Auch bei uns Advent: Unser Wochenende in Bildern 01./02. Dezember 2018

Das erste Adventswochenende waren wir zu Hause in Berlin, mit einem kranken Kind, Adventsbazar an der Schule und musikalischen Terminen. Aber auch viel Kuschelzeit zu Hause. Und so einigen Tränen.

Samstag, der 1. Dezember 2018

Auch bei uns waren die Kindern total aufgeregt und konnten gestern kaum einschlafen. Wir haben am Freitag das ganze Erdgeschoss adventlich geschmückt, mit Adventskranz, unserem interaktiven Adventskalender, der auf der zweieinhalb Meter langen Fensterbank eingerichtet wurde, und mit Blumen, Zweigen und Kerzen aller Art.

In der Küche stehen Papierlaternen und Blumen

Direkt nach dem Aufstehen rennen die Kinder zum Adventskalender und schauen im ersten Säckchen nach. Heute gibt es eine kleine Schatzsuche durchs Haus, die zu unserem geliebten Advents-Vorlesebuch „Schnüpperle“ führt. Das Buch ist auf dem Klavier versteckt. Auf dem Buch liegen noch zwei Marzipan-Herzen für die Sucherinnen. Natürlich lesen wir bei Kerzenschein gleich den Text zum 1. Dezember aus dem Buch vor.

Unser wiederverwendbarer Adventskalender

In unserem Haus herrscht ja eine (massen-)konsumkritische Einstellung, ganz besonders betreffs Adventskalendern. Wir haben letztes Jahr diesen nachhaltigen Adventskalender selbst gebastelt (Link führt zur Anleitung); der wird natürlich auch dieses Jahr wieder verwendet. Was die Geschenke betrifft, denken wir, dass Kinder eigentlich nicht 24 Tage hintereinander Geschenke bzw. Süßigkeiten brauchen, um sich auf Weihnachten zu freuen. Deswegen wechseln sich in unserem Adventskalender kleine Schatzsuchen zu Weihnachts-Büchern, Gutscheine für gemeinsame Aktivitäten (Weihnachtsmarkt, Spiele-Nachmittag, Plätzchenbacken, Baden mit Vorlesen, Filmnachmittag mit Popcorn-Machen…) mit einfachen, kleinen Geschenken ab. Von den Geschenken sind einige selbst gemacht, andere gebraucht im Oxfam-Laden zum guten Zweck, oder auf Waldorf-Bazaren erworben. Denn wir wollen keinesfalls Ramsch-Müll aus Billigläden unterstützen und Sachen schenken, die nach kurzer Zeit in der Kinderzimmer-Ecke herumliegen, weil doof, Plastik oder kaputt. Und Süßigkeiten bekommen Kinder ja heutzutage ohnehin viel zu viele, besonders im Advent mit all den Feiern. Deswegen halten wir uns damit im Adventskalender weitgehend zurück. Manche Geschenke brauchen die Kinder ohnehin, z.B. bekommt die große Tochter um Nikolaus einen Füller und ein andermal Stifte, die sie noch vor Weihnachten für die Schule braucht, die kleine Tochter bekommt einen schönen Malblock. So hält sich die vorweihnachtliche Konsumschlacht bei uns in Grenzen. Die Kinder mögen sowieso am liebsten die Schatzsuchen, wie sie gestern verraten haben. Hier übrigens meine Liste mit 40 Geschenkideen für den Adventskalender ohne Wegwerfartikel.

Zeichnen bei Kerzenlicht

Die große Tochter zeichnet und strickt an einer Mütze, die der Papa am Freitag zum Geburtstag bekommen soll. Wir stricken die Mütze gemeinsam, und ich bin erstaunt, wie ordentlich und vor allem, wie fest die Tochter strickt.

Mein Mann und die kleine Tochter, die ein bisschen kränkelt, aber nicht so wirkt, gehen zur Geigen-Gruppenstunde, weil das eine wichtige Probe für das Adventskonzert ist. Die große Tochter strickt in der Küche weiter, wo ich Brötchen für den Bazar an der Schule backe und außerdem einen Sauerteig selbst aus frisch gemahlenem Roggenmehl, Wasser und Buttermilch ansetze. Ich habe das schon mehrmals probiert, aber es ist nie so richtig gelungen. ich bin gespannt, ob das dieses mal klappt. Der Teig muss jetzt 3 Tage bei warmer Temperatur stehen und gären bzw. sauer werden.

Selbst angesetzter Roggen-Sauerteig

Mit der großen Tochter gehe ich zum Schulbazar, wo ich einen kleinen Auftritt mit der Singgruppe habe und wir mit der Klasse etwas Schönes organisieren. Die kleine, etwas kranke Tochter muss zu Hause bleiben, womit sie gar nicht einverstanden ist. „Dafür bringe ich Dir etwas Schönes mit“, verspreche ich ihr. „Hast Du einen besonderen Wunsch?“ „Ja,“ sagt die kleine Tochter, „ich hätte gern einen gestrickten Wichtel.“ Okay.

Wie immer werden die schönsten Dinge auf dem Bazar feilgeboten, z.B. diese schönen Filztiere unserer ehemaligen Hörtnerin. Aber leider finde ich auf keinem Stand einen gestrickten Zwerg. Dafür finde ich ein süßes Puppenkleid für die Lieblingspuppe der Tochter und ich bin sicher, dass sie sich darüber freut.

Schönes Holzspielzeug und allerlei Wolliges…

Viele Zwerge, aber keiner ist gestrickt.

Unsere Klasse bietet dieses Jahr Kerzenverzieren an. Mit anderen Eltern betreue ich zwei Stunden lang die Aktion im Handarbeitsraum. Wir Eltern machen dabei so gut wie gar nichts, weil zwei Klassenkameraden der Tochter alles allein managen. Der eine wendet Verkaufs- und Beratungsstrategien an, als sei er gelernter Kaufmann.

Zwei Drittklässler haben alles im Griff

Die Tochter ist mit ihrer besten Freundin auf dem Bazar unterwegs. Sie kaufen sich Kleinigkeiten vom Taschengeld, sitzen eine Weile im Märchenzelt und lauschen dort den vorgelesenen Märchen, essen und trinken etwas im orientalischen Café und verzieren am Schluss noch Kerzen, für sich und die Großeltern.

Zu Hause merken wir dann, dass das alles ganz schön anstrengend war. Diesen Stern habe ich beim Stand des Hortes gekauft, den hat nämlich meine Tochter gebastelt. Er passt perfekt zu unserem Zweig mit den roten Beeren. Die kleine Tochter freut sich sehr über das Puppenkleid; nach dem gestrickten Zwerg fragt sie gar nicht. Doch das ist nicht das Ende der Geschichte…

Sonntag, der 2. Dezember 2018

Heute sind zwei gehäkelte Schneckenbänder im Adventskalender. Die Kinde freuen sich total, und ich bin froh, dass sie sich an einem Schneckenband so freuen können. Die Bänder werden gleich ausprobiert. Die große Tochter macht damit z.B. Seilhüpfen, misst die Länge mit einem Zollstock und bindet einen Korb daran fest, den sie dann über die Tür hängt und als Aufzug benutzt. Schneckenbänder sind eins der besten Spielzeuge, finde ich. Sie werden bei uns ständig gebraucht, wirklich in tausend Situationen.

Dann gibt es eine halbe Stunde lang Missstimmung. Die große Tochter hat sich gestern vom Taschengeld auf dem Bazar einen Kettenanhänger mit einem Rosenquarz gekauft. Die kleine Tochter ist untröstlich, nicht auch eine solche Kette bekommen zu haben. Sie weint herzzerreißend. „Und nicht mal einen gestrickten Zwerg habt Ihr mir mitgebracht….“ weint sie. „Den hatte ich mir so gewünscht!“ Und weint noch mehr. Wir wissen genau, dass sie Hunger hat und deswegen so empfindlich reagiert, denn seit dem frühen Morgenmüsli ist schon viel Zeit vergangen. Aber sie weigert sich, etwas zu essen anzunehmen, und weint und weint und weint. Ich bleibe bei ihr und fange nebenbei an, einen altrosa Zwerg für sie zu stricken. Mit einer Perle am Hals. Die schöne mit Avocadokern handgefärbte Schafschurwolle habe ich von Caro von Naturkinder bei der Aktion „Puppen und Packen“ von Mariengold bekommen.

Die kleine Tochter freut sich sehr über den Zwerg, drückt ihn an sich und nennt ihn Emily. Aber sie weint trotzdem weiter und bekundet, wegen der Kette „wirklich ganz doll traurig“ zu sein. Mein Mann stellt einen Teller Frühstück vor sie hin. Und endlich isst sie, anfangs noch unter Tränen. Danach ist die trübe Stimmung aber wie erwartet wie weggeblasen.

So strahlend wie dieser kleine Blumenstrauß ist die Stimmung nach dem Essen.

Ich mache ein paar Puppenfotos von den beiden Puppen, die gestern final eingekleidet wurden. Dies ist die freche Leni mit dem Unschulds-Outfit.

 

Und das ist Carla, mein cooles Skatergirl. Ich habe ihr gestern den lang geplanten Hoodie genäht, aus einem traumhaften, weichen Sweatshirt-Stoff von Lillestoff. Das Skateboard hat mein Mann extra für die Puppe gemacht.

Mittagessen. Von den Parmesanspänen auf dem Pilz-Carpaccio naschen die Kinder schon vor dem Essen. Dieses Pilz-Carpaccio nach unserem eigenen Rezept essen mein Mann und ich gerade fast täglich, so gut schmeckt es uns. Es ist super einfach zuzubereiten: Pilze (roh, frisch) fein in Scheiben hobeln, Salz darüberstreuen, etwas feinst geschnittene halbe Zwiebelringe darüber, eine Vinaigrette aus Balsamico, Olivenöl und einem Schuss Blaubeersirup darübergeben und dann frischen Parmesan darüberhobeln. Mit frischem Brot eine Köstlichkeit. Heute gibt es dazu Tortellini mit Butter.

Nach der Mittagspause: Adventstee. Unser Adventskranz wird in den nächsten Tagen noch etwas ausgeschmückt. Die Kinder bestehen darauf. Ich finde ihn so schlicht eigentlich sehr schön. Einfach nur Grün und Rot. Die Plätzchen zum Tee haben gestern mein Mann und die kleine Tochter gebacken.

Am späten Nachmittag habe ich noch einen Auftritt mit der Singgruppe beim weihnachtlichen „Mitmach-Markt“ der Kulturmarkthalle im nördlichen Prenzlauer Berg. Hier kann man allerlei basteln. Die große Tochter und ich stellen Wollpuschel her.

Leider gibt es hier auch einen Stand, an dem Ketten und Edelstein-Anhänger verkauft werden. Und leider teuer. Noch bevor die kleine hungrige Tochter in ihre Waffel beißen kann, hat sie die Ketten-Anhänger erblickt und weint wieder Rotz und Wasser, weil wir ihr jetzt keinen Kettenanhänger mit Edelstein kaufen wollen. Wieder weigert sie sich standhaft, zu essen – der Teufelskreis hat sie wieder im Griff. Die Tränen fließen leise, aber stetig. Erst als ich meinen Sing-Auftritt habe, kann mein Mann sie bewegen, endlich ihre Waffel zu essen. Danach ist die Traurigkeit wieder wie weggeblasen.

Die große Tochter schnappt sich meine Kamera und macht dieses Foto von den bunten Schnipseln der Puschel-Bastelei.

Zu Hause gibt es zum Abendessen eine deftige Kohlsuppe und frisches Brot mit Eiersalat, dann gehen die Kinder frühzeitig schlafen.

Ich genieße noch gemütliche Stimmung und den Duft der Bienenwachskerzen auf unserem Birkenast.

Morgen bleibt die kleine Tochter zu Hause, da wird es für mich wieder schwierig mit dem konzentrieren Arbeiten, dabei habe ich ziemlich viel auf der Agenda. Nicht nur Weihnachtspuppen, sondern auch eine Menge zu schreiben. Gut, dass wir schon fast alle Weihnachtsgeschenke beisammen haben und auch die Planung für die Feiertage steht.

Leider feiern wir dieses Jahr Weihnachten nicht auf dem Land, denn unser Haus hat ein Bekannter gemietet, der dort ein Buch schreibt. Ursprünglich wollte er nur drei Wochen im Herbst dort verbringen, aber dann hat er zwei Mal um Verlängerung gebeten. Wir haben wirklich mit uns gehadert, aber dann aus diversen Gründen entschieden, ihn auch Weihnachten und Silvester dort verbringen zu lassen, so sehr uns die zauberhafte Stimmung dort fehlen wird. 🙁

Der Advent wird auf jeden Fall auch hier in Berlin schön. Ich freue mich sehr auf die gemütlichen Morgen, die wir in der Adventszeit immer haben. Wir beleuchten dann nur mit Kerzen, lesen „Schnüpperle“ und andere Weihnachtsgeschichten und singen. Dafür nehmen wir uns jeden Morgen Zeit. Und nachmittags auch gern nochmal, wenn nichts anderes ansteht.

Mehr Wochenenden in Bildern findet Ihr bei Susanne Mierau von Geborgen Wachsen.

Hattet Ihr auch ein schönes Wochenende? Gibt es bei Euch auch solche „Tränen-Teufelskreise“?

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6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ach so! Ich habe mich tatsächlich gewundert, daß so lange kein Landhauswochenende beschrieben wurde. Das fehlt Euch bestimmt sehr oder? Zum Glück habt Ihr es auch zu Hause so schön und stimmungsvoll. Deine Puppen sind unbeschreiblich wunderbar, ebenso der kleine gestrickte Zwerg. Und ich bewundere besonders die Konsequenz um die Kette mit dem Anhänger….
    Liebe Grüße
    Svenja

    • Liebe Svenja, danke Dir!! Wir freuen uns schon wieder sehr auf unsere eigenen Wochenenden auf dem Land. Denn ja, das fehlt uns! Im Mai ist es hoffentlich wieder so weit…. Die Konsequenz mit der Kette war gar nicht wirklich Konsequenz, sondern den Möglichkeiten geschuldet. Wir wollten der kleinen Tochter einfach keine Kette für 30 Euro kaufen 🙂 die dann sowieso nicht ganz die gleiche gewesen wäre, die die große Tochter für 3 Euro auf dem Bazar gekauft hatte… eventuell bekommt die kleine Tochter eine Kette wie die Schwester zu Weihnachten. Ich habe eine Idee, wo ich sie herbekomme. Es ging nicht um Konsequenz, sondern um Möglichkeiten. Und die Trauer darüber, dass wir nicht kaufen konnten, was sie wollte, ist total OK. Das müssen wir dann eben begleiten und aushalten. (und sie auch 🙂

  2. Liebe Maike,
    ich bin gerade über „Geborgen Wachsen“ auf Deinen wundervollen Blog gestoßen. So viele Liebe und Gemütlichkeit strahlen Deine Bilder aus.
    Ich war übrigens auch ganz lange auf der Suche nach einem gestrickten Zwerg – und wurde dann endlich auf einem Waldorfbasar fündig. Heute ist es unser Adventswichtel, der uns jedes Jahr bis Weihnachten begleitet.
    Ich wünsche Euch weiterhin eine zauberhafte Adventszeit.
    Liebe Grüße
    Leni

    • Lieb Leni, tausend Dank, da freue ich mich sehr! Ein gestrickter Zwerg ist sicher ein perfekter Adventswichtel. Übrigens heißt die Puppe, die ich gerade fertig gestellt habe Leni! Meine Tochter hat sie so getauft. Ein schöner Zufall, dass Du gerade jetzt auf meinen Blog stößt. Liebe Grüße an Dich!

  3. Hallo Maike!
    Das Schnüpperle-Weihnachtsbuch wurde meinem Bruder und mir auch jedes Jahr vorgelesen! Und dieses Jahr lese ich es zum ersten Mal mit meinen Kindern. Wird bestimmt auch Tradition hier 🙂
    Eine schöne Adventszeit mit gesunden, satten und zufriedenen Kindern 😉 wünscht
    Anna-Maria

    • Liebe Anna-Maria, hach ja, Schnüpperle! Wir lieben es. Besonders die unübertroffene Geschichte mit der Weihnachtsgans. Da lache ich heute noch Tränen. Habe gestern an Dich gedacht übrigens, aus etwas traurigem Anlass. Im Umfeld ist etwas passiert, was dieses Jahr Freunden von Dir passiert ist :-/

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