Von dem paradiesischen Lande: Wochenende in Bildern 8./9. Februar 2020

Wir sind in den Winterferien auf Sizilien, zusammen mit der Patentante unserer großen Tochter und deren Tochter. Unser Ferienhaus befindet sich ein paar Kilometer westlich von Cefalù, im Norden der Insel, nicht weit von der Insel-Hauptstadt Palermo.

Hier ist es warm und sonnig, grün und frühlingshaft. Blumen blühen, und die leuchtenden Goldorangen und -zitronen glühen zwischen den dunkelgrünen Blättern der Bäume. Palmen ragen in den knallblauen Himmel. Das Meer plätschert freundlich blau an den Strand. Genau das haben wir als Kontrast zum braungrauen Berliner Winter gesucht.

Wir haben den Strand genossen, der 150 m vom Ferienhaus liegt, und haben das zauberhafte Städtchen Cefalù erkundet, das binnen 10 min mit dem Auto vom Ferienhaus aus zu erreichen ist.

Ich kann Ludwig dem I. nur zustimmen:

Du bist das Haupt, Cephalu, von dem paradiesischen Lande,
Ragst voll Sehnsucht hinaus in das unendliche Meer.
(Ludwig der I., König von Bayern, 1839)

Samstag, der 8. Februar 2020

Morgenspaziergang zum Strand.

Die Tochter freut sich, dass die Sonne scheint.

Ich auch!

Nach dem Frühstück fahren wir nach Cefalù, wo heute Markttag ist.
Der Markt ist direkt an der Uferpromenade. Man kann dort in der einen Reihe fürchterlichen Trash von Jeans und Plüschlatschen über Plastikpuppen bis hin zu Taschen, Rucksäcken und Haushaltswaren kaufen (fast alles Made in China), und in der anderen Reihe Gemüse, Käse und andere Lebensmittel aus Sizilien. Und die sind wirklich aus Sizilien, denn das Angebot ist begrenzt auf die Dinge, die jetzt wirklich in Sizilien wachsen bzw. zu haben sind.

Ganz typisch ist der „Broccolo“, das ist eine Art hellgrüner Blumenkohl. Der schmeckt wie eine Mischung aus unserem Brokkoli und Blumenkohl. Unfassbar lecker, aromatisch und süß. Wir haben einen der Köpfe gekauft. Er wurde am Samstag Abend gekocht und in Butter und Brotbröseln angebraten.

Wie man hier sieht, kostet so ein Broccolo-Kopf einen Euro. Und die Dinger sind echt riesig. Hier sind 6 Leute von einem Kopf satt geworden, und es ist sogar noch was übrig geblieben.

„Doppio Gusto“ in der Bildmitte heißt übrigens „doppelter Geschmack“. Und das kann man den Waren hier wirklich attestieren.

An einem Stand gibt es verschiedene Bohnen, Nüsse und Hülsenfrüchte aller Art:

Auch Artischocken („carciofi“) haben zur Zeit Saison. Gerade hier in der Gegend, rund um das Städtchen Cerda im Hinterland, befindet sich ein großes Anbaugebiet, das ganz Italien mit der leckeren Distelblüte beliefert. Die hiesigen Artischocken sind kleiner als die, die ich aus Frankreich kenne, und werden auch anders gegessen.

Sie werden auf viele verschiedene Weisen zubereitet. Sie werden gefüllt, frittiert, werden kalt, warm, mit und ohne Fleisch, als Omelette, zu Pasta, als Beilage und natürlich auch als Vorspeise (Antipasto) gegessen. Ich habe diese Woche schon einmal gefüllte Artischocken für uns gemacht. Da wurden die äußeren, harten Blätter abgezupft und das Gras innen entfernt. Dann kam eine Füllung aus Semmelbröseln, Parmesan, Pecorino-Würfeln, Olivenöl, Knoblauch und Petersilie hinein. Mit der Füllung wurden die Artischocken erst gekocht und dann kurz im Ofen gebacken. Sehr, sehr lecker.

Opi sucht die besten Äpfel aus.

Oliven, getrocknete Tomaten, Käse und Wurstwaren aller Art gibt es auf dem Markt auch. Jetzt im Februar gehört der Markt den Einheimischen, was wir sehr angenehm finden.

Markttreiben.

Die Kinder haben nicht so viel Spaß daran, Essen einzukaufen und mit Markthändlern zu schwatzen wie wir. Sie zerren an meinem Mantel und wollen zur Gelateria. Dort gibt es Eis. Wie immer auf Sizilien ist das Eis üppig und wahnsinnig gut. Und gar nicht so süß wie in Deutschland.

Meine Kindern kichern, weil sie ihre Eis hochhalten „wie die Freiheitsstatue, Mama“. Stimmt.

Wir tauchen ein in die Gassen der Altstadt von Cefalù. Dieser kleine Laster mit Gemüse und Obst zuckelt ganz gemächlich durch die engen Sträßchen.

— Und plötzlich, als wir uns umdrehen, werden wir Zeugen einer fast märchenhaften Szene. Zuerst sehen wir nur eine wunderschöne Braut vor einer Kirchentür…

… doch als wir näher gehen, bemerken wir, dass es sich um ein Fotoshooting für Brautkleider handelt. Die Foto-Crew hat stimmungsvolle Musik angemacht, das Team bewegt sich zur Musik. (Wer mir auf Instagram folgt, hat eventuell in meiner Story ein Video der Szene gesehen.)

Unsere Kinder sind völlig hin und weg: „Ein echtes Model, Mama! Das ist ein echtes Model!“

Sie ist wirklich eine bellezza.

Die Kinder bekommen auch mit, dass das Kleid des Models extra hinten zusammengesteckt wird, damit es optimal sitzt und auf dem Bild auch perfekt aussieht. So erfahren sie ganz nebenbei, dass perfekt aussehende Models und Mode immer auf einer gewissen Inszenierung beruhen.

Auf unserem Weg entdecken wir in einem Hof neben der Straße zufällig den „lavatoio“, der alte öffentliche Waschplatz des Städtchens. Hier haben die Leute früher Wäsche gewaschen.

Die Kinder versuchen, auf dieser schiefen Ebene neben der Treppe herunter zu rutschen.

In einem kleinen Durchgang zwischen zwei Häusern hat man einen Blick aufs Meer. Auf einem Felsen schaut eine Möwe bedächtig ins türkisblaue Wasser.

Durch diesen Durchgang kommt man von der Straße zum alten Fischerhafen von Cefalù.

Ich vermute, die Boote liegen da mehr zur Dekoration uns als Instagram-Motiv.

Unsere Mädels vergnügen sich eine gute Stunde an diesem Geländer. Sie beobachten den Hund, der immer wieder ins Wasser springt, und spielen irgendwelche Spiele. Am Abend sagen alle drei Mädchen einstimmig, das sei die beste Zeit des Tages gewesen.

Wir Erwachsenen nutzen die Zeit, um uns gegenseitig zu fotografieren, Sonne und Licht zu tanken und das Glitzern aufzunehmen, das das Städtchen und die ganze Insel an einem solchen Tag ausstrahlen.

Ich finde meinen Mann ja sehr gut aussehend. <3

Ach, Italien. <3

Dieser Mann lässt am Strand von Cefalù einen Drachen steigen. Direkt unterhalb des Marktes.

Zu Hause im Ferienhaus werden die Nagellacke ausprobiert, die wir auf dem Rückweg von Cefalù im Supermarkt in einer Ramsch-Kiste entdeckt haben. Alle Mädels durften sich welche mitnehmen. Sie sind noch total OK, vielleicht ein klein wenig dünnflüssig.

Am frühen Abend gehen wir nochmal an den Strand. Heute ist Vollmond. Und ein wahnsinnig großer, blasser Mond schiebt sich über den Horizont langsam in den Himmel.

Wir hatten hier ja am Mittwoch und Donnerstag stürmisches Wetter mit gelegentlichen Regenschauern. Ein Wetter, das Sizilianer als übelstes Winterwetter („tempo bruttissimo“ = hässlichstes Wetter) bezeichnen. Es gab relativ hohe Wellen, die auch Plastik und anderen Müll aus dem Meer an den Strand spülten.

Jetzt, wo das Wetter sich wieder beruhigt hat, nehmen wir ein paar Tüten mit und sammeln Plastikmüll auf.

Viele kleine Plastikstücke haben sich in Algennetzen verfangen, die wir komplett mitnehmen, weil sich die Plastikstücke nicht herauslösen lassen.

Die Kinder sammeln auch mit, am fleißigsten die kleine Tochter.

Die beiden großen Mädchen spielen in den „Dünen“.

Die kleine Tochter baute sich eine Angel aus einem langen Schilfrohr und Fundstücken.

Die Sonne geht unter.

Sonntag, der 9. Februar 2020

Der Tag begrüßt uns mit strahlender Sonne und blauem Himmel. Im Garten unseres Ferienhauses blühen verschiedene Blumen. Hier: Roter Hibiskus.

Meinen Morgen-Tee nehme ich heute auf diesem Stuhl in der Sonne ein.

Der Strand ruft uns auch heute.

Die große Tochter lässt Steine übers Wasser flitschen.

Ich liebe diese bizarren Bäume. Ich habe allerdings keine Ahnung, wie die heißen. Weiß es jemand von Euch?

Mein Mann genießt die Sonne.

Wir verbringen den restlichen Vormittag gemütlich rund ums Ferienhaus. Die Kinder spielen im Garten und lackieren sich zum x-ten Mal die Fingernägel. Mein Mann und ich lesen abwechselnd Harry Potter Band 2 vor und sonnen uns.

Unsere Freundin und Patentante der großen Tochter muss derweil leider packen und Proviant zurecht machen, denn sie und ihre Tochter müssen heute wieder nach Berlin zurück. Morgen geht die Schule eigentlich wieder los. An unserer Schule gehen die Lehrer ein paar Tage in Klausur, so dass wir ein paar Ferientage mehr haben.

Zu Mittag essen wir heute draußen auf der Terrasse. Es gibt Minestrone mit Parmesan. Wasser müssen wir hier notgedrungen aus Plastikflaschen trinken. Das Leitungswasser ist nicht trinkbar und Glasflaschen bekommt man hier nicht. Krass, aber leider wahr. Immerhin aber wird der Müll hier jetzt getrennt; es gibt verschiedene Mülltonnen von Glas über Papier bis hin zu Biomüll und Plastik.

Nach dem Mittagessen fahren unsere Freundinnen. Wir machen eine herrliche lange Mittagspause.

Kurz vor Sonnenuntergang beschließen wir, nochmal nach Cefalù zu fahren, denn wir ahnen, dass in dieser Stadt um diese Uhrzeit was los ist. Und recht haben wir.

Erstmal gibt es wieder einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Und in den Straßen flanieren die Menschen. Familien, Pärchen, ältere Menschen gehen die Straßen langsam entlang, quatschen, essen Eis, oder trinken Kaffee oder einen Aperitivo in einer Bar. Die Gassen summen von angenehmen Menschengeräuschen und wohlig warmer Stimmung.

Mein Mann und ich tauchen in die Stimmung ein und lassen und mittragen.

Wir folgen dem Menschenstrom und landen so nach kurzer Zeit vor dem Dom, der sich an den hohen Hausberg der Stadt Cefalù drängt.

Im Dom findet gerade eine Messe statt. Wir gehen lieber wieder hinaus in die lebendigen Straßen, denn der quäkende Sermon des Priesters und seine salbungsvollen Worte heben unseren Geist eher nicht zum Himmel.

Die zauberhafte Stimmung in der Stadt hebt unsere Gefühle und unsere Dankbarkeit für unser irdisches Dasein um einiges mehr.

Das ist der Platz vor dem Dom. Er ist gesäumt von Cafés, Bars und Eisdielen, in denen sich die Menschen drängen. Auch einige der Außenplätze sind besetzt.

Ich brauche eine kleine Stärkung und trinke einen Kaffee. Ich trinke ja wenig Kaffee. Der Kaffee in Süditalien ist der einzige, den ich ab und zu mit Genuss trinke. Er ist extrem kurz (weniger als ein Schluck), intensiv und aromatisch. Fast ölig. Und in jeder Bar im doofsten Kaff, zubereitet von der uncoolsten Oma mit Kittelschürze und Blick auf eine schmierige Telenovela, schmeckt der Kaffee einfach göttlich und wird ohne Aufhebens zubereitet und serviert. Da kann leider keiner der hippen Baristas in Berlin-Mitte mithalten.

Der Abendstern, die Venus, steht genau in der Mitte zwischen zwei Häuserzeilen.

Der Fischerhafen jetzt am Abend.

Wir hätten uns jetzt am liebsten dem lebendigen Treiben der Stadt angeschlossen, hätten noch irgendwo einen Drink genommen und wären dann irgendwo was essen gegangen. Aber weil wir die Kinder für diesen kurzen Ausflug im Ferienhaus gelassen haben (sie hatten keine Lust mitzukommen), müssen wir leider schon aufbrechen.

Wir beschließen, nochmal mit den Kindern zurück zu kommen und das Städtchen am Abend nochmal zusammen zu genießen. Wir haben ja noch ein paar Tage Zeit, die nur sehr grob verplant sind.

Übermorgen, am 11. Februar, habe ich Geburtstag. Da werden wir nach Palermo fahren und den Kindern unsere Lieblingsorte zeigen, zum Beispiel die Dachterrasse des Kaufhauses Rinascente und den Palazzo Butera. Mein Mann und ich waren ja im Mai 2019 für eine ganze Woche allein in Palermo und haben ein paar wundervolle Orte und Ecken entdeckt.

Ich tanke hier ja fleißig Sonne, Licht und Wärme, so dass ich in ein paar Tagen gut gefüllt nach Berlin zurückkehren und die vielen graubraunen Tage bis zum Frühling gut überstehen kann. Der Frühling kommt in Berlin ja spürbar erst Ende April.

Ich hoffe, Ihr hattet auch ein gutes Wochenende und startet mit guter Energie in die neue Woche. Nutzt jedes Quäntchen Licht, das Ihr finden könnt! Geht raus oder stellt Euch ans Fenster, wenn die Sonne mal kurz rauskommt. Jedes bisschen Sonne tut jetzt gut!

Licht und Wärme wünscht Euch

Eure Maike

Wochenenden in Bildern anderer Familien finden sich wie immer gesammelt unter dem Wochenende in Bildern von Alu und Konsti vom Berliner Familienblog Große Köpfe.

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Maike, kleiner Hinweis: Direkt auf feinslieb.net findet man diesen Artikel wieder nicht unter „Blog“ oder „Neueste Beiträge“.

    • Danke, Nadine! Ich hoffe, es geht wieder. Mein Verdacht ist, dass es dann nicht geht, wenn ich die Seite sowohl auf dem Handy als auch auf dem Laptop zur Bearbeitung offen habe — auch wenn ich daran gar nicht arbeite. Danke nochmal für den Hinweis und liebe Grüße, Maike

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