Wo die Zitronen blühn: Unser Wochenende in Bildern 2./3. Februar 2019 (Sizilien)

Wir sind im Winterurlaub auf Sizilien und wahrhaftig im Traumland angekommen. Sizilien ist so magisch fremd und (zumindest mir) zugleich so unheimlich vertraut. So atemberaubend schön, strahlend, sinnlich und süß. Und auch rauh, felsig und windig.

Wir sind Freitag Abend in der Dämmerung in Palermo mit dem Flugzeug gelandet und fahren in den Sonnenuntergang hinein in den äußersten Westen der Insel, in die Nähe des kleinen Städtchens San Vito Lo Capo. Außerhalb des Ortes, am Rande eines Naturschutzgebietes, haben wir ein kleines Ferienhaus am Meer gemietet, direkt über der Steilküste.

Nach einem schnellen Einkauf holen wir in San Vito den Schlüssel fürs Haus. Es ist jetzt stockdunkel. Der Vermieter fährt voran zum Ferienhaus, das wir über eine holprige, schmale Straße erreichen. Die Sterne glitzern, aber es ist so dunkel, dass wir den Garten kaum erkennen können. Was wird aber von unserer Terrasse sehen können, ist das Meer, das direkt unterhalb des Hauses liegt. Und gegenüber, jenseits des Golfes von Castellamare sehen wir in der Ferne die Lichter Palermos. Wir sind aber nur müde und hungrig von der Reise, deswegen essen wir schnell Spaghetti mit Tomatensauce und gehen ist Bett.

Samstag, der 2. Februar 2019

Als wir aufstehen und von der Terrasse aufs Meer hinausschauen, sehen wir einen Sonnenaufgang, der im Laufe der nächsten halben Stunde immer schöner wird. Er zaubert immer neue Farben aufs Meer und in die Landschaft.

Mit dem zunehmenden Licht erkennen wir mit Erstaunen die wahnsinnige Schönheit um uns herum. Die Natur, das Meer, die Berge. Der Himmel wird erst immer rosaner, dann immer goldener.

Weil wir wissen, dass es von unserem Grundstück aus einen Wasserzugang geben muss, machen wir uns noch im Schlafanzug auf die Suche danach. Es sind anscheinend „dreißig Stufen bis zur Badestelle“. Es ist angenehm warm draußen, bestimmt um die 18 Grad. Es kommt uns vor wie ein lauer Sommermorgen, und das Anfang Februar. Durch einen Zwergpalmenhain geht es bergab auf die felsige Steilküste zu.

Am Ende des Hains bzw. des Gartens finden wir die Stufen. Sie führen die fast senkrechten Felsen hinunter bis zum Wasser. Es sind weit mehr als dreißig Stufen, und rechts davon geht es senkrecht in die Tiefe. Hach, ganz genau sowas lieben wir. Wir können kaum fassen, wie toll das hier ist. Mir fallen die italien-sehnsüchtigen Zeilen Goethes ein, die er dem Knabenmädchen Mignon in „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ in den Mund gelegt hat, und bei denen Goethe Sizilien im Sinn hatte: „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen, wo im dunklen Laub die Goldorangen glühen….“ Ein solches Gefühl überkommt mich, wenn ich in Sizilien bin.

Mit dem Fernglas beobachten wir Möwen auf dem Meer. Und ein kleines Fischerboot, das hier ein Netz auswirft.

Die Sonne malt einen goldenen Streifen aufs Wasser, das gurgelnd an die Felsen schlägt.

Als wir hungrig werden und Appetit auf Frühstück haben, klettern wir die Stufen wieder hoch zum Haus. Wir sind wirklich an einem magischen Ort angekommen.

Unser Haus liegt mitten in der Natur, umgeben von Bergen, Zwergpalmen und anderem niedrigem Macchia-Gewächs, wie es typisch für Westsizilien ist. Der arabisch angehauchte Baustil ist auch typisch für die Gegend.

Mein Mann beobachtet von der Terrasse aus weiter die Fischerboote und erkundet mit dem Fernglas die Gegend. Die Kinder rennen derweil im Garten herum und bauen etwas für die Puppen unter den Zwergpalmen hinter dem Haus.

Einziger Programmpunkt des Tages: Einkauf im Städtchen und zwanglose Erkundung der Gegend. Wir fahren zum Leuchtturm auf das Kap. Als wir aus dem Auto steigen, sind wir adhoc umzingelt von rund zwanzig Katzen, zum Teil räudig, zum Teil gepflegt mit Halsband. Wir vermuten, dass der Leuchtturmwächter ein Katzenfreund ist, denn die Katzen drängen alle aus dem Grundstück des Leuchtturms. Die Kinder sind begeistert. Die Katzen streifen uns um die Beine, wollen gekrault und gekuschelt werden und sind sehr süß. Es sind ganz zarte Katzen mit weichem Fell. Wir fragen uns, ob das Katzen-Getue mit dem Eis zu tun hat, das die Kinder schlecken. Aber Katzen essen doch kein Eis!? Oder essen sie vielleicht italienisches Eis, frage ich mich grinsend. Dieses hier ist übrigens fantastisch: ich muss nämlich das Eis der Tochter aufschlecken, weil sie es nicht schafft.

Wir wandern zu den grasbewachsenen Bunkern am Strand, die hinter dem Leuchtturm liegen. Zehn Katzen begleiten uns auf Schritt und Tritt, zum Vergnügen der Kinder, die die Katzen abwechselnd tragen und kraulen. Auf einem der Bunker fällt mir ein Stück Eiswaffel mit einem Rest Eis herunter, „Für die Vögel“, sage ich zu den Kindern. Aber noch bevor die Waffel den Boden berührt, hat eine Katze das süße Stück schon im Maul. Der Beweis ist erbracht: Sizilianische Katzen fressen tatsächlich Eis. Beziehungsweise: Wahrscheinlich fressen diese Katzen einfach alles.

Auf dem Kap wachsen schöne Sukkulenten. Im Vordergrund ein Feigenkaktus, der noch Früchte trägt. Ich vermute, es ist eine wilde Art, denn die essbare Kaktusfeige ist größer, gelb bis knallrot und in den warmen Monaten der zweiten Jahreshälfte reif.

Wir fahren zurück zum Hafen, denn ich möchte Fisch kaufen. Und mir wurde gesagt, es gäbe hier auch einen Fischmarkt bzw. Fischverkauf. Wir haben ja heute morgen auch Fischerboote gesehen. Auf Reisen kaufen wir gern regionaltypisch ein. Ich habe große Freude daran, die Gerichte der Region zu recherchieren und nachzukochen. Wir essen ja in Berlin wenig Fleisch und Fisch, weil wir die industrielle Fisch- und Fleischwirtschaft nicht unterstützen wollen. Aber gegen einen Fisch, der von einem kleinen Fischer vor Ort gefangen wurde, habe ich nichts.

Tatsächlich finden wir einen Fischhändler, der mir zeigt, was er heute anzubieten hat: Fünf ziemlich große Fische verschiedener Art, die ich nicht kenne, und kleinere Sepien, also Tintenfische. Weil ich Tintenfische noch nie zubereitet habe, entscheide ich mich für diese. Der gute Mann zeigt mir die Tintenfische und erzählt mir auch, wie seine Frau sie kocht. Er holt sie aus einer Art Aquarium – sie leben noch. „Tutto fresco“, sagt er. Ich bin zufrieden und verkünde großmäulig, er solle mir zeigen, wie man sie verzehrfertig macht, denn das nächste Mal wolle ich das selbst machen. (Ich vergesse, wie ich das letzte Mal in Sizilien einen Fisch geschuppt habe und das alles andere als eine Freude war – die Schuppen flogen meterweit in der Gegend herum, und es gelang mir nicht, alle abzukriegen). Vegetarier und Veganer, bitte unten weiterlesen! Denn der Fischhändler macht mit den armen Sepien Dinge, die ich hier wirklich nicht aufschreiben möchte. Ich gestehe dem Fischhändler später kleinlaut, dass ich la preparazione auch in Zukunft lieber den Experten überlassen will, wenn das Ausnehmen wirklich so geschehen muss, wie er es gerade gemacht hat. Aber nun sind die armen Viecher schon für uns gestorben, jetzt möchte ich sie auch kaufen.

Ich atme einmal tief durch und beschließe, die Sepien wenigstens nach allen Regeln der mir zur Verfügung stehenden Kochkunst alla siciliana zuzubereiten. Ich gebe zu, dass ich ein gewisses Vergnügen an der ganzen Geschichte habe (nicht am Tod der armen Fische natürlich) und vermute, dass ich mich deswegen hier in Sizilien immer so zu Hause fühle. Der Fischhändler hat auch Vergnügen an mir als Kundin. Nachdem ich noch „Bottarga“ bei ihm gekauft habe (das ist geriebener, getrockneter Thunfischrogen, der bestimmten sizilianischen Gerichten zugegeben wird) und ein Foto von ihm gemacht habe….

…begleitet er mich noch den ganzen Weg zum Hafen und erzählt mir, wie sehr er sich in Sizilien eine „deutsche“ Verwaltung wünsche und wie sehr er Helmut Kohl bewundert habe für die Organisation der deutschen Einheit. Na Prost Mahlzeit, denke ich, wenn der wüsste. Aber auf ernsthafte politische Diskussionen habe ich heute keine Lust; ich sage nur, dass ich kein Fan von Helmut Kohl bin und wir in Deutschland auch viel anstrengende Bürokratie haben (ich weiß jedoch, dass die deutsche Bürokratie ein Schlaraffenland ist im Gegensatz zur berühmt-berüchtigten italienischen). Als wir bei Mann und Kindern angelangt sind, die sich am Hafenbecken die Fischerboote ansehen, dreht er schnell um.

Meine Tochter hat von einem Fischer einen Seestern geschenkt bekommen. Sie ist im siebten Himmel und redet nur davon, dass sie ihn ihrer Erzieherin im Kindergarten und ihren Freundinnen zeigen wird, wenn wir nach Hause kommen.

Ich liebe die alten Holztüren in Italien. Da bin ich wohl typisch deutsch. Wer findet auf diesem Bild einer Fischerhütte den Cat Content?

Noch eine schöne Tür in San Vito Lo Capo.

Der Ort hat auch einen schönen Sandstrand, jetzt natürlich menschenleer. Die kleine Tochter will noch ein Eis. Das bekommt sie. Wir haben Urlaub.

Es ist herrlich warm geworden; das Thermometer im Ort zeigt 23 Grad! Wir ziehen die Schuhe und Jacken aus. Die Kinder sammeln Muscheln. Beide suchen nach Muscheln mit Loch, um Ketten daraus zu machen. Erstaunlicherweise gibt es hier viele Muscheln mit Loch.

Meine Füße freuen sich am warmen Sand.

Und meine Augen an den türkisblauen Wellen.

Und an meinem schönen, lieben Mann.

Mein Herz freut sich an der Freude der Kinder.

Die große Tochter sammelt die Muscheln in ihre Schuhe.

Zu Hause wird der Tintenfisch zubereitet. Gefüllt mit Semmelbröseln, Knoblauch, Olivenöl und Kräutern, und dann im Ofen gebacken mit Tomaten, Zitronenschale und weiterem Olivenöl.

Vegetarier, bitte wegschauen.

Die Kinder wollen nicht sehen, wie ich den Tintenfisch zubereite; er tut ihnen leid. Aber als ich sie rufe und ihnen zeige, dass die kleinen Saugnäpfe immer noch am Finger kleben, wenn man sie berührt (!), wollen sie das auch ausprobieren und sind fasziniert. Sie wollen aber verständlicherweise nichts vom Tintenfisch essen. Stattdessen bekommen sie Spaghetti mit Tomatensauce von gestern, womit sie höchst zufrieden sind. Mein Mann und ich lassen uns vor dem Tintenfisch als primo piatto mit rohem Schinken gefüllte Tortellini mit Butter schmecken, die es frisch im örtlichen Lebensmittelladen gab. Oh Italien.

Leider schmecke ich immer nur jeden vierten Bissen, denn ich bin ziemlich verschnupft und schmecke kaum etwas. Zum Tintenfisch gibt es Brot und Salat.

Nach dem Abendbrot lesen wir „Momo“, unsere Urlaubs-Lektüre, wobei die Kinder auf dem Sofa liegen. Nach zwei Kapiteln sind beide eingeschlafen.

Sonntag, den 3. Februar 2019

Wieder empfängt uns der Morgen mit göttlichen Farben und Licht.

Wir gehen wieder vor dem Frühstück runter ans Wasser und schauen den Fischern zu, wie sie die Netze einholen. Es ist heute deutlich kälter als gestern. Wir haben uns für heute nichts Großes vorgenommen. Die Kinder wollen so gern rund ums Haus bleiben. Und wenn die Kinder glücklich sind, sind wir das auch. Außerdem soll es heute ab und zu schauern. Da freuen wir uns darauf, gemütlich zu lesen, zu kochen, ab und zu aufs Meer zu schauen und im Garten lustzuwandeln.

Das Fischerboot fährt weiter.

Zum Frühstück fahren wir in den Ort und schlemmen in der örtlichen Pasticcheria. Die eine Tochter will unbedingt so ein grünes Pistazientörtchen haben, aber dann kann sie es doch nicht essen, obwohl es innen gar nicht so süß ist wie es von außen aussieht. Wir staunen aber über die vielen verschiedenen sizilianischen Köstlichkeiten, von denen ich den Kindern schon zu Hause vorgeschwärmt habe.

Oben Pistazien- und Erdbeertörtchen, unten kleine Pistazien- und Nusshappen.

Eine sizilianische Cassata darf nicht fehlen. (Ist aber nichts für uns.)

Zu Hause scheint wieder die Sonne, und ich kann endlich in Ruhe mit der Kamera den Garten erkunden. Die kleine Tochter findet eine Weinbergschnecke.

Zarter Klee mit Wassertropfen vom Regenschauer vorhin.

Unbekannte Blüten.

Hinter unserem Haus erheben sich Felsen.

Die Zwergpalmen im Garten:

Zum Mittagessen kredenze ich zur Vorspeise Bruschetta mit wildem Fenchel (eine sizilianische Spezialität, auf die ich seit Jahren scharf bin. Den Fenchel, den man nur wild findet, gibt es hier sogar im örtlichen Supermarkt zu kaufen!) und in Scheiben geschnittenen Tintenfisch-Tentakeln von gestern. Mit Zitronenschale, Orangenscheibe und wildem Fenchelgrün. Viele der guten sizilianischen Orangen kann man ja mit Schale essen – ein Genuss. Manche Zitronen übrigens auch; die sind hier sogar manchmal fast süß.

Mein Mann kocht inzwischen Risotto aus dem wunderbaren Blattspinat, den wir gestern einer Gemüsehändlerin vom Straßenwagen herunter abgekauft haben.

Auf Sizilien kauft man Blattspinat mit Wurzeln. Das hält ihn super frisch.

Die Kinder spielen heute den ganzen Tag Restaurant. Zuerst bereiten sie verschiedene Variationen von „Muschel-Steak“ zu, aus Kaktusblättern und den gesammelten Muscheln von gestern. So hübsch sieht das aus.

Dann machen sie Salat aus verschiedenen Gartenpflanzen.

Der Restaurant-Tisch der Kinder wird mit Deko-Kram aus dem Ferienhaus gedeckt. Eine „Spesekarte“ wird geschrieben und liebevoll verziert. Mein Mann und ich müssen bestellen und werden dann erst mit „Muschelsteak“ und Salat und dann mit dem echten Blattspinat-Risotto verwöhnt.

Nach der Mittagspause ist fast schon Abend. Die Kinder spielen wieder draußen, und wir Eltern widmen uns weiter den lukullischen Genüssen. Denn draußen ist es jetzt kühl und fast schon dunkel. Ich mariniere das herrliche Huhn, das es morgen geben soll. Das wird ein Orangen-Huhn, mariniert mit Orangen und Zitronensaft und -Zeste, Knoblauch und Olivenöl.

Noch einen Teller mit belegtem Brot und Obst für die Kinder, ein bisschen „Momo“ für alle, und die Kinder schlafen wieder auf dem Sofa ein.

Wir bleiben noch 7 Tage in Sizilien, also sind wir nächstes Wochenende noch hier. Das Wetter soll ab Dienstag deutlich besser werden. Ich freue mich sehr auf unseren verfrühten Frühling in einer der schönsten europäischen Landschaften, die ich kenne.

Mehr Wochenenden in Bildern finden sich hier, auf dem Berliner Familien-Blog Große Köpfe.

Ich freue mich wie immer über Kommentare, Anmerkungen, Meinungen!

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8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. So schön und lebendig geschrieben
    Wünsche noch wunderbare Tage im tiefen Süden
    Herzliche Grüsse zu euch
    Markus aus Bern

  2. Danke für die schönen Bilder und Texte dazu! Hach, was habe ich ein Fernweh bekommen – und so richtig Sehnsucht nach Frühling. Euch noch einen schönen Urlaub, ich freu‘ mich schon auf weitere Eindrücke.
    Liebe Grüße, Simone

    • Liebe Simone, vielen Dank! Wir versuchen es so sehr wie möglich zu genießen. Es ist ja immer viel zu schnell vorbei…

  3. Wir lesen auch gerade Momo … spannend wie aktuell das Buch ist.
    Ihr habt ein Paradies gefunden!
    Noch weiterhin so eine schöne Zeit für Euch.

    • Liebe Susi, ja, Momo…. ich bin auch völlig platt, wie aktuell es immer noch ist. Mich erschreckt vor allem, dass so viele Menschen das Buch vor 30 Jahren gelesen haben, aber selbst eher graue Herren geworden sind. Nimmt sich niemand zu Herzen, was er/sie liest bzw. als Kind gelesen hat? Das ist für mich vor allem die Frage. Und wer sind die heutigen Grauen Herren? Kapitalismus, Materialismus und Rationalismus? Die Datenkraken Google und Facebook, die uns gleichzeitig auch die Zeit stehlen? Wahnsinn, was in diesem Buch steckt. Mein Mann und ich sind auch gerade fasziniert. Danke für Deinen Kommentar!

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