Schaffen an allen Enden: Unser Wochenende in Bildern 06./07. April 2019

Noch immer ist unser Haus auf dem Land von einem Bekannten bewohnt, der dort an einem wichtigen persönlichen Projekt arbeitet. Deswegen waren wir auch dieses Wochenende zu Hause in Berlin und haben uns ein wenig nach dem Land gesehnt. Aber auch hier in Berlin konnten wir uns auf herrliche Weise am ausgebrochenen Frühling erfreuen. Für mich war es aber auch ein arbeitsreiches Wochenende. Und ich hatte einen Auftritt mit unserem Projektchor an der Schule der Tochter.

Das Zitat aus der Artikelüberschrift stammt heute aus einem Frühlingsgedicht von Ludwig Uhland. Das muss hier stehen, denn mein Vati hat es mir vor zwei Tagen auswendig vorgesagt, als ich ihn besuchte. Und tatsächlich ist wahr, was in den letzten Zeilen der Strophen steht: „Nun muss sich alles, alles wenden“. Es geht meinem Vater besser, die Therapie hat gut angeschlagen. Halleluja.

Frühlingsglaube (Ludwig Uhland)

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.

So sei es!

Samstag, der 06. August 2019

Morgenrunde im Schlafanzug durch den Garten: Die Vergissmeinnicht strotzen blau vor sich hin.

Die weißen Narzissen auch. Sie stehen da wie stramm aufgestellt.

Eine letzte Hyazinthe ist in ihrem Topf auf dem Terrassentisch aufgeblüht.

Über diese grünen Blättchen freue ich mich besonders. Hier hat eine Himbeere einen unerwarteten Ableger gebildet, der am Rand des Beetes einfach in die Höhe wächst. Ich liebe das unerwartete Treiben der Natur.

Diese zarten rosa Blümlein rühren mich. Sie sind so zart und klein. Und ich freue mich jedes Mal, wenn ich sie ansehe.

Rapunzeln sind auch etwas Tolles. Diese hat die kleine Tochter ausgesucht, als wir vor Wochen zusammen in der Gärtnerei waren. Und sie blüht immer noch und hat viele Geschwister.

Mit dem Fahrrad fahren wir alle in die Schule zum Frühlingsfest. Alle Klassen haben einen Auftritt und zeigen etwas, was sie im Unterricht gemacht haben. Die Klasse meiner Tochter führt ein kleines Theaterstück auf Russisch auf. Denn in der Schule der Tochter lernen die Kinder ab der ersten Klasse Russisch. Und Englisch. Ganz spielerisch, nicht mit Vokabeln lernen und Erklärungen. Sie lernen Spiele, Verse, Sprüche und Lieder mit viel Interaktion, so dass die Bedeutung der Worte sich spielerisch vermittelt.

Nach den Aufführungen singt unser Projektchor drei wunderschöne Stücke: „Adventi enek“ von Kodály Zoltán (1882-1967, der Link führt zu einer okayen Version des Stücks auf YouTube), das eigentlich ein Adventslied ist, aber auch wunderbar in die vorösterliche Zeit passt. Außerdem „Adieu Tristesse“ von Francis Poulenc, das zweite Stück aus einem 7-teiligen Liederzyklus – „Adieu Tristesse“ findet man ab Minute 1:26. Und zuletzt „Ave Maria“ von Rachmaninoff, bei dem mir fast die Luft ausgeht, so lange Bögen muss man singen.

Der Auftritt macht große Freude. Ich liebe es, im Chor zu singen und damit die eigene Stimme in den Dienst eines großen gemeinsamen Klangs zu stellen.

Danach feiert die ganze Schulgemeinschaft ein Frühlingsfest auf dem Hof. Mit Bogenschießen für die Kinder, Verkauf schöner Sachen wie Blumen und Stifte und natürlich viel gutem Essen. Unsere Klasse bietet verschiedene Suppen an. Ich nehme die Tomatensuppe, erfahre dann aber, dass da Parmesan drin war, was ich ja wegen meiner aktuellen Paleo-Ernährungsweise bis Ostern eigentlich nicht darf. Nun ja, die Suppe ist schon im Bauch.

Baum auf dem Schulhof. Der Himmel über Berlin ist blau, wie er nicht blauer sein könnte.

Kind mit Orangensaft-Glas

Die kleine Tochter freut sich über frisch gepressten Orangensaft mit Eiswürfeln der ersten Klasse.

Eine Klasse verkauft schöne Blumen.

Nach einem Fest mit schönen Gesprächen und Begegnungen fahren wir zeitiger als geplant nach Hause, auch, weil die große Tochter völlig erledigt ist. Sie hat nämlich in der Nacht etwas Kurioses gemacht, was noch nie vorher vorgekommen ist: Sie ist um Mitternacht aufgestanden und hat (jedenfalls ihrer Aussage nach) seitdem nicht mehr geschlafen, sondern hat sich angezogen und stundenlang gelesen und gezeichnet. Bis zur Aufstehzeit. Deswegen macht sie jetzt erstmal einen langen Mittagsschlaf, während ich eine Runde Arbeit am Terrassentisch einlege. Die Sonne und auch der Flow, in den ich in diesem herrlichen Frühlingswetter gerate, machen die Arbeit sehr gut erträglich – es macht richtig Freude. Ich arbeite da auch an einer prickelnden Sache.

Der Hund genießt inzwischen seinen Knochen aus der türkischen Metzgerei, wo sie noch selbst Fleisch zerlegen.

Die kleine Tochter spielt den ganzen Nachmittag draußen im Wohnareal. Später wird sie im Garten aktiv und lockert den Rasen mit einer Hacke, weil wir neues Gras aussäen wollen.

Die große Tochter backt nach dem Aufwachen Kekse. Ihre Backfreude hat noch nicht nachgelassen.

Sonntag, der 7. April 2019

Wir lesen heute aus dem grandiosen Buch „Das Land Manglaubteskaum“, das unsere Kinder supertoll finden, das aber ein bisschen anstrengend vorzulesen ist. Hier wird ein kurioses, phantastisches Land vorgestellt, in dem es u.a. einen Bücherberg gibt, der abends Geschichten erzählt, außerdem Ziegelstein- und Schokoladenbäume. Und die Bewohner haben Hufe, damit sie besser auf die vielen Berge klettern können.

Darf ich vorstellen? Dieser Teddy heißt Flora, und er hat mir die Nachtruhe geraubt. Die Tochter hat ihn gestern aus einer Kiste im Keller wieder hervorgeholt und lässt ihn seitdem nicht mehr los. In der Nacht war er auf einmal verschwunden, was dazu führte, dass sie mich drei Mal weckte und sagte, sie könne ohne Flora nicht wieder einschlafen. Einmal weinend, denn sie hatte von Flora geträumt. Aber der Teddy war nicht zu finden, obwohl wir einmal sogar mit Licht nach ihm suchen. Beim dritten Mal findet mein Mann den Teddy unter dem Vorhang ein ganzes Stück neben dem Bett.

Jedenfalls darf Flora heute Morgen die Magnolien- und Kastanienzweige beklettern. Und die kleine Tochter bittet mich, ein Foto von Flora zu machen, denn das sei doch soooo süß. Eine halbe Stunde lang tüddelt sie mit Flora an den Zweigen herum. Das ganze Getue um Flora und die „Weinerlichkeit“ in der Nacht haben sicher damit zu tun, dass die kleine Tochter seit gestern Abend ihren ersten Wackelzahn hat. „Wackeln die Zähne, wackelt die Seele“, sagt man ja so schön. Auf ihren Wackelzahn ist sie so stolz.

Ich habe um 11 ein wichtiges Projekttreffen in Steglitz, weswegen ich ein bisschen aufgeregt bin. Denn ich muss eine komplexe Idee mit einfachen Worten und selbst gebastelten visuellen Hilfen erklären. Die Präsentation habe ich gestern Nachmittag ausgetüftelt. (Das Ganze hat nichts mit den Puppen zu tun, sondern mit meiner Arbeit als Autorin und Storytelling-Fachfrau.)

Weil ich zu dem Treffen echt nicht nüchtern gehen will, mache ich mir ein leckeres Frühstück, für das ich gestern Abend zu müde war: Gebratenen grünen Spargel mit pochiertem Ei und ein wenig Parmaschinken. Sehr, sehr gut. Danke @jools_jones auf Instagram, für diese Anregung!

Unser Projekttreffen findet auf einer sonnigen Terrasse statt. Wir sind eine Informatikerin, ein Medienanwalt und ich. Es ist ein konstruktives und verbindendes Treffen – so, wie ich es mir gewünscht hatte. Der Blick ins Grüne von der Terrasse aus tut sein Übriges zu der guten Stimmung:

Als ich gegen 15 Uhr nach Hause komme, sitzen Mann und große Tochter gemütlich lesend am Terrassentisch. Ich geselle mich sehr gern dazu, während die kleine Tochter wieder spielend das Wohnareal unsicher macht, sich zwischendurch mit ihren Nachbars-Freundinnen Eis-Nachschub holt und ansonsten nur lachend und rufend von weit her zu hören ist. Wir bleiben den ganzen Nachmittag auf der Terrasse und genießen Licht und Luft und milde Düfte. Die große Tochter sät Ostergras ein.

Abends pflückt mir die kleine Tochter noch einen Blumenstrauß auf einer der Wiesen im Wohnareal.

Vorne Blumenstrauß, hinten ausgesätes Ostergras auf Tisch

Vorne Blumenstrauß, hinten ausgesätes Ostergras.

Und ich genieße zum Abend hin den ersten Melissentee aus dem Garten.

Melissentee aus frischen Blättern, Tasse und Kanne

Was schmeckt intensiver: mit ganzen Blättern oder klein geschnitten?

Vor mir liegt eine nochmal sehr arbeitsintensive Woche mit wahnsinnig vielen Aufgaben und Terminen. Am Freitag fahre ich mit der großen Tochter für ein paar Tage nach Wien. Heute kann ich noch gar nicht daran denken, weil noch so viel dazwischenliegt. Unter anderem will ich das CE-Handbuch für Schnullerketten zu Ende schreiben, habe aber jetzt das Gefühl, dass das vielleicht vor Ostern nichts mehr wird…. Ich tue mein Bestes, aber es kann trotzdem sein, dass es nicht klappt.

Ich wünsche mir Kraft und Konzentration für diese Woche! Und Euch auch, was auch immer Ihr vorhabt!

Wie immer freue ich mich sehr über jeden einzelnen Kommentar oder Gruß, so dass ich merke, ob das überhaupt jemand liest. Ich weiß nur von ein paar wenigen, die hier kommentiert haben.

Weitere Wochenenden in Bildern finden sich auf dem Berliner Familienblog Große Köpfe, hier.

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8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Der Kraichgau geht quasi in den Schwarzwald über und beginnt südlich von Heidelberg. Eine sehr schöne Ecke mit vielen Weinbergen.

    • Oh, das glaube ich! Ich stamme aus Südeutschland, meine Mutter kommt aus dem südlichen Schwarzwald und ich bin am grünen Rand von Stuttgart aufgewachsen. Die Landschaft lässt mir immer noch das Herz schwellen. Über Ostern sind wir wieder in der Heimat und ich freue mich jetzt schon auf die Ausflüge in die Natur….

  2. Hallo Maike,
    Ich lese auch sehr gerne von Euren Wochenenden. Ich mag Deine Art zu schreiben und finde die Bücher, die ihr gerade lest immer sehr inspirierend. Habe mir schon einige notiert 🙂
    Vielen Dank für die Einblicke in Euren Alltag.

    Liebe Grüße aus dem schönen Kraichgau,
    Nadin

    • Liebe Nadin, danke Dir. Wie schön, dass Dir meine Bücher-Tipps gefallen. Es ist mir immer ein Bedürfnis, über schöne Bücher zu schreiben. Grüße zurück ins Kraichgau, wo liegt das genau? Im Schwarzwald?

  3. Also ich lese seit eurem letzten Sizilien-Urlaub mit. Und bin immer wieder neidisch, wie „leicht“ bei euch die Dinge aussehen. Elternspaziergänge ohne Kinder z. B. … davon können wir nur träumen. Oder wenn unsere Große nachts wach wird, spielt sie nie alleine, man muss immer mit ihr aufstehen. Und Wackelzähne erkennt man bei uns zuallererst an den Tränensturzbächen, die geweint werden. Schön, dass das anderswo auch ruhiger zugehen kann 🙂 LG

    • Liebe Waltraut, ach, bei uns ist es auch nicht immer „leicht“! Bei den Wochenenden in Bildern schreibe ich vorwiegend das Positive auf, einfach weil es mehr Spaß macht. Auch bei uns gibt es Unlust, Ärger und schlechte Laune, manchmal nicht zu knapp. Ich finde das ja süß, dass bei Wackelzähnen Tränensturzbäche geweint werden…! Und keine Sorge, irgendwann will sich die Große lieber allein. Bei manchen dauert es einfach länger. Liebe Grüße an Euch, genießt auch Ihr das Schöne!

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