warbede und Wilbede.

Borbeth (im Wormser Relief „Warbede“) ist einer der Namen des winterlichen Aspektes der Göttin, die wir heute noch als Frau Holle oder (im Alpenraum) als Frau Percht kennen. Sie fegt in den Rauhnächten mit der Wilden Jagd durch die Nächte. Sie ist die Wintermutter, die Bergmutter, die Wetterpatronin. Wenn Frau Holle ihre Betten ausschüttelt und es schneit, dann ist das auch diese Figur – die schwarze, die dunkle, aber auch die lebensspendende Göttin, die in der Tiefe der Erde über neuem Leben brütet.

Der Segen am Ende der Rauhnächte

Am Ende der Rauhnächte, also nach der allerdunkelsten Zeit, traten die drei Bethen gemeinsam auf. Das ist die Zeit der Borbeth-Percht – die Perchtennacht, die Hollenacht, die Nacht der Wunder. Es ist die allertiefste Nacht, wenn Borbeth mit ihrem wilden Gefolge aus Geistern und heiligen Tieren ein letztes Mal durch die Lüfte fegt, bevor sich die Tore zwischen den Welten wieder schließen.

An diesem Tag kamen die drei Göttinnen – oder Frauen, die in ihrem Namen handelten – zu den Häusern. Sie brachten Segen für das kommende Jahr, segneten Haus, Hof, Mensch und Vieh. Die Menschen deckten ihnen den Tisch, stellten Essen bereit, räucherten ihre Häuser und Ställe. Insofern sind die drei Bethen zumindest im Alpenraum auch fest mit den Rauhnachts-Traditionen verwoben.

Als Zeichen, dass die drei Göttinnen da gewesen waren, hinterließen sie drei Kreuze (X X X) an den Türen. Das X (im Gegensatz zum Totenkreuz der christlichen Kirche) steht dabei für die Gebärhaltung, das Zeichen des Lebens selbst. Das X mit seiner Öffnung nach unten zur Erde und nach oben zum Himmel steht damit für die Kräfte der Natur an sich – und für die drei Bethen, die gemeinsam den ganzen Lebenskreis umfassen.

Die drei Bethen waren Bringerinnen von Fülle und Freude. In den Sagen heißt es, sie pflasterten ihren Weg mit Käselaiben, sie butterten (auch das Wort Butter hat etymologisch die gleichen Wurzeln wie die Bethen, übrigens auch die Wörter Bitten, Betteln, Beet und Bett!). Sie brachten Milch im Überfluss und brachten gutes Brot. In manchen (wissenschaftlich nicht fundierten) Quellen wird behauptet, dass C+M+B damals auch für Käse, Milch und Brot stand – die drei wichtigsten Nahrungsmittel im jungsteinzeitlichen Alpenraum des Lebens.

Die weibliche Trinität als fester Bestandteil der kulturellen Identität Europas

Zusammen bildeten die drei Bethen den ewigen Kreislauf: Werden, Sein und Vergehen, oder auch Geburt, Leben und Tod. Denn der Tod ist im uralten, zyklischen, naturinspirierten Denken auf der Nordhalbkugel niemals ein Ende, sondern nur Übergang zu neuem Werden. Die drei Aspekte der Muttergöttin führten durch das wechselhafte Leben, durch Launen der Natur, Wetterkapriolen, Mondzyklen und vor allem durch den Jahreskreislauf von Winter, Frühling und Sommer.

Diese von der Natur inspirierten „Göttinnen“, die eigentlich eher das Wahrnehmen und Ehren von Naturkräften bzw. der beseelten Natur waren, waren wichtig und mächtig. Sie begleiteten die Menschen bereits seit der Altsteinzeit und waren (sind!) fest in die kulturelle DNA Europas vor der Christianisierung eingeschrieben. (Übrigens auch in die illustre Gesellschaft der griechischen und römischen Gottheiten, in anderer Erscheinungsform und unter anderen Namen).

Man kann es sich vielleicht schon denken, dass die patriarchal geprägte christliche Kirche mit ihrem männlichen Trio aus Vater, Sohn und heiligem Geist gewisse Schwierigkeiten mit einer dreifaltigen mächtigen Muttergottheit hatte, die den Menschen im noch nicht christianisierten Europa so wichtig war.

Die drei Bethen wurden zunächst von der Kirche zu den drei weiblichen Heiligen Catharina, Margaretha und Barbara umfunktioniert (C, M und B 🙂 ) — Du siehst schon!

Bevor ich darauf zurückkomme, möchte ich das Ganze aber erstmal in einen Kontext einbetten, der mir persönlich wichtig ist:

Die Auslöschung weiblicher Macht durch die Kirche

Was mit den Bethen geschah, ist nämlich kein Einzelfall. Es ist Teil eines jahrhundertelangen Prozesses, in dem die Kirche im Zuge ihrer Ausbreitung von Südeuropa nach Nord- und Osteuropa weibliche spirituelle Macht systematisch durch männliche Autoritäten ersetzte.

Wissen und Macht der weisen Frauen

In den Dörfern und kleinen Gehöften in den Waldgebieten Europas waren es seit Urzeiten weise Frauen, die das spirituelle und heilende Wissen hüteten. Sie waren Hebammen, die alles über die vielen Aspekte der Geburt wussten, die den Frauen in buchstäblich jeder Lage helfen konnten, wenn sie Neues Leben in die Welt brachten.

Auch waren sie Heilerinnen, die mit Kräutern und altem Wissen Kranke pflegten, und Seelsorgerinnen, die zuhörten, trösteten, Rat gaben, ja mit „Wort und Wurz“, wie Wolf-Dieter Storl es nennt, heilten. Das „Wort“ waren beschwörende, segnende und/oder beruhigende Sprüche; die „Wurz“ waren die heilenden Wurzeln und Kräuter und die daraus nach altem Wissen gemischten Tees, Tinkturen, Öle und Salben.

Diese weisen Frauen kannten die Zyklen der Natur, die Mondphasen und die Kräfte der Pflanzen. Sie standen den Menschen in jeglichen Situationen zur Seite: bei Geburt, Krankheit, Unglücken und Unfällen, Leben und Tod. Natürlich waren sie auch in Kontakt bzw. Verbindung zur dreifaltigen Göttin bzw. hüteten die notwendigen Rituale.

Diese Frauen hatten in den Dörfern Macht. Sie wurden von den Menschen geachtet, respektiert, manchmal sogar gefürchtet. Sie hatten Wissen, Autorität und Einfluss in den Gemeinschaften. Und genau das war der Kirche, die ausschließlich Männern die Macht über das Spirituelle zusprechen wollte, ein Dorn im Auge. Denn solange die Menschen die Macht und das Wissen der weisen Frauen anerkannten, ließen sie sich nur schwer zum christlichen Glauben bekehren.

Die Dämonisierung weiblicher Macht

Als erstes wurden die kleineren heidnischen „Gottheiten“ (die eher Naturkräfte und -geister waren) in christliche Heilige umfunktioniert. Dabei behielten die „Geister“ ihre Attribute und Schutzfunktionen – man kann sie immer noch in den Attributen und Funktionen der katholischen Heiligen finden.

Die weisen Frauen jedoch wurden als „Hexen“ verfolgt. Das Wissen um Heilung wurde Teufelsanbetung genannt. Die Hebammenkunst, die Kinder sicher auf die Welt brachte, wurde als Kindsmord verfemt. Die Kräuterkunde und die segensreichen Sprüche wurde zu schwarzer Magie erklärt, das Wissen um die Zyklen der Natur und die damit verbundenen Bräuche und Praktiken war jetzt heidnischer Aberglauben. Was über Tausende Generationen bewahrt und weitergegeben worden war, wurde in wenigen Jahrhunderten systematisch verteufelt und ausgelöscht.

Die Hexenverfolgungen waren ein gezielter Angriff auf weibliche Autorität, weibliches Wissen und weibliche Macht. Abertausende von Frauen wurden gefoltert und ermordet, und an ihre Stelle traten männliche Pfarrer. Jetzt waren es plötzlich Männer, die die wichtigen Übergangsrituale begleiteten, die die Menschen tauften, trauten und begruben, und die die einzige akzeptierte Verbindung zum Göttlichen darstellten. Männer hatten jetzt die Deutungshoheit über Moral, Gut und böse, richtig und falsch und über Leben und Tod.

Die Umwandlung der Bethen in Catharina, Margaretha und Barbara

Mit den Bethen versuchte die Kirche zunächst einen sanfteren Weg als mit den weisen Frauen. Die Menschen waren zu sehr mit ihren „Naturgöttinnen“ verbunden und identifiziert, um sie einfach verbieten zu können. Also wurden sie zunächst umgewandelt und umgedeutet – in Heilige mit grausamen Märtyrer-Geschichten.

Aus Wilbeth mit dem Spinnrad wurde die heilige Catharina mit dem Rad – das jetzt ein Folterrad mit Nägeln (!!) war. Aus Ambeth mit der Schlange wurde die heilige Margarethe mit dem Drachen. Aus Borbeth mit dem für Schutz, Rückzug und Wissen stehenden Turm wurde die heilige Barbara, die wegen ihres Glaubens in einem Turm eingesperrt und gefoltert wurde. Sogar die Farben der drei heiligen Frauen blieben: weiß, rot, schwarz.

Lest gern bei Wikipedia die Legenden der drei Heiligen; keine davon ist historisch belegt. Es gab in der Geschichte durchaus Frauen mit den Namen der dreien. Aber ob sie auch nur annähernd die Märtyrerinnen-Geschichten erfahren haben, die ihnen die Legenden zusprechen, bleibt fraglich bis extrem unwahrscheinlich. Ich persönlich würde sagen: Die Foltergeschichten und den unerschütterliche Glauben an Jesus Christus hat die Kirche sich einfach ausgedacht.

Mit Erfolg, wie es scheint: „Barbara mit dem Turm, Margarete mit dem Wurm, Catharina mit dem Radel, das sind die drei heiligen Madel!“ – so kennt man die drei „Nothelferinnen“ bis heute in Bayern und Österreich.

Von mächtigen Göttinnen zu leidenden Märtyrerinnen

Jedoch hatten die drei weiblichen Heiligen durch die Umdeutung der Kirche eine entscheidende Veränderung durchgemacht. Sie waren keine mächtigen Göttinnen mehr, die über Leben und Tod, über Schicksal und Jahreszeiten herrschten. Sie waren jetzt Märtyrerinnen. Jede von ihnen hatte laut Legende grausame Folter über sich ergehen lassen müssen.

Sie wurden laut ihrer Legenden von Männern missbraucht, gefoltert, gequält und getötet – und all das, so die kirchliche Erzählung, weil sie so stark an Christus glaubten, dass auch die größten Qualen sie nicht davon abbringen konnten. Und diese Figuren, obwohl keine der Legenden historisch belegt ist, hat die Kirche mit der Heiligsprechung als VORBILDER für Frauen installiert. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!

Das Martyrium der heiligen Barbara (hier in einem Gemälde von Jehan de Bellegambe von 1528) bestand unter anderem daraus, dass man ihr DIE BRÜSTE ABSCHNITT und sie lebendig ANKOKELTE. Ich möchte ehrlich nicht wissen, wie viele Männer sich an solchen Bildern von gefolterten weiblichen Heiligen „ergötzt“ haben.

Das ist genau das Frauenbild, das die Kirche akzeptieren konnte: Hier haben wir keine mächtigen Göttinnen mehr, die Schicksale weben und Jahreszeiten lenken. Hier haben wir leidende, vollkommen machtlose, von Männern dominierte (passive!) Märtyrerinnen, die geduldig schrecklichste Folter ertragen und dabei trotzdem ihren Glauben an den männlichen Gott nicht aufgeben. Weibliche Heiligkeit war nur noch als Opfer denkbar, nicht mehr als Macht.

Doch selbst die gefolterten Heiligen waren der Kirche offenbar noch zu sehr mit ihren göttlichen Ursprüngen verbunden. Die Menschen verehrten ihre „drei Madln“, wie sie jetzt im Alpenraum hießen, noch immer wie Göttinnen, wandten sich in ihren Nöten an sie, glaubten an ihre Kraft, fühlten sich mit ihnen verbunden und von ihnen gestärkt. Also musste eine neue Lösung her – und die kam mit den heiligen drei Königen.

Vom weiblichen zum männlichen heiligen Trio

Im Matthäus-Evangelium in der Bibel, in dem die Geschichte der drei Männer aus dem Morgenland steht, ist übrigens nur von„Sterndeutern aus dem Osten“ die Rede. Es gibt hier weder Namen, noch eine genaue Zahl und vor allem keine Kronen. Erst Jahrhunderte später wurden daraus von der Kirche drei Könige mit den Namen Caspar, Melchior und Balthasar gemacht. Wie praktisch: Nun konnten drei Männer die Macht übernehmen, die den Frauen genommen worden war.

Die Trinität (die Zahl drei), die Farben (weiß, rot, schwarz), die Gaben, der Zeitpunkt am Ende der Rauhnächte, das Segenszeichen an der Tür – alles kam von den Bethen. Aber aus den segnenden Frauen, die durch die Lande zogen und den Menschen halfen, wurden herrschende Könige bzw. Männer auf Pferden und Kamelen, die einem männlichen Gottessohn huldigten.

Aus XXX – dem Zeichen des Lebens, der Gebärhaltung, das den drei Bethen zugesprochen war, und dann den weiblichen Heiligen Catharina, Margaretha und Barbara, wurde C+M+B für Caspar, Melchior und Balthasar, mit dem t-Kreuz dazwischen, dem Zeichen des Todes.

Die weibliche Kraft der Transformation, des ewigen Kreislaufs von Leben und Tod, wurde ersetzt durch männliche Herrschaft und das Kreuz als Symbol des Leidens. Bravo, katholische Kirche!

Das verschüttete Erbe

Doch ganz verschwunden sind die drei Bethen nie. In Märchen und Sagen leben sie weiter – erinnern wir uns an Schneewittchen: „So weiß wie Schnee, so rot wie Blut, so schwarz wie Ebenholz.“ Das sind die drei Farben der Bethen bzw. der alten Göttin. Dann Frau Holle natürlich, die Borbeth verkörpert. Und Schneeweißchen und Rosenrot sind Wilbeth und Ambeth, und ihre Mutter ist wieder die Winter-Figur Borbeth. Die drei Bethen sind noch versteckt in unseren Volksmärchen.

Die uralte Trinität: Schneeweißchen und Rosenrot sowie (hinten) ihre Mutter, aus der Verfilmung durch die ARD von 2012.

In den Alpen gibt es bis heute Berge, Quellen und Kapellen, die nach den Bethen benannt sind. Und in manchen Gegenden werden am 6. Januar noch immer die drei heiligen Madln, also die heiligen Nachfolgerinnen der Bethen, verehrt.

Wenn wir im Jahreskreis aufmerksam sind, können wir die Energie der dreifaltigen Göttin natürlich spüren: Wilbeths zartes Licht an Lichtmess (Anfang Februar), Ambeths volle Kraft zur Sommersonnenwende, im Kräutermonat August und im Erntemonat September, und schließlich Borbeths weise Ruhe und wilde Kraft zu Samhain/Halloween/Allerheiligen/Allerseelen sowie in den Rauhnächten.

Die wahre spirituelle Tradition Europas

Die Geschichte der Bethen erinnert uns daran, dass vor der patriarchalen Überformung durch die Kirche eine andere spirituelle Welt existierte. Es war eine Welt, in der das weibliche Prinzip als Quelle von Licht, Fruchtbarkeit, Heilung, Schutz und Weisheit verehrt wurde. Es war eine naturverbundene Welt, in der Frauen (auch) spirituelle Autorität hatten, als Göttinnen, Priesterinnen und weise Frauen. — Es gab auch immer einen männlichen Gegenpart, denn die Natur war nur vollkommen in der Verbindung des männlichen und des weiblichen Prinzips; aber das soll jetzt hier nicht Thema sein.

Diese Welt wurde von der Kirche brutal bekämpft, verteufelt und ausgelöscht. Die mächtigen Göttinnen wurden zu leidenden Märtyrerinnen – zu Opfern! – gemacht. Die realen weisen Frauen wurden zu Hexen erklärt und verbrannt. Die weibliche Macht über Leben, Tod, Übergänge und Heilung wurde männlichen Priestern übertragen.

Die weibliche Kraft des 6. Januar

Die drei Bethen sind Göttinnen des ganzen Jahres und des ganzen Lebens. Wilbeth bringt im Frühling neue Kraft und Aufbruch. Ambeth bringt im Sommer Manifestation und volle Ernte. Borbeth bringt im Herbst und Winter Rückzug, Besinnung und Vollendung. Und ob wir sie Wilbeth, Ambeth und Borbeth nennen, oder Catharina, Margaretha und Barbara, oder sogar Schneeweißchen, Rosenrot und Frau Holle – das ist eigentlich egal, so lange es sich dabei um weibliche Figuren handelt, die mächtig, wissend und wohltuend sind.

Wenn du also in diesen Januartagen das C+M+B an den Türen siehst, kannst du dich an die drei Frauen erinnern, die diesen Segen ursprünglich brachten. An die drei Ewigen, die drei Bethen, die vergessenen Göttinnen des Jahreskreises. Erinnere dich daran, dass weibliches Wissen sowie weibliche spirituelle UND gesellschaftliche Macht einst eine Selbstverständlichkeit waren, und dass das Wissen darum nie ganz verloren gegangen ist.

Hier auf meinem Blog begegnest du der dreifaltigen weiblichen Göttin als Sinn- und Seelenbild für die Energien der Natur und des Jahreskreises immer wieder. Als nächstes in meinem Beitrag zum Februar im Jahreskreis: Hier weckt Wilbeth unter ihrem keltischen Namen Brigid Anfang Februar mit ihrem lebensspendenden Lichtpfeil die Natur wieder auf, die jetzt noch schläft.

Mich würde interessieren, ob du wusstest, welche Geschichte hinter den drei heiligen Königen steckt. — Besonders bemerkenswert finde ich übrigens, dass sie in dieser Form nichtmal aus der Bibel stammen, sondern von der Kirche erfunden und benannt wurden. Ich würde mich freuen, wenn du mir dazu in den Kommentaren schreibst!

Deine Maike

… die immer mehr dieser Geschichten entdeckt und sich wirklich wundert, warum wir darüber in der Schule nichts lernen!

Quellen:

Wolf-Dieter Storl: „Die alte Göttin und ihre Pflanzen“, 2014

Martina Kaiser: „Der Jahreskreis“, 2014

https://de.wikipedia.org/wiki/Beten_(Mythologie), Zugriff am 3. Januar 2026

https://artedea.net/bethen-die-heiligen-drei-madln/, Zugriff am 2. Januar 2026

https://www.hanna-strack.de/die-drei-bethen/, Zugriff am 4. Januar 2026

https://www.raumundmensch.org/post/auf-den-spuren-der-drei-bethen-in-s%C3%BCdtirol, Zugriff am 3. Januar 2026

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4 Kommentare zu “Die drei Bethen: Die vergessenen Göttinnen hinter den heiligen drei Königen

  1. Hallo Maike,

    ich hatte bereits davon gehört, dass die Heiligen Drei Könige ein Konstrukt der Kirche sind, aber auch erst vor kurzem. Daher habe ich mich näher dafür interessiert und bin auf deinen Blog gestoßen. Danke, für diese umfangreiche Aufklärung, ich bin zutiefst berührt davon. Viele Grüße
    Christina

    • Liebe Christina, danke!! Ja, ich finde es auch berührend. Unglaublich, oder???
      Liebe Grüße,
      Maike

  2. Hollerer Irene.hollerer@gmail.com

    Sehr interessant.das sollten viel mehr Menschen lesen diesen Beitrag.Damit sie den Hl.3 Königsweg besser verstehen vielen Dank lg Irene Hollerer

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