Schäfchen, Steckrüben, Steigübungen: Unser Wochenende in Bildern 29./30. September 2018

An diesem prächtigen Michaeli-Wochenende waren wir auf dem Land und haben rund um unser Haus die Natur gespürt, gesehen, gerochen und gehört.

Samstag, der 29. September 2018

Noch sind wir in Berlin wegen Verpflichtungen gestern Abend und heute Vormittag. Die kleine Tochter und ich gehen zum Geigen. Die kleine Tochter liegt uns seit einem halben Jahr in den Ohren, dass sie unbedingt Geige spielen will. Sie hatte diese Woche ihre erste, lang ersehnte Geigenstunde. Am Samstag Vormittag haben alle Kinder der Geigenklasse Gruppenunterricht. Auch wenn wir heute nochmal nur zuschauen, die Geige musste mit.

Am frühen Nachmittag brechen wir auf aufs Land. Als erstes schauen wir nach den Kühen am Grundstücksende. Sie waren dieses Jahr noch gar nicht auf dieser Weide, darum freuen wir uns, sie wieder zu sehen. Sie gucken uns neugierig an. Beziehungsweise: Wer schaut hier wen an?

Die Kinder pflücken Blumensträußchen, die wir im Haus verteilen. Dieses moderne Stillleben halte ich als Familienerinnerung fest. Das kleine Bord gehört zu den Möbeln, die schon seit Ewigkeiten zum Haus gehören, und die wir deswegen besonders lieben. Wir haben es extra in der Küche angebracht, um die Handys zum Aufladen dort hinzulegen. Mit Blumensträußchen ist es schöner.

Nach dem Abendessen kredenzt der Mann uns Erwachsenen einen Prosecco mit Holundersaft, den ich letzte Woche hier gebraut habe (also den Holundersaft, nicht die Prosecco). Die Kinder bekommen den Saft pur, als „Drachenblut“ zum Michaelstag. Es kostet sie ein wenig Überwindung, den Saft zu trinken, denn er schmeckt ein bisschen metallisch – passt super als Drachenblut. Sie haben gestern in Schule und Kindergarten mit Mutproben und Michaelswecken das Michaelsfest gefeiert. Die große Tochter ist x-mal vom schuleigenen Kirschbaum gesprungen und hat sich dabei das Knie tüchtig aufgeschrammt.

Für mich bedeutet die Michaeli-Zeit, sich darauf zu besinnen, dass es manchmal Mut und Entschlossenheit braucht, um Dinge auf die richtige Weise anzugehen. Wenn man Schwierigkeiten ins Auge sieht und sie konfrontiert, anstelle ihnen auszuweichen oder sich zu drücken, wird man reich belohnt. Es kostet manchmal nur einen Moment Überwindung, mutig zu sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich IMMER lohnt, sich zu überwinden, sei es zu einer Entschuldigung, einem Zugehen auf andere, einer Aktivität, die man nicht mag, oder auch, eine klare Ansage zu machen. Nur sollte man sich dabei möglichst vergewissern, dass das, was man sagt, 1. wahrhaftig, 2. notwendig und 3. freundlich ist.

Michaeli bereitet ja das Weihnachtsfest vor, deswegen hat es auch mit dem Glauben an das Gute im Menschen zu tun. Bei der Begegnung mit dem Drachen erblickt Michael auch Christus. Wenn man sich bemüht, das Gute zu sehen, ohne Schwierigkeiten auszublenden, und entschlossen, aber freundlich vorgeht, tut man schon ein wenig, um die Welt ein winziges Stück besser zu machen.

Und Prosecco mit Holundersaft macht die Welt auch ein Stückchen besser. 🙂

Roter Kindermund vom „Drachenblut“:

Die kleine Tochter zündet im Esszimmer alle verfügbaren Kerzen an, um eine schöne Stimmung zu schaffen. Die große Tochter schnappt sich die Gitarre und spielt darauf ein wenig herum. Seit sie Cello spielt, kann sie irgendwie auch ein bisschen Gitarre spielen. Wie schön!

Sonntag, der 30. September 2018

Schon um sieben Uhr gehen der Mann und ich nach draußen, um den Morgennebel nicht zu verpassen. Wieder liegt ein Nebelband auf der großen Weide, und wieder haben sich außer den Kühen Hirschkühe und Kraniche eingefunden. Wir hören die männlichen Hirsche laut im Wald röhren und die Kraniche schreien. Was für ein wunderschöner Soundtrack.

Diesmal ist das Morgenlicht nicht golden, eher weißlich. Ein durchsichtiger Schleier wie in eine andere Welt.

Und wenig später prangt da am knallblauen September-Himmel ein dicker Halbmond.

Und auf der anderen Himmelsseite haben sich die Schäfchen eingefunden:

Diesen Ast einer unserer Kiefern hat die Sturmböe erwischt, die letzte Woche hier angerast kam.

Die Kraniche ziehen wehmütig schreiend im Formationsflug über den Waldrand und den Himmel.

Ja, es wird Herbst. Die Lindenblätter werden gelb. Die kleine Tochter freut sich, denn gelbe Lindenblätter heißen für sie: Ich habe bald Geburtstag.

Die Kinder spielen den ganzen Tag so wunderschön zusammen, meist mit ihren Schleich-Pferden. Wir haben alles von Schleich mit aufs Land genommen, so haben sie hier immer ein Spielzeug, auf das sie sich freuen. Ich bekomme nur einmal mit, dass die Elfen das Futter der Pferde vor einer großen Überschwemmung retten müssen. Ansonsten höre ich nur eifriges Spiel-Geplapper aus dem oberen Stockwerk, während ich draußen Zapfen sammle und ein paar Zweige für die Vasen schneide.

Zum Mittagessen kochen wir alle zusammen an der Feuerstelle eine Steckrübensuppe, mit Pastinaken, Möhren, Lauch und Kartoffeln angereichert. Die kleine Tochter schält das Gemüse, die große Tochter und ich schnippeln es klein, der Mann befeuert und bewacht das Feuer. Während die Suppe im Kessel über dem Feuer kocht, liest die Tochter Witze aus ihrem geliebten Witzbuch vor. Sie ist mit ihren neun Jahren gerade voll im Witze-Alter.

Und dabei immer ein bisschen zündeln

Der Himmel wird immer schöner. Und ich stelle fest, dass ich zufrieden bin. Ich habe diese Woche über Zufriedenheit nachgedacht, weil ich diese Woche mit ein paar unzufriedenen Menschen zu tun hatte. Es gibt Menschen, die nie zufrieden sind, aber die Ursachen für ihre Unzufriedenheit immer bei anderen suchen. Dabei entsteht Unzufriedenheit nur, weil man seine eigenen Bedürfnisse und Vorlieben zu wenig achtet und erfüllt. Es ist natürlich eine wahre Kunst, diese aufzuspüren. Denn unserer Generation wurde nicht beigebracht, unsere Bedürfnisse wahrzunehmen. Wir mussten funktionieren und unsere Bedürfnisse oft hintenanstellen. Und es ist eine zweite Kunst, das eigene Leben gemäß dieser Bedürfnisse und Vorlieben zu gestalten und zu leben. Aber wir haben ja nur dieses eine Leben. Deswegen finde ich, sollten wir alles daran setzen, es zu unserem eigenen zu machen. Es ist kein leichter Weg – im Gegenteil. Ich weiß das, denn ich gehe diesen Weg spätestens seit der Geburt meiner Kinder bewusst. Aber es lohnt sich. Es lohnt sich ungemein. Denn nicht nur wird man dabei zufriedener, sondern man wird auch frei von Neid und Missgunst. Denn wenn man genau das Leben lebt (oder zumindest daran arbeitet), das zu einem passt, muss man auf nichts neidisch sein. Auch um sich auf diesen Weg zu machen, braucht es michaelischen Mut und Entschlossenheit. So passen diese Gedanken gut zu diesem Wochenende.

Aber genug der Sinniererei! Schauen wir lieber in den herrlichen, herrlichen Himmel:

Denn es werden immer mehr Kraniche über uns. Und nach dem guten Essen werden wir alle schläfrig und sehnen uns nach einer gemütlichen Pause.

Nach der Mittagspause spielen die Kinder hinterm Schuppen weiter mit den Pferdchen. Ich nähe dabei draußen in der warmen Sonne an einer Puppe, die bis Donnerstag fertig werden muss, und bekomme nur mit, dass die Mädchen ihren Pferdchen irgendwelche Behausungen bauen.

„Mama, wir brauchen Hilfe!“ heißt es eine halbe Stunde später. Wie durch Zauberhand sind zwei Pferdchen auf dem Schuppendach gelandet :-). Das eine, das am Rand lag, haben sie schon selbständig mit Hilfe der großen Leiter heruntergeholt, aber das zweite liegt weit oben auf dem Dach. Wir geben ihnen das OK, dass sie aufs Dach steigen dürfen. Das Ergebnis ist, dass sie daraufhin fast zwei Stunden auf dem Dach verbringen, dort oben fegen und sauber machen und weiter mit ihren Pferdchen spielen.

Und wer sich jetzt wundert, dass wir unsere Kinder auf ein Dach ohne Begrenzung steigen lassen, dem sei gesagt: Wie sollen Kinder lernen, mutig zu sein, sich zu überwinden und trotz kleiner Angst einmal einen unangenehmen Schritt zu tun, wenn sie das nicht spielerisch als Kind schon erfahren? Unsere Kinder sind definitiv alt und vorsichtig genug, sich nicht in Gefahr zu bringen. Und das Dach ist sehr flach, so dass ein Abrutschen ausgeschlossen ist.

Hoch aufs Schuppen-Dach

Ich werde bis auf Gesicht und Haar fertig mit der Puppe, für die ich gestern Abend noch ein Kleid aus einem meiner Lieblings-Stoffe genäht habe. Das wird ein 45 cm großen Puppenmädchen, das zu einer Taufe verschenkt wird. Es bekommt noch blaue Augen, hellbraunes Haar und Sommersprossen. Ich freue mich total darauf, die Puppe fertig zu gestalten. Endlich bekommt auch das von mir sehr geliebte warmgraue Strickjäckchen mit den Perlmuttknöpfen, das ich schon vor zwei Jahren für eine Puppen-Foto-Session gestrickt habe, eine würdige Trägerin.

Und mit einem guten Abendessen und weiterem Spielen geht der Sonntag zu Ende. Der Mann bringt gerade die Kinder ins Bett. Ich werde jetzt ein warmes Bad nehmen und freue mich auf die drei Tage, die wir hier auf dem Land noch haben, den beiden Brückentagen an der Schule sei Dank.

Ich hoffe, Euer Wochenende war auch gut. Habt Ihr den September gespürt? Seid Ihr zufrieden?

Mehr Wochenenden in Bildern findet Ihr bei Geborgen Wachsen.

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, das Zufriedenheitsthema … Ich würde mich als sehr zufrieden beschreiben, was mich allerdings auch manchmal lähmt, etwas Neues in Angriff zu nehmen.
    Schlimmer finde ich allerdings auch die Leute, die in allem das Haar in der Suppe suchen. Sie brechen dann oft Dinge ab und versuchen Neues, aber das ist eben auch nie gut genug …
    Irgendwas dazwischen wäre vielleicht gut 😉

    • Liebe Frau Göllner :-), ja!! Du hast recht! Und es stimmt, wenn man zufrieden ist, sinkt die Bereitschaft, etwas Neues anzufangen. Bei mir ist es aber so, dass ich immer so furchtbar viele Ideen habe, dass ich gar nicht weiß, was ich zuerst machen soll 🙂 Das ist einfach ein innerer Drang, immer wieder was Neues zu machen. Obwohl ich generell zufrieden bin. Das einzige, was mir fehlt, ist Zeit, all das umzusetzen, was ich gern alles machen würde 🙂 Also würde ich persönlich eher sagen, Zufriedenheit und „Neues anfangen“ schließen sich nicht aus…. aber das mag bei Dir ganz anders sein… oder Du bist einfach wirklich ganz übermäßig zufrieden — was ja wunderbar ist!!!! Ganz liebe Grüße an Dich!

  2. Wie gerne habe ich gerade heute Euer Wochenende verfolgt. Es braucht wirklich immer auch viel Mut, zufrieden mit allem zu sein, was man hat und auszuhalten, dass so viele eben nicht zufrieden sind, mit dem, was sie haben.
    Ich freue mich jeden Montag über schöne Bilder und Texte von dir. Vielen lieben Dank dafür.❤️

    • Liebe Steffi, danke Dir, das freut mich!! Zufriedenheit ist eine hohe Kunst, aber es lohnt sich total, sich mit ihr zu befassen, wie ich finde!
      Liebe Grüße an Dich!

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