Mörike und Äpfel: Unser Wochenende in Bildern 8./9. September 2018

Wir waren nach einer viel zu langen Sommerpause endlich wieder in unserem Häuschen auf dem Land. Es war das Wochenende der Äpfel und der frühherbstlichen Natur in all ihren Farben und Tönen.

Samstag, der 8. September 2018

Wir unternehmen gleich früh morgens vor sieben Uhr unseren Morgengang ans Grundstücksende. Und wie staunen wir, welch zauberhaftes frühherbstliches Bild sich vor uns entfaltet: Morgennebel wie bei Mörike, Rehe bzw. Hirschkühe sowie Kraniche vor dem schleirigen Dunst. Und die Geräusche der Tiere: Das wehsame, schrille Schreien der Kraniche, das seltsame Bellen der Hirschkühe. Und die Morgensonne goldet dazwischen.

Die Kinder schaffen es, sich leise ums Fernglas zu streiten, denn sie wissen: Wenn wir laut sind, verscheuchen wir die Tiere.

Hirschkühe im Morgennebel.

Kraniche vor Nebelband

Im Nebel ruhet noch die Welt / Noch träumen Wald und Wiesen. / Bald siehst Du, wenn der Schleier fällt, / Den blauen Himmel unverstellt / Herbstkräftig die gedämpfte Welt / In warmem Golde fließen. (Eduard Mörike), eins meiner Lieblingsgedichte. Das Gedicht ist wie ein fettes, romantisch aufgeladenes Haiku.

Und auf dem Rückweg zum Haus prächtet noch dieses kleine Blümchen vor sich hin, das nicht der Sommerdürre zum Opfer gefallen ist.

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Nach dem Spaziergang sind wir alle etwas ausgekühlt, denn es war ganz schön frisch. Wir frühstücken gemütlich: drinnen auf dem Sofa vor dem brennenden Holzofen, eine dicke Tortilla mit Kartoffeln, Zwiebeln und Paprika, Wunsch der großen Tochter.

Als erstes Tagwerk kochen wir Apfelmus aus den tschechischen Äpfeln vom letzten Wochenende. Sie stellen sich als ideale Mus-Äpfel heraus: Man muss sie nur Sekunden lang kochen, bis sie wie von allein zu Brei zerfallen, und es bedarf keiner weiteren Süßung, so süß sind sie. Wir benutzen zum ersten Mal hier die Flotte Lotte und es ist eine Freude für Groß und Klein. Und die Kinder essen sofort ein Schüsselchen Mus direkt aus dem Topf.

Im Hintergrund buddelt mein Mann ein Loch zum Abflussrohr, weil wir die Problemstelle im Abflussrohr finden wollen, die schon zu Verstopfung geführt hat. Mein Mann vermutet die Stelle nah am Haus. Er gräbt den ganzen Vormittag und buddelt sich dabei halb unters Haus.

Mama und Kinder sammeln derweil Zapfen. Sie fallen hier seit dem Frühling dauerhaft von den Bäumen und müssen von Zeit zu Zeit gesammelt werden. Wir verwenden sie zum Anheizen in der kalten Zeit. Wir haben schon fast alle Körbe voll, und es fallen immer noch Zapfen herunter. Seit Monaten.

Die Kinder backen mit dem Nachbarskind Kekse (danke für das Mehl!). Wir haben hier ja nur drei Ausstechformen, einen Tannenbaum, eine Sternschnuppe und ein Rentier, also alles eigentlich Weihnachtsmotive. Aber die Kinder nehmen das Rentier und biegen das Geweih hirschig nach oben, so dass es zur Jahreszeit und den morgendlichen Beobachtungen passt.

Ich stelle einen Strauß für den Jahreszeitentisch zusammen. Rainfarn und Eichenzweige in der Hauptsache.

Die Kinder dekorieren den Jahreszeitentisch mit einem Kürbis, Filz-Eicheln, Zapfen, selbst gemachten Papp-Standbildern mit Igeln (leider nicht im Bild), Eichenzweigen und Holzfiguren. Die großeTochter fragt, wann Michaeli sei, und bastelt für alle Drachen aus rotem, gelbem und braunem Papier.

Die Kinder fahren Rollschuh und Skateboard auf der Straße vor den Häusern. Die große Tochter entdeckt das Skateboardfahren, inspiriert vom Nachbarskind, und will jetzt unbedingt auch ein Skateboard.

Am Abend grillen wir mit Nachbarn. Als Beilage zu den Würstchen gibt es frisches Brot, das auf dem Grill geröstet wird, Kräuterbutter, Frischkost und einen bunten Salat. Und die Nachbarin bringt Marshmallows mit, die die Kinder mit Freude über dem Feuer rösten. Und sich beim Essen ins Haar schmieren.

Sonntag, der 9. September 2018

Hach, der frühe Morgen im Frühherbst. Die Spinnen spinnen ihre Netze und zeigen uns, dass viele Dinge und Geschehnisse seltsam miteinander verwoben sind. Und dass, wenn man sich weigert, die Verknüpfungen und die Bedeutungen zu sehen, ganz schnell auch alles wieder vorbei ist, so wie ein Spinnennetz mit einem Wisch kaputt geht, wenn man nicht aufpasst. Wir Menschen müssen die Zeichen wahrnehmen, die uns vom Leben, vom Umfeld, von anderen Menschen gesendet werden. Sie wollen uns etwas sagen, für uns, für unser Leben. Was wir sehen und wahrnehmen, was uns schmerzt, nervt, in Aufwallung bringt, hat Bedeutung. Es sagt uns etwas über uns selbst. Wir haben jeden Tag die Chance, uns darauf einzulassen. Wer die Chance wahrnimmt, den Schmerz zu sehen und zu verarbeiten, reift und gesundet. Wer die Botschaften immer wieder vorüberziehen lässt, ohne sie konstruktiv zu nutzen, wird kränker und unzufriedener. So viel Weisheit in einem Spinnennetz, das so fein aufgehangen ist in seiner Welt. So empfindlich, so zart, so schön, so stark. Wie wir Menschen.

Und die guten, tröstlichen Eicheln in ihren kleinen Hütchen. Es gibt viel Schutz in der Welt.

Und ein gutes Frühstück gibt Kraft. Weil die Kinder bei der Omi im Sommer so leckere, „kleine. dicke Pfannkuchen“ gegessen haben, machen wir heute echte Pancakes aus Buchweizenmehl und Buttermilch. So will es ja das original amerikanische Rezept. Den Buchweizen haben wir gemahlen aus Berlin mitgebracht, weil wir hier auf dem Land ja (noch) keine Getreidemühle haben.

Die Tochter will unbedingt den Blaubeersirup so über den Stapel drübergießen wie die Omi es mit dem Ahornsirup gemacht hat, „so dass es an der Seite so runterläuft“, und ich soll ein Foto davon machen. Bitte:

Die Kinder baden, ich arbeite an einer Puppe. Ich genieße es, hier auf dem Land Puppen zu machen. Diese wird ein 45 cm-Baby. Die Puppe ist hier umgeben vom kräftigen Altweibersommer mit seinen schönen Farben, dem Apfelmusduft und der Ruhe hier. Das soll sie in sich aufnehmen, so dass die große Schwester von Gustav eine kräftige, gesunde, spätsommerliche Puppe umsorgen kann. Hier nur der Kopf mit Stecknadeln an der Stelle, wo später die Augen und der Mund gestickt werden.

Puppe in Arbeit. Ein 45 cm großes Baby entsteht.

Die Nachbarin hat gestern Äpfel gebracht, also wird Apfelmus Teil 2 gekocht.

Und die anderen Nachbarn lassen uns auch Äpfel da (danke, R+M!), also Apfelmus Teil 3.

Diese stattliche Riege von Apfelmus sollte uns über den Winter bringen.

Ich bleibe jetzt noch für zwei Tage hier im Haus, um konzentriert zu arbeiten. Mann und Kinder fahren zurück nach Berlin. Ich werde sie alle vermissen (die Küsse, das Umarmen, das Nahesein, die süßen Momente), aber ich freue mich auch auf die Autonomie, das Alleinsein. Ich habe Alleinsein mein Leben lang geliebt, denn allein habe ich immer genau gespürt, wer ich bin. So habe ich am besten erspüren können, wo die Haken und Herausforderungen meiner Person stecken. Die natürlich nur in Gemeinschaft oder Beziehung zum Tragen kommen. Natürlich ist es nicht immer angenehm,   dem ins Gesicht zu sehen. Es erfordert Mut und Bereitschaft zur ehrlichen Selbstkritik. Aber nur so entwickelt man sich weiter. Ich habe herausgefunden, dass ich meine negativen Gefühle nicht wegschieben oder andere dafür verantwortlich machen kann. Die Herausforderung des Lebens ist es zu merken, dass man selbst der-/diejenige ist, der/die alles ändern kann, die Sichtweise auf die Dinge, das eigene Glück, die Wahrhaftigkeit. Ich möchte in Dankbarkeit für das leben, was da ist. Sehen, was ist. Nicht wegschauen, nicht schönreden, aber dankbar sein für das, was da ist.

Ich hoffe, die Handvoll Leute, die das hier lesen, hatten auch ein schönes Wochenende! <3

Mehr Familien-Wochenenden in Bildern finden sich hier, bei Susanne von Geborgen Wachsen.

 

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