Im Saal eine Geige sang: Unser Wochenende in Bildern 20./21. Juli 2019

Mit der kleinen Tochter bin ich für eine Woche auf einem Geigenworkshop in der Nähe von Kiel, in einem Schloss an der Ostsee. Was so hochtrabend klingt, ist eigentlich ein sehr nettes, warmherziges Treffen von Familien, deren Kinder Geigenunterricht bei meiner Schwägerin haben. Meine Tochter hat hier ein entspanntes musisches Programm aus Einzelstunden, Gruppenunterrricht und Theaterworkshops; die Nachmittage sind frei zum Schwimmen, Dösen oder Spazieren gehen. Das Schloss ist zu einer Art Jugendherberge umgebaut. Ich teile mir mit der Tochter ein Zimmer und ein Stockbett. Es gibt Etagenbäder, und beim Abräumen und Tischeabwischen helfen alle mit.

Natürlich passt zu diesem Wochenende dieses schöne Gedicht von Christian Morgenstern:

Wind und Geige

Drinnen im Saal eine Geige sang,
sie sang von Liebe, so wild, so lind.
Draußen der Wind durch die Zweige sang:
Was willst du, Menschenkind?

Drinnen im Saal die Geige sang:
Ich will das Glück, ich will das Glück!
Draußen der Wind durch die Zweige sang:
Es ist das alte Stück.

Der letzte Geigenton verklang;
die Fenster wurden bleich und blind;
aber noch lange sang und sang
im dunklen Wald der Wind…

Was willst du, Menschenkind…

Samstag, der 20. Juli 2019

Noch sind wir in Berlin. Ich pflanze eine neue Hortensie ein.

Und erwische mit dem Makro-Objektiv diese Hummeln bei der Arbeit. Wir haben zur Zeit ganz, ganz viele Hummeln im Garten, aber kaum Bienen.

Das ist vom Spiel der Kinder gestern übrig geblieben:

Den ganzen Vormittag packen wir und räumen auf, denn gegen Mittag ist Abfahrt für die kleine Tochter und mich am Hauptbahnhof Richtung Kiel. Mein Mann und die große Tochter werden die Zeit im Haus dem Land verbringen. Papa-Tochter-Zeit ist ja auch was Schönes.

Die Reise ist verhältnismäßig anstrengend, weil wir drei Mal in knapper Zeit umsteigen müssen, 34 Leute sind und viele Kinder verschiedenen Alters. Und weil alle große Koffer und Geigenkoffer dabei haben. Einen Streckenabschnitt legen wir in einem Schienenersatzverkehr-Bus zurück, in den kein Floh mehr gepasst hätte, als wir alle samt Gepäck drinnen sind. Alle Gänge stehen voll mit großen Koffern und Menschen.

Im ICE sitzen wir an einem Tischchen; die Kinder ziehen die Schuhe aus und essen fast ununterbrochen.

Aber schließlich sind wir da! Hier werden wir eine Woche lang Musik machen, quatschen, spielen, im Meer baden und es uns gut gehen lassen.

Im Schloss steht in jedem Fenster eine andere Blume.

Gerade als alle Teilnehmer angekommen und sicher im Schloss sind, geht draußen ein Gewitter los. Danach dampft der Boden. Die Abendsonne bricht durch die Nebelschleier im Schlosspark.

Später Spaziergang zum Ostseestrand mit Sonnenuntergang.

Sonntag, der 21. Juli 2019

Nach dem Frühstück hat die kleine Tochter eine „Master Class“ bei der Mutter meiner Schwägerin aus den USA, die aus den USA zum Workshop angereist ist, um hier zu unterrichten. Sie ist auch Suzuki-Geigenlehrerin, und zwar sozusagen DIE Suzuki-Geigenlehrerin der Region New York/Long Island. Sie hat auch einige ihrer Schülerinnen mitgebracht, so dass hier auf dem Workshop viel Englisch gesprochen wird.

Vor dem Unterricht packen die Kinder im Tanzsaal selbständig ihre Geigen aus und spielen sich ein, ohne dass die Erwachsenen das anregen oder anleiten.

So sieht die perfekte Bogenhaltung aus, wie meine Tochter mit Mrs. G. einübt. Bei der Suzuki-Methode wird immens viel Wert auf Haltung und Technik gelegt, natürlich auch, weil die richtige Technik später das Spielen schwieriger Passagen erleichtert.

Nach der Master Class gibt es noch eine halbe Stunde lang Gruppenunterricht zusammen mit den etwas Größeren. Da wird nicht ständig gegeigt, sondern es werden auch Rhythmus- und Körperübungen gemacht. Dabei liegen die Geigen auf dem Fußboden, was ich immer entzückend finde.

Die Verzierung des Saals ist prächtig. Meine Tochter starrt beim Rausgehen auf dieses Ornament und sagt, „Schau mal, Mama, da ist ja Spargel in den Blumen!“

Mit einer Stunde Improvisation-Theater bei meinem Bruder geht der Vormittag für die Kleinen programm-mäßig zu Ende.

Nach dem Mittagessen gehen wir gemeinschaftlich zum Strand. Meine Tochter und ihre Freundin spielen Pferdchen, den ganzen Weg bis zum Strand.

Leider ist der Himmel noch bewölkt, es klart erst am Abend auf.

Aber die Mädels sind robust und gehen tatsächlich ins Wasser.

Schöne Blumen auf dem Rückweg vom Strand.

So, und nun muss ich hier die Mitternachtsparty koordinieren, die meine kleine Tochter heute in unserem Zimmer veranstaltet. Die Tochter und ihre Kusine wollen Leckereien haben und ich muss mir etwas einfallen lassen. Das Ganze wird wohl hauptsächlich auf Apfelschnitze, Kaugummi und Studentenfutter hinauslaufen. Aber wie ich mich kenne, werde ich ihnen auch aus meinem geheimen Schatz abgeben, den ich eigentlich für die Erwachsenen-Runden am Abend vorgesehen habe…

Morgen soll das Wetter besser werden. Ich freue mich auf fünf weitere Tage mit Geigen, Baden und netten Menschen. Interessanter Weise finde ich hier sogar Zeit zum Arbeiten und Ausruhen, da die Tochter so viel spielt und natürlich auch ihre Workshops hat. Und ich muss nicht kochen oder Sonstiges im Haushalt erledigen. So wird das wohl eine sehr angenehme, erholsame Woche für mich.

Ich wünsche Euch auch eine schöne Woche, mit hoffentlich viel Sonne und schönen Erlebnissen mit Euren Lieben!

Weitere Wochenenden in Bildern findet Ihr wie immer auf dem Blog Große Köpfe.

Facebookpinterestmail

Schreibe einen Kommentar


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.