Wilde Rosen und schräge Vögel: Unser Wochenende in Bildern 09.-13. Mai 2018

Es war ein wundervolles langes Himmelfahrts-Wochenende. Von Mittwoch Abend an waren wir auf dem Land, am Samstag mussten wir wegen Terminen und Arbeit in die Stadt zurück. Beides war sehr schön und das Wetter einfach toll, frühlingshaft süß und warm.

Unsere Wildrosenhecke vor dem Haus auf dem Land blüht auf. Das erleben wir dieses Jahr zum ersten Mal.

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Am Himmelfahrts-Tag gibt es ein Draußen-Frühstück vor dem Fliederbusch. Es duftet und die Vögel zwitschern. Der Mann legt keinen Wert auf den „Herrentag“, jedenfalls verabredet er sich (Gott sei Dank) nicht mit irgendwelchen Kumpels zum Saufen. Er freut sich, mit uns zusammen auf dem Land zu sein und das Frühlingswetter zu genießen. Ich freue mich sehr darüber.

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Ich nutze das schöne Wetter und restauriere draußen den Esszimmer-Tisch. Darauf habe ich mich den ganzen Winter gefreut. Platten und Gestell („Zarge“) werden abgeschliffen, die gedrechselten Beine schleife ich händisch mit geknicktem Schleifpapier. Die Tischplatte wird schließlich warmgrau lasiert und mit Bienenwachs versiegelt. Die Zarge wird nächstes Wochenende weiß lackiert, denn alle Reste der vormaligen Lackierung bekomme ich nicht ab. Den Tisch haben wir letzten Sommer für wenig Geld auf ebay Kleinanzeigen gefunden.

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Am gewittrigen Himmelfahrt-Abend gibt es einen Regenbogen über dem Haus. Das Gewitter wirft eine zaubrisch-unheimliche Stimmung über das Land. Wir gehen alle nach draußen und bestaunen Blitz und Donner, bevor es anfängt zu regnen. Leider regnet es nicht sehr stark, ein schöner Regenguss hätte mich wegen der frisch gesetzten Pflanzen gefreut.

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Waldspaziergang am Freitag: Wir sammeln die Schößlinge (junge Triebe) von Fichten, um daraus Fichtenschößle-Honig zu kochen.

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Wir backen wieder die leckeren Zimtknoten von feiertäglich – das mit Abstand beste Zimtschnecken-Rezept, das ich kenne.

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Am Freitag Abend bringt uns der Nachbar eine Schubkarre mit Pferdeäpfeln. Ich pflanze mit diesem besten Dünger der Welt Tomaten im Gewächshaus, damit wir im Sommer wieder schön was zu ernten haben. Die Tomaten im letzten Jahr hatte noch die Vorbesitzerin für uns gepflanzt. Das war so lieb, ich denke mit Rührung daran zurück und hoffe, dass ich es mit dem Schnitt der Pflanzen genau so gut hinbekomme.

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Wir spielen Verstecken mit einem Trinkflaschen-Deckel. Beim ersten Mal habe ich eine Belohnung versprochen, weil der Deckel wirklich weg war, danach wollen sie den Deckel immer wieder versteckt haben. Ich bin etwas baff; ich hatte ganz vergessen, wie gerne Kinder suchen. Unsere zumindest.

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Am Samstag Mittag fahren wir zurück nach Berlin. Nachmittags habe ich eine Fahrstunde und bin verzweifelt, weil ich noch so viele Fehler mache und bald die praktische Prüfung ansteht, die sich leider nicht verschieben lässt. Am Abend gehe ich zur Geburtstagsparty eines Freundes im östlichen Friedrichshain und fahre mit dem Fahrrad die ganze Strecke, immer geradeaus. Die Straße wechselt mehrfach den Namen, sie wird von der Bernauer zur Eberswalder Straße, dann zur Danziger, Petersburger und schließlich zur Warschauer Straße. Mit vielen Orten an dieser Strecke verbinde ich Geschichten und deswegen ist die Radfahrt eine Zeitreise für mich zu verschiedenen Etappen meines Lebens. Ich bin diese Strecke früher oft mit meinem alten Diamant-Fahrrad gefahren, das ich über die „Zweite Hand“ 1996 für lau bei einem älteren Ehepaar in Weißensee abholen durfte und das 1999 leider gestohlen wurde. Mit dem Rad bin ich hier entlang immer mit der Straßenbahn 20 um die Wette gefahren – und immer war ich schneller als die Bahn. Die Straßenbahn heißt jetzt Tram M10, tja, so verändert sich alles. Die Hornbach-Werbung an der Warschauer Brücke bestätigt das („Hier verändert sich alles.“) und fragt darunter: „Und bei Dir?“ Darauf antworte ich mir innerlich: Ja, auch bei mir, und ich hoffe, dass die Veränderung bleibt, bis ich alt und gebrechlich bin. Denn was ist das Leben sonst, als Veränderung und Aufruf zur Entwicklung? Jeden Tag bekommen wir hundert Chancen, unserem Leben eine andere Richtung zu geben, unser Leben zu dem zu machen, das zu uns passt und uns in der richtigen Weise herausfordert. Ich versuche, die Chancen wahrzunehmen und sie zu ergreifen. Auch wenn es manchmal bedeutet, den schwereren Weg zu nehmen, oder die Komfortzone zu verlassen, oder etwas Unangenehmes zu ertragen. Nur so kann Entwicklung stattfinden.

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Eine Party ist ein seltenes Vergnügen für mich, und ich koste es aus. Ich treffe alte Freunde und Kollegen wieder und habe schräge, witzige und gute Gespräche mit Bekannten und Unbekannten. So soll es sein. Ich bin erst weit nach Mitternacht zu Hause. Diesen Schnappschuss macht mein alter Freund Uli von mir. Ich bin ja nicht der Selfie-Typ, aber manchmal ist es doch nett, ein Bild von sich selbst zu haben.

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Am Sonntag fahren der Mann und die Kinder zu den Großeltern in den Spreewald. Bevor sie losfahren, bringen sie mir Muttertagsgaben ans Bett, die sie in Schule und Kindergarten gebastelt haben – eine bestickte Glückwunschkarte und ein selbst verziertes Plätzchen-Herz. Aber so wie der Mann wenig Wert auf den Herrentag legt, so lege ich wenig Wert auf den Muttertag. Da er von den Nationalsozialisten ins Leben gerufen wurde, hat er für mich einen unangenehmen Beigeschmack von „Kinderaufzucht fürs Vaterland“ und repräsentiert ein altmodisches Rollenmodell. Ich bekomme von meinem Mann immer etwas Schönes zum Internationalen Frauentag am 8. März. Dieses Datum gefällt mir persönlich besser als Danke-Tag für Arbeit und Familieneinsatz.

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Aber ich habe einen ganzen Tag für mich. Zum ersten Mal seit vielen Jahren schlafe ich bis 10 Uhr aus – sonst ist 8 Uhr immer das höchste der Gefühle.

Zuerst gehe ich mit dem Hund zum Bioladen am Mauerpark, um Brot zu kaufen. Park und Flohmarkt quellen schon über vor Leuten und Musikern aller Couleur. Ein Trost, dass es hier in der Gegend wenigstens sonntags noch Berliner Schrägheit, Leben und Musik gibt; ansonsten ist es ja in Prenzlauer Berg spießig geworden. Gut, sicher immer noch weniger spießig als im größten Teil Deutschlands.

Seltsames Gefühl: Mit dem Hund an der Leine und ohne Kinder und Mann werde ich von den Passanten als „Single-Frau mit Hund“ wahrgenommen. Das ist ein interessantes Erlebnis. Das zu spüren macht mir bewusst, wie leicht man sich ein falsches Bild von anderen Menschen macht, nur aufgrund von ein, zwei Details.

Ich genieße es, nach Lust und Laune bei einigen Musikern stehen zu bleiben und ihnen zuzuhören, z.B. bei Lisaholic, die immer erst live mit ihrer Stimme Laute („Vocal Loops“) sampelt und mit diesen ein rhythmisch-klangliches Grundgerüst schafft, zu dem sie dann später singt bzw. rappt. Man bekommt also live mit, wie sie den Song aufbaut. Eigentlich cool, aber die Inhalte der Songs gefallen mir nicht: es geht um Medikamente und ihre Wirkstoffe und darum, wie man, da man ja über das Leben nur gefrustet sein kann, den Tag am besten übersteht (nämlich mit Medikamenten…). Keine so tolle Botschaft für die vielen Kinder und Jugendlichen, die zuhören, da hilft es auch nicht, dass sie hinterher schiebt, man könne ja auch eine Therapie machen.

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Bei diesem Mann frage ich mich amüsiert, ob ich mir eventuell ein falsches Bild von ihm mache, wenn ich annehme, dass er ein total schräger Vogel ist. Vielleicht ist er ja ein braver Familienvater, der nur sonntags in die Rolle von „Theloneous Armadillo“ mit dem gehäkelten Irokesenkamm schlüpft, der mit einem selbst gebauten Plastikröhren-Instrument seltsame Pustelaute erzeugt? Ähm, nee. Ich glaube nicht… Herr Armadillo ist ein schräger Vogel.

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Zu Hause kommt eine Familie vorbei, um sich die Puppen anzusehen, die ich vorrätig habe, weil sie eine Puppe für ihre Tochter suchen. Wahrscheinlich nehmen sie die süße Lily, aber mit der Kleidung von Peterchen 🙂

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Am Nachmittag bin ich noch zu einem interessanten Gespräch für meine Tätigkeit als Autorin verabredet. Ich treffe mich mit der für mich wichtigen Person im Prater in der Kastanienallee. Auf dem Weg dorthin komme ich durch die Oderberger Straße, deren Bäume alle rosa Blüten tragen. Es ist wirklich „Zauberschön“ heute und ganz besonders in der Oderberger Straße.

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Zu Hause werde ich stürmisch von den Kindern begrüßt, die auch wieder da sind. Wir lesen noch lange vor, gehen nochmal mit dem Hund spazieren und dann früh ins Bett. Denn morgen ist wieder Schule, Kindergarten und Arbeit angesagt. Die Woche wird anstrengend; ich habe viel zu tun. Neben der täglichen Arbeit muss ich mich unter anderem um die Vorbereitungen für das Waldorfpuppen-Seminar in den Niederlanden Ende Mai kümmern. Darauf freue ich mich schon sehr.

Weitere Wochenenden in Bildern finden sich bei Susanne von Geborgen Wachsen hier.

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