Feine Damen, Plätzchen und Basteleien: Unser Wochenende in Bildern 24./25. November 2018

Wir waren dieses Wochenende wieder zu Hause in Berlin und haben es uns ganz novemberlich gemütlich gemacht. Wir haben gebastelt, gebacken und gespielt und draußen die feuchtgraue, absterbende November-Atmosphäre gespürt.

Samstag, der 24. November 2018

Ich war am Vorabend bei einer Game Release Party meiner ehemaligen Firma (Produktionsfirma für Computerspiele) eingeladen und habe bis um halb zwei Uhr nachts mit einem Bekannten eine ziemlich irre Geschäftsidee entworfen. Ich möchte ja eigentlich nicht zurück in die Interaktiv-Branche, aber die Idee basiert auf meiner Storytelling-Theorie und elektrisiert mich darum. Als ich um 8 Uhr früh noch etwas verschlafen in die Küche torkele, um den Kindern Pfannkuchen zu backen, denke ich noch ein wenig an der Idee weiter und möchte mich am liebsten sofort hinsetzen und alles aufschreiben und strukturieren. Aber jetzt ist Wochenende und die Kinder haben Hunger. Und die ersten Termine stehen an: Bevor wir zur Geigen-Gruppenstunde der kleinen Tochter gehen, übt sie noch ein wenig die rudimentäre Begleitung von „Jingle Bells“, was in drei Wochen beim Adventskonzert von der ganzen Geigenklasse aufgeführt wird.

Die Melodie von „Jingle Bells“ erinnert die Tochter an das Smartphone-Spiel „Schlaf gut“, das sie letztens zum ersten Mal gespielt hat, denn es gibt dort einen Schneemann, der „Jingle Bells“ singt, wenn man ihn anklickt. Das muss sie jetzt unbedingt der großen Schwester zeigen (die das Spiel schon kennt, aber der kleinen Schwester zuliebe mitmacht).

Unsere Kinder spielen ja so gut wie nie Smartphone-bzw. Computer-Spiele; ich glaube, sie kennen ungefähr drei, nämlich dieses, dieses und dieses (das oben genannte). Das sind super harmlose Anwendungen, die auch schon Dreijährige spielen können, die unsere Kinder aber auch noch mögen – und nur alle Jubeljahre mal spielen, etwa, wenn wir in einem „Erwachsenen-Restaurant“ länger warten müssen. Denn kleine Kinder brauchen meiner Auffassung nach keine frühzeitige Berührung mit digitalen Medien und Spielen, um später medienkompetent zu sein. Ich bin dafür das beste Beispiel: Ich habe das erste Mal mit 19 Jahren auf einem Computer geschrieben, aber dann preisgekrönte Computerspiele mitentwickelt. Hier gilt ganz sicher: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans aber doch noch.

Das zauberhafte Spiel „Schlaf gut“, das meine Töchter hier spielen, wurde u.a. von meiner Freundin und früheren Kollegin Grit Schuster entwickelt. Die Aufgabe der Spieler ist es, bei verschiedenen Bauernhof-Tieren abends das Licht auszumachen. Man kann die Tiere jeweils anklicken, dann machen sie etwas Kleines, z.B. steckt das Huhn den Kopf ins Heu, die Fische blubbern usw. Die Illustrationen sind liebevoll, hochwertig und schön, und der Sprecher der Textpassagen ist Dieter Moor. Das alles zieht sogar mich noch rein. Es ist wirklich liebevoll gemacht.

Beide Kinder sind dieses Wochenende zu Geburtstagsfeiern eingeladen. Beide malen Glückwunschkarten für die Geburtstagskinder und packen die Geschenke ein.

Die große Tochter geht zu ihrer ersten großen Übernachtungsparty. Das Geburtstagskind, ein Nachbarsmädchen, ist etwas älter, und deswegen sind bei der Party nur Mädels, die zwei Jahre älter sind als unsere Tochter. Es steht ein Besuch des Jump-Houses an, was eine riesige Halle mit verschiedenen Trampolinen und Bälle-Bädern ist. Das Nonplusultra für die Tochter. Auch das Übernachten mit den älteren Mädchen ist natürlich eine total coole Aussicht. Entsprechend aufgeregt ist sie, als mein Mann und sie mit Schlaf-Sack und Pack aufbrechen.

Die kleine Tochter wiederum freut sich, Mama und Papa bis morgen exklusiv für sich zu haben. Ich wollte ja gern mit ihr zu einem Kindergarten-Adventsbazar gehen, aber die Tochter hat keine Lust. Sie will die Mama-Zeit zu Hause genießen. Zuerst fahren wir mit den Rädern in den Park. Auf dem Weg zum Park kommen wir am „Platanenplatz“ vorbei. Hier haben die Platanen nun alle Blätter abgeworfen. Die Bank auf dem Blätterteppich sieht aus wie aus einem romantisch-melancholischen französischen Liebesfilm entsprungen.

Im Park gibt es noch bunte Blätter. Seufz, dieses Jahr haben wir so viele Herbstblätter gepresst, dass wir gar nicht wissen, was wir noch damit anfangen sollen. Aber klar, was mit muss, muss mit.

Es gibt unzählige Zapfen, aber die kleine Tochter braucht mich anderweitig, so dass ich versäume, welche zu sammeln.

Wieder zu Hause angekommen, ist es schon stockdunkel. Ja, die dunkle Jahreszeit ist spürbar da. Mich stört das dieses Jahr gar nicht, denn der Sommer und der Herbst waren so groß, lang und sonnig, dass ich das Kühle, Dunkle, Feuchte jetzt großherzig begrüßen und schätzen kann. Ich freue mich auf mehr Innenleben (im wortwörtlichen und übertragenen Sinne) und finde es sehr gemütlich in unserer Küche mit dem warmen Licht, den Kerzen und der St. Martins-Dekoration. Wir holen die Tasche mit den Walnüssen hervor, die wir von der Nachbarin auf dem Land bekommen haben. Die Nüsse werden vorsichtig geknackt, denn ich möchte ein paar Nussschalen mit Niedlichkeiten für die Adventskalender füllen. Ich möchte winzige Puppenbabys machen, außerdem gefilzte Eulen oder Mini-Meerschweinchen — mal sehen, was es schließlich wird.

Die kleine Tochter knackt und knabbert eifrig mit.

„Mama, du wärest eine feine Dame, ja? Und ich wäre Luise, Deine Tochter, ja?“ Die kleine Tochter inszeniert mit Feuereifer ein Spiel für uns beide. Wir sind beide „feine Damen“; ich werde „Elisabeth“ getauft und mein Mann „André“. Erst müssen wir uns gegenseitig schminken, dann müssen wir uns Schmuck anlegen und feine Kleider und Schuhe anziehen, die die Tochter heraussucht. Dann gehen wir auf einen „Ball“ in unserem Wohnzimmer und tanzen zu Bach-Menuetten. Die Tochter ist total glückselig über unser Spiel, sie ist voll in ihrem Element und genießt es wahnsinnig. Und ich auch. Die Tochter ist so wahnsinnig süß, und ganz besonders in diesem Spiel. Hach.

Als wir müde getanzt sind, schauen und hören wir der jungen Geigerin Julia Fischer zu, wie sie die „Vier Jahreszeiten“ spielt. Das Tolle an der Aufnahme für die Tochter: Julia Fischer hat für jede Jahreszeit ein anderes tolles Kleid an. Aaaargh, und wir haben versucht, unsere Töchter genderneutral zu erziehen. Manchmal denke ich wirklich, ein Großteil dieses Geschlechterdingens ist angeboren. Ich jedenfalls will aus dem „feinen Kleid“ und den Schuhen so schnell wie möglich wieder raus.

Als die „feine Dame Elisabeth“ trage ich natürlich ein rosa Glitzer-Diadem, eine Perlenkette, Stöckelschuhe und ein pinkes Kleid.

Sonntag, der 25. November 2018

Der erste Gang morgens führt mich ja immer nach draußen. Es novembert sichtlich, obwohl hier noch einiges grün ist.

Die Elstern kraken in den Espen gegenüber vom Haus. Der Anblick passt zum Totensonntag.

Viele Elstern sind jetzt unterwegs, sicht- und hörbar. So muss es sein, heute und zu dieser Jahreszeit.

Schnell wieder rein und Gemütlichkeit erzeugen.

Und die Meisen beobachten, die sich an unserer Futterstelle vor dem Küchenfenster gütlich tun. Ich liebe unsere heimischen Vögel und freue mich wirklich zu sehen, wie sie sich an den Körnern bedienen.

Nach dem Frühstück, das die kleine Tochter als „Luise“ mit Perlenkette ihrer feinen Mama Elisabeth kredenzt, backen wir Spitzbuben. Das habe ich seit Jahren vor, aber erst seit kurzem haben wir diese besonderen Ausstech-Formen, die man dafür braucht. Die kleine Tochter ist fasziniert von dem tollen Mechanismus der Ausstecher.

Puderzucker über die oberen Hälften.

Und dann immer zwei Teile mit Marmelade zusammen kleben.

Dann basteln wir in einer Gemeinschafts-Aktion einen großen Kerzenständer aus einem Birkenast, Moos und Efeu. Wir mussten ja im Frühjahr die große, alte Birke auf unserem Grundstück auf dem Land fällen, weil erstens ihre Wurzelfäden immer das Abwasserrohr verstopften, sie aber zweitens schon alt war und eventuell beim nächsten Sturm aufs Hausdach gekracht wäre. Von dieser Birke stammt das Aststück.

Die kleine Tochter geht mit dem Nachbarskind draußen spielen. An einem der Spielplätze im Wohnareal wurde kürzlich diese Baby-Schaukel angebracht, die die beiden nun erstmalig und ausgiebig beschaukeln, obwohl sie schon lange keine Babys mehr sind.

Dieser Baum am Spielplatz trägt wundervolle rote Beeren. Ich liebe den Baum, besonders um diese Jahreszeit.

Die große Tochter kommt beglückt und beseelt vom Kindergeburtstag wieder. Sie hat ja seit diesem Wochenende ein Faible für optische Täuschungen. Mein Mann gibt ihr jetzt das Buch „Das magische Auge“, und sie entdeckt fasziniert die 3D-Bilder hinter den Mustern, wenn sie das Buch langsam vom Auge wegbewegt. Sie ist fast eine Stunde mit den Bildern beschäftigt und kann gar nicht fassen, „wie cool das ist“, dass hinter den Mustern ein Raum liegt, in den man wie durch eine glatte Glasscheibe blicken kann.

Der Nachmittag vergeht ruhig und gemütlich zu Hause. Die kleine Tochter geht aufgeregt zur Geburtstagsfeier ihrer Kusine; wir Daheimgebliebenen planen ein bisschen für den Advent. Dieses Blätter-Mobile nehmen wir ab; hier soll nächste Woche  etwas Adventliches entstehen.

Der neue Birken-Kerzenständer ist ja schonmal ein Anfang. Nächste Woche bekommt er adventlichen Vasenschmuck zur Seite, jetzt ist hier noch kräftig herbstlicher Blumenschmuck zu sehen, der mit seinem Rot und Grün aber schon auf den Advent hindeutet.

Mit diesem Puppenkopf komme ich auch ein Stück weiter. Ich freue mich darauf, ihn morgen bei Tageslicht fertig zu gestalten. Das wird ein 30 cm kleines, festes Puppenmädchen mit einem Strickkleid und Schuhen. Kein Berliner Gör, sondern ein eher nostalgisch-romantisches Puppenkind.

Am frühen Abend gehen wir Pizza essen ins Lokal ums Eck. Was heißt „essen“; bei der Essens-Bestellung stellt sich heraus, dass die Küche es nicht schafft, unser Essen rechtzeitig fertig zu haben, bis mein Mann losmuss, um die kleine Tochter abzuholen. Also trinken wir unsere Getränke aus und bestellen fabelhafte Pizza bei Clärchens Ballhaus nach Hause. Die ist bewährt, äußerst lecker und ist binnen 20 Minuten nach Bestellung bei uns.

Die kleine Tochter kommt genau so aufgeregt nach Hause wie die große Tochter heute morgen. Beide erzählen uns und einander von den Geburtstagspartys. Die Pizza macht dann beide Kinder so richtig müde. Es ist 19 Uhr, und beide schaffen es kaum noch, ihre Schlafanzüge anzuziehen und die Zähne zu putzen. Gerade bringt der Papa die Mädchen zu Bett.

Und morgen beginnt eine wunderbare Arbeitswoche für mich, auf die ich mich sehr freue. Nach einer Woche mit fast durchgehend beiden Kindern zu Hause (die Große krank, die andere mit Schnupfen, aber der Kindergarten hatte darum gebeten, auch Schnupfenkinder zu Hause zu lassen) freue ich mich wieder auf Autonomie und konzentriertes Arbeiten in meinem eigenen Rhythmus. Nächstes Wochenende ist ja schon der erste Advent, außerdem Adventsbazar in der Schule und eine Veranstaltung im Kindergarten. Für all das, und natürlich für unsere eigenen Vorbereitungen zu Hause, ist auch einiges zu tun. Ich genieße all die Vorbereitungen dieses Jahr sehr, denn wir haben schon fast alle Weihnachtsgeschenke und auch fast alle Geschenklein für die Adventskalender beisammen (Link 1 führt zu meiner Liste mit 40 Geschenkideen für kitsch- und ramschfreie Adventskalender, Link 2 führt zur Bastelanleitung für den wiederbenutzbaren Adventskalender im schlichten Waldorf-Stil, den wir letztes Jahr gemacht haben).

Ich grüße alle geneigten Leser novemberlich und freue mich wie immer über Kommentare. Ich hoffe, Ihr hattet alle auch ein gemütliches Spätherbst-Wochenende!

Viele weitere Wochenenden in Bildern finden sich hier, bei dem Familienblog „Geborgen Wachsen“.

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