Oktoberlicht! Oktober-Traum! Wochenende in Bildern 12./13. Oktober 2019

Wir haben Herbstferien und sind noch auf dem Land, umgeben von Waldgeruch und gelbem Licht. Wir haben Pilze gesammelt, sie gegessen und getrocknet, eine Schaukel gebaut, drinnen gekuschelt, am Feuer gesessen und den Oktober in all seinen Facetten ganz doll gespürt.

Als Gedicht der Woche habe ich Carl Zuckmayers „Oktober-Narr“ ausgewählt, weil es, wie Ihr merken werdet, gut auf dieses Wochenende passt:

Oktober-Narr
(Carl Zuckmayer)

Oktoberlicht! Oktoberbrand!
Oktobermond. Oktoberland.
Oktoberdunst. Oktoberstrahl.
Oktoberhimmels Frühopal.
Oktoberabends Rauchtopas.
Oktoberlaub. Oktobergras.
Oktobrisch leis, oktobrisch hold,
Oktobrisch rot, Oktobergold.
Oktoberschnee! Oktoberblau!
Oktoberweh. Oktoberfrau.
Oktober-Ruch. Oktober-Traum.
Oktoberfrucht. Oktoberflaum.
Oktoberschrei. Oktoberblut.
Oktoberhirsch. Oktoberwut.
Oktoberrausch! Oktoberflug!
Oktobermost! Oktoberkrug!
Oktoberton – Oktoberschwan –
Oktober-Gott! Oktober-Pan!!
Oktobertod. Oktoberflut.
Oktobersaat. Oktoberbrut.
Oktoberkeim. Oktoberkern.
Glanz, Strahl und Wunsch – Oktoberstern!

Samstag, der 12. Oktober 2019

Beim frühen Hundespaziergang übers Grundstück, der Himmel: Oktobermorgens Frühopal.

Oktoberlicht, gehe auf:

Hach, er ist sooo süß. Und vor einem Jahr hätte ich noch gesagt: Nee, ein Hund kommt mir nicht ins Haus.

Die Berberitzenhecke leuchtet noch stärker als letzte Woche: Oktoberlaub.

Heute werden neue, herbstliche Blumensträuße im unteren Stockwerk aufgestellt, mit Zweigen aus dem Garten. Oktoberland.

Blumenstrauss mit orangenen und gelben Blüten und gelbem Eichenlaub
Herbst-Blumenstrauss mit rotem Ahorn
Landhaus-Zimmer mit Ofen und Blumenstrauss

Um dem Eindruck vorzubeugen, bei uns herrsche nur heile Welt: An diesem Vormittag gibt es auch echte Oktoberwut. Eines der Kinder wird schrecklich wütend und kriegt sich nicht mehr ein, zerstört eine Spiel-Dekoration des anderen Kindes und ist einfach nur zornig, zornig, zornig. Weil ich weiß, dass hinter Wut und Zorn immer Trauer steckt und etwas Unerfülltes, kann ich das Kind geduldig begleiten. Aus der Wut wird bald ein tiefes Oktoberweh mit vielen Tränen. Das Kind kuschelt sich ins Bett und möchte, dass ich bei ihm liege. Bald ist die Stimmung besser, das Kind möchte einen Haferbrei mit Himbeeren. Nach dem Essen steht es viel besser gelaunt auf.

Später spielen die Kinder draußen unterm Oktoberlaub, hier „wer zuerst auf dem Boden liegt, hat verloren“. Dabei wird viel gekichert, aber auch echt gerauft.

Zwei-Mädchen-raufen-unter-herbstlicher-Linde

Zum Mittagessen gibt’s für die Kinder an der Feuerstelle gegrillte Würstchen und Salat. Mein Mann und ich essen Sushi, das wir spontan aus dem Städtchen geholt haben. Wir hatten plötzlich einen Jieper auf Sushi und genießen die Schärfe des Ingwers und des japanischen Meerrettichs (Wasabi). In meinem Rachen (und in der Feuerschale): Oktoberbrand 🙂

Mann pustet in rauchendes Feuer

Die Kinder haben die letzten Bohnen am Zaun geerntet und palen sie aus den Hülsen.

Die jüngere Tochter liebt ja Schmetterlinge. Diesen schon sehr müden Genossen nimmt sie oktobrisch hold behutsam vom Boden auf ihren Finger, wo er nach einer Weile die Flügel auseinander klappt und eine ganze Weile sitzen bleibt, bis er schließlich träge im Oktoberflug davonflattert..

Am Nachmittag gehen die Kinder auf den Nachbarhof und spielen dort in einem alten Wohnwagen. Sie putzen und räumen darin auf und um und finden es großartig. Außerdem dürfen sie die Pferde füttern und putzen und mit den Kätzchen spielen. Sie sind begeistert. Für sie: Ein echter Oktober-Traum.

Der Oktober-Traum für meinen Mann und mich: Die vielen Pilze, die auf unserem Grundstück wachsen. Wirklich, wir gehen fünf Minuten auf dem Grundstück spazieren und haben den Korb voll. Diese Woche haben wir schon fast ein Kilo Steinpilze bei uns gefunden. Wir haben jeden Tag Pilze gegessen, meist junge, feste Butterpilze, in Butter mit Zwiebeln gebraten, aber auch Steinpilz-Carpaccio, Steinpilz-Ragout und Pilzcremesuppe. Alles super lecker. Aber jeden Tag gibt es neue Pilze. Wir können gar nicht alle aufbrauchen. Die etwas älteren Butterpilze, die man normalerweise mitnehmen würde, lassen wir einfach stehen. Wir nehmen nur die ganz frischen, jungen, festen, denn jeden Tag kommen neue. Und wir wissen: Im Wald stehen außerdem Hunderte von Maronen, auf den Wiesen wachsen die Parasole und es gibt auch Pfifferlinge.

Wir haben deswegen angefangen, Pilze zu trocknen. Während die Kinder bei Nachbars sind, säubern und schnippeln mein Mann und ich Butterpilze, hören dazu schöne Musik und quatschen. Als wir mit den Pilzen fertig sind, spiele ich ein wenig Geige und erzeuge dabei natürlich einen schönen Oktoberton.

Tisch mit frischen Butterpilzen

Gegen Abend kommen die Mädchen rotbackig und glücklich nach Hause. Vom Putzen des Wohnwagens und der Beschäftigung mit den Pferden sind sie so richtig schmutzig geworden (herrlich, welches Kind kommt heutzutage noch schmutzig nach Hause?), so dass sie gleich in die Badewanne hüpfen. Weil wir danach alle kaputt sind, machen wir Feuer im Ofen und Leckerteller (Teller mit kleinen belegten Broten und Obst- und Gemüsestückchen), und schauen zusammen einen Film auf arte. Nämlich diesen schönen Kulinarik-Film über Essen, Land und Leute im Herzen des Piemont.

Kinder und Papa schauen Film auf Laptop

Sonntag, den 13. Oktober 2019

Der Morgenhimmel ist heute fahl. Eher so wie „Oktoberabends Rauchtopas„.

Aber der nächtliche Regen und die tägliche Wärme schenken uns wundervolle Oktoberfrucht auf Oktobergras: einen prächtigen jungen Steinpilz.

Unser Ahorn strahlt in Oktobergold.

Vorlesen im Bett lieben unsere Kinder, wenn es dazu das erste Frühstück gibt: Haferbrei mit Himbeeren, immer wieder ein Favorit bei uns für gewisse Zeit.

Zur Zeit lesen wir „Ein Baum für Tomti“, das unsere Tochter vor ein paar Tagen zum 7. Geburtstag bekommen hat. Wir haben das Buch in der hiesigen Buchhandlung ausgesucht. Das Buch handelt von einem Baumwichtel in der Stadt, dem drei Kinder dabei helfen, den richtigen Baum für ihn zu finden, in dem er leben kann. Das Buch ist ganz nett, liebevoll geschrieben und illustriert, aber (Carlsen Verlag; ich hätte es wissen müssen…) so „nett“ es ist, mir ist es ein wenig zu lehrreich. Kindern soll ganz eindeutig Baum- und Waldwissen vermittelt werden. Ich habe ja nichts dagegen, dass meine Kinder etwas über Bäume lernen, aber ich mag es nicht, wenn Kinderbücher so offensichtlich um eine Lernidee herumgestrickt sind. Aber unsere Kinder hören gespannt zu; das ist ja die Hauptsache.

Papa liest zwei Mädchen im Bett vor

Beim Waldspaziergang danach erfahren die Kinder dann wirklich, was Wald und Bäume sind. Sie riechen, sie sehen, sie spüren die Bäume. Und weil ich mich für Bäume interessiere und schon seit meiner Kindheit eine Buche von einer Erle von einer Eiche usw. unterscheiden kann, und gern darüber und davon rede, bekommen die Kinder ganz nebenbei Baum- und Waldwissen mit.

Papa mit Kindern auf Waldweg im Herbst, von hinten

Zwar sichten wir keinen Oktoberhirsch, aber die Parasole (Riesenschirmpilze) stehen direkt am Wegesrand. Man isst nur die Hüte (die Stängel schmecken grässlich), man kann sie wie Schnitzel panieren und braten. Sie schmecken sehr intensiv nussig. Ein Traum.

Die Kinder stoßen mit den Pilzen an, aber es macht nicht „kling“, sondern ist oktobrisch leis.

Kinderhaende mit jeweils einem großen Parasolpilz

Rückweg über die Wiese zum Haus.

Die Kinder machen Frühstück. Das Wasser befindet sich natürlich im Oktoberkrug.

Als mein Mann verkündet, dass wir heute eine Schaukel bauen werden, ertönt ein erfreuter Oktoberschrei von den Kindern.

Als erstes müssen an der zum Schaukelbaum auserkorenen Kiefer die unteren, zumeist toten Äste abgesägt werden. Zum Klettern lassen wir die Stümpfe stehen.

Alle wollen und dürfen einmal sägen.

Glücklicherweise fließt dabei kein Oktoberblut.

Die große Tochter sägt kleinere tote Äste an einem anderen Baum ab.

Die abgesägten Äste und viel Totholz noch aus den letzten Jahren wird weggebracht.

Wir schichten es auf die Totholzhecke.

Erstmal werden Ringe angebracht, weil wir noch keine Schaukel haben.

Unter dem Oktoberstrahl der Sonne justiere ich auf der Schulter meines starken Mannes nochmal die Seile.

Die Kinder schnappen sich meine Kamera und machen Fotos. Was seht Ihr hier? Mich, eine Oktoberfrau!

Und dann werden die Ringe eingeweiht.

Ein Brett wird in die Ringe gelegt, so wird es doch noch eine Schaukel.

Mein kleiner Schatz.

Gemüseschneiden für das Mittagessen unter einem Himmel in Oktoberblau. Es wäre praktischer drinnen zu schnipseln, aber die Sonne scheint so schön warm, dass ich nicht ins Haus gehen möchte. Zum Schnipseln habe ich mir ein Gläschen Wein eingeschenkt, der aber nicht zum Oktoberrausch führt.

Ich schneide Gemüse im Garten

Diesen absolut perfekten Fliegenpilz in oktobrisch rot entdeckt die große Tochter und fotografiert ihn auch.

„Guck mal, Mama, ein Mama-Fliegenpilz mit Baby!“ – Die müssen natürlich auch fotografiert werden. Heute: eine Oktoberflut an Pilz-Bildern.

Mehr Spaß an der „Schaukel“ am Nachmittag.

Kind auf dem Boden mit Fuessen in den Schaukelringen

Und, halleluja, noch ein Steinpilz. Ich hätte ihn vielleicht erst morgen geerntet, aber nun gut, die Tochter konnte nicht abwarten und hat den Pilz herausgedreht.

Wunderschöner braunkappiger Steinpilz in Kinderhand

Jetzt sind die Kinder müde, die Oktoberbrut geht ins Bett.

Wir haben jetzt noch fünf Tage Herbst auf dem Land, mit Besuch und Arbeit, die irgendwie dazwischen gequetscht werden muss. Am Samstag geht es dann zurück nach Berlin und für mich für eine Woche nach Paris. Dort habe ich bezüglich meiner Tätigkeit als Storytelling-Fachfrau zu tun.

Meine Gedanken kreisen zur Zeit viel um das, worauf ich in den nächsten Jahren meinen beruflichen Fokus legen möchte. Ich habe da verschiedene Optionen, und es fällt mir nicht leicht, eine Entscheidung zu treffen. Eventuell wird die Paris-Reise mehr Klarheit bringen. Ich bin gespannt. Das Leben bleibt spannend, und so soll es ja sein.

Unter diesem Link findet Ihr gesammelt viele weitere Wochenenden in Bildern von anderen Familien.

Habt eine gute Woche, mein lieben Leser*innen. Ich wünsche Euch eine Woche mit etwas Neuem, etwas Besonderem und etwas Liebem, mit viel Lächeln und guten Gedanken. Und mit Oktoberlicht und guter Oktobersaat.

Das wünscht Euch

Eure Maike

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Maike, vielen herzlichen Dank für deine sehr hilfreiche und ausführliche Antwort! Ja, sich Zeit nehmen und ganz da zu sein für das Kind – das wünscht sich wahrscheinlich auch das Kind selbst (unbewusst) in dem Moment am meisten. Deine Zeitangabe hat mir besonders geholfen. Oft denke/hoffe ich, dass alles schneller gehen sollte…. Wie schön, dass ihr mit Zeit-nehmen nach dem Zorn ein so wunderbar klärendes, offenes Gespräch haben konntet! Lieben Dank nochmal und alles Gute für euch!

  2. Liebe Maike,
    vielen herzlichen Dank für all deine wunderbaren Inspirationen und das „Augen-öffnen“ für die Schönheit der Natur um uns herum! Ich würde sehr gerne wissen, wie du es schaffst, dein zorniges Kind zu begleiten und ins „Oktoberweh“ zu führen. Sei lieb gegrüßt und hab eine schöne Reise! Veronika
    P.S.: Ich vermisse deinen HansNaturBlog…. – aber es gibt ja zum Glück zumindest ein Archiv 🙂

    • Liebe Veronika. danke Dir für Deine lieben Worte. Ich begleite mein zorniges Kind, indem ich einfach da bin und gar nicht viel sage. Wenn, dann spiegele ich, was ich sehe/wahrnehme „Du bist ja ganz wütend“ oder „Auwei, Du bist ja ganz traurig“. Das dauert manchmal Zeit (Zeit, die man manchmal aushalten muss, und das kann dauern! Dabei hilft es, sich zu sagen: „Gefühle dürfen da sein, wenn sie begleitet werden!“) Denn: Es geht nicht darum, etwas zu beenden, sondern darum, ein Gefühl zu begleiten. Das kann ein gutes Mantra für uns Eltern sein. Dabei sein ist alles, da sein, und akzeptieren, was ist. Ich streichle das Kind dann, wenn es das zulässt, aber manchmal dauert das, bis das Kind das will. Da muss man fein auf die Reaktionen des Kindes achten.
      Bei uns hat es heute fast eine Stunde gedauert, bs das Kind damit herausrückte, was es wirklich bedrückte. Denn oft weiß das Kind zu Beginn des Zorns gar nicht selbst, was los ist! Da hilft einfach nur Zeit, und die muss man sich dann eben nehmen, wenn es einem wichtig ist…. Aber es ist so wahnsinnig wertvoll, wenn nach dem Wüten die Sanftheit, die Sensibilität, die Trauer komm und dadurch herauskommt was eigentlich wirklich los ist. Mein Kind z.B. heute: „Ich wünsche mir, dass wir beiden Zeit miteinander verbringen…. ich möchte nicht, dass Du nach Paris fährst, da werde ich Dich so vermissen!“ Aber wenn man sich Zeit nimmt, kann man dann damit umgehen und es anerkennen, wahrnehmen, darauf reagieren.
      Hans Natur geht vielleicht weiter, vielleicht nicht… dort ist einiges im Umbruch.
      Liebe Grüße, ich hoffe, ich konnte ein bisschen helfen!

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