Furzel und Feiern: Unser Wochenende in Bildern 3./4. November 2018

An diesem ersten Novemberwochenende haben wir viel Himmel gesehen, Blumen gepflanzt, eine „Furzel“ gefunden und Pilze gesammelt. Aber auch gefeiert und gegammelt. Am Samstag waren wir noch auf dem Land, am Sonntag in Berlin.

Samstag, der 3. November 2018

Wie meistens auf dem Land gehe ich direkt nach dem Aufwachen raus und ans Grundstücksende. Schon von weitem sehe ich, dass wieder ein Nebelband auf der Kuhweide liegt. Ich liebe den Bodennebel hier.

Da schwebt er, der Nebel, und kündet vom November.

Wenn man den Nebel hier beobachtet, versteht man, weshalb die Menschen früher überzeugt waren, dass um diese Jahreszeit der Übergang zur Welt der Ahnen durchlässig war. Ich habe mich ja in den letzten beiden Jahren mit den Ursprüngen von Halloween beschäftigt (hier mein Blogartikel dazu). Das Schemenhafte in der Natur, die plötzlich kahlen Bäume, die neuen, ganz andersartigen Geräusche im Wald und die einsickernde Dunkelheit sind ja der wahre Grund, warum sich auch hierzulande ein Brauchtum um die Themen Tod, Geister, Angst und Licht entwickelt hat. Dazu gehören zum Beispiel das Rübengeistern, bei dem durchaus auch Gaben an den Häusern des Dorfes erbeten wurden („Heischebrauchtum“), außerdem das Aufstellen von Licht, um den Ahnen den Weg zu weisen, die bäuerlichen Ernte- und Kartoffelfeuer, und natürlich das Besuchen der Friedhöfe an Allerheiligen/Allerseelen. Im Zuge der Christianisierung in Europa ab ca. 1000 n.Chr. wurde viel bereits vorhandenes Brauchtum zwar christlich umgedeutet, aber eigentlich mehr oder weniger übernommen, nur eben mit anderer Bedeutung überzogen. Darum schließen sich Christentum und alte Bräuche nicht aus. In vielen Dörfern in Süddeutschland und der Schweiz sind die Leute sehr christlich, und ziehen dennoch singend mit „Räbelichtern“ (ausgehöhlten Rüben mit Fratzen) durchs Dorf. Was ich persönlich kritisch sehe, ist der Konsumzwang, der Halloween in den letzten Jahren übernommen hat, und die doch manchmal krasse Amerikanisierung der Bräuche. Da möchte ich nicht mitmachen. Jedoch sollte nicht vergessen werden, dass es eben auch bei uns alte Bräuche gibt. An diese kann man doch wunderbar anknüpfen, wie ich finde. (in meinem Blogartikel vom letzten Jahr habe ich das alles ganz ausführlich aufgeschrieben.)

So zart legt sich heute der Morgennebel übers Feld. Als wolle er die Natur zärtlich ummanteln. Und eine Stunde später ist er in der warmen Sonne aufgegangen.

Als ich etwas bibbernd wieder reinkomme (nur Strickjacke über den Schlafanzug gezogen), sind auch die Kinder aufgestanden. Der Mann war die letzten beiden Tage in Berlin, weil er arbeiten musste. So sind wir drei Frauen noch allein auf dem Land. Die große Tochter macht Feuer. Die Holzöfen sind die einzige Heizung in unserem Haus auf dem Land. Ich freue mich so, dass die Tochter so prima und selbstverständlich Feuer machen kann.

Nach dem obligatorischen Vorlesen und zwei Frühstücken scheint draußen die Sonne und der Nebel ist weg. Wir pflanzen so richtig viele Blumenzwiebeln ein. Die Kinder vor allem in ihren eigenen Beeten am Schuppen, ich rund ums Haus und an verschiedenen Stellen auf dem Grundstück. Das macht uns allen großen Spaß; die Kinder sind ganz eifrig dabei. Ich gehe zwar davon aus, dass nicht so viele davon aufgehen werden, weil der Boden zu sandig und aktuell viel zu trocken ist, aber wer weiß? Vielleicht haben wir ja Glück und werden im Frühling mit vielen Tulpen, Traubenhyazinthen, Schachbrettblumen und anderen Blümchen überrascht.

Die Kinder spielen wieder auf dem Schuppendach. Heute wird ein Picknick oben gemacht, mit Decken und Kissen. Und die Pferdchen und Elfen sind auch wieder dabei.

Weil die Sonne so schön warm scheint, schnappen wir uns die Körbe und gehen in den Wald. Wir wollen Moos für Dekorationen in Berlin holen. Außerdem wollen wir mal schauen, ob wir Pilze finden. Immerhin hat es vor drei Tagen mal ganz kurz geregnet. Und Familie Geborgen Wachsen hat die Tage ja auch Pilze gefunden.

Hier haben wir letztes Jahr Pfifferlinge gefunden. Aber heute finden wir nur Pilze, die wir nicht für essbar halten – mit Lamellen und so. Die große Tochter nimmt auch ein paar davon mit, um sie zu bestimmen – denn es gibt ja auch viele unbekannte, essbare Pilze. Das nennt sich dann „genießbar“, aber schmackhaft sind die dann eher nicht.

Also werden die Sammelkörbe erstmal abgestellt. Viel interessanter als die Pilze ist nämlich eine umgestürzte Fichte. Der Stamm ist zwar glitschig von Moos und Morgentau, aber die Kinder müssen genau deswegen darauf balancieren. Ganz toll ist auch, dass der Stamm an manchen Stellen auf und ab federt. Ich bin froh und dankbar, dass die Kinder so schön draußen in der Natur spielen können, nur mit dem, was sich dort findet. Sie wollen gar nicht weg von diesem interessanten Baum.

Die Wurzeln und der Aushub vom Boden werden auch genau untersucht. Es wird ein Thron gebaut und schließlich wird am Rand des Bodenaushubs heruntergerutscht. So ein toller Spielplatz. Am Schluss brechen wir ein schönes Stück einer Wurzel ab und es wird viel gekichert, denn eine der Töchter kennt einen Witz: „Was liegt in der Erde und stinkt? — Eine Furzel.“ So wird unser Wurzelstück natürlich getauft.

Die Kinder wollen bleiben, aber ich will jetzt weitergehen. Die Zeit drängt ein kleines bisschen, weil der Mann aus Berlin zurückkommt, um uns abzuholen. Ich kann die Kinder damit locken, dass wir im (von uns) so genannten „Maronenschlaraffenland“ vielleicht ein paar Maronen finden. Das ist ein Stück Wald, wo wir letztes Jahr unter fast jedem Baum Maronen gefunden haben. Viele Maronen. Und tatsächlich, auch heute wird ein Korb in Windeseile voll.

Auf dem Rückweg ist es so wundervoll herbstlich bei knallblauem Himmel. Und die Kinder können es kaum erwarten, dem Papa den Pilzfund zu zeigen.

Die kleine Tochter trägt den Pilzkorb, die große die „Furzel“, die über ihrer Schulter liegt wie eine Schlange.

Auf der Rückfahrt nach Berlin sind Himmel und Landschaft spektakulär. Wir halten mehrmals an und staunen. Es wird zehnminütlich beeindruckender.

Wir freuen uns, dass wir eine Route gewählt haben, die uns nicht direkt auf die Autobahn, sondern ein Stück über Land führt. Sonst hätten wir nicht anhalten können, um dieses Stück Landschaft mit Windrädern im Abendlichtkegel zu fotografieren:

Und dann ist die Sonne unter. Aber die Windräder sind noch da.

Zuhause in Berlin sind die Kinder todmüde, dabei ist es erst 18 Uhr. Ich bringe die kleine Tochter sofort ins Bett.

Mein Mann und ich sind zu einer Hochzeitsparty eingeladen. Wir hatten eigentlich vor, uns abzuwechseln (erst geht er für 2 Stunden, dann ich). Wir fragen spontan ein Nachbarsmädchen, ob sie babysitten will. Das hat sie schon ein paarmal gemacht; unsere Kinder lieben sie. Da sie aber noch jung ist (14!), darf sie nie länger als 22:30 Uhr bei uns bleiben. Aber immerhin — so können der Mann und ich wenigstens zwei Stunden gemeinsam auf der Party sein. Sie ist ein ganz, ganz tolles, absolut verlässliches, liebes, kluges und vernünftiges Mädchen. Während ich mich aufbrezele und schminke, höre ich zu, wie meine Tochter mit der Babysitterin quatscht. Sie reden über die Schule und den Hort und erzählen einander, was sie in den Herbstferien gemacht haben. Die Babysitterin war mit ihrer Familie in Georgien. Ich bin total baff, wie erwachsen auch meine Tochter spricht und wie wunderbar sie erzählen kann.

Auf der Party treffen wir uralte Freunde und Bekannte wieder und quatschen den ganzen Abend. Der Mann löst um 22:30 Uhr die Babysitterin aus; ich bleibe noch länger. Ich mache die Runde und höre viele Geschichten von alten Freunden. Sehr lustig ist es, eine Clique Jungs wieder zu treffen, die 16-jährig einmal bei mir (damals 21-jährig) in Berlin in meiner ersten Wohnung in der Eberswalder Straße geschlafen haben und die sich einig sind, dieses Wochenende sei dafür verantwortlich, dass sie jetzt alle in Berlin wohnen.

Auch Karaoke wird gesungen. Diese Frau singt spitzenmäßig:

Bis ich zu Hause im Bett liege, ist es fast drei Uhr nachts. Auweia.

Sonntag, der 4. November 2018

„Mama! Mamaaaaa!“ Es ist acht Uhr und ich werde von der kleinen Tochter dringend gebraucht. Seufz. Ich stehe auf und koche mir extrastarken Schwarztee. Denn Vorlesen ist angesagt, danach gemeinsames Baden. Ich genieße es, mit den Kindern auf dem Sofa zu kuscheln und im Wasser zu räkeln. Obwohl ich noch sehr, SEHR müde bin.

Während die Kinder spielen, vervollständige ich noch den Blogartikel über ein Scherenschnittbild, der heute online gehen soll.

Ich bin froh, dass die Kinder rauswollen. Sie streifen mit ihren Puppen durchs Wohnareal und bauen dann im Sandkasten vor dem Haus irgendwas für ihre Elfen. Den Superbagger hat der Nachbarjunge hier stehen lassen.

Ich muss gestehen, es ist mir heute recht egal, was die Kinder spielen. Ich bin nur froh, dass ich in Ruhe ein leckeres Mittagessen kochen darf: Gnocchi aus einem herrlich süßen Butternut-Kürbis, die wir dann mit Butter und Thymian aus dem Garten anbraten.

So schön herbstlich leuchtet es vor unserem Berliner Häuschen (das Haus im Hintergrund ist nicht unser Haus 🙂 )

Nach dem Mittagessen hatte ich eigentlich fest eine Siesta eingeplant. Aber ich habe gestern einer Nachbarin versprochen, ihr mit ihrer Website und Fotos auszuhelfen. So durchstöbern wir gemeinsam meine Fotos, und ich gebe ihr einen WordPress-Crashkurs.

Und direkt im Anschluss kommt unsere Freundin mit meinem Patenkind vorbei, um zu quatschen und wieder ein bisschen „Anne with an E“ zu gucken. Die Kinder sind seit mittags bei einem Nachbarskind, wo sie, wie ich abends erfahre, Filme geguckt und Süßigkeiten gegessen haben. Super. Ehrlich gesagt hätte ich genau das gern heute auch mal getan. Ich bin ja sehr gern aktiv und habe immer tausend Sachen im Kopf, was ich alles machen könnte. Aber heute hätte ich echt gern mal im Bett gelegen, Leckereien gegessen und den ganzen Tag gebingewatcht (neudeutsch ist manchmal sehr komisch). Als aller Besuch weg ist, die Kinder gesättigt und zähnegeputzt sind, überlege ich, ob ich diesen Post heute mal sein lasse und mit den Kindern ins Bett gehe. Aber dann siegt meine große Freude am Schreiben dieser Beiträge und außerdem das Wissen, dass ich ganz sicher um drei, vier Uhr aufwachen werde, wenn ich mich jetzt schon schlafen lege. Deswegen ist es besser, ich halte noch ein, zwei Stunden aus und schlafe dann selig bis zum Morgen und bin wieder im Rhythmus.

OK, done.

Morgen fängt nach den Herbstferien die Schule wieder an. Die Laternen- und Bastelzeit steht vor der Tür. Ich habe schöne Puppenprojekte vor, und ich freue mich sehr auf meine regelmäßigen Freuden wie das Singen mit meiner kleinen Singgruppe am Mittwoch Morgen und überhaupt auf unseren Alltagsrhythmus. Alltag und Arbeit bedeuten für mich Zeit für mich selbst, denn wenn die Kinder in Schule und Kindergarten sind, kann ich ganz autonom und in Ruhe arbeiten. Ich arbeite ja wahnsinnig gern, weil ich meine liebsten Tätigkeiten zu meinem Beruf gemacht habe. Das ist überhaupt nicht vom Himmel gefallen, sondern war ein langer, manchmal gar nicht leichter Weg. Er bedeutete auch Verzicht. Aber Leben heißt immer, Entscheidungen zu treffen und Prioritäten zu setzen. Und wenn man das eine hat oder bekommt, verzichtet man automatisch auf anderes. Alles kann man nicht haben. Ich setze meine Prioritäten aber mittlerweile bewusst und in Einklang mit meinen Bedürfnissen sowie mit persönlichen und gesellschaftlichen Werten. Das bedeutet es für mich, ein selbstbestimmtes, glückliches, verantwortungsbewusstes Leben zu führen. OK, amen, ich gehe ins Bett. Gute Nacht und warme Gedanken an alle, die auch mir liebe Gedanken und Wohlwollen schenken. Ich weiß, es gibt einige Menschen, die meine Wocheneden in Bildern lesen und sich darüber freuen und mitfreuen. Euch gilt heute mein letzter schreibender Gedanke! <3

Mehr Wochenenden in Bildern von anderen Familien findet Ihr hier, bei Susanne Mierau von dem besten aller Familienblogs Geborgen Wachsen.

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